Montag, 24. September 2012

Kugelrunde Augen und Kindergesicht

Ach, die Eurokrise meldet sich wieder? Ach nee, das hätte ich nun wirklich nicht gedacht. 

Genau in den 20 Minuten Morgenmagazin, die ich bei einer Weißbrotschnitte mit Pflaumenmus und starken schwarzen Tee sah, musste ich das hören und zwar vom Börsenmenschen. Er war gerade präsent, als ich zufälligerweise eingeschaltet hatte.

Da frage ich mich schon, wie verblendet ein Moderator im ARD-Morgenmagazin sein darf, um an der Börse für das MoMa zu moderieren. War die Eurokrise denn überhaupt einmal weg? Vielleicht nur kurz? Oder auch für länger?

Und - die wichtigste Frage - wieso sollte die Eurokrise überhaupt enden? Es hat sich doch nichts geändert. Was hat man denn nur gemacht? Geld denen in den Rachen geworfen, die anscheinend systemrelevant sein sollen. 

Nein, nein, der Mensch, der ist entbehrlich, der ist nicht systemrelevant - aber die Banken. Die Zocker haben frisches Geld erhalten und das war's. Also, warum in aller Welt sollte die Eurokrise nur für eine Sekunde lang beendet gewesen sein?

Die Banken sind nicht in ihre Schranken verwiesen worden. Man hat sie nicht zerschlagen. Sie zelebrieren ihre hoch riskanten sogenannten Finanz"produkte" immer noch. Die werden auch nicht versteuert, so dass es sich nicht mehr lohnen würde, mit ihnen zu zocken.

Die Spekulanten haben immer noch Zugriff auf Lebensmittel, Wasser, auf unsere Lebensgrundlagen.

Alles beim Alten nur mit neuem Geld.

Sicherlich, das Geld ist virtuell, gar nicht vorhanden. Man spekuliert mit nicht vorhandenem Geld. Aber hat schon mal jemand dran gedacht, dass vielleicht einmal dieses Geld als realer Wert da sein muss? Hoffen wir, dass wir diesen Moment nicht erleben. Sicher ist das nicht. Und wenn, wird Blut fließen.

Ohja, eines hat man verändert. Das ist ja DER großer Verdienst der bankenhörigen Schmutzeliten in Europa und der Welt. Man sägt sich langsam und sicher den Ast ab, auf dessen Baum man sitzt, indem man den nichtbesitzenden Menschen als nicht systemrelevant verurteilt hat.

Indem man das gemacht hat, treibt man Europa in den Abgrund. Ford wusste noch, dass Autos keine Autos kaufen. Heutzutage wissen das die Schmutzeliten nicht mehr. Heutzutage denken sie das Bankkonten Bankkonten kaufen. Oder wie oder was? Dort wo produziert wird, die eigentlichen Werte entstehen, die aber auch realisiert werden müssen, dort enstehen immer größere schwarze Löcher, die alles in sich hineinsaugen: die Städte, die Dörfer, ganze Landstriche, ganze Länder. Irgendwann werden auch die Reichenghettos hineingezogen, irgendwann zuletzt.

Gut, schwarze Löcher lassen wahrscheinlich nichts zurück, sind also ein schlechter Vergleich. In Europa bleibt etwas zurück: arme Menschen, hungrige Menschen, gebrochene Menschen, diffamierte Menschen, ihrer Würde beraubte Menschen und Trümmer, Trümmer einer einstigen demokratischen Zivilgesellschaft und vielleicht der Beginn des 4. Reiches oder gar Krieg.

Wir halten still und schauen zu, wie man unsere Lebensgrundlagen entsorgt. Ist das nicht Lady Gaga?