Freitag, 16. November 2012

Eltern hassen


Oder wie soll man sonst den Pflegenotstand erklären. Wir sind ein Volk geworden, wo eine große Zahl davon keinerlei Respekt mehr vor ihren Eltern oder Großeltern hat, von Tante und Onkel ganz zu schweigen.

Schweigen. Das ist das richtige Wort. Wir schweigen. Es ist uns egal - bis auf Ausnahmen wie heute das Moma zeigte - wenn unsere pflegebedürftigen Verwandten geschlagen werden, in ihrem eigenem Dreck liegen und missachtet werden. Es ist uns egal.

Es gibt eine Vielzahl Bürger, denen das Wohl von Hühnern eher am Herzen liegt, als das ihrer Eltern. Für Hühner gibt es Organisationen, die sich erbosen (und zurecht) und für die Rechte der Hühner kämpfen.

Man erbost sich über das Leben von Zootieren. Menschen geht es oft schlechter, aber das interessiert nicht. 

Für die Rechte ihrer pflegebedürftigen Eltern oder Großeltern - nein dafür kämpft man nicht. Man duldet!

Man duldet, dass Alten- und Pflegeheime ökonomisiert werden.

Man duldet, dass der Profit, der aus diesen Heimen gezogen wird, in die Taschen von Aktionären geht.

Man duldet, dass das Pflegepersonal immer weniger wird.

Man duldet, dass Zeitarbeitspersonal in Pflegeheimen eingesetzt wird, die die alten Leutchen gar nicht kennen.

Man duldet, dass die Tarife des Pflegepersonals nach unten erodieren.

Man duldet ... duldet ... duldet ... 

Ebenso das Pflegepersonal. Es duldet ... duldet ... duldet ... Es lässt sich verheizen ...

Wo bleibt der Aufschrei der Hühnerschützer? Bleibt er aus, weil es nur um Menschen geht? Um alte Menschen, oft schwierige Menschen, die manches Mal nicht mehr wissen, wie man isst, wie man trinkt. 

Sind wir uns zu fein geworden, für unsere Eltern oder Großeltern da zu sein? Und damit meine ich nicht finanziell, sondern emotional für sie einzutreten.

Pfleger, die schlagen, anzuzeigen.

Vereine und Organisationen für den Schutz alter Menschen zu gründen. Für ihre Eltern oder Großeltern und letztendlich auch für sich selbst, eines Tages, irgendwann ...

Wo bleibt der Aufschrei der Kinder, deren Eltern nach den Willen einiger Politiker ausgesourct werden sollen, irgendwo hin ... irgendwo in Richtung Osten ... immer weiter ... nur weg von hier, weg von den unnützen Kosten, in den Augen einiger Politiker. Weg von hier, aus den Augen, aus dem Sinn. Sind eh unnütze Fresser, wie einige Politiker meinen. Okay, sie sage das nicht so offen, aber ihre Handlungen verraten sie.

Was ist aus uns geworden? Und das sollte sich jeder fragen. Jeder, aber vor allem auch die Hühnerschützer. Für Hühner wird es erst ein besseres Leben geben, wenn wir uns um unsere Mitmenschen besser kümmern. Wer seine Eltern oder Großeltern, seine Verwandten gleichgültig behandelt, sie schlagen, im eigenem Dreck liegen lässt, dem wird das Schicksal von Hühner sonstwo vorbei gehen.

Unserer Regierung ist das egal. Ihnen liegt nur irgendwelcher asozialer Profit im Sinn. Die macht sich nur Liebkind bei den Allesbesitzern, damit sie niemals dort landen müssen, wohin sie ihre normalen Bürger schickt. Sie schmilzt das Personal in den Verwaltungsbehörden auf ein Minimum. Ich habe vergessen, um welches Bundesland es geht, aber da kontrollieren 7 (!), ganze sieben Hansel, 100 (!) Alten- und Pflegeheime. Wozu sind dann die 7 noch da? Sie können nichts bewirken, geschweige denn kontrollieren. Hauptsache ein schlanker Staat, Hauptsache wir sparen.

Welche Perversion!


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So, ihr lieben Überhaupt-nicht-Häkchenmacher, macht die Augen zu vor den Zuständen und lehnt diesen Post ab. Er kennzeichnet euch.





Kommentare:

  1. Anfang der Neunziger teilte mir eine Bekannte (damals Pflegekraft im Pflegeheim Bad Camberg) mit, dass es gängige Praxis wäre, den Mund von Patienten mit Heftpflaster zuzukleben. Ich sagte ihr, dass sie das zur Anzeige bringen sollte, was sie allerdings nicht tat. Sie wollte keinen Ärger. Selbst ihr Mann(Gewerkschaftssekretär) winkte ab.
    Wobei ich mir auch die Frage stelle, wie es alten Menschen ergeht, wenn sie in ein Pflegeheim ins Ausland abgeschoben werden. Sie sind solcher Willkür noch hilfloser ausgesetzt.
    Unsere Gesellschaft verroht zusehens, in allen Bereichen.
    Mit Altenpflege unter Fließbandbedingungen lässt sich gut Geld verdienen.
    Nach der Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung gab es einen Boom in dieser Branche, teilweise unter skandalösen Bedingungen.
    Das Pflegeheim bedeutet ein Wegsperren, ein Raus aus dem vertrauten Umfeld und der Gesellschaft.
    Übrigens: Im Prinzip auch vergleichbar mit Hartz IV.

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    1. Stimmt, vergleichbar mit H4. Man ist aussortiert und hat kein Recht mehr auf Menschenwürde. Was mich aber auch aufregt, ist, dass die engste Familienmitglieder nichts dagegen unternehmen, gemeinsam mit den Pflegekräften. Man kann die doch nicht alle rausschmeißen. Ja, da gebe ich dir Recht, die Gesellschaft verroht. Schlimm.

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  2. Könnte mir auch vorstellen, daß viele wirklich nicht wissen, was in den Pflegeheimen abläuft. Wie der Sohn, der den Hilferufen seiner Mutter, sie werde von ihrer Pflegerin mißhandelt, erst glaubte, als er "illegalerweise" eine Kamera in ihrem Zimmer installierte und es dann mit eigenen Augen mitansehen durfte.
    Die Gier nach Kohle und Profit verroht uns.
    Kapitalismus verroht. Wegsehen verroht. Und Wegsehen ist es Zulassen.

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    1. "Wegsehen verroht, wegsehen ist zulassen." Genau so isses! Sich nicht interessieren ist es ebenso.

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