Samstag, 15. September 2012

Ich verstehe sie nicht

Ein doofes Filmchen und die arabische Welt läuft Amok. Statt uns den Stinkefinger zu zeigen, rennt ein Mob mordend und brennend von einer westlichen Botschaft zur anderen. Ich weiß nicht, was man den Menschen erzählt hat, wie man sie aufgestachelt hat.

Ja, es ist schlimm, dass eine Merkel den Zeichner der Mohammed-Karikaturen für mutig erklärt hat. Dieses Geschmiere ist unsäglich und hat in einem westlichen Land nichts mit Mut zu tun. Für Mist muss man nicht noch mit einem Preis bedacht werden. Dass er veröffentlicht werden kann, ist richtig. Wir leben in Ländern mit relativer Meinungsfreiheit. 

Es ist auch falsch, Fundamentalisten zu unterstützen, weil es dem Westen gerade mal in den Kram passt und weil es scheint, dass deren Interessen mit unseren harmonieren. Fundamentalisten leben nur für ihre eigene Idee und benutzen andere als nützliche Idioten. Man kann Fundamentalisten nicht steuern und sich nicht bei ihnen Liebkind machen. Das geht nicht.

Man macht sich Feinde, wenn man von Menschenrechten spricht, aber gegen Menschenrechte verstößt, Menschenrechte nationalisiert - für die einen gelten sie, für die anderen eben nicht. Menschenrechte sind unteilbar, ob es uns nun gefällt oder nicht. 

Man macht sich Feinde, wenn man von Außen in Entwicklungen von Staaten eingreift, die völlig anderen Werten verpflichtet sind als wir. Wenn man einen westlichen Abklatsch der parlamentarischen Demokratie anderen Ländern oktroyieren will. Eine Demokratie, die auch bei uns nicht mehr funktioniert. Ob sie je funktionierte, kann ich als Annektierte nicht beurteilen.

Dieses Morden und Brennen zeigt mir persönlich aber auch etwas ganz anderes: 

Es ist schlimm, wenn Staat und Religion verwoben sind, wenn Religion staatliches Handeln übernimmt und zum Nonplusultra wird. Staaten können nicht mit heiligen Büchern geführt werden.

Daran krankt im Prinzip ein Großteil der arabischen Welt. Sie hat eine weitgehend ungebildete Bevölkerung, die mit Meinungsfreiheit nicht viel anfangen kann. Sie hängt in ihrem Glauben fest und macht ihn zum Maßstab ihres Handelns ohne dass sie auf die Idee käme, dass andere die Dinge völlig anders sehen.

Stellen wir uns einen Augenblick vor, dass der Macher dieses doofen Filmchens an die Macht käme. Regierungschef wäre. Ein christlicher Fundamentalist als Regierungschef. Einer, der die Bibel als Gesetz anwenden würde und zwar nur in seiner eigenen Auslegung. Was würde in einem westlichen Land mit den Andersgläubigen und Nichtgläubigen geschehen? Und ein Nichtgläubiger wäre dann vielleicht schon ein Protestant.

Wir hatten das schon einmal im Mittelalter. Damals brannten die Scheiterhaufen. Diese Zeit ist vorbei und wir müssen alles dafür tun, dass diese Zeit, in welcher Form auch immer, nicht mehr zu uns zurückkehrt.

Irgendwie ist die arabische Welt immer dauerbeleidigt. Es tut mir leid, aber so empfinde ich es. Dabei hat die arabische Welt soviel zu bieten. Ohne sie wäre die Renaissance in Europa nicht denkbar gewesen. Ohne sie wären wissenschaftliche Forschungen nicht soweit gediehen, wie sie jetzt sind. Ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen. Der Westen hat dem Orient sehr viel zu verdanken.

Verdammt nochmal! Warum erinnert sich die arabische Welt nicht daran und zeigt uns den Stinkefinger. Zeigt uns doch endlich, dass ihr eine andere Welt aufbauen könnte, ohne immer mit dem Buhfinger auf den Westen zu zeigen. Der Westen ist sterbend, man muss nicht auf ihn schielen, man muss Alternativen aufbauen, in der diese unsäglichen Religionsstreitigkeiten Geschichte sind. Religion ist etwas sehr Privates und hat in Regierungsgeschäften nichts zu suchen. Früher wussten dass die Muslime. Warum haben sie das vergessen? Wo ist ihre Toleranz gegenüber anderen hin? 

Ein Idiot reicht aus, um Menschen in arabischen Länder aufzuhetzen. Das ist genau das, was der Idiot wollte. Warum hüpft ihr auf dieses Leckerli? Ich verstehe das nicht.