Sonntag, 13. Januar 2013

Ich lebe in einem seltsamen Land

Wowereit musste nicht abtreten. Wie erwartet überstand er das Misstrauensvotum. 

Das ist eigentlich nicht der Rede wert. Heutzutage ist es Politikersport Steuergelder zu veruntreuen und keine Schuldgefühle zu hegen, zumindest von der Warte dieser.

Was viel schlimmer ist, ist die Reaktion einiger Passanten. Mir ist da eine besonders in Erinnerung geblieben.

Eine Frau sagte sinngemäß, dass sie es gut fände, dass Wowereit weiter im Amt bliebe. Schließlich gehe es nicht, dass jeder bei kleinsten Fehlern aus dem Amt geworfen werden solle.

Kleinste Fehler! 

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehene lassen. Milliarden von Steuergeldern wurden verpulvert für ein Projekt, das bis jetzt nicht läuft, das falsch gebaut wurde. Das Projekt hat einen Aufsichtsrat, dem es anscheinend nicht interessiert hat, was dort zusammengepfuscht wurde.  Und es werden wahrscheinlich noch weitere Milliarden hineingebuttert.

Was denkt denn die Frau, woher das Geld für den Flughafen kommt? Ebenso für andere größenwahnsinnige Projekte, die Städte und Länder initiieren?

Kleinste Fehler, nennt das eine Frau auf der Straße. Und die Medien bekommen wieder mal die Schuld zugesprochen.

Ich lebe in einem komischen Land. Politiker, die Steuergelder veruntreuen, sich schmieren, korrumpieren lassen, ihre Aufgaben nicht wahrnehmen, denen verzeiht man gern. Hauptsache sie sind nett, vielleicht auch gut anzusehen, haben schnuckelige Frauen. Die Bösen sind nicht etwa diese Politiker. Die Bösen sind die Zeitungen und Fernsehstationen, die auf die Veruntreuung, auf die Korruption und Vetternwirtschaft oder einfach nur Faulheit im Amt aufmerksam machen. Dabei sollten wir froh sein, wenn Medien überhaupt noch Kritik an der Politik, an einzelnen Politikern üben, aus welchem Grund auch immer. Das passiert selten genug.

Die gleiche Frau wäre sicherlich nicht so nachsichtig, wenn - wie gehabt - jemand ein Brötchen von einem Teller nimmt, es isst, weil es eigentlich weggeworfen werden sollte, und dabei seinen Arbeitplatz verliert. Sie würde sich sicherlich nicht für diesen Menschen einsetzen. Der stiehlt eben. Politiker nicht.

In den Augen vieler Zeitgenossen, sind das alles Petitessen. Kleinigkeiten, wenn Steinbrück sich sein Gesappel horrend bezahlen lässt, sich für niedrigere Strompreise für Konzerne einsetzt. Kleinigkeiten. Und warum? Weil es andere auch so machen. Na und? Ist es deshalb weniger schlecht? Möchten diese Zeitgenossen es den Politiker vielleicht gleichtun? Ist es das?

Nur, wir müssen das alles fein säuberlich auseinanderhalten. Wenn ein Zeitgenosse jemanden bescheißt, ist das schlimm für das Opfer. Wenn ein Politiker in Regierungsverantwortung bescheißt, sein Amt zum Nachteil der Mehrheit der Menschen seines Landes ausübt, wenn er sich korrumpieren lässt, Steuergelder veruntreut, dann ist das eine ganze Dimension höher. Dann werden Millionen von Menschen zu Opfern. 

Oder sind wir schon soweit gesunken, dass wir uns am liebsten von Dieben und Hehlern regieren lassen? Finden das viele schick?

Ich lebe in einem seltsamen Land. Das fand ich auch an anderer Stelle bestätigt. In einem Kommentar zu einem Artikel in einer Zeitung hat sich ein Kommentator über einen anderen aufgeregt, weil er "BRD" sagte. Diese Bezeichnung wäre ein Nazi/Kommunistenwort. Eine Kommentatorin dazu meinte gar, dass es ein Wort aus dem Kalten Krieg wäre.

Was sagt uns das? Das wir von doofen Menschen umgeben sind, die nicht einmal wissen, wie ihr eigenes Land heißt. Die nicht mal wissen, dass wir ein förderaler Staat mit 16 Bundesländer sind. Die wahrscheinlich auch nicht wissen, dass es einen Bundesrat gibt. 

Wundert es nun jemanden, dass Bundeskanzlerin Merkel geliebt wird? Dass ihre Sympathiewerte immer weiter steigen? Dass die Menschen sie als Kanzlerin haben möchten und meinen, dass sie ihre Arbeit gut machen würde?

Wundert das nun jemanden?

Die Nichtbildung in diesem Land - der Bundesrepublik Deutschland - ist weiter fortgeschritten, als gedacht. Und das Nicht-Denken-Wollen noch weiter.



Kommentare:

  1. Es liegt sicherlich daran, dass viele Menschen die Zusammenhänge nicht erkennen oder erkennen wollen. Das sie letztendlich für ALLES bezahlen müssen, wird einfach verdrängt. Manchmal könnte ich an der Tatsache verzweifeln, wie wenig die Menschen wissen oder wissen wollen. Das beste Beispiel dafür ist Südeuropa. Null Information, null Nachdenken, nur dummes Nachgeplapper von dem, was in die Wohnstuben dringt.

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    1. Es macht einen wirklich wuschig. Wenn man aber im Freundeskreis beginnt, etwas klarrücken zu wollen ... Die 3 Punkte verdeutlichen da die Hoffnungslosigkeit der Dinge. Entweder die Freunde schweigen dazu oder sie bejahen, das man recht hätte, um im nächsten Moment wieder den gleichen Mist nachzuplappern, ober man suhlt sich in seiner Unkenntnis, die man als Kenntnis ausgibt und nichts weiter dazu sagen kann, wenn man nach Fakten nachhakt. Aber wie gesagt, wenn man nicht mal weiß, wie das Land heißt, in dem man lebt ...

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    2. ..... oder wie werden böse und ungehalten. Weil sie wissen,
      das man Recht hat, es aber nicht hören wollen.

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  2. Ob Angela Merkel wirklich so beliebt ist, dass weiß wohl keiner so genau, oder? Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Meinungsumfragen gefaked sind. Wurdest du schon mal zu deiner Meinung bzg. Angela Merkel befragt? Freunde von dir? Nicht? Tja, dann gehe lieber davon aus, dass es diese Umfragen überhaupt nicht gab. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass die Leute falls sie Merkel gut finden, sie nur deswegen gut finden, weil sie gehört und gelesen haben, sie sei so beliebt. Ja, es ist doch viel zu anstrenged sich eine eigene Meinung zu bilden! Man müsste so etwas wie eine Pro und Contra-Liste erstellen um sich überhaupt mal einen Überblick zu verschaffen. Das ist doch die Wahrheit: keiner kann sagen, warum er die Merkel gut findet. Das macht also der bequeme Deutsche? Einfach die Meinung eines anonymen Schreiberlings übernehmen und nachplappern. Natürlich in der Hoffnung: die werden schon wissen, warum die gut ist, mir reicht es zu sagen "die ist gut", falls mich mal jemand fragen sollte. Davon mal abgesehen: wir werden die Dummheit und Ignoranz dieser ganzen Deppen kollektiv bezahlen müssen. Auch die guten Leute, die Aufgewachten, die Nachdenklichen.

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    1. Stimmt. Ich denke Meinungsumfragen sind ein Selbstläufer. Was der Mehrheit zu denken aufgetragen wurde, das denkt die Mehrheit dann auch.

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. Tja, ich lebe wirklich in einem seltsamen Land. In diesem Land toleriert man es, dass Milliarden Steuergelder veruntreut werden, nur weil Medien, die ihre eigenen Interessen vertreten, darüber berichtet haben. Auch wenn niemand fragt, wer Schadenersatz in der Wirtschaft zu zahlen habe, so darf man doch einen z.B. Wowereit nicht als kleines Licht abtun. Derjenige der den Hut auf hat, hat IMMER die Verantwortung zu tragen, ob er nun allein schuldig ist oder nicht. Dafür hat er eben den Hut und dafür sollte er eigentlich zur Verantwortung gezogen werden, weil er sich NICHT gekümmert hat, ob aus Faulheit, Nachlässigkeit oder aus anderen Gründen, ist zweitrangig. Es ist schon eine Schweinerei, dass er NICHT zur Verantwortung gezogen wird. DANACH muss gefragt werden, wer alles Schadenersatz leisten muss. Aber das ist eben erst die 2. Frage. Die so leider nicht gestellt wird. Und ich bitte doch sehr darum, sachlich zu bleiben. Ich finde es einfach nur dummdreist, mir zu unterstellen, dass ich die Medien als Engel hinstelle. Kein Wort habe ich darüber geschrieben, im Gegenteil. Außerdem gibt es in diesem Land noch eine ganz kleine Gruppe unabhängiger Medien, die ebenso darüber geschrieben habe und die ich vor Ihnen in Schutz nehmen möchte, obwohl die es gar nicht nötig haben. Und außerdem bitte ich darum, bei der Sache zu bleiben. Es geht hier nicht um Boulvard oder irgendetwas, wer nun mit wem oder nicht mit wem, warum und wielange noch, sondern um Veruntreuung von Steuergeldern, nicht mehr und nicht weniger. Und in diesem Sinne ist es mir mehr als egal, wer den Stein ins Rollen bringt. Nur geschieht das viel zu wenig und wie man sieht, ohne Konsequenzen für denjenigen der die Sache als Chef verbockt hat. Und ins Stammbuch geschrieben: Heute ist es zwar Mode, dass Chefs keine Verantwortung mehr übernehmen und die meist auf Mitarbeiter abwälzen wollen, aber genau das ist es, was ich nun wiederum NICHT mitmache und somit auch nicht über Ihr Stöckchen springe. Über meine Gedanken machen Sie sich somit keine, es ist nicht notwendig.

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  4. Mal ganz davon abgesehen, dass man als Chef ja für eben die Verantwortung BEZAHLT wird. Die höhere Verantwortung ist ja die Rechtfertigung für die höhere Bezahlung. Da stellt sich dann die Frage, wozu Herr Wowereit denn als Aufsichtsrat bezahlt wurde? Das "Schöne" ist ja, dass er sich seine Vertragskündigung auch noch versilbern lässt. So´n Job ist schon toll, keine Ahnung haben, sich um nichts kümmern, gute Freunde mit Steuergeldern zuschei....(und natürlich ist das so gelaufen) und hinterher von nix wissen, Verantwortung? Stellt sich die Frage ob wir von Idioten oder Verbrechern regiert werden. Ich weiß nicht was besser ist.

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  5. Die Selbstverschuldung Deutschlands befindet sich bereits im vollen Gange, der Weg für die finanzielle Abhängigkeit vom ESM wird hiermit geebnet. Man nehme sich nur ein Beispiel am Versuchskaninchen Griechenland, dessen Staatsdefizit durch ähnliche monumentale Großprojekte in wenigen Jahren in den Himmel schoß, und wo heute der einfache Bürger alles äußerst schmerzhaft ausbaden darf.

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