Montag, 26. November 2012

Kaufen oder nicht kaufen - ist hier die Frage

Das bekomme ich nicht zusammen. Das mag daran liegen, dass das Gehirn nicht mehr so mitmacht, wenn man dann in die Jahre gekommen ist. Vielleicht liegt das auch an meiner anderen Sozialisierung, dass ich Zahlen nicht so verstehe, wie ich sie verstehen soll.

Die Konsumforschung sagt, dass dieses Jahr die Menschen zu Weihnachten nicht mehr ausgeben, wie letztes Jahr. Nicht etwa, weil sie nicht können. Sie könnten schon, wenn sie nicht verunsichert wären, wie die Forschung meint, durch die Eurokrise und ... und ... und ... was auch immer so anfällt.

Okay, das ist die Konsumforschung. Die lässt wenigstens die Weihnachtseinkäufe stagnieren, obwohl der Einzelhandelsumsatz bis jetzt immer etwas Jahr für Jahr gesunken ist. Vielleicht getrauen die sich nicht, wieder mal über die tolle Kauflaune der Deutschen zu sprechen.

Der Kommentator zum "Forschungs"ergebnis meinte dann, dass dieses Jahr für Weihnachtsgeschenke die Deutschen doch noch eine Schippe mehr ausgeben werden, wie letztes Jahr.

Upps!

Das bekomme ich jetzt aber nicht zusammen. Stagnation heißt, mehr einkaufen? Oder wie? Da stehe ich nun völlig ratlos in der Weltgeschichte herum. Was lehrt uns dieser Satz?

250 Euro werde ich dieses Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Das wusste ich noch gar nicht. Wenn ich mich nicht täusche, wird diese Zahl uns jedes Jahr um die Ohren gehauen. Die kommt mir so altbekannt vom vorigen Jahr vor, als wieder mal gejubelt wurde, wie wir Deutschen doch gegen die Krise ankaufen.

250 Euro letztes Jahr und dieses Jahr - mhm - das ist wenigsten für die Konsum"forschungs"gruppe noch erklärbar. Das heißt irgendwie schon Stagnation. Und der Kommentator? Na gut, forschreitende Demenz ist das vielleicht in seinem Fall.

Mich beschäftigt in diesem Fall noch etwas ganz anderes. Wieso wollen wir uns eigentlich immer zum einkaufen animieren lassen.

Weihnachten ist ein Fest der Liebe. Da ist von Geschenken im Wert von 250 EUR insgesamt nicht die Rede.

Wieso sollen wir uns jedes Jahr irgendwelchen Müll schenken, den wir sowieso nicht brauchen?

Wieso ist in der Vorweihnachtszeit bei Douglas Hochbetrieb? Würde ich mich, wenn ich denn mich überhaupt über ein überteuertes Duftwässerchen freuen würde, nicht auch zu jeder x-beliebigen Zeit darüber freuen?

Es wurde gesagt, dass wir Deutschen uns auch Klamotten schenken lassen. Wieso zu Weihnachten? Wenn ich ein Shirt brauche, dann kaufe ich mir das eben, wann ich es benötige. Soll ich etwa bis zum Weihnachtsfest nackt herumlaufen, mal überspitzt formuliert. Dass der Anblick nicht unbedingt schön wäre, lass ich mal außen vor.

Saufen wir nur zu Weihnachten? Kann man nicht auch für eine stille Stunde allein oder zu zweit oder im Kreis von Freunden eine gute Flasche Wein aufmachen? Ein Gläschen Whisky trinken? Oder was weiß ich denn noch alles. Ein Pfeffi darf es auch sein, obwohl ich nicht denke, dass man den zu Weihnachten bekommt.

Wieso in aller Welt, lassen wir uns nötigen, allen zu Weihnachten irgend etwas schenken zu müssen.

Reicht es nicht, wenn wir uns zusammensetzen, das Jahr Revue passieren lassen und uns gut zu unterhalten. Da darf es auch etwas gutes zu essen geben oder eben das, was so jeder unter gut versteht. Das reicht doch völlig aus.

Bücher wären der große Renner. Der Kommentator meinte, dass das für die Bildung gut wäre. Da bekomme ich schon wieder einen kleinen Schluckauf. Ich stelle mir gerade vor, wie Bestsellerautorin Katzenberger (ich weiß jetzt nicht mal, wie sie mit dem Vornamen heißt) zur Bildung beiträgt.

Gut vielleicht so: Sie kann nichts, sie weiß nichts, ist V.I.P., kocht in Kochshow, ist Bestsellerautorin (mit Ghostwriter) und hat ihr eigenes Parfüm kreiert (zumindest ihren Namen dafür hergegeben), ist Kaffeehausbesitzerin, wo andere für sie arbeiten.

Na, da können wir ja rund um die dümmste Blondine im Deutschen Fernsehen unser Weihnachtsfest gestalten. Vielleicht wird auch noch irgendein süßliches Bier mit Feige oder ein Softdrink von ihr kreiert und schon könnten wir uns zum Weihnachtsfest auch noch Kopfschmerzen antrinken.

Na, wenn das nichts ist ...


PS: Nachtrag: Heute, am 27. habe ich schon wieder andere "Forschungs"ergebnisse gehört. Da kaufen wir wieder wie die Blöden Weihnachtsgeschenke und kurbeln den Konsum an. Weihnachtsgeschenke werden im Wert von rund 290 EUR gekauft. Wirklich: Es weihnachtet und es wahlkämpft.




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