Samstag, 23. März 2013

Da schlage doch das Fass die Krone ins Gesicht

Diese Understatement-Menschen im Süden von Europa. Das gibt es doch gar nicht. Man stelle sich vor, die haben mehr auf der hohen Kante als wir - wir fleißigen Deutschen. Unerhört. Sowas darf gar nicht sein. Die haben mehr, obwohl wir bei uns fast von Vollbeschäftigung sprechen, einen boomenden Arbeitsmarkt vor uns haben, alle Arbeit bekommen, die auch arbeiten wollen. Wir Deutschen, wir tragen Verantwortung! Jawoll! Wir kaufen wie des Teufels Zwilling, um unseren Binnenmarkt zur verlässlichen Stütze Deutschlands zu machen. Und der Binnenmarkt boomt und boomt, dank unserereins.

Da bunkern die einfach ihre horrenden Löhne und anderen Einkünfte und wollen nichts davon abgeben. Die wollen einfach ihren Staat Pleite gehen lassen. Naja verantwortungslos wie die Südländer nun mal sind. Wollen nur tändeln, flanieren, im Mittelmeer baden gehen und sich von der Sonne braun brennen lassen. Pah! Eben! Verantwortungslos!

Und wir, wir armen, armen Deutschen müssen nun wiederum für die da im Süden blechen. 

Man stelle sich vor, die haben doch mehr Immobilieneigentum als wir. Uns steht doch das alles zu und nicht denen. Wir retten den Süden von Europa immer zu und die machen Fettlebe. 

Da ist es doch wohl recht und billig, dass diese Pfeffersäcke endlich auch mal zur Kasse gebeten werden. Und dann sprechen die noch von Enteignung? Frechheit. Wir werden enteignet, indem wir denen unser sauer verdientes Geld in den Rachen werfen.

So soll man denken, wenn es nach der lancierten Studie und den Medien gehen würde, wenn es nicht falsch wäre, was uns da um die Ohren gehauen wird. Ich spare mir irgendeinen Verweis, wo man das im Wortlaut finden kann wegen des LSR. Wer will, findet es und die Nachrichten sind außerdem voll von Empörung über diesen Umstand.

Im Süden von Europa: 50 % Jugendarbeitslosigkeit und eine allgemeine Arbeitslosigkeit, die nicht allzuviel darunter liegt. Die Rot-Kreuz-Organisationen sammeln für die Bedürftigen in ihren Ländern, was sie noch nie nach dem 2. Weltkrieg machen mussten. Hungernde Menschen, Mütter, die ihre Kinder bei den SOS-Kinderdörfern unterbringen lassen, damit die wenigstens immer eine warme Mahlzeit bekommen. Immer mehr Menschen z.B. in Spanien, die aus ihren Häusern gejagt werden und irgendwo unterkommen müssen oder auf der Straße leben müssen. Banken krallen sich deren Immobilien und die Kredite müssen munter abbezahlt werden. Und ja, dort gibt es mehr Immobilieneigentum, weil Mietwohnungen nicht so üblich sind wie bei uns. Reichtum an einem kleinen Häuschen oder einer kleinen Wohnung festzumachen ist Blödsinn hoch 3. Ich war in Madrid in einem Hotel, was genau in solchen Häusern war, wie die Armen - es war ein Armenviertel - sie bewohnen. War das ein Luxus ;)

Die Renten wurden gesenkt, die Löhne wurden gesenkt, Millionen wurden auf die Straße gesetzt, die Arbeitslosenversicherung ist dort noch weniger komfortabel als bei uns. Hoffnungslosigkeit macht sich allerorten breit und Zorn, verständlicher Zorn.

Und diese normalen Menschen im Süden von Europa sollen aller reicher sein als wir? Glaubt denn jemand diesen Unsinn?

Hungern die zum Spaß? Schließlich könnten sie aus ihrem enormen Vermögen schöpfen. Sind sie Obdachlose, weil das so ulkig ist? Endlich kein Fensterputzen und kein Staubsaugen mehr oder endlich mal keine Wasserhähne oder Türen reparieren?

Probieren die die Armut bloß mal aus Freude an der Sache aus? Mal sehen, wie lange man es aushält und dann kehren sie zu ihrem horrenden Vermögen wieder zurück, in ihre Immobilien, die gar nicht mehr da sind? Zu ihren Arbeitsplätzen, die auch nicht mehr existieren? 

Goebbels hätte es nicht besser gekonnt. Diese sogenannte Studie hätte auch auf seinem Mist wachsen können. 

Wo leben wir denn eigentlich? Wieder in ähnlichen Verhältnissen wie 1933? 

Damals wurde bewusst gegen "Zigeuner", Juden, Kommunisten und andere Linke gehetzt. Das Weltjudentum, dass Deutschland Böses wollte, wurde heraufbeschworen. Ein hässliches Bild von krummer Nase, fliehendem Kinn, wilden Augen und Haaren wurde heraufbeschworen. Osteuropäern wurde das Menschsein ebenso abgesprochen. Wilde waren sie, die dumpf auf ihrer Scholle, die eigentlich besser den Deutschen gehören sollte, primitiv vor sich hin werkelten.

Was ist heute so anders?

Es geht im eigenen Land wieder gegen alles, was sich links nennt oder gegen diejenigen, die sich erlauben nicht zu arbeiten, obwohl es kaum Arbeitsplätze gibt. Dazu kommen als Feindbilder die Muslime. Die werden immer mit Bart, ihrem weißen Häkelkäppi und fanatischen, hasserfüllten Augen dargestellt, nicht unähnlich dem bösen Weltjuden, den wir heute wegen unserer Geschichte nicht mehr als Feind aufbauen. Des Weiteren sind es wieder die "Zigeuner", die man heute Roma nennt, aber immer noch so hasst wie damals. 

Die große Gruppe der Feindbilder sind aber die Südeuropäer. Gegen die darf munter gehetzt werden. Dass sind die, die uns bis auf Hemd ausziehen, obwohl sie doch so dankbar sein sollten, dass sie zur europäischen Familie gehören dürfen. Das sind die, die lieber Siesta machen, als zu arbeiten und das sind die, die uns Deutsche aussaugen, wie einen nassen Schwamm.

Was ist heute also an der Propagandafront anders als 1933? Die Protagonisten sind andere. Sie haben sich ein globales Mäntelchen umgehängt. Ihre Gedanken sind aber immer noch so alt und rassistisch wie damals. Heute wie damals schwafeln sie vom Wohl des deutschen Volkes, was sie gar nicht interessiert. Hauptsache die Deutschen huppen drauf und schwafeln mit und fühlen sich als das auserwählte Volk. 

Ich habe es schon einmal gesagt, wenn der Süden abgegrast ist, kommt der Norden dran. Seit Zypern ist nichts mehr sicher. Seit Zypern muss jeder, wirklich jeder damit rechnen, enteignet zu werden zum Wohle der paar Oligarchen in Europa und den USA.

Diese Machwerk an Studie kam für unsere Marionettenregierung zur richtigen Zeit, vom richtigen Ort. Nachtigall ick hör dir Trapsen. Oder wer hört sie nicht?

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PS: Langsam wird es für die Urlaubsplanung eng. Wir Deutschen wurden in Europa dank Mutti zu Menschen, die man nicht leiden kann, deren Gesinnung erst abgefragt wird, ehe man sich näher mit ihnen befasst. Wir Deutschen werden dank Mutti in Europa wieder als Unruhefaktor angesehen, als Faktor, dem man nicht mehr trauen kann, als diejenigen, denen man es zutraut, einen neuen heißen Krieg zu beginnen. Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Es ist die Wirklichkeit, mit dem viele von uns konfrontiert werden, wenn sie im Ausland sind.



Kommentare:

  1. So macht man Meinung! Und die Deutschen springen gerne darauf an.
    Was einen Krieg betrifft: Wir sind mittendrin.

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    1. Ich denke da eher an einen heißen Krieg in Europa und nicht irgendwo am Hindukusch oder in Afrika. Ich denke an eine Konstellation, die ähnlich dessen ist, wie der Beginn des 1. Weltkrieges.

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  2. Sehr guter Artikel.
    Nur beim PS muss ich gewissen Einwende erheben:
    "Wir Deutschen wurden in Europa dank Mutti zu Menschen, die man nicht leiden kann,..."
    Dank Mutti, na ja ich würde eher sagen dank denen die Mutti bzw. ihre Sippe dazu gemacht haben, dieses typisch deutsche Wählervieh und wer ist das, die vermeitlich schlauen fleissigen Deutschen. "...deren Gesinnung erst abgefragt wird,..." Abgefragt werden sollte eher man sich diesen Schwall von geBILDeter Meinung anhören muss, ob man will oder nicht. Die schon 1990 besser wußte wie schlecht es den "Ostländern" ging, als die es sich träumen lassen konnten, obwohl die doch elektrisches Licht und eigene Möbel hatten. Beides dürften für viele von ihnen (wie auch den Südländern) bald zur Vergangenheit gehören, dank unbezahlbarer Strompreise und Obdachlosigkeit.
    Auf Majonetten, Volkszertreter und und wie Mutti kann man gerne verzichten wie auch viele andere vor ihr, aber sie sind es durch die Deutschen erst geworden, die vom eigenständigen Denken entwöhnt wurden und lieber Hamster spielen, leben um zu arbeiten, als einmal nachzudenken.

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    1. Danke für die Ergänzung, die völlig richtig ist.

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  3. Teile u.herrsche-so war es doch schon immer.Ein Jammer das solche Propagandamittel immer noch funktionieren.
    Was ich momentan garnicht mehr blicke:Welche Strategie steht hinter all diesen Maßnamen(zb.Zypern).Das die "Eliten"eine neue Weltordnung wollen dürfte wohl klar sein.Es wird einfach immer verwirrender-das liegt auch im Kalkül. Vielleicht provozieren SIE einen europ.Bürgerkrieg um IHR Ziel einer einzigen europ.Diktatur zu realisieren. Nur durch chaotische Verhältnisse lassen sich solche Ziele realisieren.Werden WIR langsam darauf vorbereitet u.weichgekocht?

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    1. Ich habe ein ganz komisches Bauchgefühl. Spontan würde ich meinen: Wie doof sind denn die! Aber wenn man darüber nachdenkt, sind die sicher alles andere als dumm. Sie bereiten etwas vor und ich denke eine europäische Diktatur wäre noch das geringste Übel, wenn wir schon bei den Übeln sind. Deutschland hegt wieder Allmachtsfantasien und wenn Deutschland solche hegt, geht es immer schlimm für uns aus, was auch immer.

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  4. Ich weiß nicht wirklich,alles hat den Anschein das Deutschlands
    "Eliten"den europ.Machtpoker spielen.Stimmt,militärisch sind sie zweimal gescheitert.Europäisch ist Deutschland die stärkste ökonom.Macht-diese Karte auszuspielen scheint logisch.SIE saugen das Resteuropa aus um es letztlich in finanzielle Knechtschaft einzuverleiben. Jedoch,der große finazpolitische Player sitzt doch in der Wall Street u.der Bank of London- Europa wird destabilisiert u.zerstört,Deutschland wird in diesem Sog mitgerissen.
    Damit ich nicht mißverstanden werde,ich verabscheue diese neoliberalen Strukturen u.hoffe das es bald zu radikalen Widerstand gegen diese Herrschaftsstrukturen kommt.Irgendwann muß JEDER begreifen das sich dieses globale Spiel gegen menschl.Bedürfnisse u.Selbstbestimmung richtet.
    Unser Feind ist nicht der Grieche o.sonst einer,sondern die Herrschaftsstrukturen die uns AUSSAUGEN u.VERSKLAVEN wollen.

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  5. Man muss aber auch beachten, dass die Studie aus der Anfangszeit der Eurokrise stammt. Mittlerweile ist Mutti ja schon dort einmarschiert und hat die Verhältnisse mal klargestellt.
    Ich habe aber auch zwei ganz rationale Gründe für diese erstaunliche Studie: Deutsche kaufen statt Häuser lieber Autos in der gleichen Preisklasse, dieses "Vermögen" ist nach zehn Jahren natürlich futsch.
    Und die Millionen Hart-IV-Bezieher, die überhaupt kein Vermögen besitzen, weil ihnen bereits alles geraubt wurde. Das schlägt sich natürlich auch in der Statistik nieder.

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    1. Könnte sein. Dann müssten die knapp vor liegenden Österreicher das gleiche tun. Ich bin jetzt nicht darüber informiert, ob es da auch so etwas wie H4 gibt.

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  6. Kann ich alles unterschreiben. Vielleicht noch die Ergänzung, dass das die Leistungsansprüche aus den sozialen Sicherungssystemen gar nicht mitberechnet wurden. Fehlt jetzt nur noch, dass die Herrschaften uns sagen. "Macht es wie die anderen-reduziert die gesetzliche Rentenversicherung noch mehr und spart mehr in einem Rentenfonds der deutschen Bank...
    Für eure Altersvorsorge. Private Vorsorge machen die Renten sicherer..."
    So oder so ähnlich könnte ein Werbeschlachtruf der deutschen Banken und Versicherungswirtschaft lauten...

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