Montag, 10. September 2012

Panoptikum deutsche Parteien

Sie ist diejenige, die hartnäckig gegen Altersarmut kämpft. Nicht mal die eigene Partei - die CDU - will das. Sie sitzt verlassen da, aber sie ist eine Kämpferin für das Gute. So werden Legenden geboren. Leider sind Legenden meist nicht wahr.

Die SPD will jetzt mit Legende werden. Ja, "mit", nichts Eigenständiges, einfach nur Mittun, und sich bewerben für den Juniorposten in der nächsten Regierung.

Mir zeigt das nur, dass weder von der Leyen noch ein gewisser Herr Gabriel wissen oder wissen wollen, wie das wirkliche Leben aussieht.

Ein Herr Gabriel will die Betriebsrenten ausbauen. Wenn es nicht so lächerlich wäre, müsste man in einen Tränenfluss zerfließen. 

Betriebsrenten. Tja, mein lieber Herr Gabriel. Betriebsrenten! Wissen Sie überhaupt, was das ist?

Wie will man Betriebsrenten aufbauen, wenn die Mehrzahl der Stellen, die man bekommen kann, Arbeitsgelegenheiten sind, befristet nur. Wie soll jemand eine Betriebsrente als Leiharbeiter aufbauen können - heute hier, morgen dort. Wie will das jemand, der als Praktikant von einer unbezahlten Tätigkeit in die nächste unbezahlte oder taschengeldmäßige Arbeitsgelegenheit wechselt?

Und: Was soll aus Betriebsrenten werden, wenn die Betriebe insolvent werden? Was wird aus den eingezahlten Beträgen, wenn man kurz vor dem Auszahlungstermin aus dem Unternehmen rausgeschmissen wird? Personalabbau oder so, oder zu alt oder was weiß ich nicht alles.  Ich habe mal in einem Unternehmen gearbeitet, das Beiträge in eine Rentenkasse eingezahlt hat. Als mir gekündigt wurde, war auch das Geld weg. Das Gesetz sah vor, dass die Beiträge hintereinanderweg eine bestimmte Zeit lang eingezahlt werden müssen. Wenn man diese Zeit nicht erreicht, hat man keinen Anspruch auf die eingezahlten Beiträge. Ob das Gesetz geändert wurde? Oder geändert werden soll? Ich denke nicht.

Wie soll ein Niedriglöhner, der ein paar Stunden arbeitet - vergessen wir nicht, alles ab der 21. Wochenstunde ist nach der verqueren, statistikschönenden Lesart Deutschlands vollzeitbeschäftigt - , sich von einem befristeten Arbeitsvertrag zum nächsten hangelt eine Betriebsrente aufbauen können, falls das Unternehmen die überhaupt anbietet oder ihn anbieten würde.

Wo gibt es denn noch den unbefristeten, qualifizierten, gut bezahlten Arbeitsplatz in Deutschland. Diejenigen, die sich glücklich schätzen können, noch einen solchen zu besitzen, sind die Ausnahmen und werden immer seltener.

Dann kommt die SPD wieder mit den doofen Arbeitnehmern, die selbst dran schuld sind, weil sie schlecht ausgebildet wären oder gar nicht richtig qualifiziert. Nur deshalb würden diese im Niedriglohnsektor arbeiten müssen. Eine Lüge ist eine Lüge ist eine Lüge! Sie wird nicht wahr, auch wenn man sie andauernd wiederholt. Es gibt viele qualifizierte Menschen, die in Niedriglohnjobs oder Praktikas gedrängt werden. Vergesse man auch nicht, dass dieses Land einen seine Qualifikation einfach so aberkennt, wenn man etwas länger arbeitslos ist. Dann ist man für die Jobcenter ein unqualifizierter Niemand, der froh sein darf, dass er in eine Arbeitsgelegenheit gepresst werden kann.

Sicher ist es richtig, dass die SPD den Ausbau der Schulen fordert, aber dann darf sie auch nicht für Schuldenbremsen in den Haushalten die Hand heben. Denn an dieser Stelle wird immer gespart. 

Nicht zu vergessen: Tolle Schulen sind nicht ein Allheilmittel gegen Niedriglöhne und befristete Tätigkeiten und Ausweitung von Leiharbeit. Eine tolle Schule wird dadurch noch trauriger, wie es schon die heutigen sind. Tolle Schule - prima Ausbildung - keine Perspektive - außer Leiharbeit. Die SPD verweist immer auf die Bildung, die stimmen müsste. Nur die allein macht noch keinen Sommer in Deutschland und hilft nicht gegen Altersarmut. 

Altersarmut ist auch nur so ein Schlagwort. Wer stellt die Jugendarmut heraus? Die Perspektivlosigkeit der Jugend? Es kommt doch nicht von ungefähr, dass viele Jugendliche keinen Bock auf irgend etwas haben. Sie sehen ihre Eltern, ihre Hauptsache-Arbeit-Eltern, und wissen, dass sie nicht so leben wollen. Arme Jugendliche - bettelarme Alte. Das ist noch die Steigerung zur heutigen Altersarmut. 

Und was macht Deutschland? Es interessiert niemanden hier. Man richtet seine Aufmerksamkeit seitens der Parteien nur auf den kleinen Teil von Menschen, die noch unentbehrlich für den Arbeitsprozess sind und deshalb in wirklicher Vollzeit beschäftigt werden und dazu noch das Glück haben in so einem Unternehmen zu arbeiten, welches noch erlaubt, dass man über -zig Jahre dort sein darf. Noch!


Nachtrag: Heute las ich, dass Sigmar Gabriel nicht davon ablassen will, dass der Rentensatz auf 43% des letzten Einkommens fallen soll. Frage: Wo bitteschön ist sozial drinnen, wo es draußen drauf steht?