Sonntag, 6. Januar 2013

Freiheit ... Freiheit ... Freiheit ...

... Freiheit und so weiter und so fort. Freiheit eben. Einfach mal Freiheit fordern. Wenn die Leute kein Geld mehr haben und nichts einkaufen können - das ist eben Freiheit. Wenn einer verhungert - das ist eben Freiheit. Gesetze sind schlecht - gegen die Freiheit. Steuern sind schlecht - gegen die Freiheit. Wir lieben alle Freiheit. Freiheit ist alles, was nicht einengt. Freiheit ist, wenn jeder das machen kann, was er machen möchte. Freiheit eben.

Alles andere ist Staat. Igittigitt. Gesetze - igittigitt. Steuern - igittigitt. Anderen Menschen unter die Arme greifen, indem man sie nicht verhungern lässt - igittigitt. Jedwede Vorschriften - igittigitt. Subventionen, auch wenn sie sinnvoll sind - igittigitt. 

Eben keine Freiheit.

Ich habe mir ca. 10 Minuten Röslerjüngelchen angetan. Er muss bei Gauck in die Schule gegangen sein. Pastoraler Ton und fast jeder Satz mit "Freiheit". Es war einfach nicht mehr zu ertragen.

Was ist schon Freiheit an sich? Ein hohler Begriff - ohne Substanz. Freiheit an sich, nützt in der Regel fast niemanden. Nunja, vielleicht Räubern und Dieben. 

Frech fand ich, dass er sich darauf berief, dass seine Partei (ist es seine?) die Erben der bürgerlich-demokratischen Revolution 1848 wäre. Nee, da hat Röslerchen wohl nicht ganz bis zu Ende studiert. War vielleicht zu faul dazu. Schließlich, Faulsein müsste seiner Rede nach auch Freiheit sein. 

Die bürgerlich-demokratische Revolution von 1848 war in Deutschland z.B. unvollendet. Aber mal davon ganz abgesehen. Sie stand unter dem Motto Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit! 

Da hat uns Röslerchen gleich mal zwei ganz wichtige Worte unterschlagen. Gerade Gleichheit und Brüderlichkeit standen bei den 48ern ganz hoch im Kurs. Ich würde Rösler gern mal dazu die Dichter des Vormärz empfehlen:  Ferdinand Freiligrath, Georg Büchner, Georg Weerth, Georg Herwegh, Adolph Glaßbrenner im engeren Sinne und auch Heinrich Heine wird im weiteren Sinne dazu gezählt. Ich erinnere auch an den Hessischen Landboten, von Georg Büchner herausgegeben, der gegen die Adligen und die reiche liberale Bourgeoisie Front macht. Nein, Röslerchen kann sich nur auf diejenigen berufen, die die bürgerlich-demokratische Revolution in Deutschland kaputt gemacht haben. 

Auf der Tagesordnung der Liberalen stand damals nur das Wahlrecht für die Reichen. Okay, wo Röslerchen Recht hat, da hat er Recht. Schon im 19. Jahrhundert haben sie nur auf die Reichen geschaut. Nur ging es damals um etwas ganz anderes.

Vielleicht ist es dem heutzutag-Röslerchen entgangen, dass die Gesellschaft nicht nur aus Reichen besteht, denen die Freiheit egal sein kann und denen der ganze Staat egal sein kann. Sie haben - Dank ihres Geldes, was sie auf unsere Kosten sich ergattert haben - die Freiheit, alles zu machen, was sie wollen, ohne auch nur den Staat zu brauchen. 

Bei der Masse der Bevölkerung sieht das schon ganz anders aus. Die kann ihre Kinder nicht z.B. in Privatschulen schicken oder auf Privat-Unis. 

Immer mehr sind darauf angewiesen, dass der Staat ihnen hilft, damit sie nicht verhungern müssen, obwohl das auch in Deutschland schon vorgekommen ist, aber noch nicht die Regel ist. 

Seine ach so freiheitsliebenden Bürger machen Kasse damit, in dem sie dem Staat, d.h. uns, das Geld wegnehmen, damit ihre Profite steigen können, weil sie den Menschen, die die Werte schaffen, nicht das Äquivalent ihrer Leistung zahlen. Das überlassen sie den Staat, der die Steuergelder dafür veruntreut und wettbewerbsverzerrend Löhne aufstockt. Das sind aber wohl Subventionen, die dem Röslerchen wohl nicht stören. Die kommen ja seinen Freunden zu Gute. Störend ist es nur, wenn die breite Masse mal etwas davon abbekommt, was sie an Reichtum erarbeit hat und erarbeitet.

Ach ja, ich vergaß, Wettbewerb ist nur dort, wo es die Profite nicht stört.

Freiheit an sich ist für jemanden, bei dem der Monat immer zu lang ist, bis er wieder Geld in den Händen hält, ein schaaler Begriff. 

Und wenn das Röslerchen alle gesetzlichen Maßnahmen als Unsinn abtut, um wenigstens die Menschen nicht dem Hungertod auszuliefern, dann frage ich mich: Wo lebt dieses Männchen?

Er lebt dort, wo Armutsberichte gefälscht werden, weil nicht ist, was nicht sein darf.

Er lebt anscheinend in einem Ghetto für Reiche.

Er ist noch nie mit offenen Augen durch die Städte geGANGEN. Er hat noch nie zum Monatsende (eigentlich schon ab Monatsmitte) Einkaufscentren besucht. Er hat noch nie mit Rentnern gesprochen, die 200 EUR und weniger im Monat zum Leben haben, nach der Miete. Er hat sicherlich noch nie mit ehemaligen Schleckerfrauen gesprochen, mit Alleinerziehenden, mit Langzeitarbeitslosen, die sehr wohl in der Mehrzahl Fachkräfte sind, mit den aussortierten Menschen 58plus. Dazu ist er sich wohl zu fein. Er ist sich sicherlich auch zu fein, nach Bochum zu gehen, in die Problemviertel der Großstädte, in das Ruhrgebiet oder in den Osten der Republik. Das ist ihm wohl nicht schick genug. Oder er würde sich vielleicht die feinen Schuhe dreckig dabei machen. Wie anders soll ich sonst sein Gesülze verstehen?

Okay, die, die ich aufzählte, sind eben frei, können die Freiheit in vollen Zügen genießen. Frei von allem, auch von der Mühsal sich am 30. eines Monats Essen kaufen zu können. Sie haben die Freiheit die Müllkippe der Lebensmittelindustrie zu sein, um sich hinterher noch die Frage gefallen lassen zu dürfen, warum sie nicht beim Biobauern um die Ecke ihre Lebensmittel kaufen. Und die Frage ist berechtigt. Schließlich haben diese Menschen die volle Freiheit. Das ist doch das Wichtigste, was es überhaupt gibt. Freiheit. 

Mir scheint auch, dass das Röslerchen außerdem nicht aufgepasst hatte, als über unsere menschliche Geschichte unterrichtet wurde. Nun gut, vielleicht war er da gerade krank. Sonst müsste er wissen, dass wir Menschen in unserer gesellschaftlichen Entwicklung als GRUPPE angetreten sind. Wir hatten einen Anführer, der dafür zu sorgen hatte, dass seine Gruppe/Stamm nicht verhungern musste. Da musste schon einer für den anderen eintreten. Wenn wir als "Spezies Mensch" nach der Maxime des Röslerchens gelebt hätten, gäbe es ihn überhaupt nicht, weil wir dann längst ausgestorben wären. Aber das kann er natürlich nicht wissen. Bildung ist eben Glücksache. Wir haben Freiheit in der Gruppe gelebt, als Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit. Und nur das wollte die bürgerlich-demokratische Revolution den Bürgern (Arbeiter waren da nicht unbedingt inbegriffen) wieder zurückholen und zwar von den Adligen. Heute müssten wir uns unser Rechte von den Oligarchen zurückholen. 

Also. Schluss mit dem Gesülze von der nichtsagende Freiheit, die doch nur die Freiheit derer ist, die sie sich auch leisten können. 

Übrigens: Ein gewisser Herr Genscher saß mit recht verkniffenem Gesicht im Präsidium.



Kommentare:

  1. Ja genau! Wie die FDP den Freiheitsbegriff inflationär missbraucht ist nur schwer zu ertragen.

    AntwortenLöschen
  2. Wer macht sich schon den Elektrischen Strom selber und seine Nahrung und sein Wasser?Wer ist so Unabhängig(Frei)?

    Geht das überhaupt?

    Wenn man anfängt sich damit zu befassen geht es vielleicht nur teilweise aber wenn man dran bleibt und keine hohen Ansprüche an das eigene Leben stellt geht es vielleicht eines Tages ganz.Es braucht vielleicht Ideen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, unsere Geschichte, die der menschlichen Spezies sagt etwas ganz anderes. Wir sind Herden"tiere"! Wir haben nicht zum Spaß die Arbeitsteilung schon in der Steinzeit "erfunden". Wir sind Büffel keine Tiger. Wir werden als Spezies nicht überleben, wenn wir uns vereinzeln lassen.

      Löschen
  3. Wir sind nicht Herden-, sondern Hordentiere, wie auch die Affen.
    Das ist ein großer Unterschied! (tut aber für die hier verhandelte Frage der weder mach- noch wünschbaren Autarkie nichts zur Sache)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für die Verbesserung. Man lernt nie aus.

      Löschen
  4. Wir müssen begreifen das Freiheit im bürgerl.Sinne uns keine wirkliche vollendete Freiheit verschafft. Die bürgerl.Freiheit ist doch nur ein sinnleerer Propagandabegriff der uns von den wahren Problemen in unserer Gesellschaft ablenken soll.Ohne ökonomische Freiheit lässt sich keine wirkliche Freiheit erzielen,sie bleibt eine Phrase der Herrschenden,ein Instrument der Demütigung.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Leider begreifen das immer noch zu wenige. Die meisten interessiert das auch gar nicht. Freiheit ist für sie: einkaufen gehen zu können.

      Löschen
  5. Rösler ist doch auch nur ein elender Speichellecker der Herrschenden-wessen Brot ich ess,dessen Lied ich sing-wie alle Parteien es sind. Es ist doch geradezu wiederlich wie sie sich in ihrer Selbstgefälligkeit u.Arroganz sonnen.Extrem schlimm finde ich das sie sich schon als polit.Klasse verstehen. Das heißt das sie sich als soziologische Klasse betrachten.Ein einziges Schmierentheater.Dieses Demokratiegefasel der Parteien ekelt mich nur an,wir sind von wahrer Demokratie Lichtjahre entfernt.
    Deinen Artikel habe ich mit Genuss gelesen,du bringst die Sache auf den Punkt!!!!!!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir geht es ebenso. Danke für den Zuspruch.

      Löschen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.