Freitag, 31. August 2012

Wir freuen uns wie Bolle

Hurra, wir haben einen Investor für Q-Cells. Hurra? Die Medien freuen sich, die Firma wäre gerettet. Die Südkoreaner sind in das Unternehmen eingestiegen.

Das ist wirklich ein einfältiges Hurra. 

Warum sollten die Südkoreaner sich für eine Kleinstadt in Ostdeutschland interessieren und für deren Arbeitsplatzprobleme? Die Südkoreaner kannten sicherlich diesen Ort vorher überhaupt nicht.

Und wir schreien Hurra und freuen uns wie Bolle, dass das Solarunternehmen einen neuen Investor gefunden hat. 

Sind die Medien so doof oder tun sie nur so? Vielleicht haben sie aber auch gar nicht nachgedacht?

Was macht ein koreanisches Unternehmen mit einem Unternehmen der Solarindustrie? Zuerst einmal ist Südkorea dankbar, dass sie ein Unternehmen mit allen Blaupausen, mit allen Patenten (die es doch sicherlich gibt?) zum Schnäppchenpreis erhält. Innerlich wird sie den Kopf über unser Land schütteln, was die heimische Industrie in den Bankrott treibt, weil es sie nicht mehr fördern will. Aber dem einen Leid, ist dem anderen Freud.

So liefert Deutschland frei Haus die ganze Technologie nach Südkorea. Damit kann Südkorea die deutsche ingenieurtechnische Leistung übernehmen. Korea wird eine Schamfrist einlegen und dann loslegen. Es hat alle Unterlagen und kann somit ein Gegenpotenzial zur chinesischen Solarindustrie, die auch durch uns aufgebaut wurde, herstellen. Natürlich wird dann in Korea produziert oder gar in Nordkorea als verlängerte Werkbank der Südkoreaner, oder wo auch immer. Vielleicht werden noch ein paar spärliche Reste in der ostdeutschen Provinz verbleiben. Vielleicht.

Und Deutschland kann sich auf die Schulter klopfen, sich wie Bolle freuen, weil es wieder mal ein technologisches Zukunftsprojekt verschleudert hat. Ein Baustein mehr zu Deindustrialisierung, vor klatschender und freudig erregter Menge.