Samstag, 1. September 2012

Der Wirtschaftskrieg

Heute ist Weltfriedenstag in Deutschland. Stopp! Nein! Wir haben ihn umetikettiert zum "Antikriegstag". So ist es einfacher. So muss man nicht weiter in der Tiefe forschen, was den Frieden in der Welt stört. Man stellt sich "nur" gegen den Krieg z.B. in Afghanistan oder auch gegen Waffenexporte. Das ist sicherlich wichtig, aber nur ein Aspekt des Friedens, zwar ein nicht unwichtiger, vor allem einer, der ins Auge springt. Sehen wir den Frieden nur als Abwesenheit des Krieges, dann müssen wir uns keine Gedanken um den Hunger, die Umweltzerstörung usw. usf. machen. Früher teilte man die Welt mit der Waffe auf, heute schafft es meist Geld, viel Geld.
Spinoza sagte: Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg. Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine Neigung zu Güte, Vertrauen, Gerechtigkeit.

Der Frieden wird gestört durch Gewalt, Not, Unfreiheit. Also "Weltfriedenstag" heißt sehr viel mehr als nur Antikriegstag. 

Wenn man einen WELTFRIEDENSTAG begeht, sollte man nicht nur an Afghanistan, an den Irak, an Syrien, an Afrika im allgemeinen denken, nicht nur an die dick gefüllten Brieftaschen der Kriegsgewinnler, Waffenhändler oder Waffenhersteller. Man sollte nicht nur an die CIA denken, die viele Kriege ausgelöst hat.

WELTFRIEDENSTAG ist sehr viel mehr. Wir sollten nicht vergessen, dass in unserem Land Krieg gegen Langzeitarbeitslose, Muslime und andere Menschen geführt wird. Es ist kein Krieg, in dem Waffen gezückt, sondern Haushalte zusammengestrichen und Unwahrheiten über bestimmte Menschengruppen verbreitet werden. Es ist ein Krieg gegen die Bevölkerung, die nicht zu den 1% Reichen gehört, die auf die Wohlfahrt des Staates angewiesen ist. 

Es ist ein Krieg gegen die Gelder von Otto Normalo, die er in die gesetzlichen Versicherungen eingezahlt hat und wo er nun enteignet wird. 

Es ist ein Krieg gegen den steuerzahlenden Otto Normalo, dem seine Steuergelder veruntreut werden, gesteckt in Projekte, die Protz sind und niemanden etwas nützen außer der durch die Mafia bezahlten Regierung sowie der Mafia selbst. 

Otto Normalo muss feststellen, dass seine Steuergelder ihn nicht zugute kommen, dass Straßen Holperstrecken sind, dass die Betriebe der Daseinsvorsorge mit seinem Geld spekuliert haben, es verloren und nun wiederum von ihm zurückholen wollen. Er muss feststellen, dass sein Schwimmbad, seine Bibliothek, die Schule seiner Kinder verkommen, weil das Geld in die Taschen der 1-%-Schicht gewandert ist - ohne Gegenleistung.

Es ist ein Krieg gegen den kleinen Mann/Frau in ganz Europa. Dass der geführt werden kann, stellen Medien wie BILD sicher, die Menschen wie du und ich mobben, nur weil sie z.B. in Griechenland leben oder in Spanien. Trotzdem ist es auch ein Krieg gegen den kleinen Mann/Frau in Deutschland. Er/sie ist der Nächste, nur lullt man ihn ein mit dem Märchen der faulen Langzeitarbeitslosen, der faulen Südländer usw. usf. 

Kürzlich habe ich von einem - wie soll ich ihn bezeichnen - Babyliedersänger gehört, dass derjenige, der nicht genug verdient, nur faul wäre. Dieser Krieg gegen uns hat also Früchte getragen. Wir wenden uns gegeneinander, statt uns gegen die 1% zu wenden. 

Wir lassen es zu, dass im ÖR schon zweimal in dieser Woche von Adelshäusern in Deutschland berichtet wird. Und ich höre schon Lieschen Müller seufzen und bedauern, dass wir keinen König haben. 

So beschäftigt man uns. So spielt man Sandmännchen und streut uns Sand in die Augen, damit wir das Leid unserer wirklichen Nachbarn nicht mehr sehen können, unserer Nachbarn in unserem Haus, in unserer Straße, deren Monat für ihr Einkommen immer zu lang ist. Man beschäftigt uns mit solchen blaublütigen Pseudos, damit wir nicht merken, wie uns das letzte Hemd genommen wird. 

Mir kamen diese Gedanken, als ich von Egon W. Kreutzer meine Mail erhielt. Dieses Mal machte er auf eine Sendung von WDR5 aufmerksam, die zur Krise spricht, wirklich mal offen und ehrlich. 

Darin heißt es u.a.:

"Spekulationsattacken auf ganze Volkswirtschaften, Finanzagenturen, die Regierungen in die Knie zwingen, und die feste Behauptung, es gäbe keine Alternative: Europa befindet sich im Wirtschaftskrieg. Wie entstand dieses unumstößlich scheinende System?"

LINK DAZU

Heute ist Weltfriedenstag und nicht nur Antikriegstag. Denken wir nicht nur an Kriege mit Waffengewalt. Denken wir auch an die leisen, monitären Kriege gegen alle Menschen dieser Welt, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden sind, die mit ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen!

Und denken wir noch weiter. Im Namen des Profites wird überall auf der Welt auch ein Krieg gegen unsere Umwelt geführt. Wir lassen uns Dinge aufdrängen, die wir i.d.R. meist nicht brauchen, die aber durch den Abbau der Rohstoffe zu deren Herstellung zur Vertreibung, oft gar Tötung der dort lebenden Menschen, zur Versteppung und zur Unfruchtbarkeit des Bodens führen. Wer denkt darüber nach, dass Menschen wegen eines Smartphones sterben müssen? Wer greift sich nicht an den Kopf, wenn er darüber nachdenkt, wie verrückt man sein muss, Seltene Erden als Grundstoff zu nutzen, die Seltene Erden sind, also nicht leicht verfügbar in abbaufähigem Zustand. Endstation - Verwüstung. Und nur, damit wir auf einem kleinen Ding Fernsehen können, das Internet überall dabei haben können, als ob das notwendig wäre und irgendwelche Spiele in der Straßenbahn spielen können. Ist ja auch furchtbar wichtig. Der Preis dafür ist aber zu hoch, viel zu hoch.

Unsere Urenkel werden uns vielleicht irgendwann einmal fragen: Wie konntet ihr das zulassen.

Denken wir einfach mal weiter und nennen die Dinge beim Namen, die den Weltfrieden stören:

Gewalt, Not, Unfreiheit in allen Schattierungen!