Samstag, 10. November 2012

Lasst doch mal die Kirche im Dorf

In mir kocht es immer wieder, wenn ich die oberflächlichen Medienbericht und Einlassungen von Parteien zum Betreuungsgeld höre oder lese. Ich finde zwar auch, dass das überflüssig ist, wie ein Kropf, da arme Eltern nichts davon haben, obwohl gerade die das bitter nötig hätten.

Ich stelle mir mal so ein einjähriges Baby vor, dass da irgendwo in einer Kita herumliegt, mal auf den Rücken, mal auf den Bauch, den Kopf hebt, vor sich hinkräht und nun Sprachkompetenz erwerben soll. Es wird ja auch "allein" betreut. Die Erzieherin hat nur für dieses Kind ein Auge. Es hebt es hoch, wenn das Baby es möchte, es die Welt aus einer anderen Perspektive sehen will. Oder doch wohl eher nicht, weil sie mehrere Einjährige betreuen muss. Dann wird es etwas älter und rutscht auf den Knien herum und erwirbt deutsche Sprachkompetenz, falls die eigene Mutter, der eigene Vater eine andere Sprache spricht. Dass das Kind in diesem Alter vielleicht nur Ma oder Tata oder irgendetwas dazwischen sagt, spielt bei dem Kampfbegriff der Sprachkompetenz wohl keine Rolle. Mama und Papa ist international.

Anders sieht es ab 3 Jahre aus. Dann erwirbt das Kind wirklich Sprachkompetenz. Dann ist es sinnvoll, das Kind in eine Kita zu schicken. Die meisten Kinder gehen dorthin auch sehr gern, weil sie dort mit anderen Kindern in ihrem Alter spielen und tollen können.

Aber, was wird gemacht? Man verunglimpft diejenigen, die ihre Kleinstkinder NICHT in staatliche Obhut geben wollen. Da wird von Herdprämie gesprochen, vom Rückfall in alte Verhältnisse und so'n Müll. Nichts ist besser in den ersten 3 Jahren, wenn das Kind bei Mutter und Vater ist. Dort erhält es seine geistigen Anregungen. Und da muss das Kleinstkind nicht Mozart hören oder chinesische Vokabeln vorgespielt bekommen. Das ist spießbürgerlicher Humbug von Neureichen. Es reicht, wenn ein Kleinstkind seine kleine Welt begreifen lernt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Und es reicht, wenn sich Kleinstkind immer wieder in die Arme der Mutter, des Vater genommen wird und dort Geborgenheit und Vertrauen lernt. Wer nicht bereit ist, des lieben Geldes wegen oder der Karriere wegen, das als Eltern zu leisten, verdient kein Kind. 

Letztendlich wird doch nur das Kleinstkind als Vorwand genutzt. Das klingt so schön, dass sich eine Regierung um seine Minibürger kümmert. Das erscheint so warmherzig und vor den Wahlen suggiert das "kümmern". "Ich liebe euch doch alle", sagte mal ein kleiner Mann in ehemals hoher Position in der DDR-Volkskammer 1990. Das war damals lächerlich und heute ist es wieder lächerlich.

Es geht im Grunde doch nur darum, Frauen ökonomisch besser verwertbar zu machen. Was ist das denn für ein Argument, dass Frau nach 3 Jahren zu Hause nur ganz schwer den Anschluss ins Berufsleben findet, falls sie das möchte. 

Die Antwort kann doch nicht lauten: Gebt die Kinder in die Kita.

Die Antwort MUSS doch lauten: Zwingt die Betriebe dieses unmenschliche Aussortieren zu beenden. 3 Jahr mal nicht im Job ... Na was ist denn schon dabei? Etwas Nachhilfe und etwas Einarbeitungszeit und alles ist okay. Tönt man nicht allerorten, dass Fachkräfte fehlen? Hier sind sie! Nicht perfekt, aber was solls ... Fachkräfte! Man könnte, wenn man denn wollte, aber man will nicht. Und dort liegt doch die Misere. Die Betriebe kann man nicht dazu zwingen. Oder doch? Wenn man mal richtig überlegt, sollte doch auch das machbar sein. Nicht zwingen, Anreize setzen. Nur, müsste man dann mal wirklich nachdenken und wer will das auf Regierungsseite schon. Dort hat man Agenturen, die für einen denken und denen ist es schnuppe, was gut für die Menschen wäre.

Und das ärgert mich auch maßlos an linken Positionen, die damit voll ins neoliberale Horn tuten. Von denen verlange ich, dass wenigstens sie mal nachdenken.

Es steht hier an dieser Stelle außer Frage, dass arbeitslose Frauen und Niedriglöhnerinnen dringend auf eine Unterstützung zur Kindererziehung angewiesen wären. Nur um die Frauen geht es nicht.