Montag, 22. Oktober 2012

Das kann man doch nicht so stehen lassen.

Ich lese die Nachdenkenseiten und halte sie sehr hoch. Nur, der Artikel: Industriestandort: So stark ist Deutschland wirklich“. Oder: War da was, genannt „Basarökonomie“? den finde ich doch etwas schwach. Es sei denn, ich habe das verstehende Lesen verlernt.

Dieser Artikel schreit doch geradezu nach einer Erklärung. Ich will jetzt nicht nur lesen, dass die bürgerlichen Medien und Institute das vor einigen Jahren noch anders gesagt haben. Das weiß ich selbst und wenn ich es vergessen hätte, würden ein paar Erinnerungen reichen. Was ich will, ist eine Einschätzung zu lesen, die differenziert ist und mir anhand von Fakten erklärt, warum das nicht unbedingt wirklich so ist und was jetzt wiederum nicht ganz richtig ist an der Aussage.

Leider bin ich nicht in der Materie, aber so gut kann Deutschland doch nicht sein, sonst würde sich mir doch die Armut nicht jeden Tag vor die Augen drängen oder es gäbe keine Lohnaufstocker. Nach außen stimmt das sicherlich, aber wer profitiert davon? Wohl kaum ein Arbeitnehmer in Deutschland. Wieso kann jemand unwidersprochen von einer Reindustrialisierung Deutschlands faseln, wenn die Unternehmen trotz voller Auftragsbücher in andere Länder ziehen und dann irgendein Produkt dort billigst produzieren, es zurückholen nach Deutschland, hier einpacken und das Siegel "Made in Germany" draufpappen. Wo bitteschön gibt es dann eine Reindustrialisierung? Ich muss doch mal hinter die Zahlen schauen. Es ist doch nicht unbedingt deutsche Industrie drinnen, wo deutsche Industrie draufsteht. Gibt es überhaupt eine deutsche Industrie an sich? Ist die nicht schon längst internationalisiert? Was nützt mir und anderen außerdem eine deutsche Industrie, die komplett woanders produziert und woanders verkauft? Nur weil dann irgendeine kaputte Marke drauf steht? Habe ich nicht gerade hört, dass Bombardier sein Werk in Aachen schließen will, trotz voller Auftragsbücher?  Jede Woche mindestens kann man in den Medien hören/lesen, dass wieder ein Unternehmen Leute entlässt oder ganz Standorte verlegt werden. Reindustrialisierung findet doch nur, wenn überhaupt, in irgendwelchen Statistiken statt. Und jeder weiß, wie Statistiken gefälscht sind. Unter Reindustrialisierung verstehe ich etwas völlig anderes. Reindustrialisierung heißt doch wohl, dass immer mehr Unternehmen ihre Produkte in Deutschland produzieren und das Arbeitskräfte wertvolles Gut für sie sind. Ich kann nichts von dem hier entdecken, außer ein paar Highlights.

Einige Produkte werden sicherlich wirklich innovativ sein, dass aber auf die ganze deutsche Wirtschaft auszudehen, finde ich mehr als vermessen. Ist man schon innovativ, wenn man wie verrückt exportiert? Also auch an dieser Stelle habe ich eine völlig andere Vorstellung von innovativ sein. Das Zauberwort heißt doch in Deutschland: Niedriglohnpolitik, massive Leiharbeit und Ausgliederungen, damit Tariflöhne unterwandert werden können. Dadurch wurden wir doch wettbewerbsfähiger als andere europäische Länder. Was ist aber an Niedriglohnpolitik/Leiharbeit/Ausgliederungen innovativ?

Genau dieses Zerpflücken der jetzigen Jubelmeldungen hätte ich mir bei diesem Artikel gewünscht. Alles andere kann ich in anderen Zeitungen nachlesen und genau das macht mich wütend. 





Kommentare:

  1. Ich bin schon etwas länger "sauer" auf die "Nachdenkseiten". Mein Problem: Ich habe keine Ahnung, was die Schreiber dort veranlasst, die (zugegeben etwas versteckte) steigende Inflation zu verharmlosen; wenn nicht sogar zu verleugnen.

    Es sind, mit Verlaub, finanztechnische Zahlenspielereien, mit denen der Warenkorb als Bemessungsgrundlage eben entsprechend zusammengestellt wird. Zwar werden langlebige Elektroartikel wie Waschmaschine, Kühlschrank, Herd, Computer etc. tatsächlich billiger - allerdings kaufen (zumindest arme) Menschen dies nicht so häufig - und meist auch erst dann, wenn das alte Teil endgültig abgeraucht ist.

    Ich jedenfalls besitze nicht mal ein "Smartphone" sondern nur ein "Dumbphone" (nur telefonieren/SMS - sonst nix) und da habe ich auch nix von, wenn die Dinger als billigere Duplikate von iPhone und Galaxy beim Aldi zu haben sind.

    Unterm Strich und kurz gesagt: Ich habe jeden Monat weniger Geld im eh schon schmalen Geldbeutel.

    Und ich weiß, dass ich da nicht alleine bin. Schönreden oder Schönrechnen macht die Sache jedenfalls nicht besser!

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    1. Das sehe ich æhnlich. Wenn man einen Warenkorb annimmt, den jeder Buerger tagtaeglich benoetigt, haben die Preis sehr zugelegt. Gesamtwirtschaftlich gesehen, stimmt die Aussage der Nachdenkenseiten sicherlich. Ich bin kein Oekonom, aber ich denke, das wird so sein. Ich habe auch meine Zweifel daran, dass es zu einer schlimmen Inflation kommen koennte. Die Unternehmen wollen verdienen und ihre Waren absetzen. Fuer den Bereich, in dem ich, sicherlich auch Sie und viele andere einkaufen, gibt es viel zu viele Waren. Das Angebot uebersteigt die Nachfrage ganz erheblich. Auch wenn das der Eine oder Andere anders empfindet. In dem Bereich der Luxusgueter haben wir eine immense Inflation, da dort die zur Verfuegung stehend Geldmenge das Angebot erheblich uebersteigt. Man muss sich nur den Kunstmarkt z.B. anschauen, wo die Preise Mondpreise sind, aber das Kapital weiss nicht mehr wohin mit seinm Geld, was es uns gestohlen hat. Uns belasten vor allem Preise dort, wo es absolute Monopolstellungen der Unternehmen gibt: Erdoel, Energie z.B. Es alles nicht so einfach zu durchschauen, aber das wollte unsere Regierung so. Nicht zu vergessen: Auch die Milliardenschulden die durch die Finanzkrise auf uns Lasten ist i.d.R. nur virtuelles Geld. Es befindet sich i.d.R. ausserhalb der realen Wirtschaft. Und hoffen wir, dass es so bleibt. Ich glaube, dass es z.Z. 50 zu 50 steht.

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  2. Ein absinken der kaufkraft durch inflation wird in den nachdenkseiten doch gar nicht geleugnet, die inflationsrate liegt derzeit bei 2 %, das ist in unserem wirtschaftssystem völlig normal.

    Was Albrecht Müller kritisiert, ist die panikmache vor einer hyperinflation wie es sie in den 20er jahren des vergangenen jahrhunderts gab. Die wurde nämlich nicht durch den börsencrash vom oktober 1928 ausgelöst, wie fälschlich gern behauptet wird, um den leuten angst wegen der finanzkrise zu machen und sie zu bescheuerten goldankäufen als »sichere wertanlage« zu bewegen, sondern wurde ab 1914 durch kriegsanleihen angeheizt, durchaus erwünschter nebeneffekt war, daß die kaufkraft der bevölkerung eingeschränkt wurde. 1922 konnte man für tausend mark nur noch so viel kaufen wie 1914 für eine mark - und 1923 fiel die mark dann völlig ins bodenlose. Herr Müller hat in diesem punkt recht: vor einer hyperinflation muß derzeit niemand angst haben.

    In der vwl gibt es den begriff der »gefühlten inflation«: Wenn lebensmittelpreise, energiepreise und die preise für güter des täglichen bedarfs stark steigen, während langlebige waren wie autos, farbfernseher oder kühlschränke, die man nicht dauernd kauft, billiger werden, bekommen das die »normalverbraucher« stärker zu spüren, als wenn der für die kleine wohnung ohnehin viel zu große flachbildschirm nicht nur unbezahlbar sondern völlig unbezahlbar ist.

    Ich ärgere mich ziemlich regelmäßig über den sozialdemokratischen weltblick der nachdenkseiten-leute, der häufig äußerst systemverharmlosend daherkommt, was mich aber nicht daran hindert, sie trotzdem täglich zu lesen. Deiner kritik an Albrecht Müllers artikel kann ich allerdings nicht unbedingt folgen.

    Im (vor)vergangenen jahrzehnt wurde stets über den niedergang des »industriestandorts Deutschland« gezetert, jetzt wird in den medien so getan als gäbe es plötzlich eine »renaissance der industrie«, auch wenn in den vergangenen neun jahren der anteil der industrie am BIP nur um 1,1 % gestiegen ist. Absolut richtig wird das als propagandazirkus erkannt.

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    1. Offenbar ist der zweite teil meines kommentars verloren gegangen. Hier also nochmal:


      Anstatt A. Müllers artikel zu analysieren, möchte ich im folgenden lieber auf Deinen artikel eingehen.

      Du fragst, wie es möglich ist, daß Deutschland »gut« sein könne, wenn Du doch selbst täglich siehst, daß sich armut ausbreitet. Der industriestandort Deutschland ist genau deswegen gut in der weltmarktkonrurrenz, weil ein staatliches verarmungsprogramm stattgefunden hat.

      Hier wird nicht produktiv gearbeitet, damit am ende alle genug zu beißen haben. Die regierung ist dafür zuständig, das volk für das kapital nutzbar zu machen. Für den einzigen zweck, den das wirtschaften im kapitalismus hat: aus geld mehr geld machen.

      Selbstverständlich macht Bombardier (übrigens keine »Deutsche Industrie«, sondern ein kanadisches unternehemen) sein werk in Aachen dicht, wenn die mit den aufträgen, die sie in der tasche haben, anderswo mehr gewinn machen können. Dann müssen die Bombardierkollegen in Hennigsdorf sonderschichten schieben, weil die löhne in Brandenburg nun mal niedriger sind. Der zweck, weshalb Bombardier beispielsweise straßenbahnen baut, ist nicht, daß die leute straßenbahn fahren wollen, sondern daß man das bedürfnis nach mobilität zu geld machen kann. Und wenn der gewinn in Aachen zu klein ausfällt, dann kann man das zeug auch in Abu Dhabi oder sonstwo produzieren, egal wie voll die auftragsbücher sind und wurscht, wie gut die leute in Aachen gearbeitet haben.

      Vom begriff der »innovation« sollte man sich tatsächlich nicht blenden lassen. Man denkt da gern an technischen fortschritt und tolle sachen. Deine frage, was hier innovativ sei, beantwortest Du doch fast schon selbst, steht im vorletzen absatz drin, aber ich schreib es jetzt trotzdem als antwort: Mit niedriglohnpolitik, leiharbeit, ausgliederung und was es sonst an grausamkeiten gibt wurden tatsächlich sehr innovative möglichkeiten geschaffen, mehr gewinn aus den mitarbeitern herauszuprügeln (das meine ich übrigens überhaupt nicht ironisch).

      Es ist tatsächlich »innovation«, wenn neue wege gefunden werden, die dem geschäftszweck, also dem geldverdienen, nützlich sind.

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  3. Anstatt A. Müllers artikel zu analysieren, möchte ich im folgenden lieber auf Deinen artikel eingehen.

    Du fragst, wie es möglich ist, daß Deutschland »gut« sein könne, wenn Du doch selbst täglich siehst, daß sich armut ausbreitet. Der industriestandort Deutschland ist genau deswegen gut in der weltmarktkonrurrenz, weil ein staatliches verarmungsprogramm stattgefunden hat.

    Hier wird nicht produktiv gearbeitet, damit am ende alle genug zu beißen haben. Die regierung ist dafür zuständig, das volk für das kapital nutzbar zu machen. Für den einzigen zweck, den das wirtschaften im kapitalismus hat: aus geld mehr geld machen.

    Selbstverständlich macht Bombardier (übrigens keine »Deutsche Industrie«, sondern ein kanadisches unternehemen) sein werk in Aachen dicht, wenn die mit den aufträgen, die sie in der tasche haben, anderswo mehr gewinn machen können. Dann müssen die Bombardierkollegen in Hennigsdorf sonderschichten schieben, weil die löhne in Brandenburg nun mal niedriger sind. Der zweck, weshalb Bombardier beispielsweise straßenbahnen baut, ist nicht, daß die leute straßenbahn fahren wollen, sondern daß man das bedürfnis nach mobilität zu geld machen kann. Und wenn der gewinn in Aachen zu klein ausfällt, dann kann man das zeug auch in Abu Dhabi oder sonstwo produzieren, egal wie voll die auftragsbücher sind und wurscht, wie gut die leute in Aachen gearbeitet haben.

    Vom begriff der »innovation« sollte man sich tatsächlich nicht blenden lassen. Man denkt da gern an technischen fortschritt und tolle sachen. Deine frage, was hier innovativ sei, beantwortest Du doch fast schon selbst, steht im vorletzen absatz drin, aber ich schreib es jetzt trotzdem als antwort: Mit niedriglohnpolitik, leiharbeit, ausgliederung und was es sonst an grausamkeiten gibt wurden tatsächlich sehr innovative möglichkeiten geschaffen, mehr gewinn aus den mitarbeitern herauszuprügeln (das meine ich übrigens überhaupt nicht ironisch). Es ist tatsächlich »innovation«, wenn neue wege gefunden werden, die dem geschäftszweck, also dem geldverdienen, nützlich sind.

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    1. Bei Bombardier kommt es auch nicht darauf an, ob deutsche Industrie oder nicht. DAX-Unternehmen sind immer international. Es ging auch nicht darum, wie verarmt Deutschland ist oder warum oder warum weswegen Unternehmen dort produzieren, wo es Billigstlohn gibt, sondern es ging mir einzig darum, dass es KEINE Reindustrialisierung in Deutschland gibt und das ich diese Aussage im Artikel von NS vermisst habe. Des Weiteren mache ich mir das Wort "Innovation" nicht im dem Sinne zu eigen, wie es heutzutage gebraucht wird, sondern, was es wirklich bedeutet. Und die Fragen, die ich stelle, sollten gestellt werden und JEDER sollte darüber nachdenken UND EIGENE Antworten finden. Nur darum geht und ging es mir.

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  4. @mechthild, das ist schon richtig. Aber es gibt trotzdem keine Reindustrialisierung. Die existiert nur in den Wahlkampftraumen der Politiker und Medien. Und genau diesen Widerspruch hat er nicht aufgedeckt. Er setzt nur beide falschen Aussagen gegeneinander. Mir persoenlich fehlt die richtige Aussage. Weiterhin meint er, dass es schon immer Industrieleistungen und gute Fachkraefte in Deutschland gab und gibt. Das ist nicht falsch, obwohl man da immer unterscheiden muss, ob man wirklich Deutschland meint oder nur eine deutsche Firma. Das ist zweierlei und das eine hat nicht unbedingt etwas mit dem anderen zutun. Die Entlarvung des Propagandazirkusses geht auch mit den realen Zahlen ohne Schmu. Wer die Nachdenkenseiten liest, kennt die Luegen. Die Politker und Medien sind von einem Exrem in das andere gefallen, weil wir schon in Wahlkampfzeiten leben. Bei aller Liebe, das, was abgeliefert wurde von den Nachdenkenseiten, ist auch nur die halbe Wahrheit und das prangere ich an.

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