Freitag, 24. Mai 2013

Neuer Lacher zum Wahljahr

Die Deutschen kaufen gegen die Krise ein, sagen die Medien (gelesen bei SPON). 

Wir Deutschen sind mal wieder sowas in Konsumlaune, wie eigentlich jeden Monat. Wir bekommen uns vor lauter Konsumlaune überhaupt nicht wieder ein. Leider haben bis jetzt die belastbaren Daten etwas anderes ausgesagt. Unser Einkommen setzt der Laune schon Grenzen. Ich bin gespannt, wenn die Maizahlen des Einzelhandels und bittschön bereinigt auf den Tisch kommen. Okay, das lesen die meisten dann ja schon nicht mehr.

Eine schöne Kommentarzeile ist folgende:

Wer keine Zinsen bekommt gibt das Geld aus um Werte zu kaufen. 

Das finde ich niedlich. "Werte kaufen". An welche Werte denkt denn der Kommentator? An einen Kleiderschrank? An eine Uhr? An ein Goldkettchen? An ein H&M-Shirt? Oder wie die eine Werbetante sagt: "Wir - haben uns ein neues Bett gekauft!" Mir kommt das Lachen hoch.

Werte! Wir kleinen Leute können uns doch gar keine wirklichen Werte leisten. Uns wird nur immer erzählt, dass das Goldkettchen "Werte" sind. Okay, wenn wir es verkaufen, können wir vielleicht uns gerade mal so einen Wochenendeinkauf zum Ende des Monats noch leisten, falls jemand bereit ist, etwas für das Kettchen zu zahlen. 

Und was sind eigentlich Werte?

Das Haus? Vielleicht, aber nur, wenn es auch zu Geld gemacht werden kann. Wenn es unverkäuflich ist, nützt einen das nichts mehr. Dann setzt man zu.

Immer noch geistert ja der Spruch herum, dass das kleine Eigenheim eine Investition wäre. Es ist schlicht und einfach Konsum. Man kann nicht von der nicht erhobenen Miete leben. Man kann sich nicht aus dem monatlichen oder jährlichen Gewinn ein Auto kaufen. Man hat keinen jährlichen oder monatlichen Gewinn. Somit ist es auch keine Investition, weil Investitionen dazu da sind, Gewinne abzuwerfen.

Die Mona Lisa?

Sicherlich. Sie hat einen Wert, einen ideellen Wert. Wenn man mal auf den Kunstmarkt sieht, so scheint es, als ob Gemälde eine Wertanlage wären. Zur Zeit - sicherlich. Zur Zeit macht es sich bemerkbar, dass eine Klientel gibt, die nicht mehr weiß, was sie mit ihrem vielen Geld anfangen soll. Das treibt dann die Preise auf dem Kunstmarkt hoch. Alles ist durch nichts untersetzt. Falls der Absturz der reichen Leute käme, was wir leider heute oder morgen nicht erleben werden, dann wäre auch das Kunstwerk nichts mehr wert, zumindest nicht mehr zum Einkaufspreis verkäuflich. Aber zu dieser Käuferklientel gehören 90 % der Menschen nicht.

Ein anderer Kommentar: 

"Die Sparneigung der deutschen sei im Mai auf einen neuen historischen Tiefstwert gesunken." Mit anderen Worten, die Deutschen sehen der mittleren Zukunft des Euro pessimistisch entgegen und geben das Geld lieber aus, anstatt zuzusehen, wie es kontinuierlich an Wert verliert bzw. zu warten, bis die Euroblase implodiert.  

Die Sparneigung der deutschen ist auf einen neuen historischen Tiefswert gesunken. Ist es die Sparneigung, die den Bach heruntergeht oder ist es viel mehr das Nicht-Sparen-Können! Bei Millionen Langzeitarbeitslosen, Niedriglöhnern, Aufstockern ... Was sollten die denn sparen? Höchstens können die noch am Essen sparen. Die Konten sind nur noch da, das wenige bis nichts zu verwalten von einem Monatsende zum anderen. 

SPON sagt, dass die Beschäftigung auf einem hohem Niveau sei und dass die Tarifabschlüsse toll gewesen wären. Und eine sinkende Inflation wird für die Supereinkauflaune zurecht geschustert.

Schenkelklopf, wenn es nicht so traurig wäre. Eine Stelle für 8 Stunden pro Tag kann man gern auf 4 Arbeitskräfte aufteilen. So haben wir dann eine Beschäftigung auf hohem Niveau. So kann man das sehen, wenn man Propaganda machen will. Da wäre die Agit-Prop-Sekretärin Merkel gerade in ihrem Metier. Dass die Arbeitsplatzinhaber dann aufstocken müssen - das muss man ja nicht sagen. Das kehren wir im Wahljahr schnell unter den Tisch. Das könnte ja die Stimmung verderben. Lieschen Müller und Hans Jedermann lesen sowieso nur die Schlagzeilen und schwadronieren danach darüber, dass sie in den Geschäften ja wirklich die geballte Ladung Einkaufswilliger sehen würde. Ob die dann wirklich kaufen, darüber schweigen sich Lieschen Müller und Hans Jedermann aus. Jedenfalls tragen die Einkaufsbeutelchen herum. Man erhält auch einen, wenn man 2 Äpfel kauft. 

Tarifabschlüsse so um die 2 % sind zwar rein optisch etwas über der Inflationsmarke, sagen aber nichts über die wahren zu berappenden, täglichen Preise aus. Lebensmittel, die wir nun wirklich jeden Tag benötigen, sind zwischen 4% und 7 % teurer geworden. Einzelne Lebensmittel sogar über 10 %. Da hilft es doch ungemein, wenn man 2 % Tariferhöhung hat, abzüglich der Steuern in der kalten Progression. Oder?  Da kommen wir doch in Kauflaune und leisten uns auch mal einen Apfel mehr. 

Und täglich grüßt das Murmeltier ... hier monatlich. Immer wieder die alte Leier. Hauptsache die Gesellschaft für Konsumforschung hat Einnahmen und kann gut überleben. Das hat sie der Mehrheit, der in Deutschland lebenden, weit voraus.

Es lebe die bundesdeutsche Agitation und Propaganda. Von der DDR lernen heißt ...