Mittwoch, 30. Januar 2013

80 Jahre und kein bisschen unaktueller

Am 30. Januar 1933 wurde Hitler auf den Thron gehoben. Er kam nicht einfach als Orkan über uns. Er war erst ein laues Lüftchen, was von vielen Deutschen damals als angenehm empfunden wurde. Es war eine Zeit, als gegen alles, was sogenannt undeutsch war, gehetzt wurde. Sinti und Roma waren diebische Elstern. Man richtete auf Deutsche den Finger und fand sie "zigeunerisch", weil sie nicht ins brave, spießige und konservative Weltbild vieler passten. Man ging gegen sogenannten Asoziale mit brachialer Gewalt vor. Und Juden waren an allem schuld. Deutschland fühlte sich fast kollektiv als Paria der Welt, wo es doch einen Platz an der Spitze der Weltgemeinschaft hätte einnehmen sollen, zumindest in den Vorstellungen sogenannter bürgerlicher Kräfte. So wurde aus dem lauen Lüftchen ein Sturm, daraus wurden Sturmstaffeln und Hitlers 3. Reich war als Diktatur geboren. Deutsche Industrielle witterten Morgenluft. Es konnte wieder losgehen. Sie sahen die Möglichkeit, ihre Profite ins Unermessliche zu steigern. Sie bekamen die Möglichkeit, Arbeiter auszuquetschen, ohne dass ihnen jemand reinfunken konnte. Denn die wurden mundtot gemacht. Erst kamen die Kommunisten dran, dann die Sozialdemokraten, dann die Gewerkschafter und dann auch die Christen, die, die sich wirklich als Christen verstanden. Sie wurden in Zuchthäuser und Konzentrationslager gesteckt: Brandenburg, Börgermoor, Buchenwald ... Hinzu kamen dann die Vernichtungslager Auschwitz, Treblinka, Dachau und wie sie alle hießen. HIER kann man nachlesen, wo überall gemordet wurde.

Es kam alles ganz allmählich und keiner konnte hinterher sagen, er hätte nichts davon gewusst. Die Fensterscheiben jüdischer Geschäfte wurden eingeschlagen. Jede Stadt trieb ihre jüdischen Einwohner zusammen und demütigte sie. In Leipzig sahen Leipziger, wie im Zoo zwischen Ufer- und Parthenstraße Hunderte von jüdischen Männern, Frauen, Greisen und kleinen Kindern in das Parthebett hinunter getrieben und dann von oben beschimpft und bespieen wurden. Sie sahen es. Sie bekamen mit, dass Geschäfte, Betriebe "entjudet" wurden. Sie bekamen mit, dass jüdischen Lehrkräfte, Doktoren und Professoren nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen durften und sie bekamen auch mit, dass diese Menschen zu den Zügen getrieben wurden und verschwanden. Menschen, die südländisch aussahen wurden auf den Straßen aufgegriffen und in die Polizeireviere verschleppt. Sie hätten ja Juden sein können. Deren Arbeitskollegen, es betraf eine Arbeitskollegin meiner Mutter, bekamen mit, was passierte, wenn man nicht Deutsch aussah, obwohl man ein stinknormaler Deutscher war. Viele Menschen bekamen mit, als sie dienstverpflichtet wurden, dass es in ihren Betrieben polnische/russische Zwangsarbeiter gab, die kaum etwas zu essen bekamen und die kaum etwas Vernünftiges auf dem Leib trugen. Sie sahen neben den Unternehmen die Zweiglager/Arbeitslager der KZ's, wo die Zwangsarbeiter erbärmlich untergebracht wurden. Sie bekamen es alle mit. Teilweise halfen sie voller Angst um ihr eigenes Leben im Verborgenen den Zwangsarbeitern. Nur sie konnten sich nicht hinstellen und meinen, dass sie nichts gesehen, nichts gehört, nichts gewusst hätten. Das ist die Lebenslüge vieler Deutscher nach dieser Zeit.

Wir sind gebrannte Kinder.

Wieso - frage ich - wieso lassen wir uns nun wiederum gegen andere Menschen aufbringen. Heutzutage sind die Juden Moslems, wiederum Roma und Arbeitslose und Rentner. Es sind Menschen, die so sind, wie du und ich, aber anders aufgewachsen sind, andere Traditionen und Bräuche haben. Es sind eure Mütter, eure Väter, eure Onkels und Tanten, die man diskriminiert, nur weil sie keinen Arbeitsplatz haben oder weil sie schlicht und ergreifend nicht mehr jung genug sind und man sie nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz haben möchte. Oder es sind Omas und Opas, die ihr Leben lang gearbeitet haben, den Reichtum des Landes aufgebaut haben und nun im Alter darben sollen, weil sie ökonomisch nicht mehr verwertbar sind. 

"Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen." (Ich schreibe das Sprichwort nicht dem Zeitgeist gemäß um.) 

Und wiederum wird gegen Menschen vorgegangen, die links in ihren Ansichten stehen, die aus der Geschichte gelernt haben und gegen Naziaufmärsche blockieren. Die Nazis werden hier im Staat geschützt und diejenigen, die sich dagegen engagieren, werden mit genau den gleichen Anklagepunkten überzogen wie damals im sogenannten 3. Reich.

Wieso wehren wir uns heute nicht gegen eine Politik, des "Wir-sind-wieder-wer-in-der-Welt". Ist uns das wirklich so wichtig? Haben wir so ein winziges Ego, so dass wir das brauchen, die Größten und Schönsten zu sein?

Wieso wehren wir uns heute nicht gegen eine Politik, die das deutsche "Modell" auf andere Staaten in Europa und außerhalb Europas übertragen will. Was ist an dem deutschen "Modell" so überaus gut? Sind es die Niedriglöhne? Der sklavische Arbeitsmarkt? Die diskriminierende Behandlung von Menschen die aus dem Arbeitsprozess aussortiert worden sind? Die Arbeitshetze, die die Menschen krank macht? Das Ausspionieren der Arbeitskräfte an ihrem Arbeitsplatz?

Im Allee-Center meines Stadtviertels steht an der Kasse eines Bäckers, der dort auch ein Café betreibt: Arbeitszeit ist Leistungszeit. Was will uns das sagen? Sind die Menschen nur faule Säcke und müssen von ihrem Arbeit"geber" zur Leistung angetrieben werden? Würden sie sonst leistungslos (die FDP lässt grüßen) Geld einstecken und den Arbeit"geber" in den Ruin treiben? Ist es menschenimmanent Gäste auf ihren Stühlen sitzen zu lassen und ihnen kein Kaffee und kein Stück Kuchen zu servieren, sie schlichtweg zu übersehen? Muss man als Bedienkraft in einem Café erst daran erinnert werden, dass man die Gäste bedienen muss? Arbeitszeit ist Leistungszeit. Und so etwas lassen wir uns gefallen. Es ist ein inhumaner Spruch, der die Arbeit"nehmer" diskriminiert. Ein Spruch, der postfaschistisch ist und mit "Arbeit macht frei" korrespondiert.  Dieser Spruch ist nun eine wirkliche Diskriminierung der Frauen, die dort arbeiten und nicht nur solche Albernheiten, wenn einer Frau mal auf den Busen geschaut wird. 

Und das Modell ist besser als alles andere auf der Welt. Na dann Prost.

Repression nach innen und Geldaggression nach außen. So ist Deutschland heute. Das Grundgesetz ist das Papier nicht mehr wert, wo es darauf geschrieben steht. Seine Paragraphen werden immer mehr ausgehöhlt.

Wir sind gebrannte Kinder.

Gebrannte Kinder sollten anders handeln. Gebrannte Kinder sollten keine Kriege in aller Welt für irgendwelche Wirtschaftsbosse führen, die uns dann zum Dank für unsere Unterstützung, für die Verheizung unserer Steuergelder, auf die Straße setzen.

Wir sollten dadurch in der Welt auffallen, dass wir die Stärke des ehemaligen deutschen Systems, die soziale Ausgeglichenheit wieder einführen. Das hat Deutschland stark gemacht und nur das. Der jetzige Weg führt wieder einmal in den Untergang. Ein Umsteuern sehe ich nicht. Da ein Umsteuern auch verlangt, dass wir kleinen Leute uns nicht mehr gegeneinander wenden und nicht mehr das Merkel lieben und meinen, dass sie ihren Job gut mache.  

Wenn wir soweit kämen, dass wir wieder eine soziale Marktwirtschaft hätten, wäre zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung getan. Dass dieser Schritt nicht der große Wurf ist, versteht sich von selbst, da die Eigentumsverhältnisse nicht angetastet werden würden. Aber wenn alle verstünden, dass wir solidarisch zueinander stehen müssen, dann wäre schon viel getan. Denn, was ist an einem Moslem anders, als an einem Christen, an einem Atheisten, an einem Buddhisten oder sonst wem? Nichts. Wir wollen alle in Frieden leben, unser täglich Brot haben und ein paar kleine Nichtalltäglichkeiten. Egal wer wir sind. 

Fundamentalisten sind immer von Übel. Dabei spreche ich nicht einmal von muslimischen Fundamentalisten, die uns lt. Friedrich überall umzingeln. Merkel ist auch eine, eine ökonomische Fundamentalistin. Alle Fundamentalisten sind von Übel, weil sie eine einseitige Weltsicht haben und unbeweglich sind. Fundamentalismus führt in der Regel zu faschistischen Gesellschaftsordnungen, wo ein Teil der Menschen und zwar diejenigen, die die ökonomische Macht in den Händen halten und deren Handlanger, einem anderen Teil der Menschen vorschreiben, wie sie zu leben haben.

Heute am 30. Januar sollten wie einmal innehalten und über die Geschichte nachdenken. 

Kommentare:

  1. Wenn ich nur die Geschichte unserer "Befreier" lese, glaube ich auch das alles. Aber ich lese noch ein bißchen mehr.
    Ist denn Euch das ganze Gehirn abhanden gekommen und bei Paolo Pinkel und seinen Freunden gelandet ?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Was soll mir diese Antwort sagen? Nichts Genaues weiß man nicht. Wenn Sie auf die Beispiele abheben, ist das Ihre Angelegenheit. Sie sind von Augenzeugen aus dem Familienkreis. Anderes ist historisch eindeutig belegt. Ansonsten ist das sinnloses Geschwafel, eindeutig TROLL.

      Löschen
  2. Hallo PeWi,
    wir sind aber nicht alle gleich. Und die Menschen ändern sich, wenn überhaupt nur langsam.
    Aber zum Thema habe ich hier einen guten Artikel:
    http://www.ef-magazin.de/2013/01/29/4002-psyche-der-nazis-aufklaerung-ohne-konsequenzen
    Aber mit einem gebe ich Dir Recht - mit neuem Unrecht läßt sich kein Recht schaffen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den Link. Irgendwie scheint es mir, dass Sie den Post nicht von Anfang bis Ende durchgelesen haben, eher diagonal oder überflogen. Nirgendwo steht geschrieben, dass wir alle gleich wären. Halt: Nur in einer Beziehung. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der nicht das Grundbedürfnis "Frieden, Nahrung und ein bisschen "Firlefanz" dazu" hatte. Und ich war in sehr vielen Ländern auf fast allen Kontinenten der Erde. Und dort habe ich vor allem mit kleinen Hanseln gesprochen vielfach tief Gläubige - egal ob Hindu, Muslim, Christ, Buddhist - Keiner wollte Krieg, Hunger und Armut. Das wäre der Umkehrschluss zu meinem Satz. Und wenn wir dazu die Besonderheiten anderer respektieren, wäre schon ein Anfang gemacht, den sich aber sehr viele Menschen verschließen, vor allem weil es sozial ungerecht zugeht und wir einen Sündenbock haben. Natürlich sind bei mir IMMER diejenigen außen vor, die die Macht ausüben, weil sie alles besitzen. 1. kenne ich keine, 2. will ich keinen von diesen kennenlernen und 3. rede ich niemals mit Asozialen und befasse mich auch nicht mit denen.

      Löschen
  3. Und ich gehe noch weiter: Wir tun das was wir damals mit Juden und anderen getan haben heute im ganz grossen stil (und noch viiieeel grösseren Stil als damals) mit den Tieren. Zu Millionen werden sie jährlich versklavt, ausgebeutet, vergewaltigt, missbraucht und ermordet. Und alle schauen zu....

    Es gibt da einen schönen Spruch: Auschwitz beginnt dort wo jemand auf ein Schlachthaus schaut und sagt 'Das sind doch alles nur Tiere'...

    Hinschauen und handeln anstatt weg zu schauen und die Augen fest zu verschliessen - das sind Dinge die die Menschen - nicht nur in Deutschland, und in Bezug auf alles Leben auf dieser Erde - wieder lernen müssen.

    www.earthlings.com
    (Hitler war wirklich ein Waisenknabe gegenüber dem was wir heute tun)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dass wird dir Rechten freuen.

      Löschen
    2. Hä? Was hat das mit den Rechten zu tun? *staun*

      Löschen
    3. Ganz einfach: Sie verniedlichen Hitler (Hitler war wirklich ein Waisenknabe gegenüber dem, was wir heute tun)

      Löschen
  4. Die Diskriminierung geht doch noch weiter mit Ursula von der Leyens Begriff "Lebensleistungsrente". Wer also wenig Rente bekommt, hat demnach nichts im Leben geleistet?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ließen sich noch viel mehr Diskriminierungen finden. Aus jeder Pore unserer Regierung tropft diese. Dabei sei noch hinterfragt: Was versteht wer unter "Leistung"? Ist es nur solche, die man in Geld ausdrücken kann? Das korrespondiert mit Ihrem letzten Satz des Kommentars.

      Löschen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.