Montag, 20. August 2012

Von denen lernen, die es können

1. Beispiel:
Sicherlich, es ist nicht alles Gold was glänzt, aber es glimmert wenigstens. Merkel und Konsorten schauen nach Brasilien, in die dort prosperierende Wirtschaft.

Was hat Brasilien gemacht? Erst einmal hat es viel Geld in die Hand genommen. Es hat Sozialsysteme geschaffen, armen Menschen auch unentgeldlich kleine Wohnungen zur Verfügung gestellt, die ihnen gehören. Die Wohnungen sind nicht groß, aber immer noch besser als eine Armenhütte.

Man hat in Brasilien eine untere Mittelschicht geschaffen, ganz bewusst und nicht durch Schönreden am Sonntag, sondern durch materielle Grundlagen. Anders geht das auch nicht! Man hat dort erkannt, dass nur Menschen Produkte kaufen und zwar solche, die auch die Mittel dafür haben. Jetzt können sich viele Brasilianer das erste Mal im Leben einen Kühlschrank kaufen. Das freut die Kühlschrankindustrie.

Sicherlich. Es ist nicht alles Gold was glänzt. Es gibt immer noch viel Armut in Brasilien.

Nur: Was macht Deutschland? Deutschland geht den umgekehrten Weg. Es verarmt seine Bevölkerung und lügt dann noch, weil es nicht wahrhaben will, dass der Binnenmarkt faktisch so gut wie tot ist. Nur Menschen kaufen Produkte - das ist das Wesen des Kapitalismus. Merkel hat das zwar mal gelernt, aber ganz schnell wieder vergessen. Wir berauschen uns an Exportzahlen. Was bringt es? Ein paar ganz oben bringt es schnelle Rendite und hohe Rendite, sonst nichts. Ein paar Arbeitnehmer haben auch noch etwas davon, aber immer wenigere. Deutschland schafft seine untere Mittelschicht ab und nicht nur die, auch die etwas über der unteren Mittelschicht sind, dürfen sich nicht darin Wiegen, dort zu sein auf immer und ewiglich. Es geht auch denen an den Kragen.

2. Beispiel: Portland
Auch dort in dieser Stadt ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch dort gibt es immer mehr Arme. Was ich aber herausstellen will, ist das gestiegene Umweltbewusstsein. Es werden Fahrräder recyclet und aufgearbeitet und nicht nur, weil neue für Arme zu teuer sind, auch der Umwelt zuliebe. Computer werden ebenso recyclet und aufgearbeitet. Wie gesagt, es ist nicht alles Gold was glänzt. Ein großes Plus dieser Stadt ist der kostenlose öffentliche Nahverkehr, der Umwelt zuliebe.

Nur: Was macht man in Deutschland? Die Zuschüsse für den ÖPNV werden gekürzt. Die Fahrkarten immer teurer. Arme Menschen können sich fast keine Straßenbahnfahrkarte mehr leisten. Auch die Sozialfahrkarten sind teuerer geworden - über dem Minimum, was in H4 eingerechnet ist. In Leipzig kostet der Fahrschein ab der 5. Haltestelle 2,30 EUR. Da muss man sich schon überlegen, ob und wann man mit der Straßenbahn fahren will oder kann. Die Menschen werden dabei auch nicht dazu animiert auf die Straßenbahn umzusteigen. Wieso auch. Die festen Kosten des Autos bleiben, auch wenn es auf dem Parkplatz vor dem Haus steht und dazu kommen noch horrende Preise im ÖPNV. Da fahre ich doch gleich mit dem Auto, denken sich dann viele. Das ist dann eine Spirale nach unten. Höhere Fahrpreise - weniger Fahrgäste - weniger Einnahmen - höhere Preise usw usf. Wird es mal ein Umdenken geben? Ich denke eher nicht, da das Einzige, was den Deutschen einfällt, das Sparen ist, und zwar sparen an den Ecken, wo das Sparen ungebracht ist.

Man sollte mal von anderen lernen. Aber das wird nicht gehen. Da wir ja die Mutter und der Vater aller Weisheiten dieser Welt sind.