Samstag, 12. Januar 2013

Es geht aufwärts

Wo? In Griechenland. Und womit? Den Preisen.

Merkels Sparen hat der griechischen Bevölkerung unheimlich geholfen. Sie können frohgemut und in tiefer Dankbarkeit auf die Deutschen in die Zukunft sehen. Ihre Kinder dürfen in Deutschland sogar arbeiten. Natürlich nicht für den gleichen Lohn wie die Deutschen selbst. Soweit geht es nun auch wieder nicht. Hauptsache, sie haben eine qualifizierten Beruf und - nunja - ein bisschen Deutsch dürfte es auch sein. Nicht viel - vielleicht nur, um Dankeschön sagen zu können, der deutschen Wohltaten wegen.

Und in Griechenland selbst. Da wird fleißig gespart. Die Löhne sind vieler Orts um die Hälfte gesunken. Dafür darf der griechische Normalo auch höhere Mehrwertsteuern zahlen. 

Besonders toll ist, dass der Preis des Heizöls gestiegen ist. Das macht sich besonders im Winter gut, wo es dieses Jahr in Griechenland auch nicht allzu warm ist, eher kalt, Dank des osteuropäischen Hochs. Aber auch der Strompreis stieg. 40% mehr müssen die Griechen dafür berappen. 

Nun ja, im Dunklen bei Kerzenschein, dick in eine Decke eingemummelt, dazu noch das lauschige offene Feuer, wo das kleingehackte Kiefernholz so schön knackt und duftet, was man vom Berg nebenan abgeholz hat, das ist doch eine unbezahlbare Atmosphäre. Oder etwa nicht? Man kann sich in heimeliger Dunkelheit wieder Geschichten erzählen, wie es doch früher war, als es die Monster noch gab. Okay, ich weiß, da muss man nicht soweit zurück in der Geschichte gehen und auch keine Märchen oder Sagen erzählen. Ob nun die neunköpfige Hydra oder die einköpfige Merkel? Worin besteht schon der Unterschied? Gut, die eine gab es nicht und die andere ist Wirklichkeit - bittere Wirklichkeit.

Vor dem Lagerfeuer kann man sich auch die Geschichte vom faulen Ioanni erzählen. Nur weil er nicht arbeiten wollte - ich meine, so richtig flott, effizient - lieber Rentner auf Lebenszeit sein wollte, nur deshalb hat es ihn getroffen. Nein, das ist kein Volksmärchen. Das hat die Märchenerzählerin Merkel in die Welt gesetzt und verbreiten lassen. Andere in Deutschland plappern das eifrig nach. Märchen werden eben von Mund zu Mund weitergegeben.

Ioanni empfindet das aber anders. Er hat immer den lieben langen Tag sich die Hände schmutzig gemacht und geschuftet. Jetzt darf er dafür 1,95 EUR für einen Liter Milch zahlen und einen Jogurt für 1,75 EUR kaufen. Nein, er kauft das nicht beim Feinkosthändler "Käfer". Er müsste das im Tante-Emma-Laden um die Ecke auf die Ladentheke legen. Er darf jetzt auch 3 EUR für die billigste Butter berappen. Zu einem billigeren Laden, obwohl er nicht weiß, ob es den überhaupt gibt, kann er nicht fahren. Bei 1,90 EUR für einen Liter Benzin, hat er schon lange sein Auto abschaffen müssen.

Arbeiten? Ach, Ioanni würde es gern, aber im letzten Sommer hat ein Geschäft nach den anderen zumachen müssen. Auch viele kleine Hotels und Pensionen (in Kreta mindestens 600) mussten den Sommer abschreiben und haben gar nicht erst ihre Pforten geöffnet. Oft schulden die Eigentümer der kleinen Hotels ihrem Personal die Löhne. Wo nichts ist, da kann man nichts holen.

Sparen ist gut. Sparen ist fein. Ioanni würde es auch gern, aber er hat nichts mehr, was er sparen könnte, wie viele seiner Landsleute ebenfalls. Er ist verzweifelt, weil er sieht, wie sein Land zu Tode gewirtschaftet bzw. gespart wird. 

Welche Hoffnung können wir Ioanni geben? Nur die eine: Er war das Versuchstier. Wir werden ihm folgen. Die Pläne dazu liegen schon in Schäubles Schublade.


 

 


Kommentare:

  1. Der Artikel trifft wirklich den Nagel auf den Kopf! Viele Grüße aus Griechenland, wo das Leben wirklich verdammt schwer geworden ist, und die Selbstmordrate jeden Tag eskaliert.

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    1. Ich habe die Fakten aus einem Reisemagazin von Studiosus. Dort hat eine berichtet, die auf Kreta lebt. Mich erschüttert es immer wieder, was den Menschen zugemutet wird und wir alle schauen mehr oder weniger zu und viele haben nur Häme für diese Menschen übrig.

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    2. Danke für Ihr Mitgefühl. Für ein bißchen mehr Einblick in die wirkliche Situation der Menschen in unserem Land kann ich Ihnen den Blog Ellas (elladazoi.blogspot.com) einer in der nordgriechischen Gegend von Kilkis lebenden Deutschen (Maritta Gudrun Efthimiadis) empfehlen.
      Nochmals mit freundlichen Grüßen.

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    3. Danke für den Link, den werde ich nutzen. Übrigens es braucht keinen Dank für Mitgefühl. Mitgefühl sollte für jeden Menschen selbstverständlich sein. Was wären wir als Mensch ohne Mitgefühl? Automaten!

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  2. Toller Artikel. Diese Empathie für Menschen sollten sich die verantwortlichen Politiker in Europa, speziell in Deutschland mal vor Augen führen, denn diese Fähigkeit scheint ihnen völlig verloren gegangen zu sein.

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    1. Danke. Mir scheint, dass man nur Politiker wird, wenn man wie ein Automat Befehle ausführt, die von anderen kommen.

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    2. Liebe Griechen. die Einleitung zu dem Artikel finde ich einfach nur geschmacklos. Leider haben viele Griechen immer noch keine Antenne fuer kausale Zusamenhaenge.Was ich in GR immer wieder erlebe mit den Behoerden ist haarstreubend. Gerne wuerde ich mich mit meinen 4 jaehrigen Erfahrungen mit GR,mit Ihnen austauschen.

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    3. Lieber Anonym, es bestreitet überhaupt niemand, dass in griechischen Behörden sicherlich haarsträubende Dinge geschehen. Genau solche Dinge geschehen auch in Deutschland! Menschenverachtend und gesetzlos. Dazu gibt es genügend Beweise, die hier zu erörtern, der Platz fehlt und es auch nicht darum geht! Ich bringe es mal auf einen ganz einfachen Nenner, dass es vielleicht auch Sie verstehen können. Es geht um hirnrissige deutsche Politik, die meint, wenn niemand mehr Geld in der Tasche hat, es zu einem Aufschwung kommen kann. Es geht um eine hirnrissige deutsche Politik, deren Mittelpunkt ausschließlich der Export ist. Es geht um eine hirnrissige deutsche Politik, die damit prahlt, dass sie den größten und bestausgebauten Niedriglohnsektor in Europa hat und diesen ganz Europa verpassen will. Wer kann dann noch einen Opel kaufen??? Es geht um die Schaffung einer riesigen europaweiten Arbeitskräftereservearmee, die die Konzerne ausnutzen kann, um wieder feudale (mit bürgerlichem Vorzeichen) Verhältnisse herstellen zu können. Griechenland ist "nur" die Spielwiese, das Ausprobierfeld. Wenn Sie immer noch nicht begriffen haben, dass es auch um uns in Deutschland geht, freue ich mich auf den Tag, wo sie es bemerken und es zu spät ist. Dann jammern Sie nicht. Sie scheinen auch noch nicht bemerkt zu haben, dass die Staatsschulden Griechenlands sich vor der Finanzkrise besser entwickelt hatten, als in Deutschland. Erst die Untätigkeit und das offizielle Eröffnen von Spielcasinos statt Banken, hat, aber das ist gewollt, zuerst die Südeuropäischen Staaten kaputt gemacht und diese Ausplünderung der Staaten hat noch nicht halt gemacht. Es geht bis nach Irland, Slowenien und ander osteuropäische Staaten, also alles bis kurz vor Deutschland. Man muss schon ziemlich dämlich sein, zu meinen, dass dieser Kahlschlag vor Deutschland zum Stillstand kommen würde und wir - weil wir die Besten, die Schönsten, die Größten sind - uns heil aus der Affaire retten können. Falls Sie ein Daxunternehmen besitzen in der Größenordnung, wie die Familie Krupp oder Siemens, wird Sie das nicht berühren. Falls sie ein popeliger Arbeit"nehmer" sind, ziehen Sie sich warm an. Aber bei solch einem Kommentar, wie Sie in abgelassen haben, verdienen Sie es nicht anders.

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