Samstag, 26. Januar 2013

Wie schräg ist das denn

Gestern habe ich einen Beitrag im Fernsehen gesehen, bei dem mir die Spucke wegblieb. Ich fragte mich, wieso Menschen innerlich sich von diesem System haben korrumpieren lassen. Naja, eigentlich fragte ich mich das nicht. Es war nur eine rhetorische Frage. 

Ich finde es sowieso sehr fragwürdig, das Menschen, die ein paar Cent mehr haben, sich bemüßigt fühlen, TAFELN ins Leben zu rufen und anderen wohltätigen Kram, nur damit Menschen genügend zum Essen haben. Ich weiß, dass diese Ansicht zwei Seiten hat. Jemand, der nicht weiß, wie er seinen Kindern eine warme Mahlzeit jeden Tag im Monat auf den Tisch stellen kann, der wird dankbar über diese Möglichkeit sein.

Nur, wieso werden Menschen gezwungen, Dankbar zu sein? Dankbar, dass sie etwas zu Essen bekommen in einem der reichsten Länder der Erde? Ist es nicht das selbstverständlichste Menschenrecht, satt zu sein? Nicht hungern zu müssen? Und hat der Staat, der ja den Stammeshäuptling aus grauer Vorzeit abgelöst hat, nicht dafür zu sorgen, dass seine Bevölkerung wenigstens immer satt wird?

Wieso hat ein Staat Geld für Banken, Kriege und Waffen, aber nicht für Kinder, damit die jeden Tag eine warme Mahlzeit erhalten? Kinder dürfen laut den Hartz-IV-Sätzen nur einen am Erwachsenen gemessenen anteiligen Hunger haben. Wer weiß regierungsseitig eigentlich genau, welchen Hunger Kinder haben können? So und so viel Prozent von ihrer Mutter, ihrem Vater? Wie schräg ist das denn.

Wieso ist Geld für Drohnen und zum Kriegsführen da, aber nicht für Menschen, die keine Arbeit mehr bekommen? Wie schräg ist das denn!

Aber zurück zu der Wohltätigkeitsessenszubereitung. Als ich den Beitrag sah, fragte ich mich unwillkürlich, wieviele Millionäre oder Milliardäre zu den Spendern des warmen Mittagsessen für Kinder gehören? Schließlich haben diese ihre Millionen und Millarden auf unseren Buckel generiert. Geben sie ihr Geld zurück? Wenn ich ehrlich bin, sind diese Fragen auch nur rhetorisch gewesen. Mit hundertprozentiger Sicherheit ist kein Millionär oder Milliardär unter den Mittagsessensspendern. Auch wenn das wiederum scheinheilig und schräg wäre.

Nun kommt die Stelle, bei der mir die Spucke total wegblieb: Die Organisatorin des an diesem Tag gerade gereichten Reis-Eintopfes freute sich, dass sie die MARKTWIRTSCHAFT dafür ausnutzen könne, mit den Händlern, z.B. für Reis, zu verhandeln, dass sie die Lebensmittel etwas billiger bekäme.

Na, wie schräg ist das denn?

Sie ist dankbar, dass sie die Marktwirtschaft für ihre wohltätigen Zwecke ausnutzen kann? Dabei leuchten ihre Augen vor ... was weiß ich denn ... vor Glück? ... vor innerer Anteilnahme? ... was weiß ich denn, was in solchen Köpfen vor sich geht. 

Die MARKTWIRTSCHAFT!

Ist es nicht gerade die Marktwirtschaft, die Armut und Hunger geschaffen hat?

Ist es nicht gerade die hemmungslose Ausbeutung des Menschen und die überbordende Aneignung des erwirtschafteten Gewinnes, die die Schere zwischen arm und reich immer mehr öffnet.

Ist nicht durch die Handlangerschaft der Regierungen - von Rot-Grün bis Schwarz-Gelb für das Kapital - erst diese Situation entstanden? 

Spricht nicht das Merkel von marktkonformer Demokratie, die dafür verantwortlich ist, dass Kinder hungern müssen oder zumindest Familien kein Geld mehr für ein warmes Essen jeden Tag haben?

Und dafür ist die Organisatorin dieses Arme-Leute-Essens dankbar?

Wieso nutzt sie die Marktwirtschaft aus? Ist es nicht eher so, dass die Marktwirtschaft sie ausnutzt? Dass die sogar noch aus einem simplen Reiseintopf für arme Kinder Profit zieht?

Gestattet sie nicht gerade dadurch die immer größere Ausbeutung von Menschen? Sie bekommen ja Lebensmittel. Sie brauchen gar keinen hohen Sozialhilfesatz. Wenn er nicht reicht, gibt es immer irgendwelche, die einspringen, mit ihren auch nicht allzuhohen privaten Mitteln.

Was müssen sich die Oligarchen ins Fäustchen lachen. Sie behalten alles und müssen sich trotzdem keine Sorgen wegen Hungertoten machen.  

Wäre es nicht eher angebracht, unsere Steuergelder so anzulegen, dass sie für die Menschen benutzt werden und nicht für schon reichen Banker, Waffen und Kriege?

Wäre es nicht eher angebracht, unsere Steuergelder dafür auszugeben, dass es hier und heute keine Menschen gibt, die nicht wissen, wie sie über den Monat kommen sollen?

Wäre es nicht eher angebracht, unsere Steuergelder von den Banken mit Zins und Zinseszins zurückzufordern?

Wäre es nicht eher angebracht, Steuern auch von denen zu verlangen, die Nutznießer dieser Gesellschaft sind?

Wäre es nicht eher angebracht, das Grundgesetz zu beachten?

Nein, da haben die Menschen es verinnerlicht, dass es richtig und gut ist, wenn in der Marktwirtschaft Kindern ein Mittagessen spendiert werden muss. Es ist beinahe lachhaft, wenn es nicht so traurig wäre. 

Sie nutzt die Marktwirtschaft aus? Wie kann man nur auf so eine schräge Idee kommen?


Kommentare:

  1. ich frage mich, bis zu welcher "Schmerzgrenze" der dt. Michl "aufsteht und unserer Regierung, allen voran das Merkel, eine Arschtritt gibt .. (dem Gauk(ler) gleich mit) aber sowas von ...
    aber diese Ausbeute treten UNS in den Arsch und das Volk bedankt sich noch ..
    wie Krank ...

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    1. Stimmt. Man glaubte es nicht, wenn man es nicht selbst gesehen und gehört hätte.

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    2. Ich habe, ehrlich gesagt, dieses Gesülze vom "faulen, trägen, blöden deutschen Michel" gestrichen voll!

      http://hesikamiscellaneous.wordpress.com/2013/01/21/der-faule-blode-trage-deutsche-michel/

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  2. Was war denn das für eine Grusel-Sendung, bitte?
    Dank und Gruß von Kat

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    1. Weiß ich nicht mehr so genau. Ich glaube, es war der Sachsenspiegel, wenn ich mich nicht täusche. Ich zappe manches Mal so durch und dann bleibe ich zufällig bei solchen Beiträgen hängen und fasse es nicht.

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  3. Danke, den kann ich hier leider nicht empfangen. Aber ich kann es mir schon vorstellen und finde auch diese "Tafel"- Wohltätigkeits-Reportagen inzwischen unerträglich.

    Gerade auch weil die "Wohltäter" anschließend meist die Einheitspartei wählen gehen, die die Tafeln überhaupt erst notwendig gemacht haben.

    Dank für deine guten Beiträge!

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  4. Die Tafel ist längst ein kommerzielles Unternehmen. Sie betreibt Restaurants und Ausgaben von Möbeln, Kleidung und Lebensmitteln gegen Geld.Die Mitarbeiter sind 1,50€ Jobber und Harz IV-rer. Die Spenden von Supermärkten und anderen Spendern werden für die Bilanz abgeschrieben und obendrein erhalten diese Spendenquittungen; ein lohnendes Geschäft.
    Der armen Klientel wird die soziale Verantwortung vorgespielt und in Wirklichkeit werden diese armen Menschen in Abhängigkeit gebracht, um sie zu steuern. Wer nicht mitsingt im Chor, wird mit Entzug von Fürsorge bestraft.
    Bei rund 12 Millionen Abhängigen ( HarzIV ,Aufstocker, 400€ Job usw. ein ganz gewaltiges Potenzial.
    Ja, der Kapitalismus als System versteht es, die abhängigen Menschen zu steuern.
    Aber es ist ein kriminelles System.

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    1. Stimmt. Und die TAFELN sind der Garant dafür, dass die Sozialleistungen nicht erhöht werden brauchen, zumindest aus Sicht der Profiteure und Parteien, die in Regierungsverantwortung waren und sind.

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  5. wir werden immermehr in das anglo-amerikanische system einver-leibt.Man braucht doch nur nach AMERIKA schauen,das was heute dort mit den Menschen gemacht wird,so wird unsere Zukunft sein.
    Sagens wir doch offen,es entwickelt sich immer mehr ein faschistischer Staat.
    So gut dein Artikel auch ist,die Benennung von Mißständen,dieses systemimmanenten Zynismus,mag sinnvoll erscheinen-aber du arbeitest dich doch daran kaputt.Kein einziger Lebensbereich in unserem System der nicht voll Sch....e gefüllt ist.Ich glaube das die Idee des Kommunismus eine immernoch lebendige Idee u.Alternative ist.

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    1. Sie sind sinnvoll, weil sehr viele, das eben nicht so sehen, weil sie im System verhaftet sind und nicht nachdenken. Ich bilde mir nicht ein, sie zum Nachdenken zu bringen, aber der eine oder andere vielleicht? Man darf die HOffnung nicht aufgeben. Die Idee des Kommunismus ist eine Alternative, da gebe ich dir Recht, aber wenn sich schon eine Menge Mensch nicht traut DIE LINKE zu wählen (und ich meine das wortwörtlich), die nun wirklich nicht revolutionär ist, dann weiß ich nicht, wie man sie für den Kommunismus begeistern könnte. Das steht wirklich ganz am Ende. Vor allem auch, weil sehr viele meinen, auch in linken Blogs, dass der Kommunismus durch Wahlen erwählt werden kann, was völlig absurd ist. Vorerst meine ich, das kann jeder andes sehen, dass man den Finger auf den Misständen haben muss. So als steter Tropfen höhlt den Stein. Alles andere ist in meinen Augen illusorisch. Kaputt arbeiten? Nein, das siehst du falsch :D

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  6. diese sogenannten "gutmenschen", welche dieses tafel- und sonstige unwesen ins leben gerufen haben und zum teil davon profitieren darf man getrost als "bös- oder blödmenschen" bezeichnen. fakt ist ja, daß die ersten tafeln von eher "gutbürgerlichen besserverdienern" und mitbürgern aus dem sozial-caritativen bereich erdacht und eingeführt wurden und inzwischen für gewisse kreise zu einem profitablen geschäftsmodell geworden sind. und während es für die eher dem kirchlichen bereich angehörigen "helfer" historisch bedingt klar ist, daß nur demütige und dankbare bittsteller in den genuss von almosen kommen dürfen, und daher auch keinen grund sehen die gegebenen verhältnisse zu ändern, ist die gruppe aus besitzbürgertum und sozialstaatsmitarbeitern daran interessiert, den sozial- in einen charitystaat umzubauen. und dank erfolgreicher öffentlichkeitsarbeit durch journaille und tv, die auf "unsere armut auf hohem niveau", arme aber glückliche "neger" oder somalis hinweisen, die lebensmitelverschwendung in unserer westlichen welt und den hartz4 vater erwähnen, der 25 cent für ein billigbier, mit dem ein gewisser p€€r nicht mal sein klo spülen würde, und seinen rausch verschleudert, statt für läppische 1,50 € zur nächsten tafel zu fahren, um seinen merkwürdigerweise armen kindern 5 erst 3 wochen abgelaufene joghurt und 12 gammelige tomaten zu besorgen, glaubt der normalbürger sogar an das gute der tafeln und suppenküchen und/oder lässt sich sogar zur kostenlosen mitarbeit in diesen einrichtungen verleiten, so er nicht von amts wegen dort für nen €uro schuften muß. einfach nur widerlich das ganze.

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