Donnerstag, 9. Mai 2013

Die Kristallkugel als liebstes Spielzeug

Das Wetter ist nicht toll, meine Herbesbläschen im Mund tun weh, aber ich bin auf dem besten Wege zu einer sonnigen Gesundheit, besser könnte es mir gar nicht gehen und in 50 Jahren ist alles noch viel besser, dann brechen für mich rosige Zeiten an. Wo, bleibt noch dahingestellt. In der Hölle? Im Himmel? Im Paradies? Oder nur als vermodertes Etwas? Oder als Asche, die neues Leben gebiert? Eher Letzteres. 

Das kam mir in den Sinn, als ich eine der täglichen Jubelmeldungen über unsere supertolle, deutsche Wirtschaft hörte. Ach, was sage ich, nicht nur deutsche Wirtschaft. Wir leben alle in wundervollen Zeiten. 

Da heißluftblubbert ein gewisser Herr Schäuble, dass Deutschland auf dem richtigen Weg wäre. Es gehe aufwärts. Schäuble bezog sich dabei auf die Steuerschätzung.

Ich weiß ja jetzt nicht, was er unter "Aufwärts" versteht. Ich glaube, da versteht er etwas völlig anderes als ich.

Aufwärts bedeutet doch eigentlich in der deutschen Sprache, dass etwas nach oben geht, empor steigt, sich erhebt. Wenn man mit dem Fahrstuhl von der 1. Etage aufwärts fährt, landet man eigentlich nur im Keller, wenn der Fahrstuhl kaputt ist und ein Eigenleben entwickelt.

Und nun noch einmal: Wir wären auf dem richtigen Weg. Und ich setze dazu: Vorwärts zu neuen Taten, überholen ohne einzuholen (ein alter DDR-Slogan - zumindest im 2. Teil). 

Es geht vorwärts! Bei Schäuble heißt vorwärts "Abwärts". Die Steuerschätzer senkten ihre Prognose für das Jahr 2013.

Es ist schon schlimm, wenn der Fahrstuhl ein Eigenleben entwickelt und einen nicht von der 1. Etage in eine obere befördert. Was kann man da machen? Richtigerweise sollte man den Schaden benennen und jemanden holen, der den Fahrstuhl repariert. Und wenn der Reparateur zu dämlich ist, den Fahrstuhl reparieren zu können und er dann nicht nur in den Keller fährt, sondern noch weiter in die geheimen darunter befindlichen Geschosse, dann sollte man die Crew wechseln und jemanden holen, der von Fahrstühlen wirklich Ahnung hat. 

Man kann es aber auch anders machen. Man erzähle aller Orten, überall und nirgends, dass man sich täusche, wenn man aus den Zahlen herauslesen würde, dass der Fahrstuhl in den Keller führe. Das wäre mitnichten so. Man müsse nur die richtigen Bezugspunkte herstellen, dann würde der Fahrstuhl immer nach oben fahren.

Also ich kenne das von früher, als ich noch DDR war. Da durfte auch nicht sein, was war. Ich hätte nicht gedacht, dass die DDR und die BRD so viele Gemeinsamkeiten - zumindest in dieser Hinsicht - entwickeln würden. Die BRD ist in agitatorischer Hinsicht (rein handwerklich, nicht inhaltlich) ein Widergänger des aufgelösten Staates DDR.

Der positive bzw. "richtige" Bezugspunkt soll nun das Jahr 2017 liefern. Und man höre und staune. Schon jetzt wissen die Steuerschätzer, dass Deutschland im Jahr 2017 in Steuern schwimmen werde.

Sie saßen alle in einem Raum vor ihren Kristallkugeln.

Okay, die Kristallkugel wurde durch einen Computer ersetzt. Der rechnet nach einem Programm, der denkt nicht. Und die Software wurde von Menschen programmiert, die nichts wissen, die nur Software nach Vorgaben programmieren können. Software wird nach logischen Gesichtspunkten erstellt. Ein Computer erkennt nur Einsen und Nullen. Leider besteht das Leben nicht nur aus Einsen und Nullen, richtig oder falsch. Das Leben spielt sich in Grauzonen ab, in chaotischen Zuständen, der die Spieltheorie nur in Ansätzen nahe kommt. Wenn es anders wäre, müssten die Steuerschätzer nicht die erwartete Steuersumme von 2013 nach unten senken. Denn dann hätten sie es von Anfang an gewusst.

Steuerschätzung! Das grenzt irgendwie an Wahrsagerei. Nun soll es ja Menschen geben, die meinen, dass es das 2. Gesicht gäbe und dass Menschen auch die Zukunft schauen könnten. Ich möchte mich jetzt auf keine dieser Diskussionen einlassen. Die Steuerschätzer haben nicht das 2. Gesicht! Das Leben ist keine Mysterieserie von RTL ausgestrahlt. 

Wenn man einigermaßen normal denkt, sollte man den Absturz der Eurostaaten rund um Deutschland in die Berechnung einbeziehen. Verarmte Menschen kaufen nicht allzuviel. Woher kommt also der Schub, der Deutschland sprudelnde Steuereinnahmen versprechen könnte? Die paar Reichen, können den Kaufkraftverlust rund um Deutschland nicht auffangen. Und die Einschläge kommen immer näher. Zuerst waren sie 3 bis 4 Flugstunden von Deutschland entfernt und jetzt sind sie schon - von meinem Standort gerechnet etwas über eine Flugstunde vor Deutschland. Aus dem Inland erwartet er den Schub doch wohl nicht. Immer mehr Menschen müssen zusätzliche, staatliche Leistungen beantragen, obwohl sie Vollzeit arbeiten. Der Einzelhandelsumsatz ist wieder einmal zurückgegangen und daran ist NICHT der Winter schuld, wie man uns suggerieren will, weil das nicht in die andauernde Jubelei hineinpasst.

Sollen es die Chinesen richten? Die Chinesen beginnen gerade einen gegenteiligen Kurs für die Stärkung des Binnenmarktes zu fahren. Und wir haben ihnen das leicht gemacht, indem wir ihnen die schlüsselfertigen Industrien hingestellt haben einschließlich der Blaupausen für die dazugehörigen Produkte. In nicht allzulanger Zeit wird es heißen: Chinesen kauft chinesische Produkte. Japan hat es vorgemacht, wie man Europa wegschieben kann. Südkorea auch.

Andere außereuropäische Staaten habe ihre eigenen Probleme. Die einen wollen nicht, die anderen dürfen nicht und wieder andere können nicht.

Woher kommen nun die sprudelnden Steuereinnahmen, wenn sie kaum aus Deutschland selbst kommen können, noch seltener aus den europäischen Staaten und nur bedingt von anderswo her?

Was sagt die Kristallkugel dazu? Oder lässt sich unsere Regierung nun die Karten legen? Aus den Handflächen von Frau Merkel, besser Herrn Schäuble, lesen? Oder geht unsere Regierung lieber zu den Astrologen und freut sich dann, wenn ihr Stern im richtigen Haus steht. 

Sicherlich für die Eigener unserer ökonomischen Grundlagen steht der Stern im richtigen Haus. Für uns wohl weniger. 

Die Eigner - siehe die unvollständige Liste der Familien - brauchen kein Schwimmbad, keine bezahlbaren Mietwohnungen, kein bezahlbares Wasser oder bezahlbare Energie, auch keinen Jugendklub, keine sanierten öffentlichen Schulen oder Kitas, schon gar keine Bibliotheken. Die haben sich aus Deutschland ausgeklinkt dank ihres geraubten Geldes. Und sie sind unter sich. Steuerkriminelle geben Steuerkriminellen den Ablass ihrer Sünden und hegen und pflegen sie weiter als große Vorbilder, wie gerade der Fall Höneß zeigt. Wir kommen in deren Überlegungen nicht vor. Aber das nur am Rande.

2017! Wir wissen nicht, was uns morgen blüht, haben nur eine wage Ahnung davon, wie weit es noch in den Keller gehen wird, aber wir wissen ganz genau, was 2017 sein wird! Alle Achtung!

Wie kann man sich als Presse so entblöden mit Lächeln im Gesicht diesen Humbug zu verbreiten? Und alles ohne kritischen Kommentar? Ohne zu hinterfragen! Wie weit kann man denn absinken und sich dennoch als Journalist bezeichnen? Von Schäuble erwarte ich im Wahljahr nichts anderes - von der Presse eigentlich schon, zumal sie immer wieder tönt, dass sie Qualitätsschreiber wären. Qualität sieht m.E. ganz anders aus.

Das größte Phänomen für mich ist aber immer noch, warum Merkel nach all ihren Wahreitsverdreherein immer noch so beliebt ist. Schäuble macht sich die Welt auch passend und trotzdem wollen viele Leute die CDU wählen? Lieben wir vielleicht Lügner? Liegen wir ihnen zu Füßen? Wollen wir belogen werden? Belohnen wir vielleicht sogar gern diejenigen, die ganz durchsichtig die Wahrheit verdrehen? Bemerken wir durch BILD verblödet vielleicht gar nicht mehr, dass die Wahrheit verdreht wurde? Oder interessiert uns das alles überhaupt nicht mehr. Machen wir ganz automatisch irgendwelche Kreuzchen auf irgendein Papier, nur weil wir Kreuzchen machen dürfen und weil wir nur das unter Demokratie verstehen? Machen wir die Kreuzchen, weil der so männlich aussieht und die so mütterlich? Haben wir uns vielleicht nie gefragt, ob die Hintermänner sich schier kaputt lachen über unsere Dämlichkeit? Was wäre denn, wenn Wahl wäre und niemand gänge hin? Aber nein. Wir haben ja mit unseren Kreuzchen in der Hand, wohin sich das Land entwickelt. Und wer nicht zur Wahl geht, ist dann dran schuld, dass die Verhältnisse so bleiben wie sie sind. Hat Wahl je das Oben und das Unten verändert?

Übrigens, Merkel hat sinngemäß gesagt, dass die Krise die Chance böte, alles neuzuordnen.Und genau das macht sie. Was soll unsere Stellung in dieser Neuordnung dann sein?

...

PS: Wir, sind wir alle. Ich denke nicht, dass jeder von uns fertige Denkvorlagen hat. Das wäre ebenso schlimm, wie Wahrheitsverdreherei. Wir müssen alle jeden Tag alles versuchen zu hinterfragen. Meinungen bilden sich aus Versuch und Irrtum und aus Überzeugungen hoffentlich humanistischer Natur. Nur das angemerkt, weil sich immer viel darüber aufregen, wenn "Wir" geschrieben wird und sie sich sogar nicht angesprochen fühlen. Niemand hat schließlich das Patentrezept und wer das behauptet und so tut als ob, lügt.






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