Donnerstag, 14. März 2013

Ein Tag, um über eine Person nachzudenken

Nein, ich rede nicht vom neuen Papst. Mir ist der völlig egal. Hier in Deutschland war es kaum zum Aushalten, wie eine Splittergruppe von Gläubigen die Fernsehprogrammgestaltung an sich riss.

Wichtiger ist es, über einen anderen Mann nachzudenken: Über Karl Marx.

Heute vor 130 Jahren verstarb der große Denker. Er war es, der sich Gedanken über den Wirkmechanismus des Kapitalismus gemacht hat. Ich will an dieser Stelle nicht auf seine Biographie eingehen, weil die jeder nachlesen kann.

Karl Marx. In der Schule ab Klasse 9 wurden wir mit ihm - wie ich es damals empfand - traktiert. Okay, ich fand seine Sichtweise auf das Leben, auf die Welt, auf die Natur, auf die Gesellschaft spannend und interessant. Da ich nicht religiös bin, noch niemals war, trotz Religionsunterricht, kam mir der philosophische Materialismus sehr entgegen. Seine Arbeiten u.a. zum Mehrwert, den Klassen fand ich recht einleuchtend. Nur ob er Recht hatte? Das konnte ich damals nicht beurteilen, weil es mir verwehrt war, die andere Seite - die kapitalistische - anzusehen und zu erleben. Wie das so mit allem ist, was einem bis zum Überdruß erzählt wird, zweifelte man daran, ob die Marx'sche Betrachtungsweise auch heute noch das hält, was sie lehrt. 

Dann wurden wir DDR-Bürger von jetzt auf gleich in die kapitalistische Wirklichkeit geworfen. Nichts galt mehr in unserem Leben. Unsere Biographien wurden entwertet und wir wurden vielfach diskriminiert, es sei denn wir passten uns bis zu unserer Unkenntlichkeit in Sprache und Gestus dem Westen an. Meine Sache war das nicht.

Plötzlich stellte ich fest: Marx ist nicht altmodisch. Hier im Kapitalismus läuft es geradezu bilderbuchmäßig genauso ab, wie ich es in der Schule/beim Studium gelernt habe. Und es läuft verschärft ab.

Die meisten Menschen in dieser Republik, in der EU, der Welt haben nichts als ihre Arbeitskraft zu verkaufen. 

Das sollten sich diejenigen merken, die meinen, sich im Mittelstand recht bequem gemacht zu haben. Sie verkaufen ihre Arbeitskraft, wie der Bochumer Opelarbeiter am Fließband. Wenn der Unternehmer diese Ware nicht mehr will, dann sitzen sie mit ihrer schönen Arbeitskraft auf dem trockenen und dürfen nach einem Jahr Arbeitslosengeld I, egal wielange sie in die Versicherungsleistung - noch einmal VERSICHERUNGSLEISTUNG - eingezahlt haben oder auch nicht,  sich mit den Mitarbeitern des Jobcenters für Arbeitslosengeld II abquälen. Vorher müssen sie noch ihre Menschenwürde abgeben.

Karl Marx zeigte, daß der Wert einer jeden Ware durch die Menge der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit bestimmt wird, die zur Produktion der Ware erforderlich ist. Das heißt, dass gesellschaftlich produziert wird, der Kapitalist sich aber das Ergebnis privat aneignet. 

Das Grundgesetz des Kapitalismus sagt, mal ganz flapsig ausgedrückt: Erzielung von Höchstprofiten. Karl Liebknecht sagte es recht volkstümlich: Das Grundgesetz im Kapitalismus heißt ’du oder ich’, nicht ’du und ich’

Das wird von manchen Menschen vehement in das gestrige Zeitalter verwiesen. Man ist altmodisch, wenn man das heutzutage noch sagt. Wieso? Das Erzielen von Höchstprofiten wird verschleiert. Dabei muss man nur hinschauen, um zu erkennen, dass es genauso war und ist. Die Agenda 2010 ist nichts anderes, als die Sicherung von Höchstprofiten für die deutsche Wirtschaft. Entweder ich konkurriere die anderen zu Tode oder ich bin tot. Geradzu bilderbuchmäßig ist das Anzusehen in den erodierenden Wirtschaftsleistungen der südeuropäischen Länder. Eine hochproduktive Wirtschaft mit Reallöhnen, die unter denen des Jahres 2000 liegen dank der Agenda 2010 hat fast ganz Europa in die Knie gezwungen.

Karl Marx sagt: Die Arbeitskraft des Menschen wird zur Ware. Der Lohnarbeiter verkauft seine Arbeitskraft dem Besitzer des Bodens, der Fabriken, der Arbeitsmittel. Einen Teil des Arbeitstages verwendet der Arbeiter darauf, die zu seinem und seiner Familie Unterhalt notwendigen Ausgaben zu decken (Arbeitslohn), den anderen Teil des Tages jedoch arbeitet der Arbeiter unentgeltlich; er schafft den Mehrwert für den Kapitalisten, die Quelle des Profits, die Quelle des Reichtums der Kapitalistenklasse. 

Die Lehre vom Mehrwert ist der Grundpfeiler der ökonomischen Theorie von Marx.

Heutzutage verkauft der Lohnarbeiter seine Arbeitskraft sogar in weit höherem Maße unentgeltlich an den Kapitalisten, wie vor einigen Jahren noch. Er erhält oft nicht mehr das, was zu seinem Erhalt und zum Erhalt der Familien notwendig ist. Im Gegenteil. Der Lohnarbeiter, der seine Arbeitskraft verkaufen muss, gibt den Kapitalisten noch ein Teil seines Lohnes, damit er überhaupt bei ihm arbeiten darf. 

Das ist verrückt. 

Wie anders sind sonst Aufstocker zu verstehen. 

Verschleiernd wird immer gesagt, dass das Geld vom Jobcenter käme. Nur, woher bekommt das Jobcenter das Geld? 

Es sind unsere Steuermittel.  Unsere Einkommenssteuern, unsere Verbrauchssteuern usw. usf.

Wir, die wir unsere Arbeitskraft verkaufen müssen, subventionieren dem Kapitalisten seinen Gewinn.

Denken wir einmal in aller Ruhe darüber nach und fragen uns: Wieso gestatten wir das dem Kapitalisten? Wieso lassen wir uns alle erkämpften Errungenschaften so sang- und klanglos wieder wegnehmen? Wieso kuschen wir immer nur vor allen, die uns in die Armut und Abhängigkeit treiben wollen?

Lesen wir wieder einmal Karl Marx. 

Sicherlich Rosamunde Pilcher ist einfacher zu verstehen, simpler gestrickt mit ihren Herz, Schmerz und Intrige. 

Nur, unser Leben wird von dem bestimmt, was Karl Marx herausfand. Deshalb sollten wir nicht zu faul und zu träge sein und uns wieder mit seinem Werk beschäftigen.

Hier und heute wird gern verschleiert, wie die Verhältnisse sind. Da wird über die Leiharbeit geschimpft, da wird über amazon geschimpft, da wird vergessen, dass jedes Callcenter ausbeuterisch ist, da wird vergessen, das studierte Frauen an Supermarktkassen für'n Appel und nen Ei sitzen, da wird vergessen, dass Menschen in die Selbstständigkeit gedrängt werden und dort nich leben und nicht sterben können. Das ist alles nicht falsch, aber es trübt uns den Blick, um zu den wirklichen Verhältnissen, zu den Wurzeln des Übels vorzustoßen, die diesen Unternehmen erlauben, Menschen so zu behandeln, wie sie behandelt werden.

Lesen wir wieder einmal Karl Marx.

Hier werden die Verhältnisse, die hier und heute herrschen klar herausgestellt. Mag der Lohnarbeiter heute anders aussehen als im 19. Jahrhundert. Er ist aber immer noch derjenige, der seine Arbeitskraft verkaufen muss, egal ob er Webdesigner ist, Bandarbeiter, Verkäuferin, Callcenter-Agent usw. usf.

Zum Schluss noch: Ich habe heute in meiner Zeitung - der Jungen Welt - einen Satz gelesen, den ich passend finde und der Wirklichkeit werden wird, wenn wir allesamt nicht aufpassen und wenn wir unseren Winterschlaf weiter pflegen:

»Der Blick in das 18. Jahrhundert ist der Blick in die Hölle unserer eigenen Zukunft«, prognostizierte der Krisentheoretiker Robert Kurz in seinem »Schwarzbuch Kapitalismus« schon Ende des 20. Jahrhunderts.

Kommentare:

  1. Ja, der Artikel trifft es. Nur das mit dem Satz aus der Jungen Welt und dem nicht aufpassen, sehe ich anders. Wir können aufpassen wie wir wollen, es wird genau dahin gehen. Marx hat nicht nur den Kapitalismus analysiert, er hat auch dessen Ende vorhergesagt. Und der Kapitalismus kann nicht anders, er muss den Profit maximieren. Es ist die Grundlage seiner Existenz. Meiner Ansicht nach lautet die Frage nur, wie weit wollen oder können wir das mitmachen. Noch haben wir die Wahl, dem Kapitalismus das Handwerk zu legen, oder das volle Programm genießen, inklusive Raubkriege der Kapitalisten untereinander.
    Man kann den Kapitalismus nicht reformieren. Noch träumen die Meisten von sozialer Marktwirtschaft und Demokratie. Man müsste ja nur die richtigen wählen, die dann ein paar Gesetze für die Massen machen. Vergesst es, ein humaner Kapitalist ist einer, der zu hundert Prozent von den anderen gefressen wird. Die Massen haben den Untergang des Sozialismus bejubelt, ohne zu begreifen, dass er die einzige Ursache für das Soziale an der Marktwirtschaft war.
    Der Glaube an die Reformierbarkeit des Staates ist ungebrochen. Nie Lenin gelesen oder ihn nicht verstanden. Der Staat ist das Machtinstrument der herrschenden Klasse. Und herrschende Klasse sind die Besitzer der Produktionsmittel. Da gibt es auch keinen Unterschied zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Der Unterschied besteht darin, ob man 1 Prozent oder 99 Prozent unterdrückt.
    Und da wird es interessant. Wenn man nämlich analysiert, was die Meisten wollen und den Propagandamüll in den Köpfen ausblendet, kommt erstaunliches zutage. Was sie wollen ist Sozialismus. Nur soll er bitteschön nicht so heißen und auch funktionieren.

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    1. Okay, so habe ich das mit dem aufpassen auch nicht gemeint. Es sollte kein passives Aufpassen sein. Ich hätte es sicherlich besser ausdrücken können, da gebe ich dir recht. Ich habe auch schon in vielen Posts bei mir versucht den Lesern nahezubringen, dass der Staat das Machtinstrument der herrschenden Klasse ist. Dankeschön für die gute Ergänzung. Genauso habe ich es mir mit dem Nachdenken über einen Mann namens Karl Marx gedacht.

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  2. Hallo,
    ein sehr interessanter Artikel, hier möchte ich gern noch einen Literatur-Hinweis geben und zwar von Gustav Ruhland "Das System der politischen Ökonomie". Es ist ein 3. Bänder das um 1900 geschrieben wurde und vor allem den Makroskopischen Zustand der Gesellschaft sehr gut erklärt. Er geht von den Römer, Griechen, ect. bis in seine Zeit. Mit bemerkenswerten Erkenntnissen die wenn man die Jahreszahl abändern würde in der Gegenwart brisanter denn je sind. Ein kleiner Tipp man kann sich diese Werke kostenlos per E-book übers Internet runter laden ohne Verlagsrecht zu verletzten.

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    1. Danke für den Literaturtipp, habe es gefunden.

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  3. Marx ist für mich der bedeutentste Ökonom,seine Analyse zur politischen Ökonomie ist heute genauso aktuell wie damals.Die Grundlagen der kapit.Ökonomie haben sich nicht verändert,wie auch!Einzig vermisse ich bei Marx die Kritik am kapital. Geldsystem,des mit Zins u.Zinseszins verliehenen Geldes.Geld ist nicht mehr ein Medium des Warentauschs,es ist ein Instrument der Herrschaft geworden.Wir alle rennen dem Geld hinterher als wäre dieses ein absoluter Werterhalter-dem ist ja nicht so.Es ist ein Instrumen der Manipulation geworden,beliebig reproduzierbar u.ohne ökonom.Werthaltigkeit.Die Menschen die die Macht über das Geld haben,haben ein effizientes Instrument, sie können ganze Nationen beherrschen(siehe Griechenland etc.)Bezeichnenderweise sagte früher Rothschild einmal:Es ist mir egal wer die Gesetze in einem Land macht,solange ich nur die Kontrolle über das Geld habe. Das sagt viel aus!
    Um die heutigen Verhältnisse in der Ökonomie zu vestehen darf man die monitären Machtstrukturen nicht außen vor lassen. Profan ausgedrückt:selbst der kleinste Kapitalist ist nicht frei von monitärer Versklavung.(Ich habe kein Mitleid mit Ausbeutern)aber sie sind auch Gefangene dieses Systems.Das Geld ist der Hebel der Versklavung.

    Marco

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