Mittwoch, 28. November 2012

Stellen sie sich vor ...

..., es gäbe ein Land, wo jeder, der Hilfe braucht, auch Hilfe bekommt"

Werbespot HIER

Wer oder was ist gemeint? Gibt es so ein Land? Meinen die das Märchenland. Ach nein, da gibt es den bösen Wolf, der die Großmutter frisst.

Wo bitteschön ist dieses Land, wo jeder, der Hilfe braucht, auch Hilfe bekommt?

Deutschland soll das sein, wie mir der Werbespot weis machen will? Deutschland???

Das Deutschland, das ich kenne, macht gerade das Gegenteil. 

Es schließt Jugendklubs z.B., die die schöne weiße (unschuldige?) Papierwelt gerade eröffnet hat oder so tut, als ob sie welche eröffnen wollte. 

Gut, die schöne, weiße, unschuldige Papierwelt ist nicht von dieser Welt. In der wirklichen Welt geht es andersherum. Die sieht grau aus. 

In der wirklichen Welt, werden Schwangere kurz vor ihrem Mutterschaftsurlaub zu irgendwelcher Arbeit verdonnert und wehe sie machen die Arbeit nicht: Strafe!

In der wirklichen Welt werden alle diejenigen Personen non grata, die keine Arbeit haben. Was sagte kürzlich ein Mädchen, so ungefähr 14, 15 Jahre alt im Fernsehen? "Wenn viele aus meiner Klasse ihre Eltern sehen, die den ganzen Tag nichts weiter tun, wollen die das auch und strengen sich nicht mehr an." Der Kommentator dazu bekräftigend: ja, was sind das für Vorbilder, die in der Hängematte liegen und daraus nicht mehr heraus wollen. So sinngemäß gestern zufälliger Weise gesehen.

In der wirklichen Welt straft reich arm: Sind selbst dran schuld, dass sie arm sind, nun müssen sie sich nicht wundern, auch noch die Knute zu spüren, sprich Sanktionen/Strafen bei H4. Und was macht arm? Arm bedankt sich für die Knute und windet sich unter ihr. Arm denkt, hoffentlich bin ich nicht der Nächste, der bestraft wird, statt sich endlich, endlich mal zusammen zu tun und dem Knuteschwingendem in den Arm zu fallen und sich zu wehren.

Ich frage mich, was aus einem Land werden soll, wo Tausende von Menschen Angst vor Strafen haben müssen und weitere Tausende tagtäglich bestraft werden für nichts und wieder nichts. 

Was soll aus einem Land werden, wo Menschen im übertragenem Sinne geprügelt werden?

Muss ich der DDR wirklich hinterherheulen? Ich wollte das eigentlich nicht. 

Aber was passiert hier und heute: Alte werden abgezockt von Bankencasinos und keiner hilft ihnen. Kranke werden von ihrer Krankenkasse im Stich gelassen und es interessiert kein Mensch.

Jugendliche stehen vor ihren geschlossenen Jugendklubs und wissen nicht wohin. Soziale Projekte müssen wegen Geldmangel eingestellt werden. 

Die Bildung krebst an unterster Linie und keiner hilft. Das imaginäre Deutschland schon überhaupt nicht. Dem ist das nämlich egal. Diejenigen, die für Deutschland interessant sind, können sich Privatschulen leisten. Ein Kabarettist aus Sachsen sinngemäß dazu meinte: Nicht in der Diktatur der DDR fehlten Lehrer, hier in der Demokratie fehlen sie. Das wollte er nur mal gesagt haben.

Und wieso gab es beim Brandunglück im Schwabenländle in der Behindertenwerkstatt einen transportablen Ofen, der mit Propangas beheizt wurde? Mit einer danebenstehenden Flasche? Wieso? Gehörte sich nicht ein separates Heizhaus oder wenigstens einen Heizungskeller für das Gebäude? Man stelle sich vor, ein Gebäude, wo mit Holz und Farben hantiert wird. War eine richtige Heizung etwa zuviel verlangt?

Wieso muss ich spenden, bevor Misstände in diesem Land behoben werden? Haben wir nicht ein paar Hansel gewählt, die alles in ihrer Macht stehende für das Volk in Deutschland tun sollen? Zahlen wir nicht Steuern, die gerade für solche Fälle parat stehen und nicht an irgendwelche Spezies verschleudert werden sollten für irgendwelche Projekte, die niemand will?

Können die Kriegsgewinnler aus dem heißen Krieg gegen Länder der Welt und aus dem kalten Krieg gegen die Normalbürger überall in Europa nicht endlich zur Kasse gebeten werden? Muss ich extra dafür eine Fersehlotterie haben und Lose kaufen?

"Stellen sie sich vor, es gäbe ein Land, wo jeder der Hilfe braucht, auch Hilfe bekommt."

Vorstellen kann ich mir das schon. Aber Vorstellungen und Wirklichkeit - das bekomme ich nicht zusammen.

Für mich klingt der Werbespot zynisch, sehr zynisch. Wir lassen die Infrastruktur verrotten. Wir stürzen die Menschen in die Armut oder drohen ihnen Armut an, wenn sie nicht tun, was Reich will, dann verkaufen wir ihnen Lose, damit sie mit ihrem eigenen Geld helfen. Das untere Drittel hilft dem unteren Drittel, damit das obere Drittel weiter unsere Steuern verprassen kann. Na, wenn das nichts ist? Das muss einen erst einmal einfallen. Das muss man auch erst einmal so in die Massen bringen, dass die das annimmt und froh gemut das macht, was Reich will und sich dabei noch wohl fühlt. 

Andersherum gesagt: Der Werbefilm für die Fernsehlotterie ist genial. Genial für diejenigen, die ihr Hirn ausschalten und BILD lesen, es darf auch der Focus sein.

Kommentare:

  1. Der DDR "hinterherheulen" vielleicht nicht gerade...aber es fällt mir im Moment sehr schwer, irgendwelche positiven Tendenzen in meinem Leben, nach dem Beitritt zur BRD, zu erkennen.
    Es ist im Moment so, daß mir das in der DDR über weite Strecken besser gefiel, als das heute. Einer der wichtigsten Gründe ist die heute fehlende soziale Sicherheit gerade was Arbeitsplätze angeht.
    Ein anderer Grund wäre das "Westfernsehen". ;)

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    1. Genau. In einem anderen Blog meinte jemand, dass nach dem Anschluss der DDR herauskam, wie groß das Wohlstandsgefälle zwischen den beiden Ländern war. Ich sehe das nicht so. Wohlstand sind doch am wenigsten die Anzahl der Konsumgüter oder ein Auto. Wohlstand drückt für mich aus, dass ich in Ruhe und Sicherheit meiner Arbeit nachgehen kann, dort geschätzt werden und nicht nur einen Job absolviere. Wohlstand heißt für mich auch in Konzerte gehen zu können, weil ich mir das leisten kann. Wohlstand heißt für mich, dass ich mich für kleines oder gar kein Geld bilden kann und zwar bis ins hohe Alter. Das hatte ich alles in der DDR und das wurde mir weggenommen.

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    2. Inzwischen gibt es das Wohlstandsgefälle schon längst und zwar in der gesamten BRD: Leute, die nicht genug Geld verdienen - andere, die zuviel davon haben.
      Als Leiharbeiter seit 10 Jahren, ich bin außerdem 57, verspüre ich manchmal so etwas wie Hass auf dieses ganze System...
      Mir hilft dann oft nur noch mein Humor und etwas Zynismus um mit dieser ganzen Chose umzugehen.

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    3. In mir kommen auch oft Hassgefühle zum Vorschein, z.B. wenn ich dieses Geschmeiß, was uns so im Fernsehen als V.I.P. vorgeführt wird, sehe und wie man denen in den Allerwertesten kriecht. Hass kommt in mir hoch, wenn ich die Werbung sehe, wenn jemand im Brustton der Überzeugung sagt und noch mit stolz, dass er z.B. 1,6 Mio (war der höchste Betrag) verdient, nicht im Monat, aber im Leben. Man stelle sich vor: 45 Arbeitsjahre, dann so ein Klacks. Andere bekommen das fürs Nichtstun oder für unnütze Vorträge im Monat oder an einem Abend. Und hier in diesem Land wird mit Widerwillen auf diejenigen geschaut, die das Land am Laufen halten für nen Appel und nen Ei. Noch schlimmer trifft es die Aussortierten, denen man jegliche Menschenwürde abspricht. Ich bin eigentlich kein Mensch, der Hass verspürt, aber den Stellen schon und zwar auf die Besitzer von alles und allem und weil wir uns das alles gefallen lassen und viele es noch schön reden.

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  2. Nach knapp zwei Jahren übermäßigen Film- und Fernsehkonsums - ich komme aus einem "Tal der Ahnungslosen" und hatte dementsprechenden Nachholebedarf, bin ich seit langem resistent gegen alles was den Ferneher, Werbung oder Informationen aus Zeitungen (außer der "Jungen Welt") angeht.
    Die Nachrichten verschweigen uns die Hälfte, man erfährt nur, was dem gegenwärtigen System nützt oder gegen unliebsame Staaten verwendet werden kann.
    Leider glaubt der Durchschnitts-Altbundesbürger aus Gewohnheit ? meistens auch noch alles, was uns diese "Qualitätsmedien" so vorsetzen.
    Jedenfalls, unter Pressefreiheit habe ich mir was anderes vorgestellt; nicht so eine Einheitspresse , die ich aus der DDR schon kannte.

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    1. Nur noch Ergänzung: Nicht nur der Durchschnitts-Altbundesbürger, auch viele, die in der DDR groß geworden sind, glauben an den Mist, der ihnen vorgesetzt wird und quattern das treu und brav nach. Und Pressefreiheit? Hier wird eben alles mit Geld geregelt. Was haben wir doch damals gelernt? Der Staat ist das Machtinstrument der herrschenden Klasse, er ist der Überbau zu den herrschenden Produktionsverhältnissen. Ich setze noch dazu, dass die Medien das Sprachorgan sind.

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  3. Auch von mir noch eine letzte Ergänzung: Ein Artikel aus "Ossietzky". Man findet dort sehr viel zum Nachlesen; alles natürlich aus "linker" Sicht...
    http://www.ossietzky.net/16-2009&textfile=696

    Einen Guten Rutsch in´s Neue Jahr!

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    1. Auch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Danke für den Link. Zum Link: Ich hatte es schon mal an anderer Stelle kommentiert. Ich habe von 1992 bis 2007 in BW gearbeitet. Viele Frauen dort waren neidisch, weil ich so unkompliziert in der DDR studieren konnte und Arbeit und Studium unter einen Hut bringen konnte. Ich spreche dabei von Fernstudium oder -wie ich - organisiertes Selbststudium, oder Abendstudium sowie vor allem Frauensonderstudium vor allem für Mütter. Sie waren über die Förderung sehr erstaunt und meinten, da hätten wir auch studiert. Die meisten konnten es nicht, weil sie nicht aus begüterten Familien kamen.

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