Samstag, 23. Februar 2013

Ein Hoch für die Spießer

Also, ich wollte ja absolut nichts zu den dummen Sprüchen unseres, wie ich in Kommentaren las, netten Bundespräsidenten sagen. Ich weiß zwar nicht, wo der nett sein soll, aber vielleicht hat da jeder einen anderen Maßstab. 

Ich werde mich auch nicht über diese komische Rede aufregen. Wie kann man auch so einfallslos sein zu sagen, dass man nicht fragen solle, was Europa für uns tue, sondern dass wir fragen sollen, was wir für Europa tun könnten.

Europa?

Also Europa hat noch nicht mal begriffen und will es auch nicht, dass es meinesgleichen überhaupt gibt. Was interessiert es Europa, dass dort nicht nur Reiche und Industrielle leben? Europa hat sich noch nie um Arbeitnehmerinteressen oder Rentner der gesetzlichen Rentenversicherung gekümmert. Deren Interessen wurden schön peu-à-peu zusammengestrichen. Um Demokratie hat sich Europa auch noch nie gekümmert. Die wird auch langsam und immer schneller abgeschafft. Europa ist der Zusammenschluss der Eigner von allem. Also, wie kommt dieser Gauck dazu mir sagen zu wollen, dass ICH etwas für DIESES Europa tun solle. ICH? Na, wie komme ich denn dazu. Ich, diejenigen, die in seinen Augen gar nicht existiert? Die nur dazu da ist, zu blechen! Deren Mitbürger nur dazu da sind, die Wünsche der Eigener von allem zu erfüllen, ohne sich eigene erfüllen zu können? Ich bin doch nicht blöd!

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht sagen. 

Einen Sturm der Entrüstung gab es aber bei dem Gauck-Satz, dass Europa englisch sprechen sollte.

Ich finde zwar auch, dass eine einheitliche englische Verkehrssprache nicht zielführend ist. So viele können nun auch nicht Englisch in Europa, womit sie sich wirklich unterhalten könnten. Aber das kann man als Ulk auch wegstreichen. 

Kein Ulk sind dagegen die Kommentare z.B. bei der WELT. zu diesem Thema. Nichts ist wichtiger.  Da wimmelt es von Ausflüssen, die sowas von überheblich sind, dass es mir graust.

Mich erschüttert immer wieder, wie hochnäsig doch die Kommentatoren sind, nur, weil sie Deutsche sind. Was ist das für ein Verdienst, Deutscher zu sein. Dazu hat niemand etwas getan (zumindest in der Regel). Man wurde in das Land hineingeboren. Punkt. Man kann blöd wie Bolle sein, sein Leben lang nix geleistet haben (damit meine ich nicht unbedingt auf Arbeit) und sich trotzdem aufspielen, nur weil man in irgendeinem Kaff mit deutschem Namen auf deutschen Boden lebt bzw. dort geboren wurde. Aber vielleicht ist man blöd wie Bolle, wenn das einzige, was man hat, Deutscher zu sein ist. Das kostet keine Anstrengungen, man benötigt keine Bildung dafür, man ist es eben einfach. Und da man sozusagen dann zum auserwählten Volk gehört, hat jeder andere zu parieren. Punkt. Brrrrr. Was gibt es doch für Zeitgenossen, die auch noch kommentieren.

So sollten - Merkel lässt grüßen - doch alle besser Deutsch sprechen. Deutschland wäre doch das Größte und Schönste und Beste und was weiß ich nicht noch für ein Superlativ und Deutschland könne es doch mit seiner Wirtschaftsmacht, weil wir eben die Größten, Schönsten und Besten wären, einfach so durchdrücken, dass wir nun wirklich ein deutschsprachiges Europa werden. Die anderen sind ja sowieso nur alles Säcke, die an unserer Mutterbrust hängen würden. Und die Franzosen im Allgemeinen, sind ja so hinterlistig, dass die von Deutschen gesprochenes Englisch, nur eben weil wir Deutsche sind, nicht verstehen wollen, auch wenn sie es verstünden. Die bösen Franzosen. Man sollte doch eigentlich sowieso nicht mehr in dieses Land fahren. Wir, diejenigen, die alle in Europa durchfüttern. Was sage ich Europa, die alle Welt durchfüttert. Die von Migranten überschwemmt wird, die alle nur unser Geld wollen. Man stelle ich vor: UNSER Geld.  Und der Dank? Alle Welt kann uns nicht leiden. 

Es müsste sich doch langsam herumgesprochen haben, dass es aus dem Wald so herausschallt, wie man reingebrüllt hat. 

Ich habe nie Probleme mit Menschen aus anderen Ländern auf meinen Reisen gehabt, egal wo. In der letzten Zeit musste man zwar Stellung zu solchen Fragen beziehen, wie: Ob man denn auch so denke, wie Merkel oder ob Deutschland wieder für einen Krieg sich rüste und ob Deutschland wieder alle Welt überrollen wolle? Und ich denke, dass das legitime Fragen von Europäern sind, die gerade erleben, wie Europa unter ein deutsches Diktat gezwungen wird. Solang liegt der letzt Weltkrieg nun auch nicht zurück. Vielfach sind die Erinnerungen daran noch sehr lebendig, hat man keine Progrome und verbrannte Erde vergessen.

Wenn man gegenüber anderen Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern eine klare humanistische Einstellung vertritt, hat man keine Probleme mit ihnen. Es kommt immer darauf an, wie man gegenüber anderen auftritt. Das muss nicht kriecherisch sein. Das sollte aufrecht sein, von anderen lernend, zurückhaltend und freundlich. Dann kann man mit Menschen aus anderen Ländern wunderbare Erlebnisse haben.


Kommentare:

  1. Ich habe nie verstanden, warum ich auf etwas stolz sein sollte, wozu ich nicht den geringsten Beitrag geleistet haben. Ich wurde zufällig hier geboren und das ist weder mein Verdienst noch meine Schuld. Ich war früher mal froh hier geboren worden zu sein, aber ganz sicher nicht stolz. Heute bin ich nicht mehr froh hier geboren zu sein. Im Gegenteil, manchmal schäme ich mich regelrecht dafür, wenn ich solche Kommentare lese, wie die bei dem Artikel der Welt oder wenn in unseren tollen Medien wieder Mal auf Spaniern, Griechen oder Italienern rumgehackt wird.

    Wir sind alle Menschen, egal welcher Nation. Unter unserer Haut sehen wir alle gleich aus.

    Die Pottpflanze

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    1. Hallo Pottpflanze, vielen Dank für die schöne Ergänzung des Posts.

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