Mittwoch, 17. Oktober 2012

Eine konzertierte Aktion

Was sollte man sonst anderes denken? Im neoliberalen Lager wird der Kampf gegen die eigenen Völker verstärkt. Die OECD mischt dabei kräftig mit. Lt. einer Studie von denen, sind die jungen Leute in den europäischen Ländern schlecht ausgebildet. Sie beherrschen meist nicht das verstehende Lesen. Das beträfe jedes Land mehr oder weniger stark. 

Die Schlussfolgerung die uns die deutschen Medien wissen ließen, lautete dementsprechend (ich wollte das jetzt nicht der OECD unterstellen, weil ich nicht weiß, ob die das so gesagt hat). 

So entblödete man sich nicht, zu sagen, dass die hohe Jugendarbeitslosigkeit z.B. in Griechenland vor allem darauf zurückgehe, dass die Jugendlichen nicht richtig gebildet wären. Ach, ist das einfach, aber eben auch typisch. Wir sind immer an allem schuld, egal was es ist. So lenkt man wunderschön von den Raubzügen der herrschenden Klasse ab. 

Upps, gibt es die im öffentlichen Denken überhaupt noch? Nein, die haben einen Schleier über ihr verbrecherisches Tun gezogen. Die im Dunklen sieht man nicht, so sagte doch Macki Messer oder war es jemand anderes aus der "Dreigroschenoper".

Na schön. Die Jugendlichen sind selbst daran schuld. Sie sind zu doof, sie können nicht mal richtig lesen. 

Im Umkehrschluss müsste es dann lauten: Studienabgänger bekommen Arbeitsplätze. Welche? Das würde mich jetzt sicherlich ein Hochschulabsolvent aus Griechenland fragen.

Kein Wort davon, dass die Troika - beherrscht von Deutschland - Griechenland kaputt macht, dessen Binnenmarkt austrocknet durch massive Kürzung der verfügbaren Einkommen der normalen griechischen Bevölkerung. Als Folge dessen wird der griechischen Wirtschaft, die mehr binnenmarktlich ausgerichtet ist, der Todesstoß versetzt, damit die Gierschnäbel aus Deutschland sich für nen Appel und nen Ei alles unter den Nagel reißen können, wie sie es schon in Ostdeutschland praktiziert haben. Diese Gierschnäbel gehen über Leichen. 

Sie fressen und fressen ... Die Schuld für Armut, Arbeitslosigkeit und Verzweiflung wird allen in die Schuhe geschoben, die mit ihrer Hände Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Nur diejenigen, denen alles gehört, die alles zu verantworten haben, die tun so, als ob sie Engelchen wären. Vielleicht schon, aber dann Luzifer!

Ich fasse soviel Frechheit auf einen Schlag einfach nicht mehr. 

Ist es nicht ein Armutszeugnis europäischer Staaten, dass deren Schulbildung saumieß ist? Fallen wir auch hier wieder ins 19. Jahrhundert zurück: ein bisschen lesen, rechnen und vor allem Religion. Der Diener des Kapitals wird so gezeugt. Der Diener des Kapitals, der keine Zusammenhänge mehr versteht und still vor sich hin leidet. 

Gut, vor sich hin leiden - das tut man in Deutschland. Im Süden von Europa ist man Gottseidank aufgeweckter. Da geht man auf die Straße. Irgendwann wird es krachen und Tote geben - auf den Straßen - dort. Irgendwann wird dort sicherlich geschossen werden - im indirekten Auftrag der Troika. Immer so, dass deren Hände sauber bleiben, wie auch die Hände der Patin von Europa.

Die Opfer sind die Täter - symptomatisch für diese Gesellschaft in ihrem untergehenden Stadium. 

Wenn es stimmt, was ein englischer Konservativer, dessen Namen ich vergessen habe, sagt, dass der Hosenanzug gemeint habe, dass sie gut mit einer 60 %-igen Jugendarbeitslosigkeit leben könne und dass es ihr egal wäre, wenn Griechenland kaputt ginge, Hauptsache die EU und der Euro würden weiterleben, dann Gute Nacht Europa, Europa der Menschen. 

Und wir sitzen in der ersten Reihe und schauen zu - wir hier - die kleinen Leute in Deutschland. 

Aber: Wir sind Friedensnobelpreisträger! Und als Friedensnobelpreisträger sitzt es sich bequemer. Oder?