Montag, 5. November 2012

Es soll kommen, wie es kommen muss

Der Mensch ist ökonomischer Faktor. Sonst nichts. Er hat zu arbeiten, zu kaufen und den Mund zu halten. Sein Streik- und Demonstrationsrecht ist eingeengt worden. Er kann bespitzelt werden, zum gläsernen Subjekt mutieren, besser Objekt. Mensch ist ökonomischer Faktor. Sonst nichts.

Er wird regiert von Milliardären und Millionären, die sich hinter Unternehmensberatungen, Finanz"dienstleistern" verstecken, die sich Regierungen halten. Er wird von denen regiert, denen alles gehört. 

Es sind Oligarchen, ähnlich einer italienischen Mafia, die über uns bestimmen und deren Spielfeld international ist.

Der Mensch wird von den grauen Eminenzen, den Finanzoligarchen, eingeteilt in: gute Menschen, die noch richtig schuften können, potenziell gute Menschen, die zwar arbeitslos sind, aber immer noch irgendeinem Verwendungszweck zugeführt werden können und Menschen, die herumlungern und Rente beziehen. Also Leistungen ohne Gegenleistung. Frühere Leistungen werden nur in Sonntagsreden vor Wahlen anerkannt.

Kein Mensch hat ein Recht auf Demokratie. Wurde das nicht schon so oder so ähnlich von der Regierungsbank her uns gesagt?

Wieder ist die massive Auflebung der 1-Euro-Jobs unter anderem Namen im Gespräch. Die Leistungen der Arbeitslosenversicherungen wurden gekürzt, Hartz 4 wurde eingeführt und uns vorgelogen, dass dadurch neue Arbeitsplätze in horrender Zahl geschaffen werden könnten. Alles zum Besten der Menschen. Und das Ergebnis ist immer noch dasselbe. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Prinzip so hoch wie vorher. Die minimale Abnahme ist wahrscheinlich nur dadurch geschuldet, dass sicherlich viele in Rente gehen konnten.

Die verhängnisvolle Spirale nach unten setzt sich fort. Unternehmen schmeißen immer weiter Mitarbeiter raus, die nirgendwo wirklich eine neue Arbeit bekommen. Das Einkommen der Menschen sinkt dadurch und sie können sich eben kein neues Auto leisten oder irgend etwas anderes. Die Verkaufszahlen sinken in Europa, auch wenn in Deutschland der Abwärtstrend etwas aufgehalten werden konnte. Für wie lange? Ein wirklicher Aufschwung ist nicht möglich. Ein wirklicher Aufschwung ist auch dadurch unmöglich, weil Menschen in immer mehr Länder in bitterste Armut getrieben werden.

Der Hegemon ist das deutsche Kapital in Gestalt eines Hosenanzuges.

Übrigens, als ich jetzt eine Woche Hurtigruten mit einer großen Anzahl englischer Mitreisender erlebte, wurden wir immer wieder gefragt, wie wir zu Merkel stehen. Nur unsere Ablehnung der Merkelschen Politik brachte uns die freundliche Anteilnahme der Reisenden. Irgendwie atmeten sie auf, dass nicht alle Deutsche dieser Politik zustimmen. Ich kam mir im kleineren Maßstab fast wie Urban Priol in Frankreich vor.

Wie soll der Weg nun weitergehen, den Menschen beschreiten sollen, die nicht mehr ökonomisch verwertbar sind nach Auffassung der Politik und deren Hintermännern/frauen. Menschen, die der Pflege bedürfen. Sie sind zwar auch ein großer Wirtschaftsfaktor und machen andere reich, aber alle können sich die teure Pflege ohne staatliche Unterstützung halt nicht leisten.

Wir haben unsere Arbeitsplätze nach Asien exportiert, nach Osteuropa ... und nun wollen wir unsere pflegeintensiven Alten auch exportieren. Sie werden damit zum Objekt des weltweiten Handels oder so ähnlich. 

Die Arbeitskraft ist in Asien und Osteuropa billiger als bei uns. Warum sollten wir diejenigen, die nicht finanzstark sind, nicht ebenso auslagern wie unsere Arbeitsplätze? Sicherlich versteht das ein alter Mensch, dass er sich eben nicht mehr auf seine alten Tage mit jemanden unterhalten kann, da er eben nicht Thai versteht oder kein Rumänisch kann. Der alte Mensch, so nutzlos er dahin vegetiert, kann das auch irgendwo kostengünstig auf der Welt. Wir müssten uns dann nicht mehr mit qualifizierten Arbeitskräften herumschlagen, die nicht nur pflegen können, sondern auch Demenzkranke und andere alte Menschen aktivieren und sie am Leben beteiligen können. Das ist uns zu teuer.

Und die Menschlichkeit? Wo bleibt die Menschlichkeit? Sind wir nicht jedem alten Menschen, ob er nun hinfällig ist oder nicht, den Respekt schuldig? 

Unterscheiden wir uns nicht erst dadurch von unseren tierischen Vorfahren, dass wir dem Alter den Platz in der Gesellschaft einräumen, der ihm gebührt?
Vergessen wir das in unserem Jugendwahn und unserem ökonomischen Gedöns nicht immer öfter?  Was ist das für eine Gesellschaft, die modern sein will und dennoch weit hinter Stammesgesellschaften zurückfällt, die ihre weisen Alten hatten und sie achteten und ehrten?

Wo bleibt der Respekt den Menschen gegenüber, die durch ihre Hände Arbeit alles aufgebaut haben, es ermöglicht haben, dass wir essen, trinken und uns kleiden können? Deren Hände Arbeit es geschafft haben, dass wir uns erholen oder gesund werden konnten? Die unsere "Wehwehchen" wegmassiert haben? Die uns schöne Stunden bei einem Glas Wein geschenkt haben? Die unseren Alltag überhaupt erst möglich gemacht haben! Und nicht nur unseren Alltag: Sie haben das Funktionieren der Gesellschaft als solche ermöglicht. 

Auch diejenigen, die sich zynisch jetzt über die alten Menschen stellen, die mit ihrem Geld nur so herumschmeißen und nach immer mehr gieren, ohne diese Menschen, die für sie gearbeitet haben, wären sie verloren und arm. Ohne sie - was hätten sie und wir gemacht? Wie hätten wir aufwachsen sollen, spielen, lernen und vieles andere ohne diejenigen, die jetzt alt sind. Ihnen gehört wirklich unser aller Respekt. Auch der Respekt der Oligarchen und der Politik. 

Wir sind Menschen und keine ökonomische Faktoren. Wie lange lassen wir uns diese Einklassifizierung noch gefallen?


Kommentare:

  1. und unser GEZ-finanzierter Haus-Hof-Sender bezeichnet diese Idee nicht als absurd:
    http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/auslandsjournal/2942600/25043686/4b4a1c/Lebensabend-in-Osteuropa.html?view=print

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    1. Und genau dort habe ich es gestern gesehen. Eine alte Dame war in Polen im Altersheim. Die Betreuerin konnte sich kaum mit ihr verständigen und - naja - unterhalten konnte sie sich dort auch nicht.

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