Donnerstag, 30. Mai 2013

Abwärts ist chic

Da gibt es den Simpel, den man in BaWü fortlobte, damit er unsere Geschicke in der EU verträte. Oettinger nennt sich dieser Mensch "Wir können alles - außer Hochdeutsch" (ein Kalauer, ich weiß).

Nun stellt sich aber heraus, dass er nicht mal alles außer hochdeutsch kann. Beschränkt wie er ist, wohl nie aus seinem Ländle herausgekommen oder nur in der "Ländle-Blase", meint er nun alle Länder schulmeistern zu müssen. Ich EU - ich dicke Ärm - ich Deutsch - ich der Beste, oder so ähnlich.

Allen Länder gibt er Ratschläge, von den "unregierbaren" in seinen Augen, wo er nicht nachfragt, wie es kommt, dass in den südosteuropäischen Ländern es so ist, wie es ist. Das könnte ja blamabel für den Alleswisser werden. Auch Frankreich muss sich seinen Ratschlag anhören, sich endlich für die Zukunft chic zu machen, wie Deutschland. In deutscher Zunge heißt das: Alles zu tun, damit das Soziale aus Europa verbannt wird. Alles zu tun, dass kein Normalo mehr seine Zukunft planen kann. Alles zu tun, um die Konzerne - d.h. ein paar Familien in der Welt - zu noch mehr Geld zu verhelfen. Dass nennt er dann Wettbewerbsfähigkeit herstellen. 

Lieschen Müller und Hans Jedermann wettbewerben mit dem ärmsten Tagelöhner in der 3. Welt um ein paar Euros, um irgendwelchen Industriefraß kaufen zu können, damit sie nicht verhungern müssen - wie in der 3. Welt.

Hat Oettinger sein Szenario schon mal zu Ende gedacht? Für wen will er dann letztendlich wettbewerbsfähig sein, wenn es nur noch ganz wenige Menschen gibt, die sich den Konsumkram kaufen können?

Den paar superreichen Familien kann es egal sein. Auch wenn sie nichts mehr an uns verkaufen könnten, würden sie nicht darben müssen. Und es wird immer noch eine kleine Industrie geben, die ihre Wünsche erfüllen kann.

Wie soll die Welt aussehen, die Oettinger so vorschwebt? Da gibt es leergefegte Innenstädte in den Provinzen (schon jetzt anzusehen). Wenn es Läden gibt, dann nur noch Ramschläden. Den Bäcker um die Ecke gibt es schon lange nicht mehr. Er hatte kaum noch Kundschaft, weil die sich seine Brötchen nicht mehr leisten konnten.

Auf der anderen Seite, wird es umzäunte, grüne Reichenviertel geben mit Aufsehern. Aber wir werden gar nicht in die Nähe dieser Viertel gelassen werden. Bannmeilen werden um sie herum errichtet.

Die Sozialkaufhäuser und Tafeln prägen die Städte. In den Dörfern kommt man besser über die Runden, weil manche noch Land haben, dass sie bestellen können. 

Die Schattenwirtschaft blüht. Gibst du mir, so gebe ich dir ...

Dann gibt es die, die sich durch Flaschensammeln o.ä. etwas dazu verdienen (gibt es zwar schon), aber deren Terrain wird umkämpfter werden. 

Die Menschen werden immer mehr verrohen. Gibst du mir es nicht freiwillig, so werde ich mir es holen. 

Auf der einen Seite Verrohung - auf der anderen Seite vielleicht gegenseitige Solidarität. 

Auf der Strecke bleiben zu allerst die Kranken, Behinderten und Rentner.  

Die Demokratie hat endgültig aufgehört zu existieren. Die paar Familien haben sich ihrer endlich entledigen können. Sie herrschen nun mit eiserner Faust, als Eiserne Ferse. Sie bevorzugen ein paar Humanoide, die sie in ihrer Nähe dulden. Denen gönnen sie ein gutes Leben. Sie halten das Leben, was nur noch diese paar superreichen Familien betrifft, am Laufen und dürfen am Katzentisch sitzen.

Die Masse sitzt dagegen demoralisiert auf einer Parkbank, schaut auf Straßen, die den Namen nicht mehr verdienen, sieht seine Wohnviertel, die bröckeln. Die Kinder erlernen nur noch das, was man ihnen zugesteht: lesen, schreiben, rechnen und die Liebe zu den paar Familien, die alles in der Hand haben. (Wurde schon mit der Bertelsmannstiftung, die in die Schulen geht, begonnen)

Die Armen werden in die Armeen gelotst. Schließlich müssen wir das undemokratische und unsoziale Modell in der ganzen Welt per Waffengewalt verbreiten. Die Armen werden sterben, die Reichen ihre Bluteuros zählen auf den Leichenbergen der Welt. (Der Anfang ist jetzt schon gemacht)

Nicht nur in Europa sieht es so aus, sondern auch in den USA, Afrika ist im Chaos versunken und kommt nicht mehr daraus hervor. In unseren Sumpf werden auch die verlängerten Werkbänke in China, der Türkei, Vietnam, Laos, Bangladesh und Indien mit hineingezogen. 

Die Rechnung ist ganz einfach. Kaum noch Konsum unsererseits, wozu noch dort produzieren? 

Wir sitzen und warten ... Worauf?

Auf die Vulkanier, die eines Tages auf der Erde landen werden ;)?

Will Oettinger so eine Welt? Kann er überhaupt soweit denken? Oder hört das Denken bei seiner privaten Geldbörse auf?

Die andere Seite: Wir haben es selbst in der Hand, uns nicht mehr alles gefallen zu lassen. Wir sollten die BILD und andere Zeitungen, die uns aufeinander hetzen, in den Müll werfen, nicht mehr den anders ausschauenden Nachbarn begeifern, sondern uns um die kümmern, die uns das alles antun. 

Nur, will das die breite Masse? Nein! Bei der erstbesten Gelegenheit, wenn man in einer Reisegruppe reist, wird die BILD gekauft und es wird über den anders aussehenden Nachbarn gegeifert. 

Ich glaube, wir werden den Oettinger-Kelch bis zum Schluss austrinken müssen. 


 




Kommentare:

  1. TOLL !! Du schreibst her(r)lich; ne einfach super -- trifft den Nagel auf'n Kopp --
    bin ä bissle neidisch, möchte auch gerne meine Gedanken so schreiben können .....doch als popelicher Handwerker mit Dachschaden lese ich gerne bei dir und anderen blogs
    ?antiferengi gibt's doch leider nicht mehr? -- alles schall und rauch liest du nicht?
    vielen Dank für deine Gedanken -Gruß aus'm NordSchwarzwald _Hans

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    1. Danke Hans. Nunja, jeder kann eben etwas anderes. Ich bin eine totale handwerkliche Niete. Aber aufschreiben ist Übungssache, wie jedes andere Handwerk auch. Ja, ich bedauere auch dass es den Antiferengi nicht mehr gibt. Ich verstehe ihn auch ein bisschen. Ich weiß manches Mal auch nicht, wenn ich meine Umgebung sprechen höre, ob es überhaupt Sinn macht, den Blog zu führen. Kommentare, wie die deinigen geben mir Mut. Nochmals Dankeschön. "Alles Schall und Rauch" habe ich in meinem Feedreader, aber du hast Recht, ich müsste mal meine Blogliste wieder aufräumen und werde ihn dazu setzen.

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