Donnerstag, 6. Dezember 2012

Deutschland, wie es leibt und lebt ...

... unter seinen selbsternannten Eliten.

Ich bin sicherlich ein bisschen doof. Ich gehöre auch nicht zur Elite, deshalb vestehe ich den Satz von Gauck nicht. Für mich ist er nur ein hirnloses Dahergeschwafel:

»Sie mögen sich vielleicht nicht reich fühlen – aber vermögend, das sind Sie allemal. Denn Sie verfügen über Fähigkeiten und Ideen. Sie haben Zeit, die Sie anderen zuwenden, und Sie haben das Vermögen, sich anderen zuzuwenden. (…) Und wenn wir uns über die unterschiedlichen Arten unseres je eigenen Vermögens unterhalten, dann haben alle diese verschiedenen Gaben, die wir einsetzen für andere, etwas gemeinsam: Dieses Vermögen vermindert sich nicht, wenn wir es teilen. Im Gegenteil: Es vermehrt sich! Das kann man nicht von jeder Art von Vermögen sagen.« 

Das sagte er, als er Ehrenamtliche auszeichnete. 

Leider kann man dies auch für jede Art von Unvermögen sagen: Es vermehrt sich! 

Jeder Tag kündet davon.

So meinte Nokia-Siemens, dass die Mitarbeiter dran schuld wären, wenn die Firma jetzt geschlossen werden müsse. Sie - die Mitarbeiter eben - wären zu ungebildet, zu faul, nicht servicebereit und was weiß ich nicht noch alles. Vielleicht haben die Manager noch gedacht, dass dieses Pack auch noch Geld wegträgt, was eigentlich rechtmäßig ihnen - den Managern - zugestanden hätte. 

Wir klagen über immer mehr Krankenhauskeime und lassen die Krankenzimmer von überforderten und viel zu kleinen Putzkolonnen putzen. Wieso wundern wir uns über den Dreck in dem Keime sich pudelwohl fühlen?

Vielleicht sollten wir die Vermögenden als Personal rekrutieren. Nee, nicht die Geldvermögenden, sondern die, die ehrenamtlich schaffen, also aus Spaß an der Freude. Schließlich sind diejenigen die wahren Vermögenden. Essen müssen sie nicht. Das ist dabei nicht vorgesehen. Und wovon sie Miete, Energie und Anderes zahlen sollen ... Wir haben schließlich Steuergelder.

Und die Steuergelder müssen richtig verwaltet werden. Und wer könnte das besser als die Argen. Ach was sage ich - Argen ... Die wurden mittlerweile in Erziehungsanstalten umbenannt. 

Rauchern wird das Rauchen abgewöhnt. Und wehe sie weigern sich. Schließlich kann alles und jedes sanktioniert werden und wenn es nach den Angestellten dort geht, so schnell wie möglich auf Null.

Ältere Leute bekommen Schrittzähler (echt, nicht erfunden). Die alten faulen Säcke sollen endlich aktiviert werden. Da hocken sie nur in ihren Wohnungen herum, werden fett und träge. Dank unserer Erziehungsanstalt "Arge" werden sie jetzt aktiviert. Und wer die meisten Schritte zurücklegt, bekommt auch noch eine Prämie. Vielleicht einen Schokoweihnachtsmann? 

Das kann ich mir ja nun nicht vorstellen. Schließlich könnte man arbeitslose Menschen auch zum Schokientzug verdonnern. Da würde eine Schokoweihnachtsmannprämie kontraproduktiv sein.

Man könnte sie auch zu WeightWatchers schicken. Die dort verdienten noch etwas dazu und die Arbeitslosen wären raus aus der Statistik. Wenn die zum Abnehmkurs verdonnerten dann doch nicht abnehmen, kann man sie sanktionieren. Und - siehe oben - wer das meiste abgenommen hat, darf einen Extranudelsalat essen. So als kleines Zwischendurchleckerli.

Arbeitslose, die zu dünn sind, könnte man dann auch zu McDonalds schicken. McDonalds bekommt diese Verdickungsmaßnahme bezahlt. Nicht aber, dass nun jeder Arbeitslose dick werden könnte, wie er wollte. Jeder Arbeitslose bekommt eine bestimmte Kilozahl zugeteilt. Wenn er drüber ist, kann er sanktioniert werden. Das würde ja zeigen, dass auf ihn kein Verlass ist, dass er zu keiner zielgerichteten Ausübung irgendeiner Funktion taugt.

Am besten, wir machen sie alle zu Vermögenden. 

Wer will denn noch für eine Arbeit bezahlt werden, wenn er die auch ehrenamtlich erledigen kann und zum Vermögenden dadurch wird. Deshalb wurden auch viele Stellen, die Lohn kosten, wegrationalisiert. Ist schließlich folgerichtig. Dann könnten wir endlich nicht mehr in eine Neiddiskussion abtriften, weil wir ein Volk von Vermögenden wären.

Halt. Ganz so einfach ist es nicht. Diejenigen die nur ein schnödes Geldvermögen haben, werden schnöde ausgeplündert. Man erlaubt sich doch - man stelle sich das doch vor - scheinbar Maßnahmen zu ergreifen, die die Steuerflucht verhindern sollen. Man will (Absichtserklärung, aus der nie was wird) - ich glaub es kaum - Schwarzgeld finden, damit es versteuert werden kann. Das geht so aber nicht, wie ganz richtig SPON meinte, solche Maßnahmen würden nur den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden. Es geht doch nicht an, dass Geldvermögende Steuern zahlen müssen. Das Ansinnen ist eine unerhörte Frechheit.

Ach, was lob ich mir da die wirklich Vermögenden, die Ehrenamtlichen. Deren Vermögen wächst und wächst und wächst ...

Leider merken die nur nichts davon. Gottseidank haben wir unseren Obergauckler, der endlich mal Klartext redet. Denn: Das muss man doch mal sagen dürfen ...



Kommentare:

  1. Die "Arge" nennt sich heute "Jobcenter". Das klingt hübscher und modern, innovativ und vielversprechend ... jedenfalls menschlicher.

    Was Gauck betrifft: Als ehemaliger Pfaffe fehlt es ihm wohl nicht an Lobpreisung, was des Lobes wert ist. Auch nicht an Witz, mit einem Schuss Ironie verfeinert. Solange er nicht mit dem Klingelbeutel durchs Land zieht ...

    Was Ehrenamtliche betrifft: Bitte nicht verwechseln mit 1 Euro-Jobbern. Da gibt es noch feine Unterschiede, was Respekt und Anerkennung betrifft.

    Aber: Der Tag wird kommen, an dem ein Bundespräsident auch Arbeitsdienstler auszeichnet.

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    1. Stimmt, Ehrenamtliche werden ausgezeichnet! Nur, meine ich, wenn wir nur noch Ehrenämter haben, dann würden auch 1-Euro-Jobber wegfallen. Die bräuchte es nicht mehr und wir wären, wie Gauck meinte, alle Vermögende. Wenn das nichts ist? ;)

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  2. "Was Ehrenamtliche betrifft: Bitte nicht verwechseln mit 1 Euro-Jobbern. Da gibt es noch feine Unterschiede, was Respekt und Anerkennung betrifft."

    *lacht*
    Mit der Ironie bin ich wohl nicht rübergekommen.
    Wollte damit sagen, dass 1 Euro-Jobber als Ehrenamtliche noch nicht anerkannt wurden.
    Ich werde mich bessern.
    :-)

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    1. Man hält das heutzutage nur noch mit Ironie aus, sonst würde man verrückt werden.

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