Montag, 11. März 2013

Das soll Wirtschaft sein?

"Wir schalten um zur Wirtschaft." Das hört man im Morgenmagazin zu jeder halben oder ganzen Stunde. So ganz genau weiß ich das nicht.

Also gut: Schalten wir zur Wirtschaft um!

Wirtschaft? Sagten die nicht gerade, dass sie zur Wirtschaft umschalten?

Nein, Wirtschaft is nich - Börse is!

Das wird geschwärmt, der hohe Dax. Wir sind über die 8000er. Hurra. Sind wir nicht gut? Krise? Wer hat etwas von Krise gesagt?

Nun lernen wir, dass Wirtschaft ist, wenn der Dax Höhenflüge unternimmt. Wir lernen, dass Wirtschaft ist, wenn irgendeine Ratingagentur z.B. Italien herabstuft. Nicht etwa weil sich die Wirtschaftsdaten in Italien wahnsinnig geändert hätten gegenüber gestern. Nein! Die Ratingagentur ist mit dem Wahlergebnis unzufrieden. Das sind mal Argumente, um die Wirtschaft eines Landes einzuschätzen: Mir gefällt das Wahlergebnis nicht. So einfach ist das. 

Und nun kuschen sie alle. Merkel würde sicherlich sagen: Hab ich's nicht gesagt? Schuldenbremse!

Ist Börse nicht eigentlich der Hilfsknecht der Wirtschaft und nicht umgekehrt? Sollte Börse nicht eigentlich der Wirtschaft dienen - und nicht umgekehrt?

Hohe Börsenkurse, ein Börsenkursrausch. Na, das habe ich doch schon ein paar Mal erlebt. Was folgte? Crash! Und zwar immer.

Ist es nicht eher so, das vagabundierendes Geld durch die Börsen geistert. Geld, was keine Anlagemöglichkeiten mehr sieht. Schließlich wollen die Raubritter ihre Beute irgendwo anlegen. Aus mehr soll noch mehr werden. Anlage in der Wirtschaft? Investieren? Nur worin? 

Immer weniger Konsum - immer weniger Investitionen! Warum auch sollte ein Unternehmen in irgendetwas investieren? Warum sollten Aktienbesitzer z.B. in die Autoindustrie ihr Geld stecken. In Opel z.B., in Renault, in Fiat, in Seat, in Skoda? Die Zahl derjenigen Menschen in Europa, die sich einen Neuwagen leisten können, nimmt rasant ab. Und in andere Unternehmenszweige? Billigramsch, was hierzulande meist nur nach absetzbar ist, wird anderswo hergestellt und zwar dort, wo man nicht investieren muss. Die stellen das auch unter unsäglichen Produktionsbedingungen her ohne Investitionen in modernste Technik. Gut, mal Ersatz von Maschinen hier und da. Die Masse ist es nicht. 

Der DAX über 8000 und trotzdem stehen wir vor einem Scherbenhaufen europäischer Wirtschaft. Nicht das die Wirtschaft das nicht wollte. Genauso hat sie sich das gedacht. Genauso wollte sie das. Und wenn sie immer weniger produziert? Was macht es? Nichts. Die Oligarchen sind abgesichert und zur Not können die ja zu sonnigen Inseln, schön abgeschirmt vor der wirklichen Welt, auswandern.

Nur wir müssen in grauen, zerfallenden Städten und fast menschenleeren Dörfern ausharren bei Wasser und Brot. 

Wir werden nur noch eine Freude haben: der DAX über 8000 Punkte. 

Geht uns eigentlich wirklich etwas an wo der DAX steht? Ist das unsere Lebenswirklichkeit? Bangen wir um unseren Aktienbesitz? Oder hätten wir dann doch lieber wirkliche Wirtschaftsnachrichten, ungeschönte? Oder würden wir lieber Nachrichten haben, die Perspektiven aufzeichnen jenseits von Niedriglohn und Armut? 

Manches Mal hat auch eine Börsennachrichtverbreiterin einen Lichtblick. In einem zweiten Nebensatz meinte sie, ob nicht auch der hohe DAX zeige, dass die Krise noch nicht vorbei wäre?



 

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