Mittwoch, 21. November 2012

Irgendwie gleichen sich die Bilder

Sie wurden aus ihren Wohnungen gejagt, sie wurden gedemütigt, mussten in Ghettos leben und wurden ermordet - nur weil sie Juden waren. Sie durften nicht dort entlang gehen, wo deutsche Volksgenossen liefen, sie durften nicht auf den Bänken sitzen, die von Ärschen der Volksgenossen gedrückt worden sind. In Straßenbahnen oder Bussen durften sie sich nur an bestimmten Stellen aufhalten und sich niemals hinsetzen. Sie wurden abtransportiert - endgelöst - in den Gaskammern des Hitlerreiches.

In vielen Familien von israelischen, jüdischen Staatsbürgern rissen die Gaskammern Lücken. Irgend jemand im Familienkreis, im Freundes- oder Bekanntenkreis wurde ermordet. In vielen israelisch-jüdischen Seelen ist ein Fleck der Trauer und der Ohnmacht und ein "Nie-wieder-so-etwas-erleben".

Gerade diese Menschen sollten doch, so sollte man meinen, ihre ganze Kraft für den Frieden dort einsetzen, wo sie wohnen. 

Gerade diese Menschen sollten doch niemanden anderes provozieren, sollte man meinen. 

Gerade diese Menschen sollten doch den Frieden höher schätzen, als irgendwelches Land.

Auch jüdische Menschen haben die Wandlung vom Irgun-Terroristen zum Friedensaktivisten geschafft. Wieso meinen sie, dass andere das nicht könnten?

In dieser Nahost-Region ist viel Blut geflossen. Wir, zumindest die Medien und unser Außenminister, schauen immer nur auf die jüdische Seite, die unter terroristischen Anschlägen leiden musste und leiden muss. 

Wenn wir zurückschauen, dürfen wir aber auch den jüdischen Terrorismus gegen arabische Einwohner dieser Gegend nicht vergessen. 

Der jüdische Staat wurde ausgerufen und Irgun-Terroristen zogen durch Dörfer und Städte, brachen in die Häuser arabischer Mitbewohner ein und erschossen sie oder warfen Granaten in deren Häuser.

Der jüdische Staat wurde ausgerufen und arabische Mitbewohner wurden deportiert, wenn sie nicht von selbst flüchteten. Ihre Olivenhaine wurden konfisziert und ihre Wohnungen, ganze Dörfer wurden entleert und mit jüdischen Siedlern wieder gefüllt. Dort wurde die Saat des Hasses gelegt.

Deutsche machten das im 2. Weltkrieg mit Bewohnern polnischer Gebiete.

Auch das ist Israel.

Arabische Einwohner von Israel haben nicht die gleichen Bürgerrechte wie jüdische Israelis. Sie werden herablassend behandelt. Ich habe das selbst gesehen. Und als sich in Nazareth ein Araber an uns Touristen wende wollte, wurde er wirsch in seine Schranken verwiesen und vom Reiseleiter diffamiert. Und das war nicht irgendein Reiseleiter, sondern einer, der in der israelischen Armee einst ein hohes Tier war. 

Auch das ist Israel.

Arabische Dörfer werden den Touristen als Schandmal vorgeführt, weil sie nicht so gebaut sind, wie eine israelische Siedlung. So wären eben die Araber, die könnten nicht mal anständig bauen, wurde uns gesagt. Und nur so nebenbei: Die jüdischen Siedlungen sind dermaßen absurd ordentlich gebaut, so dass am Rande der Wüste Judäa die Sonne ohne ein Fitzelchen Schatten in der Siedlung alles austrocknen kann. Sie sind nicht wüstengerecht gebaut, aber jüdisch und dadurch besser. Alles nur noch absurd und überheblich.

Auch das ist Israel.

Unser Jerusalembesuch wurde entgegen des Reiseplanes über Gebühr ausgedehnt, so dass im palästinensischen Bethlehm kaum noch Zeit blieb, dort irgend etwas näher anzuschauen. Und trotzdem habe ich einen Eindruck davon erhalten, wie eingesperrt dort die Menschen werden und nicht einmal über ihre eigenen Ressourcen verfügen dürfen. Sie dürfen nicht einmal ihre Post einfach so in die Welt schicken, alles muss über Israel gehen. Dort dürfte dann die Zensur sitzen. Unsere Urlaubspost wurde aus Israel auch nicht nach Deutschland weitergeleitet. Sie verschwand auf Nimmerwiedersehen in Israel, obwohl eigentlich nur Urlaubsgrüße draufstanden. Weiterhin dürfen palästinensische Christen nicht nach Jerusalem. Dass diese dann auswandern hat überhaupt nichts mit der überwiegend moslemischen Bevölkerung von Bethlehem zu tun. 

Auch das ist Israel.

Wie muss es dann erst in Gaza aussehen, wo niemand hineinkommt, zumindest offiziell ist das nicht ganz einfach. Ein Gebiet, das abgeriegelt ist, wo keine Hilfsgüter hineinkommen, ohne dass Israel nicht seine Hand drauf hat, völkerrechtswidrig.

Und wieder ist Krieg und wieder wird die Hamas beschuldigt, den Beschuss gegen Israel begonnen zu haben. Vorher hat aber Israel einen hohen Hamasführer töten lassen.  Das wäre legitim und hätte überhaupt nichts mit Terror zu tun, wie man in Israel meint.

Man verstehe mich richtig. Ein Abfeuern von Raketen auf israelisches Territorium ist idiotisch. Es bringt überhaupt nichts. Nur, an irgendeiner Stelle verstehe ich es. Wenn man ein Volk dermaßen in die Ecke drängt, dass es buchstäblich mit dem Rücken zur Wand steht, dann muss man sich nicht wundern, dass dieses Volk sich wehrt. 

Auch Palästinenser haben das Recht auf Selbstverteidigung - nicht nur das israelisch-jüdische Volk.

Die Antwort, ist wieder einmal unverhältnismäßig. Es wird von israelischer Seite gebombt, was das Zeug hält, ohne Rücksicht auf Frauen, Kinder ... Wenn ich Flüchtlingslager bombardiere, so weiß ich, dass ich Zivilisten bombardiere. Enge Gassen, viele Häuser, keine Perspektive ... Wie will ich da einen palästinensischen Kämpfer, die nicht unbedingt alle Hamas-Kämpfer sind ... von einem Zivilisten auseinanderhalten? Sie wollen es auch nicht.

Israelische Minister sagen ganz offen, dass sie Gaza ins Mittelalter zurückbomben wollen, dass sie einen Bombenteppich legen wollen, bis der letzte Palästinenser nach Ägypten geflüchtet ist. Sie wollen das Gebiet ethnisch säubern.

Hitler hätte den Plan nicht besser ausarbeiten können. Hitler ist gescheitert und irgendwann scheitert auch Israel. 

Die, die es besser wissen müssten, schmieden weitere Kriegspläne. 

Die, die es besser wissen müssten, wollen gar den Iran angreifen. 

Hitlers Deutschland wurde besiegt. Ich bin der festen Überzeugung, dass auch dieses Israel eines Tages besiegt werden wird, weil es sich mit den falschen angelegt hat in seiner Überheblichkeit. Man kann nicht ungestraft immer und ewig Menschenrechte mit den Füßen treten. Hoffentlich wird daraus ein friedlicheres Israel wachsen, wenn es denn dann noch eins geben sollte.

Unser Reiseleiter sagte uns, dass Bomben die einzige Sprache wären, die die Araber verstünden. Ist das wirklich so? Tut nicht Israel alles, um die Araber zu demütigen? Fordert sie nicht gerade den Widerstand heraus? Sind sie nicht die Besatzer palästinensischer Gebiete? Und sollen die sich das einfach so gefallen lassen?

Das Alte Testament von "Auge in Auge und Zahn um Zahn" sollte heutzutage endlich überwunden werden. Gerade deshalb, weil das jüdische Volk soviele Leiden erdulden musste und solch große Opferzahlen ertragen musste. Sie haben aber aus ihrer Geschichte nicht gelernt.

Sie sollten es doch besser wissen.

Ohne der tätigen Unterstützung des Westens für den Staatsterrorismus würde vielleicht die Vernunft endlich einmal die Oberhand gewinnen. Es kann nicht sein, dass ein Volk einem anderen das gleiche antut, was ihnen selbst einmal angetan worden ist. Das hat nichts mit Antisemitismus zu tun. Unmenschlichkeit muss dort angeprangert werden, wo Unmenschlichkeit von Staats wegen praktiziert wird.


 

Kommentare:

  1. so ist es verständlich und so verstehen es viele Menschen.
    und die sind weder antisemitisch noch islamophob

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist auch dumm antisemitisch oder islamophob zu sein. Es gibt über all gute Menschen und schlechte, mal ganz simpel ausgedrückt. Und Menschenrechtsverletzungen sind Menschenrechtsverletzungen, egal wo und in welcher Verkleidung sie auch auftreten mögen.

      Löschen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.