Samstag, 1. September 2012

Deutschland ist Meschugge im Kopf

Wir haben wirklich keine Sorgen oder wie man so schön sagt: Wer keine Sorgen hat, macht sich welche.

Jetzt sollen sogar die Löcher für Ohrringe bei Kindern Körperverletzung sein. Ich fasse es nicht. 

Rückblende:
Ich - ein kleines Mädchen - werde von meinen Eltern, ach was von meiner Mutter, bleibend verletzt. Ohrlöcher werden in meinen tollen Ohrläppchen einfach so reingestochen. Das ist zwar weiter nichts Schlimmes, dachte ich immer, aber ... ohje.

Heute: 
Nun stelle ich fest, dass ich eine wirklich schlimme Mutter hatte. Eine, die rücksichtlos hat in meine Ohren stechen lassen. Und ich dachte immer, ich hatte eine liebevolle Mutter. Endlich klärt mich jemand auf, dass es nicht so gewesen war. Meine körperliche Unversehrtheit ist in Mitleidenschaft gezogen worden, nur weil es die Mode so wollte. Na bin ich aber froh, dass ich das überlebt habe, so wie ich Radfahren ohne Helm und spielen ohne Aufsicht, Ablecken von Braunkohle, Essen von kohlegeschwärztem wilden Rharbarber und vieles mehr auch überlebt habe. Ein Wunder, dass ich überhaupt noch ins Rentenalter gekommen bin und mit so gesunden Blutwerten. Und die Löcher zieren heute immer noch meine Ohren. Was heißt zieren - verschandeln meine Ohren. Zwischenzeitlich hatte ich sie mir vor Jahren selbst wieder durchgestochen, weil die Löcher ein bisschen zugewachsen waren. Jetzt sind sie wieder zu, zumindest innerlich. Einmal gelöchert, immer verschandelt. Mist nur, dass ich keinen Schmerzensgeldprozess mehr gegen meine Mutter führen kann. Leider geht das nicht mehr.

Ach in welch paradiesischer Welt lebe ich. Wenn das unsere ganzen Sorgen in Deutschland sind ... Wenn wir uns wegen solcher Lappalien aufregen können ... Wir sind wahrhaft ein glückliches Volk!

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Gefunden in der Süddeutschen Zeitung, kopfschüttelnd gelesen und unwillkürlich an den Vogel gegriffen, bei dieser höchstwichtigen Meldung.