Donnerstag, 14. Februar 2013

Amazon der Bösewicht

Amazon wird immer wieder als DER Bösewicht verkauft. Schlechte Arbeitsbedingungen, niedriger Lohn usw. usf.

Das ist alles richtig. 

Nur, ist damit amazon der Bösewicht? 

Amazon macht das, was amazon machen kann. Amazon hat nicht die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen. Vielleicht haben seine Lobbyisten mitgemischt? Das weiß ich nicht. Und wenn ja, dann hat eine Regierung es zugelassen.

Amazon nutzt den Freiraum aus, den ihn die neoliberalen Regierungen zugestehen. 

Das Unternehmen holt sich in den Jobcentern seine Billigarbeitskräfte, die dazu verdonnert werden, dort arbeiten zu müssen, ansonsten dürfen sie bis auf Null bestraft werden. 

Nicht amazon hat Sklavenarbeit angeordnet, das war mit Einführung von H4 die Rot-Grüne Regierung, deren Protagonisten sich bis heute nicht von diesem Irrweg distanzieren.

Welche Landesregierung sonnt sich nicht in dem sogenannten Erfolg, dass wieder zig Arbeitskräfte in - wie man so schön sagt - Arbeit gebracht worden sind. Leipzig ist stolz auf sein amazon-Unternehmen. Die Landesregierung tut alles, um den Niedriglohn in Sachsen zur bestimmenden Lohnart zu halten. 

Wieso ist amazon u.a. nach Leipzig gekommen? Die Stadt und das Land werben mit willigen, äußerst billigen Arbeitskräften. Willig? Die Menschen werden einfach dazu gezwungen durch die Jobcenter gerade dort zu arbeiten.

Es nicht gesetzeswidrig Angestellte zu überwachen, wenn sie es wissen. Es ist nicht gesetzeswidrig Hungerlöhne zu zahlen.

Oder gibt es in Deutschland einen Mindestlohn, von dem man auch leben kann? Will hier in Deutschland überhaupt jemand einen Mindestlohn, von dem jeder leben kann? (Mal vom Wahlprogramm der LINKEN abgesehen). Nein, nicht mal die Gewerkschaften wollen einen Lohn, bei dem man nicht in Armut versinkt.

Und das lastet man amazon an?

Man schreit, dass die Leiharbeiter zu unsäglichen Bedingungen auch aus dem europäischen Ausland kommen.

Ist es nicht gerade Leiharbeit, in die Arbeitslose gezwungen werden? Ist man nicht hier in Deutschland stolz darauf, einen florierenden Arbeitsmarkt zu besitzen? Man vergisst nur dazu zu sagen, dass die Menschen in vornehmlich schlecht bezahlte Jobs und in Leiharbeit vermittelt werden. Die Leiharbeit wurde doch so abgewandelt und angepasst von der Rot-Grünen Regierung, dass sie immer mehr wie ein Geschwür die festangestellten Arbeitnehmer frisst? Ihnen vorführt, was ihnen passieren kann, wenn sie nicht genug willig sind, sich nicht Teile ihres Lohnen abhandeln lassen? Ist das nicht eines der Gründe, warum Leiharbeit so ausufert? Denn billiger ist sie nicht, sie geht nur anders in die Bilanzen ein.

Jubelt man nicht in Deutschland, dass nun sogar Spanier vom deutschen Jobwunder profitieren dürfen? 

Welches Jobwunder? Ein Jobwunder, das nichts am Binnenmarkt bewirkt, weil sich von dem erarbeiteten Geld keiner wirklich etwas mehr kaufen kann, eher weniger? Ein Jobwunder, wo sich die Menschen immer noch ins Jobcenter begeben müssen, um sich aufstockendes STEUERgeld zu holen, damit sie überhaupt ein bisschen über den Monat kommen?

Das soll ein Jobwunder sein? 

Und die Spanier? Hat Deutschland die nicht gerade in die Armutsfalle hineinmanövriert?

Das war nicht amazon.

Wer hat Leiharbeit zum Sklavenmarkt gemacht? 

Amazon nicht. 

Das war die Rot-Grüne Regierung und deren Protagonisten haben das bis heute nicht eingesehen.

Es ist nun fein, dass man die Unternehmen an den Pranger stellt, die die vorgefundenen Rahmenbedingungen für sich gnadenlos ausnutzen. Dafür ist das Unternehmen ein Unternehmen mit kapitalistischer Wirtschaftweise, das für Höchstprofite sorgen muss. Es ist ein Unternehmen, wie alle anderen auch, die vom neoliberalen Mantra profitieren. Ihnen werden keine Ketten durch Gesetze angelegt. 

Die Rahmenbedingungen, die verdammt noch mal ein Staat zum Nutzen des Staats und seiner Einwohner schaffen muss, wurden nur zum Nutzen der Unternehmen geschaffen. Wieso regen wir uns jetzt über amazon auf?

Nicht amazon ist der Bösewicht. Ein Peer Steinbrück ist es z.B., der sich im Wahlkampf als Kumpel des sogenannten einfachen Volkes generieren will und dabei eigentlich kläglich versagt.

Nicht amazon ist der Bösewicht. Rot-grüne-schwarz-gelbe Regierungen haben alles für die Entrechtung der arbeitenden Bevölkerung getan. Man hat ihnen mit H4 Sklavenketten angehängt. 

Welcher Journalist bringt darüber eine Reportage? Welcher Journalist prangert endlich mal unsere asoziale Regierung an, die ihre Asozialität in ganz Europa verbreitet? Ich kenne keine Reportage.

Es ist schon traurig, wenn man ein Ausbeuterunternehmen auch noch beschützen muss. Und dazu bringt mich dieser Räuberregierung. Schlimm!  


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PS 16.2.: Jetzt spielt sich die Leyenspielerin auch noch als Mutter Theresa auf. Das war ein guter Wahlkampfcoup ein Unternehmen mit seinen Machenschaften ans Licht zu zerren, dessen Unternehmung durch Gesetze abgedeckt sind. Nun gut, Letzteres wird wohlweislich verschwiegen. Ich frage mich, ob diese Ministerin auch auf die Jobcenter weist und mit dem Zeigefinger droht? Schließlich sind es die, die Leute zu amazon vermitteln. 

 

Kommentare:

  1. Dazu kommt noch, dass der Verbraucher, obwohl er von dieser Ausbeutung Kenntniss besitzt, fleißig über Amazon Waren bestellt. Und gerade der Verbraucher könnte Druck auf Amazon ausüben, wenn er es nun mal wollte ... wie in vielen Dingen. Aber, erzähle das mal den Leuten, die halten dich für bekloppt, obwohl sie es besser wissen sollten. Immer hübsch auf den eigenen Vorteil bedacht, aber sich später beklagen, wenn man selbst von diesem System eingeholt wird. Es wäre sicherlich nicht naiv, Amazon für 4 Wochen das Geschäft zu boykottieren, und dies solange zu wiederholen, bis sich etwas ändert. Wäre ganz einfach ...

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    1. Ach, auch auf die Propaganda reingefallen? Auf die sogenannte Macht der Verbraucher? Darauf, dass nur bei amazon alles billig ist? Und das Geiz geil wäre? Schau dich doch lieber selbst an. Du musst sehr genau auf's Geld gucken. Aber mal ins "Detail" gehen: Spielen wir das mal durch. Wir dürften keine Elektronik, keine Bücher, keine Lebensmittel, keine Klamotten, nichts mehr kaufen, denn ALLES ist unter Bedingungen hergestellt worden, die menschenunwürdig sind. Es ist nicht eine Frage des Konsumenten. Es ist eine Frage der Eigentumsverhältnisse und den Rahmenbedingungen, die der Staat eigentlich schaffen müsste, die er aber nicht schafft, weil er an den Kasperleschnüren der Eigentümer der Produktionsmittel hängt. Amazon benimmt sich genau so wie Saturn, wie Weltbild, wie Rewe, wie Real, wie Aldi, wie KiK, wie H&M, wie Apple, wie Microsoft, wie Vodafone, wie der türkische Obsthändler um der Ecke, wie das Bubbleteafranchise, wie Gerry Weber, wie ... Ich könnte die Reihe endlos fortsetzen. Wir essen chinesisch, wissen es aber nur, wenn mal wieder ein Skandal öffentlich wird, wir kleiden uns indisch, türkisch, chinesisch, bangladeshisch. Unsere Jeans werden in China und der Türkei hergestellt. Die Produzenden überlegen nach Afrika zu gehen, weil die Chinesen angeblich schon zuviel verdienen. Willst du nackt verhungern? Anders geht es heutzutage nicht mehr. Es ist scheinheilig, dass an einer bestimmten Firma festmachen zu wollen. Das Feigenblatt und die Alibiveranstaltung des Journalistmusses, der nicht den Arsch in der Hose hat die WIRKLICH Verantwortlichen zu nennen. Es ist bekloppt, ein Unternehmen zu boykottieren und alle anderen machen genau dasselbe. Es ist genau das, was wir machen sollen. Reg dich über amazon auf und alle anderen machen lustig weiter und können vielleicht, wenn jemand darauf hören würde, den Konkurrenten beiseite schaffen. Kein Arbeitsplatz wird dadurch menschenwürdiger!

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    2. Ich vergaß. Hast du nicht gelesen, dass die Jobcenter dorthin vermitteln, 6 Wochen außerdem für kostenlos auf Steuerzahlerkosten, setze ich noch dazu. Hast du nicht gelesen - und ich habe das schon mehrfach geschrieben - dass Sachsen mit seinem Niedriglohnsektor prahlt - als Standortvorteil? Dort sitzen die Schuldigen!!!

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    3. Es ist die Leihfirma die "Ausbeutet" NICHT Amazon! Aber mit Mitdenken hat's der "FreiBlog" eh nicht :-)
      im übrigen .. da dieser "FreiBlog" sich das eh nicht leisten kann bei Amazon zu bestellen, geschweige denn sich überhaupt was außer der Reihe zu kaufen, kann der locker zum Boykott aufrufen. Ha Ha

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    4. Ich bitte Sie, den Frei-Blog NICHT zu diffamieren. Das gehört nicht hierher. Was der Frei-Blog sich leisten kann oder nicht, ist nicht Ihre Sache. Außerdem sind es auch nicht die Leihfirmen, sondern die Gesetze, die den Leihfirmen gestatten, so zu handeln, wie sie handeln. Die Rot-Grüne Regierung hat unter Schröder den Leihfirmen freie Fahrt gegeben. Auch Amazon ist kein Engel, aber auch amazon kann so handeln, weil die Regierung grünes Licht dafür gegeben hat und nicht nur amazon, auch jede andere Firma. Man frage nur mal Supermarktverkäuferinnen an den Kassen, wie die behandelt werden und ob sie mit ihrem Job überleben könnten.

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  2. Also ich kaufe nichts bei Amazon. Im Gegenteil, ich schäme mich regelrecht für diese Gesellschaft, die immer mehr faschistische Züge annimmt. Es ist diese Mentalität: "Jede Arbeit ist besser als Hartz IV, Arbeit adelt" Das wird propagiert und den Leuten indoktriniert.

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    1. Gut, nur hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Ich stehe auch auf den Standpunkt, dass es falsch ist, Hauptsache Arbeit zu sagen. Die andere Seite ist, wenn man durch ein Jobcenter - also durch staatliches Handeln, staatliche Gesetze - gezwungen ist, dort zu arbeiten, steht das auf einem völlig anderen Blatt. Es ist nicht einfach, für sich, wenn man dann auch Familie hat, zu entscheiden, dass ich dann lieber auf Null sanktioniert werde. Diese Größe kann man nicht von allen erwarten. Ein junger Kerl kann das vielleicht, aber z.B. eine alleinerziehende Frau mit Kinde? Nicht die Unternehmen sind die Schuldigen. Die nutzen nur aus, was sie dürfen. Und sie dürfen es, weil staatlich angeordnet. Sie dürfen sogar mit Menschen für 6 Wochen kostenlos bei sich beschäftigen und erhalten dafür Geld und der Mensch muss weiterhin Stütze beziehen. So sind die Gesetze. Und wenn wir nicht gegen die !Gesetze selbst! zu Felde ziehen, dann bringt das überhaupt nichts. Übrigens, Söckchen, Sie haben eine PC oder Tablet oder womit Sie im Internet unterwegs sind, egal, wo Sie das Teil gekauft haben, es ist unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt und verkauft worden. Nur steht eben z.Z. amazon unter Beschuss, weil er der größte Onlinehändler ist. Aber die Unternehmen nutzen nur GESETZE für sich aus, die existieren und gegen die man etwas unternehmen muss. Es sind die großen Hintermänner/-frauen, die die Regierung in der Hand haben und gegen uns kleine Leute Krieg führen. Das ist kein einzelnes Unternehmen. Damit werden nur die wirklichen Verhältnisse verschleiert.

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    2. Das mag wohl stimmen. Ich wollte damit ja nur sagen, dass die Menschen endlich mal sagen müssen, dass sie sich nicht ausnutzen lassen wollen. Die vielen Proletarier, die in den 20er und 30er Jahren kämpften, nahmen doch auch Entbehrungen in Kauf. Die haben das doch auch überlebt.

      Ich weiss auch, dass es Schattenregierungen gibt, ich kenne die Bilderberger und andere "Clubs", die da den Regierungen sagen was zu machen ist, ich weiss von Lobbyisten, aber irgendwo müssen wir anfangen und wenn auch nur ein Unternehmen anfängt, umzudenken und einzulenken, dann ist schon mal der erste Schritt gemacht.

      Ich hab noch nie darüber nachgedacht wo und wie meine Mac's hergestellt wurden, auch nicht darüber wer unter welchen Bedingungen meine Synthesizer herstellte, das muss ich ehrlich zugeben. Dafür behandel ich aber immer alles sehr pfleglich, weil ich in jedem Produkt menschliche Arbeitskraft sehe. Ich behandel alles so, als hätte ich selbst es produzieren müssen. Es geht auch nicht darum, dass wir für irgendetwas immer mehr bezahlen sollen, wenn wir menschenwürdige Bedingungen wollen. Der Profit wird ja trotzdem gemacht. Es geht darum, dass die Grosskopferten nicht den Löwenanteil immer für sich einkassieren. Denn die Umsätze sind doch offensichtlich und davon MUSS abgegeben werden. Es gibt schon noch vernünftige Unternehmer wie Ernst Prost, der sagt, dass er ohne seine Mitarbeiter ein Nichts sei.

      Ich für meinen Teil verstehe den Kapitalismus oder besser das Kapital nicht. Es braucht die Menschen, damit Kapital entsteht, behandelt aber die Menschen, die den Profit erwirtschaften wie Dreck. Dabei sind sie doch der Motor! Was aber wenn der Motor nicht mehr will? Aber wahrscheinlich ist der Schmierstoff dieses Motors "Hartz-IV", das Menschen in Existenzangst hält.

      Was haben mir die Alten da nur für eine Welt hingesetzt, in der ich locker noch 56/60 Jahre aushalten muss? Hat denn niemand solche Entwicklungen voraus gesehen und wenn ja, warum hat das niemand aufgehalten? Ich kann jetzt mit 22 Jahren zusehen, wie ich das Beste draus mache.

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    3. Da gehe ich mit Ihnen völlig konform. Übrigens, ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten. Wir alle - ich auch - sollten immer mal innehalten und darüber nachdenken, wer das herstellt und unter welchen Bedingungen, was wir immer benutzen. Dann sollten wir weiter darüber nachdenken, wer zulässt, dass Menschen so behandelt werden, wer die Rahmenbedingungen setzt. Vielleicht noch das dazu: Wenn ich von mir ausgehe. In der Schule habe ich Marxismus gelernt, auch beim Studium. In der DDR habe ich mir gesagt: Spinne, was die nur immer haben. Und ich gebe zu, dass ich völlig blauäugig in die neue Bundesrepublik damals hineingestolpert bin. Auch ich dachte, dass sich Leistung lohnen würde. Das war aber falsch und ich habe meine Lehrbücher wieder hervorgeholt und gemerkt, dass ich etwas völlig Richtiges gelernt hatte. Umdenken ist immer schwierig und manche der Älteren wollen lieber in ihrer Lebenslüge verbleiben. Viele lassen sich auch lieber mit Konsumartikel vollschütten. Wir im Osten haben vielfach nicht begriffen, dass wir das Richtige damals gelernt hatten. Viele müssten dann auch vor sich selbst zugeben, einer Täuschung damals 1989 aufgesessen zu sein. Wer gibt das schon gern zu. Das ist ein Lernprozess. Die im Westen der Republik haben oft noch nicht gemerkt, dass die Zeiten der alten Bonner Republik vorbei sind. Sie haben noch nicht bemerkt, dass es keine Sozialpartnerschaft gibt. Das ist auch schwer zu akzeptieren. Man war früher halt ein Leben lang Opelaner und war stolz darauf. Heute ist man der letzte Dreck. Das vor sich zuzugeben ist sehr schwer. Wir kleinen Leute haben noch nicht in der Gänze begriffen, was Globalisierung bedeutet. Solche wie die Bilderberger oder die anderen Oligarchen haben 10 Jahre Zeit gehabt (von 1990 bis 2000) sage ich mal, sich zu organisieren und ihre Interessen abzustecken, die sich aus der neuen Situtation ergeben hat. Sie haben sich zusammengetan und den Klassenkampf gegen uns eröffnet. Wir kleinen Leute dagegen haben die 10 Jahre verstreichen lassen und lassen sie immer noch verstreichen. Wir solidarisieren uns nicht international miteinander sondern hetzen gegeneinander, mal die faulen Südländer, mal die faulen Arbeitslosen und, und, und ... Nur deshalb, kann unsere Regierung Gesetze gegen uns verabschieden und nur deshalb kann z.B. amazon so seine Arbeitskräfte behandel, wie sie sie behandelt, eben wie Dreck. Aber das ist zum Gesetz geworden, wie die Anschlussverwendung, das Humankapital oder die marktkonforme Demokratie. Solange über die Hälfte der Deutschen Merkel lieben, solange kann amazon, zalando, real und wie sie alle heißen, mit den Menschen umspringen, wie sie wollen. Solange wir nicht begreifen, dass Steinbrück Millionär ist und nur für Millionäre etwas tun will (alles andere ist Redefolklore) solange kann Lidl, Aldi und Saturn uns ausbeuten und uns nicht das Gelbe vom Ei erlauben. Nun komme ich noch einmal theoretisch: Der Staat ist das Machtinstrument der herrschenden Klasse. Die herrschende Klasse ist diejenige, die über die Produktionsmittel (heutzutage im weitesten Sinne) verfügt. Dort und nur dort muss angesetzt werden, damit wir eines Tages anders leben können. Dazu werden wir einen langen Atem brauch und ich werde bessere Zeiten nicht mehr erleben können. Das einzige, was wir täglich machen können ist, aufzuklären, nicht an den Auswüchsen uns abzuarbeiten, sondern an der Grundlage dessen, wodurch die Auswüchse erst möglich werden. Übrigen, wenn ich an die Zukunft meiner Enkel denke, wird es mir auch ganz anders. Ich verstehe Sie.

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    4. Was für eine liebe Antwort. Ich liege also nicht falsch mit meiner Denkweise. Doch Sie werden auch verstehen, dass ich meine Synthesizer (elektronische Musikinstrumente) und meine Mac's brauche, um Geld damit verdienen zu können.

      Ich kenne "Das Kapital" von MArx, ich weiss auch davon wie der Kapitalismus analysiert wurde. Meine Eltern haben mir vieles gezeigt. Aber für mich ist es schwierig geworden. Heute lässt man Grafiken, Websites, Jingles, ja ganze Präsenzen nahezu kostenlos von Euro-Jobbern herstellen. Das nimmt mir aber Aufträge weg und ich muss doch auch leben. Ich dachte immer, dass in der sozialen Marktwirtschaft alles redlich geteilt wird. Aber dem ist nicht so. Stattdessen wird jeder auf den anderen gehetzt und es ist wie in der Savanne beim Kampf ums Wasserloch. Sowas kann doch nie und nimmer gesund für eine Gesellschaft sein, die sich als Krone der Schöpfung versteht. Das ist nicht die Welt, in der ich leben will und wenn ich daran denke, dass ich mit 15 mal sterben wollte und nur durch blöden Zufall das nicht klappte, denke ich heute wieder darüber nach.

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    5. Das verstehe ich. Das geht vielen Menschen so, dass sie nicht mehr ein noch aus wissen, dass sie ihre Arbeitskraft, ihre Intelligenz und ihre Schöpferkraft nicht mehr bezahlt bekommen. Es gibt auf der Welt immer jemanden, der das alles billiger herstellen kann. Ob besser, sei noch dahingestellt. Uns selbst bleibt doch gar nichts anderes übrig, als auf die Produkte zuzugreifen und wenn sie noch so menschenunwürdig hergestellt oder verkauft werden. Wir haben im Prinzip keine Wahl. Wer meint, dass wir eine Wahl hätten, der träumt. Die soziale Marktwirtschaft konnte blühen, weil es den Sozialismus gab. Der Kapitalismus musste unter Teufel komm raus beweisen, dass er der bessere ist. Bei jeder Lohnverhandlung, bei jedem Gesetz, saß die DDR mit am Tisch. Man musste besser sein, den Leuten mehr bieten. Mit dem Wegfall der DDR/des sozialistischen Lagers muss das alles nicht mehr sein. Die Oligarchen können wirtschaften wie sie wollen und kaufen sich einfach die Regierung. Sie müssen jetzt nichts mehr abgeben, da es keine Alternativen zur Zeit gibt. Trotzdem kann das Leben schön sein. Nicht nur Geld (obwohl das ungemein beruhigt) macht das Leben schön. Sie sind musisch begabt, wie ich aus dem Kommentaren herauslese. Lassen Sie sich nicht unterkriegen. Und schon aus Trotz, geben Sie nicht auf. Da würden die sich doch nur freuen, die uns beherrschen - wieder ein unnützer Fresser weniger. Und diese Genugtuung würde ich niemanden geben wollen. Lernen Sie die Welt zu verstehen, wie sie tickt. Immer nach den tieferen Ursachen fragen, nicht auf jede Sau springen, die zur Ablenkung durchs Dorf getrieben wird. Immer fragen: Geben die Gesetze das her oder ist es kriminell. Wenn es die Gesetze hergeben, sind die Gesetze kriminell und man muss das mit Hausnummer sagen, wenn man die Hausnummer kennt. Davon müsste es mehr Menschen geben. Ich freue mich, einen davon hier in den Kommentaren kennengelernt zu haben.

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  3. Im Prinzip gebe ich dir recht, aber ich kann mich nicht ganz aus dem Leben ausklinken. Das kann keiner. Der Verbraucher hat sehr wohl die freie Entscheidung, auch wenn er täglich im Supermarkt einkaufen muß und auf preiswerte Ware angewiesen ist. Amazon ist ein Beispiel von vielen, und ich denke nicht, dass ich die Dinge einseitig betrachte, die Zusammenhänge kenne ich sehr wohl.Wir müssen zuerst in unseren Köpfen etwas ändern, denn wir sind ein Teil von diesem System.

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    1. Stimmt amazon ist EIN Beispiel von VIELEN, ich gehe sogar soweit zu behaupt von fast allem, was wir käuflich erwerben, ob billig oder nicht. Auch die Marke Gerry Weber z.B. produziert in der Türkei und nicht gerade unter menschenfreundlichen Bedingungen. Gerry Weber ist nicht billig. Also daran liegt es nicht. Ich gebe dir Recht, wenn du sagst, dass wir erst etwas in den Köpfen ändern müssen. Das machen wir aber nicht, wenn immer mal dieses oder jenes Unternehmen herausgepickt wird, das genauso produziert oder verkauft, wie es !gesetzlich! möglich ist und das genau die Rahmenbedingungen ausschöpft unter Mithilfe des Staates, die sie kann. Unternehmen sind keine Wohltätigkeitsunternehmen. Sie machen das, was man sie machen lässt. Wenn wir nun unseren Frust auf mal ist es amazon, mal Lidl, mal Aldi, mal irgenein anderes Unternehmen richten, dann freuen sich diejenigen, die die Gesetze gemacht haben, dass wir nicht sie selbst angreifen. Die bleiben sozusagen im Dunklen. Wir machen genau das, was sie wollen, nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse anprangern, sondern die Auswirkung dessen. Das ist der falsche Weg.

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  4. Das sehen die Nachdenkseiten etwas anders:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=16210
    Nach deren Logik sind Unternehmen auch moralischen Gesetzen verpflichtet, sprich ein Unternehmen sollte Gesetze nicht seinen Gunsten auslegen, sofern das nicht moralisch ist. Wer dies dennoch tut, sollte vom Kunden abgestraft werden. Wie die allerdings zu Ihrer Hardware gekommen sind, mit welcher die Nachdenkseiten sicher auch erstellt werden, ist mir da allerdings schleicherhaft.

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    1. Man muss ja nicht immer mit den Nachdenkenseiten konform gehen. Ich habe denen geschrieben, dass sie an ganz anderer Stelle den Bösewicht suchen müssen. Unternehmen und Moral? Was ist Moral? Das ist genauso, als wenn die Gewerkschaft meint, dass gerechte Löhne gezahlt werden sollen. Was ist gerecht? Die Bandbreite Moral und Gerechtigkeit ist breit. Unternehmen müssen einfach nur den Laden am Laufen halten und Geld verdienen. Inwieweit sie ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen können, dass ist Sache der Rahmenbedingungen und Gesetze, die durch den Staat fixiert werden müssen. Wenn der Staat meint, die machen das schon, dann kommt eben so etwas heraus, wie ein riesiger Niedriglohnsektor. Und wenn Staat meint, dass Arbeitslose absolut jeden Job annehmen müssen, der angeboten wird und gleichzeitig Strafen festlegt, wenn der Arbeitslose das anders sieht, dann freuen sich halt Unternehmen wie amazon, zalando, real, und .. und ... und ... Übrigens, ich habe es weiter oben schon einmal gesagt, wenn man ethisch (was man so unter ethisch landläufig versteht) konsumieren möchte, dann verhungert man nackt unter der nächsten Brücke.

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  5. Die Kernaussage von Jens Berger auf den Nachdenkseiten:
    "Es gibt schließlich kein ökonomisches oder moralisches Gesetz, das besagt, dass man jede Gesetzeslücke ausnutzen muss. Auch wenn man die Gesetze befolgt und günstig für sich selbst auslegt, kann man sehr wohl unmoralisch handeln. Der gesetzliche Rahmen ist schließlich nicht der einzige ethische Kompass, an dem wir uns orientieren. Und warum sollte dieses Prinzip für Unternehmen nicht gelten?

    Damit hat er sehr wohl recht, denn es gibt eine Deckungslücke zwischen dem moralisch Erlaubten und dem, was durch Gesetze verboten ist. Etwas anderes zu fordern, würde bedeuten, beinahe jeden Bereich des Lebens gesetzlichen Regeln zu unterwerfen.

    Und wenn PeWi schreibt: "Dafür ist das Unternehmen ein Unternehmen mit kapitalistischer Wirtschaftweise, das für Höchstprofite sorgen muss." zeigt er eine sehr verengte Sicht. Denn seit wann "muß" ein Unternehmen für "Höchstprofite" sorgen? Das ist doch, mit Verlaub, barer Unfug. - Klar, für die Anleger und Eigner mag das erstrebenswert sein, soweit sie nur auf die Zahlen und das eigene Konto achten. Doch daß ein Unternehmen, das "nachhaltig" wirschaftet, zumindest auf längere Sicht auch für einen Aktionär wesentlich interessanter sein kann, das sollte sich doch inzwischen überall herumgesprochen haben.

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    1. @ CJB: So, wie ich anscheinend nach CJB nichts raffe, so naiv ist die Meinung, dass ein Unternehmen von sich aus nachhaltig wirtschaften wird. Zur Zeit macht ein Unternehmen noch Höchstprofite und grast damit die ganze Welt ab. So funktioniert halt Globalisierung. Wenn Sie das Grundgesetz des Kapitalismus NICHT kennen, dann kann ich nichts dafür. Ein Unternehmen muss für Höchstprofit sorgen, weil es nicht untergehen will - Kurzfassung des Grundgesetztes des Kapitalismus'. Jeder kann selbst Marx nachlesen! Einem Unternehmen müssen Rahmenbedingungen gesetzt (!)
      werden. Wenn die Rahmenbedingungen lauten: Beute alle aus. Macht das das Unternehmen. Bemerken Sie überhaupt nicht, dass die Jobcenter DIENSTVERPFLICHTEN zu amazon? Das eine Weigerung dorthin zu gehen Sanktionen bedeutet? Dass die Jobcenter wissen, dass erst unentgeltlich dort gearbeitet werden muss und die Jobcenter das unterstützen? Amazon und Staat Hand in Hand. Dort muss doch angesetzt werden. Aber wenn man den Kapitalismus nur bittet schön brav zu sein, werden sich die Verhältnisse nie ändern. Redet von Zalando heute noch jemand oder von DHL? Ähnliche Reportagen wurden über diese Unternehmen gesehndet. Redet irgendjemand von den Frauen an der Kasse von Kaufland? Ich habe mich mit denen unterhalten. Deren Arbeitsverhältnisse sind genauso wie bei amazon. Das Gebitte um Nachhaltigkeit/Moral/Ethik erinnert mich an die gewerkschaftliche Sozialpartnerschaft, die ohne dass es eine Mehrheit der Menschen merkte 1990 gekündigt wurde. Es geht hier um kapitalistisches Wirtschaften und nicht um ein privates Leben, was jeder ethisch so gestalten kann, wie er möchte. Nur, dabei handeln sehr viele auch nach streng wirtschaftlichen Maßstäben, weil sie es müssen. Übrigens, ein Gesetz ist weder moralisch noch unmoralisch. Ein Gesetz spiegelt den Stand der gesellschaftlichen Verhältnisse wieder. Wenn ich mich an das Gesetz halte, bin ich weder moralisch noch unmoralisch und weder ethisch noch unethisch. Das mag in den Augen Einzelner anders aussehen. Ich bin nich unmoralisch, wenn ich ein Gesetz ausnutze. BEi dieser Diskussion sind wir genau dort, wo uns die Neos haben wollen, bei denen, die um ein paar Cents mehr zuzusammenzuklauben, damit sie über den Monat kommen, die Gesetze auch für sich auslegen und als Sozialschmarotzer beschimpft werden. Solange keine grundlegende Diskussion über Eigentumsverhältnisse an Produktionsmitteln (heutezutage im weitesten Sinne des Wortes) und wie Arbeit unter anderen Bedingungen gestaltet werden kann, wird sich nichts ändern. Kapitalismus und Kosmetik ist wie eine Antiagingcreme für 70jährige.

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    2. @CBS
      Jens Berger hat nicht nur Unrecht mit seiner "Kernaussage" er geht ja noch weiter
      "Für den Verbraucher stellt sich an dieser Stelle nur eine Frage: Mache ich dieses Spiel mit, handele rein nutzenmaximiert und schiebe sämtliche Verantwortung auf den Staat ab, der die Leitplanken unternehmerischen Handelns setzt? Oder lege ich an meine Geschäftspartner (auch multinationale Konzerne sind auf dieser Ebene Geschäftspartner) moralische Ansprüche an und setze dabei mit meinem Konsumverhalten eigene Maßstäbe?"
      Hier wird der schwarze Peter ja wieder dem Verbraucher zugespielt und diesem Marktmacht angedichtet. Woher Herr Berger aber z.B. seinen ethisch korrekten Computer herbekommen will, mit welchem er seine Zeilen schrieb, lässt er aber offen. In allen Bereichen der industriellen Konsumgüterproduktion sowie überregionler Dienstleistungen dominieren marktbeherrschende, globale Konzerne. Auch teure Markenartikel (Addidas, Jack Wolfskin usw.) garantieren keineswegs eine ethische Produktion jenseits der berüchtigten Sweatshops. Auch bestimmte Siegel, wie z.B. Fairtrade werden ständig unterwandert. Der Verbraucher hat also überhaupt nicht die Wahl. Natürlich könnte er zur Buchhandlung an die Ecke gehen. Mal davon abgesehen, dass das meist auch schon Ketten mit Billigjobbern als Angestellte sind, erhalten die ihre Bestellungen auch nur von Paketdienstleistern, die ebenfalls ihre Angestellten ausbeuten. Bücher werden heute auch oft in China gedruckt unter besch... Arbeitsbedinungen. Wenn ich konsumiere, muss ich als Verbraucher zwangläufig auf die Ausbeutung von Arbeitern zurückgreifen, solange ich mich nicht selbstverorgen kann (wer kann das schon!!!!) Die unterstellte Marktmacht des Verbrauchers ist eine Illusion und ein geeignetes Mittel zur Spaltung.
      Natürlich kann ich mich grundsätzlich als Verbraucher fragen, ob ich bestimmte Produkte wirklich brauche und diese auch jedes Jahr wieder neu (wobei hier geplante Obsoleszenz
      auch die Entscheidungsfreiheit einschränkt). Sobald ich aber einen Kauf tätige, profitiere ich zu gut 99% von der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft.

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  6. Zitat: "Ein Unternehmen muss für Höchstprofit sorgen, weil es nicht untergehen will." Tschuldigung, aber ich halte das für eine verquere Sicht. Ich möchte ja weder den Kapitalismus schönreden (er ist ein System, welches sich selber überholt, in mehrfachem Sinne, und über kurz oder lang an sich selber zerbricht) noch möchte ich in Abrede stellen, daß ein Wirtschaftsunternehmen an Profitmaximierung interessiert ist und möglicherweise sogar sein muß.

    Aber das mit dem "Höchstprofit" ist doch eine Frage der Definition. Ein Unternehmer hat trotz Wettbewerb und Kapitalismus immer noch die Freiheit, darüber zu entscheiden, wie weit er geht mit Profit, Maximierung, Ausnutzung gesetzlicher Lücken, Abforderung von Überstunden, Betriebskindergarten oder nicht, Bezuschussung von Mittagstisch, übertariflicher Bezahlung, und so weiter und so weiter. Natürlich ist klar zu erkennen, daß solche Arbeitnehmer inzwischen selten geworden sind und daß es ihnen unter den herrschenden Bedingungen nicht leicht gemacht wird. Beispielsweise ist der Einzelhändler, der nicht die überwiegende Mehrzahl seiner VerkäuferInnen als 400 Euro-Kräfte beschäftigt, heute schon fast ohne Chancen gegenüber der Konkurrenz. Dennoch gibt es - noch! - viele Wirtschaftsbereiche, in denen solche "Gesetze des Marktes" oder wie man es nennen möchte (noch) nicht gelten.

    Was die "Jobcenter" (ich schreibe das nur in dieser Weise) tun, ist mir aus eigenem Erleben hinreichend bekannt. - Es sind staatlich installierte und gedeckte, übrigens völlig unmoralische, kriminelle Vereinigungen. (Nicht im eigentlich rechtlichen Sinne.)

    Damit also zum Punkt Gesetz und Moral. Ich habe nicht gerade Ethik studiert, aber immerhin die Rechte. Und ich werde mir es nicht nehmen lassen zu sagen, daß es eine Schnittmenge zwischen Gesetz und Moral gibt. Und es gibt auch einen Gegensatz. So hat zum Beispiel ein Robin Hood sicherlich eklatant gegen Gesetze verstoßen, aber hatten seine Taten nicht einen moralischen Kern? Und der Schweizer Reichsvogt Gessler, auch wenn er eher eine Legende und litarische Figur ist, hat er nicht unmoralisch gehandelt, als er von seinen Untertanen verlangte, sich vor einem Hut zu verbeugen? –Einem Hut!! – Mehr noch, hat nicht Wilhelm Tell der Moral und dem gesunden Menschenverstand gedient, als er sich dem Hut verweigerte? - Der Gegenstandpunkt nach PeWi und anderen müßte lauten, es sei keine moralische Frage gewesen, ob man sich vor dem Hut verbeugte oder nicht, denn schließlich sie es Gesslers Gesetz gewesen, den Hut zu grüßen. Und ich behaupte, es war eben doch eine moralische Frage, es war a u c h eine moralische Frage, denn hier sehe ich eine Schnittmenge zwischen Gesetz und Moral,die dazu führt, das Gesetz als unmoralisch zu qualifizieren und deswegen seine Rechtfertigung anzugreifen, und damit seine Geltung.

    Zitat: "Wenn ich mich an das Gesetz halte, bin ich weder moralisch noch unmoralisch und weder ethisch noch unethisch." Entschuldigung, wenn ich diesen Vergleich ziehen muß, aber wie ist das denn mit den Jobcenterschergen? Die sind doch in einer Situation, in der sie mit fast der gleichen Argumentation behaupten, sie seien ja fromme Lämmer, die nichts Böses täten, denn sie handelten ja "nur nach dem Gesetz"? Wenn man das als richtig annimmt, würde das entweder bedeuten, daß das Gesetz etwas ist, was jenseits jeder Kategorie von Richtig und Falsch, Gut und Böse, Moral oder Anstand, Hier und Jetzt ist. Das Gesetz im Vakuum aller Kategorien. Das kann man doch nicht ernsthaft behaupten, denn die genannten Kategorien durchziehen alle Lebensbereiche. Also auch jene, die durch Gesetze geregelt werden. Und auch die Wirtschaft geschieht im Hier und Jetzt und ist mit den allgemeinen Kategorien durchzogen. Weil das so ist, ergeben sich zwischen Richtig und Falsch, Gut und Böse, Moral oder Anstand und der Wirtschaft, dem Recht, oder was auch immer, nicht nur Berührungspunkte, sondern eine grundlegende Auseinandersetzung, eine Dialektik, die man nicht negieren kann.

    Teil 2

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  7. Natürlich spiegeln Gesetze auch gesellschaftliche Verhältnisse wieder, das ist doch Banane. Aber eben a u c h. Gesetze sind aber primär eben nicht dazu da, Verhältnisse zu zementieren, sondern sollen dem Ausgleich widerstreitender Interessen dienen (ich meine hier natürlich nicht das Strafrecht). Daß das in unserer Zeit in Vergessenheit zu geraten droht, ist mir klar. Eine Zeit, in der Sozialrichter das Grundgesetz außen vor lassen, in der Regeln, die dem angesprochenen Interessenausgleich (Kündigungsschutz, Arbeitslosengeld) dienen, weggeworfen werden, in der die Bibliotheken juristischer und wirtschaftlicher Fachbereiche an der Universität zusammengelegt werden (was die Dominanz der letzten Diszipin über die erste nicht nur anzeigt, sondern zementiert). Und eine Zeit, in der die Stimme sogenannter "Wirtschaftsjuristen" zum Beispiel auf dem Gebiet des Arbeits- und Sozialrechts soviel gilt, als seien sie vollausgebildete Juristen. Aber zu sagen, die Gesetze spiegelten die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse wieder, PUNKT, das greift mit Sicherheit zu kurz. Gesetze sind weitaus mehr als das, das sollte bekannt sein und nicht in Vergessenheit geraten.

    Zitat: "BEi dieser Diskussion sind wir genau dort, wo uns die Neos haben wollen, bei denen, die um ein paar Cents mehr zuzusammenzuklauben, damit sie über den Monat kommen, die Gesetze auch für sich auslegen und als Sozialschmarotzer beschimpft werden."
    Falsch. Vom Mainstream, gesteuert von Medien und Politikern, werden inzwischen a l l e Menschen als Schmarotzer verunglimpft, die ihre grundrechtlich verbrieften Rechte auf Unterstützung in Anspruch nehmen. Dabei geht es überhaupt nicht darum, "Gesetze für sich auszulegen". Und jene, die dann tatsächlich die Moral (da ist sie wieder) auf ihrer Seite sehen und ein wenig schummeln, werden inzwischen mit einer weit größeren Härte verfolgt, als es vor 10 Jahren noch der Fall gewesen ist. Schlimmer noch: durch das ganze System des SGB II und III und jenes der "Jobcenter" wird jedem Sozialleistungsempfänger ständig jeder Anspruch auf Autonomie abgesprochen, Unehrlichkeit unterstellt, ständig mit teilweisem oder vollständigem Entzug des Existenzminimums gedroht, und derlei Sauereien mehr. Auch hieran kann man doch sehr gut erkennen, daß es zwischen Moral/Ethik und Gesetz Schnittmengen gibt und eines vom anderen abhängt. Denn sollte es etwa nicht unethisch sein, wenn das SGB II den Harzt4-Bezieher zwischen den Zeilen pauschal als einen faulen Sack ansieht, dem man das Arbeiten beibringen muß? Soll es moralisch in Ordnung sein, daß ein Sozialleistungsbezieher quasi unter die Kuratel seines Jobcenterschergen gestellt wird, so als wäre er entmündigt? – Auch hier ergeben Kategorien von Ethik und Moral eine eindeutige Antwort, die lautet: Ein Scherge ist ein Scherge ist ein Scherge. Ganz gleich, ob er nach einem Gesetz handelt oder nicht, gleich, ob er sich von seinen eigenen Kategorien vom Moral und Anstand leiten läßt. Das Jobcenterschergentum und ihr Unwesen ist moralisch jenseits jeder Diskussionswürdigkeit. Und es ist auch rechtlich unterirdisch. Hier passen diese Kategorien zusammen, auch wenn sie mitnichten deckungsgleich sind.

    Übrigens ist es ja genau die Argumentation der „Neos“, zu sagen „Ich bin nich unmoralisch, wenn ich ein Gesetz ausnutze“. Genau die kennen nämlich diese merkwürdige Spaltung zwischen Moral und Recht, die es meiner Meinung nach so nicht gibt. Doch, um es noch einmal zu sagen: Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, daß ich durch die Ausnutzung eines Gesetzes bis zum Äußersten eine moralische Grenze überschreite. Denn die Moral reicht weiter als jedes Gesetz, weil sie eine allgemeine Katagorie ist, während durch das Gesetz eine speziellere Kategorie errichtet ist.

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    1. Soviel Platz für nicht Neues. Gähn. Wer sich nicht um grundlegende gesellschaftliche Gesetze schert, dem ist nicht zu helfen. Durch Leugnen der Gesetzmäßigkeiten sind die nicht einfach weg. Übrigens, Gesetz ist nicht gleichzusetzen mit Recht und noch weniger mit Moral. Aber das scheinen Sie nicht zu verstehen, weil sie sämtliche Kategorien bunt durcheinander würfeln. Macht nix. Muss es auch geben. ;)

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  8. Zitat: "Übrigens, Gesetz ist nicht gleichzusetzen mit Recht und noch weniger mit Moral."
    Hat das jemand behauptet?

    PeWi - der Nichtverstehenwoller der Woche.

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    1. Mein Gott, gib es doch auf. Wir reden von völlig unterschiedlichen Dingen. Ich rede von philosophischen Kategorien und du von irgendwelchen moralischen Zeugs, was es in den philosophischen Kategorien nicht gibt. Das nervt nur noch. Man kann ja seine eigene Meinung haben, aber bitteschön, wenn der andere eine andere hat, dann akzeptiere es doch irgendwann einmal. Das hat nichts mit Nichtverstehenwollen zutun. Das gleiche könnte ich auch von dir sagen, denn von philosophischen Kategorien und gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten scheinst du wiederum nicht den blassen Schimmer zu haben und auch nicht zu haben wollen. Es liest nicht jeder Marx, es versteht nicht jeder Marx und manche wollen es auch nicht. Okay. Ich akzeptiere das und so akzeptiere auch meine Ansicht ohne immer wieder und immer wieder auf dem selben Zeugs herumzureiten! Es nervt und hat nichts mehr mit Diskussion zu tun.

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