Mittwoch, 5. September 2012

Weniger als Kolonie

Wer später kommt, hat schlechte Karten. Ich sage nicht: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, weil das ungerecht wäre.

Schaue wir nach Griechenland. Griechenland ist sehr agrarisch strukturiert. Man nähme den Griechen die Landwirtschaft weg - und was dann?

Es ist so geschehen. EU-Protektionismus für die nördlicheren Regionen. In Griechenland wurde die Zuckerwirtschaft gegen Null gefahren. Die Weinbauern haben Dank EU auch einen Großteil ihrer Weinberge abgeschafft/abschaffen müssen. Die Fischer fahren nicht mehr hinaus, sollen sich abwracken. Fisch kommt aus Afrika. Deckmäntelchen: Schutz der Fischbestände. Dabei überfischen Küstenfischer in der Regel keine Regionen. Die Überfischung leisten Industrieschiffe, die alles, aber auch alles abgrasen und nur toten Meeresboden hinterlassen. Und so geht es Punkt für Punkt weiter.

Sicherlich, man hat den griechischen Bauern Geld geboten und die haben es angenommen. Nur wage ich nicht, ihnen deshalb einen Vorwurf zu machen. Ich kenne die Situation der Bauern nicht. Sie haben sicherlich gehofft, Absatzmärkte in Europa zu finden und bekamen nichts - nur Abfindungen für die Stilllegung ihrer Äcker. Ich weiß nicht, was ich in der gleichen Situation gemacht hätte und ob sie überhaupt eine Wahl hatten. Ich habe z.B. als Leiharbeiterin mal bei Südzucker in Managementnähe gearbeitet und mir ist der Zuckermarkt dort eingehend erklärt worden. Da war kein Spielraum mehr für Neuzugänge.

Der dazu interviewte EU-Beamte bestätigte, dass einer über die Klinge springen müsse. In der Regel war das Griechenland, was später in die EU kam, wo der Markt schon aufgeteilt war. 

Ich weiß nicht, ob der EU-Beamte so doof ist, so zynisch oder Beides gemeinsam. Er jubilierte, dass der griechische Weinbauer nun dringend benötigte IT-Betriebe aufmachen könne.

Mal ganz davon abgesehen, dass der IT-Markt auch schon aufgeteilt ist: Wie kann ein griechischer Weinbauer, Fischer oder Zuckerrübenbauer erfolgreich ein IT-Unternehmen starten? Das erschließt sich mir nun überhaupt nicht. Ich stelle mir das gerade mal so vor, ich sollte so ein Unternehmen eröffnen müssen. Ä'ähm, na toll ... das arme Unternehmen ...

Wenn man einem vor allem agrarisch strukturiertem Land die Agrarwirtschaft wegnimmt, was soll dann aus diesem Land werden? Es ist ja nicht nur, dass die Landwirtschaft leidet, es hängen schließlich daran noch andere Betriebe, Handwerke, verarbeitende Industrie usw. usf. Die wird auch nachhaltig geschwächt bis zerstört.

Der Norden Europas vernichtet den Süden - mal ganz platt gesprochen. Soll Griechenland das irdische Risa (Urlaubsplanet bei Star Trek) werden? Oder wie?