Dienstag, 15. Januar 2013

Mein Name ist Hase ...

... ich weiß von nichts!

Noch nie gehört das Unwort des Jahres 2012. Als ich nachschlug, worum es bei "Opfer-Abo" eigentlich geht, habe ich den Kopf geschüttelt.

Mir ist es doch völlig egal, was so ein Kachelmann wann und wo mal zum Besten gegeben hat. Ich weiß davon nichts, interessiert mich auch nicht. Wann war denn der Kachelmannprozess? Als ich nachschlug habe ich gefunden, dass im Herbst 2011 ein rechtskräftiges Urteil gesprochen wurde. 2011! Was genug ist, sollte genug bleiben. Ein Boulvardprozess ganz im Zeichen von BILD und nun schon wieder aufgewärmt. Schaale Suppe von gestern.

Hat diese sogenannte Sprachjury ein ganzes Jahr nur geschlafen?

Mir ist völlig egal, was ein gewisser Herr Kachelmann (kennt den heute noch jemand) irgendwann einmal gesagt hat. Ich fühle mich dadurch nicht gekränkt und auch nicht in meiner Ehre verletzt. 

Meine Ehre als Frau wird am laufenden Band in platten Werbefilmchen, sogenannten Dokusoaps verletzt oder auch u.a. in der ungleichen Bezahlung von Arbeit. Aber das finden alle okay. Nur, wenn ein Idiot irgend etwas plappert, da heult eine von wem auch immer bezahlte Sprachjury auf. Damit ist der Herr Kachelmann wieder in die Mitte der Gesellschaft aufgetaucht, sein Name ist wieder im Gespräch. Hat er vielleicht die Sprachjury bezahlt, um Werbung für sich machen zu können? 

Als Gesellschaft haben wir doch ganz andere Sorgen, als so ein laues Unwort.  

Hat die Jury nicht etwas von Schleckerfrauen oder Anschlussverwendung gehört? Mal nur zwei der vorgeschlagenen Wörter herausgegriffen.

Mein Favorit wäre die "Anschlussverwendung" gewesen. Ein typisch neoliberaler, inhumaner Begriff.

Menschen als Sachen, die man vielleicht wie ein Ding noch einmal verwendet oder auch wegwirft, je nachdem, ob und wieviel es Profit abwirft oder auch nicht mehr. Eine entmenschlichte Sprache.

Das Unwort des Jahres 2012 ist ein Kotau vor den Mächtigen. In Darmstadt geht man nicht mehr aufrecht, sonder schleimt sich mit krummen Buckel denjenigen an, die das Sagen haben hier im Lande. Man hat wohl Angst davor gehabt, z.B. Anschlussverwendung oder Schleckerfrauen zu wählen? Keinen Hintern in der Hose? Oder wie? 

Oder, was auch sein kann: Die Sprachjury ist sich des neoliberalen Neusprechs gar nicht mehr bewusst, weil sie in irgendeiner Art und Weise selbst davon profitiert. Sie hat sich dem Neoliberalismus und dem ökonomisierten Menschenbild selbst unterworfen. Sie ist Neoliberalismus.

Die Sprachjury sollte nicht meine Ehre als Frau retten, sondern meine Ehre als Mensch! Ich bin erst einmal Mensch, dann erst Frau. Und als Mensch, möchte ich nicht verwertet werden. Als Mensch bin ich nicht Ding, sondern einzigartig.