Samstag, 20. Oktober 2012

Bin ich schon Chinese?

Ich esse chinesisch, ich kleide mich chinesisch und weiß es oft überhaupt nicht.

Christoph Süß in "quer" sagte in seiner letzten Sendung sinngemäß, wenn es stimme, dass man ist, was man isst, wären wir schon längst Chinesen.

Ich kaufe zwar meistens frisches Obst und Gemüse, aber ab und an auch mal Tiefgekühltes. Erdbeeren waren bei mir immer auf der Einkaufsliste. Warum auch nicht. Damals in der DDR haben wir sie uns während der Erdbeerschwemme zur Erntezeit auch eingefrostet. Dass 1/3 der tiefgefrorenen Erdbeeren aus China kommen - wer wusste das schon. Es steht nicht auf der Packung. Muss auch nicht. Tiefkühlerdbeeren sind mittlerweile von meiner Einkaufsliste gestrichen. Chinesische will ich nicht, auch aus ökologischen Gründen, obwohl ich kein Öko bin.

Apfelsaft aus deutschen Landen! Aus deutschen Landen? Eine Irreführung der Verbraucher. Die Äpfel sind aus China. 

Ketschup/Tomatenmark: die Tomaten sind mehrheitlich aus China.

Röstzwiebeln: die sind aus China.

Erdbeeren im Jogurt sind nicht nur aus Sägespäne, sondern die kümmerlichen Reste von Erdbeeren, die man dort ansatzweise noch findet sind aus China.

Lebensmittel für ungefähr 1,4 Milliarden EUR wurden von China nach Deutschland exportiert.

Ich finde, dass das eine Schweinerei ist!

Dabei hilft es nicht, dass ein deutscher Apfelbauer pienzt, dass seine Premiumäpfel nicht für den Apfelsaft genommen werden, weil zu teuer für die Multis. Premiumäpfel wurden noch nie für Apfelsaft genommen. Guten Apfelsaft gewinnt man ausschließlich von Streuobstwiesen, von den nichtindustriellen Apfelbäumen, die es so in Deutschland nicht mehr gibt und natürlich in China ebenso wenig. Diese nichtindustriellen Apfelsorten müssten dann für Apfelsaft auch nicht so unverschämt gesüßt werden, dass man dran kleben bleibt, wie bei den heute angebotenen Sorten, indem minderwertige Zuckeraufbereitungen drinnen sind, die nur dick machen.

Ich finde die Einstellung der Lebensmittelindustrie abartig. Hier in Deutschland - auch in anderen EU-Ländern - japsen Bauern nach Luft, um überleben zu können. Ganze Dörfer hier in unserem Land sind bauernfrei konkurriert worden.

Die Basis für unser Essen ist zu einem großen Teil nach China verlagert worden. 

Was ist das für eine Einstellung, wenn man sein Essen in die Hände eines anderen Kontinents legt, nur um sein Konto besser füllen zu können?

Da wird über CO2 und Klimaänderungen schwadroniert. Uns wird ein schlechtes Gewissen eingeredet, weil wir solche Klimasünder wären, schon wenn wir uns mal erlauben ein Steak zu essen. Dann wird uns von Ökos, die den großen Lebensmittelkonzernen damit in die Hände spielen, vorgerechnet, wieviel CO2 wir damit verschwendeten und das gerade WIR daran schuld seien, wenn das Erdklima kippen täte (täte - eine echt sächsische Redewendung, ohne die kein richtiger Sachse auskommt).

Wir essen den Chinesen alles weg, könnte man auch sagen. In China ist nicht eitel Sonnenschein. Dort gibt es auf den Dörfern vielfach Hunger. Land wird einfach requiriert für ... ? Vielleicht für unseren Ketschup oder für unseren Apfelsaft aus deutschen Landen. Wer weiß das schon so genau. Ich wusste nicht einmal, dass jetzt im großen Stil Weintrauben für den europäischen Markt in China angebaut (sagt man angebaut?) werden. Wir haben aber doch genügend Weinbauern. Wozu benötigen wir den chinesischen Dreck, der mit Pestiziden vollgepumpt ist und für fast nichts sicherlich von Wanderarbeitern geerntet wird?

Das ganze Zeugs wächst ja nicht vor unserer Haustür. Er wird mit Schiffen über den Ozean transportiert. Dafür wird Diesel benötigt und zwar massenhaft. Nun komme mir mal noch jemand mit dem CO2-Quatsch und will mich für alles verantwortlich machen. 

Ich weiß als Verbraucher nicht einmal, woher die verarbeitenden Lebensmittel kommen, die ich ab und an kaufe und verarbeitet heißt schon "eingefroren" oder "versaftet". Eine Kennzeichnungspflicht ist nicht nötig. Hauptsache irgendein letzter Schritt findet in Deutschland oder Europa statt. Und wenn er denn tatsächlich in Deutschland stattfindet, darf sogar noch "Made in Germany" drauf geschrieben werden. Ich möchte nicht wissen, was alles in den so beliebten - weil man meist zu faul ist, selber zu kochen - Fertiggerichten oder Halbfertiggerichten drinnen steckt. Sicherlich irgendwelche Lebensmittel aus irgendwelchen exotischen Ländern unter unsäglichen Bedingungen produziert.

So haben natürlich griechische oder portugiesische, landwirtschaftliche Produkte hier keine Chance. Ich würde mir wünschen, nicht nur Schafskäse, Retsina und Jogurt in den Märkten zu erhalten, obwohl ich mir jetzt nicht mal so ganz sicher bin, ob das wirklich griechische Produkte sind. Ich würde gern griechische Apfelsinen kaufen oder portugiesische Bananen aus Madeira oder Ananas von den Azoren. Diese Früchte sind oft nicht so hübsch anzusehen, kleiner auch, aber ungemein lecker. Ich würde lieber Kräuter aus Griechenland oder anderen Mittelmeerländern kaufen und nicht aus China. Ich würde auch gern Tafelweintrauben aus Griechenland kaufen und nicht nur den geschmacklosen aus Italien oder transporttechnisch gesehen aus Chile, die ich mir schon abgewöhnt habe. Das würde den Mittelmeeranreinern helfen und dem Euro vielleicht auch, wenn man denn ein produzierenden Europa haben wollte und nicht nur eins, was auf Spekulantentum aufgebaut ist, wie es zur Zeit sich darstellt. Wir haben in Europa soviel Potenzial, was verschleudert wird, nur um irgendwo in der Welt sich auf Kosten von anderen Menschen und Land, die Taschen vollzuhauen. Nicht meine Tasche, nicht deine Tasche, sondern die Taschen der Besitzer von allem. 

Wo bleibt eigentlich der Protest der Ökos? Derjenigen, die uns jedes Gramm Fleisch vorrechnen, das wir verzehren? Bleibt er aus, weil es um Pflanzliches geht? Pflanzliches ist gut. Pflanzliches ist toll. Aber Chinesisches? Tausende von Kilometern transportiert? Ich höre nichts von Protesten, dass Tomaten unseres Ketschups zum größtenteil aus China kommen. Wir meckern über holländische Tomaten. Die sind mir aber dann doch lieber als Schiffstranportierte über die Ozeane der Welt. Wo sind diejenigen, die über jedes Mü Pflanzenschutzmittel sich aufregen, Kampagnen starten? In China werden Pflanzenschutzmittel benutzt, die in Europa längst verboten sind. Wo sind die Proteste dieser Ökos? Ist das nicht alles scheinheilig? Oder lassen sich viele dieser Organisationen von Lebensmittelkonzernen sponsern? Ich weiß es nicht, finde es aber sehr eigenartig.

Okay, wir Menschen, die keine Lebensmittel kaufen können, die sündhaft teuer sind oder auf einem Bio-Bauernhof in der Nähe der Wohnstätte, wobei Nähe dann relativ ist, sind eben nur Menschen, keine Hunde, keine Katzen, keine was weiß ich nicht noch für Kuscheltierchen und wir gehören auch keiner gutbürgerlichen Schicht an, zumindest hat man uns das abgesprochen. Wir sind die igittigit-Menschen, um die man sich wohl nicht kümmern muss.

Quo vadis Germany, quo vadis Europe? 

Der Link zur Sendung: quer



Kommentare:

  1. Die Ausagen zu diesem Thema sind mir zu oberflächlich. Da wird als Sammelbegriff CHINA benannt - und vollkommen ausgespart, dass in diesem Land, viel "Investoren" tätig sind, von solchen aus den USA über GB, Frankreich, Deutschland, ... - also die Clique der Manager, die auf der anderen Seite als die Abzocker und Finanzoligarchen bezeichnet werden. Sie sind es die die Produktion nach China verlagert haben und zwar nur, weil dort billigere Arbeitskräfte, schlechtere Kontrollen und Arbeitsbedingungen, weniger Einschränkungen der Sicherheits-Standards, ... zur Anwendung kommen - also doch wieder nur die bösen Chinesen - ODER? Zumindest den Bürgern aus der DDR sollte bekannt sein, dass eine sozialistische Produktion nicht so einfach ist, dass es immer wieder Störfälle gibt - zufällige, einige selbst verursachte und die vielen die der Feind mit voller Absicht hervorgebracht hat. Trotzdem sein Land nach vorn zu bringen, bedeutet oft Kompromisse einzugehen und auf Fragen des Umweltschutzes zu verzichten - um andere volkswirtschaftlich wichtigere Dinge durchzusetzen - auch wenn bekannt ist, dass das ein Fehler ist. Auf der anderen Seite ist es Pflicht eines sozialistischen Landes, alle Menschen mitzunehmen, sowohl die Leistungsstarken, die weniger starken und auch die Schwachen, die Kranken, die Invalieden, ... soll bedeuten, dass die Arbeitsproduktivität einer sozialistischen Produktion nie so hoch sein kann, wie die einer hochentwickelten kapitalistischen Industrie - dafür ist sie aber immer weit menschlicher - ist das nicht auch ein erstrebenswertes Ziel, um dass es sich kämpfen läßt

    Günther Wassenaar
    wassenaar@web.de

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Günther, es ging mir überhaupt nicht um China. Du solltest den Artikel doch wohl besser durchlesen. Es ging mir darum, dass Konzerne die europäische Landwirtschaft kaputt machen, ökologisch völlig unsinnig z.B. eben die berühmt berüchtigten Erdbeeren aus China einführen, wo es doch in Europa auch Erdbeeren gibt, die eingefrostet werden könnten. Und mir ging es wiederum nicht um China, sondern um die Nichtinformation von Verbrauchern, woher die Früchte/Nahrungsmittel kommen. Die Überschrift war etwas ironisch gemeint. Sorry, falls du das nicht verstanden hast. Im Übrigen: China ist mitnichten mehr ein sozialistisches Land. Wenn China in Europa läge, würde ich sagen, die ökonomische Basis ist nicht mehr kongruent mit ihrem Überbau. Für China sieht das ein bisschen anders aus, da China doch eher konfuzianisch geprägt ist, meine ich, dass dieses streng hierarchische Denken eine kommunistische Partei vorgaukelt, wo keine mehr ist. Dadurch ist im Prinzip der Überbau in gewisser Hinsicht den Produktionsverhältnissen angepasst. Und noch etwas, wenn Fragen stellen bedeutet, dass man oberflächlich ist, bin ich sehr gern oberflächlich. Wer meinen Blog liest und nicht nur die Überschriften, sondern die Texte bis zum Schluss, der weiß, dass ich weiß, wie Konzerne ticken - mal ganz oberflächlich gesagt. Aber darum ging es gar nicht. "Heut schon gedacht" stellt Fragen, gibt Anregungen zum Weiterdenken und benötigt keine Belehrungen darüber, dass das Grundgesetz des Kapitalismus Höchstprofit lautet. "Heut schon gedacht" tippt an und was jeder daraus macht, ist seine Sache. Schön, wenn das oberflächlich genannt wird, wenn man zum Nachdenken anregen will. Damit kann ich sehr gut leben. Schön, wenn es Menschen gibt, die immer und ewig die richtigen Antworten parat haben. Ich bin das nicht, weil die Welt nicht schwarz-weiß ist, sondern grau-in-grau. Ich maße mir auch nicht an, die Weisheit selbst gepachtet zu haben und alles besser zu wissen. Jeder mag selbst meine Fragen weiterdenken und vielleicht zu ganz anderen Schlussfolgerungen kommen.

      Löschen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.