Donnerstag, 6. September 2012

Deutsche Storys

In vielen Verlautbarungen stilisiert sich Deutschland immer wieder als Zahlmeister Europas hoch. Das hat es schon immer gemacht - ist nichts Neues. Als ich noch "Westfernsehen" sah, erinnere ich mich daran, dass sich Deutschland immer als "Zu-kurz-gekommenes" und als Zahlmeister bezeichnet hat. Hintenherum hat es an Europa verdient, verdient ohne Ende und die Westdeutschen haben nicht daran gedacht, dass sie ihren Wohlstand auch Europa zu verdanken hatten.

Für das dumme Volk muss natürlich die Story des Zahlmeisters hoch gehalten werden. Sie ist zwar ohne Sinn und Verstand, aber sie erfüllt ihren Zweck, weil die Meisten diese Story nicht hinterfragen. 

Wir kennen in Deutschland viele solcher Storys: 

die mit der Demographie, die dran schuld ist, dass wir alle den Gürtel engern schnallen müssen und dass die Alten auf Kosten der Jungen leben;

die, die uns suggerieren will, dass wir über unsere Verhältnisse gelebt hätten;

die, die uns erzählen will, dass Privat alles besser kann als Staat;

die, die uns sagt, dass der Markt alles richtete, wenn man ihn denn ließe,

die, die uns weismachen will, dass hier und heute es im Lande sozialistische Tendenzen gäbe;

die, die uns vorlügt, dass die Südländer nur zu faul zum arbeiten seien und sie deshalb in der Bredouille wären;

die, die meint, dass wer arbeiten wolle, auch Arbeit bekäme;

die, die uns verklickern will das "alles sozial ist, was Arbeit schafft" und die Antwort darauf vorproduziert: Hauptsache Arbeit;

die, die uns erzählen, dass Rentner mit Freuden weiterarbeiten aus Lust am Werbung austragen z.B.

die, die uns verscheißern will, weil sie uns sagt, dass wir in Deutschland ein Jobwunder hätten und dass der Binnemarkt robust zum Wirtschaftwachstum beitrage;

und so weiter und so fort.

Die Meisten sind gläubig, weil es die Medien uns erzählen, weil es uns Mutti erzählt, die ja nur Gutes für uns will, und weil wir es glauben wollen, damit wir jemanden haben, auf den wir unseren Abscheu und unseren Frust projezieren können.

Die Berliner Zeitung hat dankenswerter Weise einen Artikel geschrieben über eine der Lügen mit der wir fast täglich konfrontiert werden:

Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen. Es geht um „Lügen“, „Sorgen“ und der teuren „Rettung“. Dahinter verbergen sich knallharte Interessen.

Ich rechne das der Berliner Zeitung hoch an. Kritische Artikel zum Griechenmobbing gibt es nicht so oft.