Donnerstag, 2. Mai 2013

Wenn wir die Gewerkschaften nicht hätten ...

... müssten die Unternehmer sie erfinden. 

Fette Ärm, kraftstrotzender Schritt ... wir wollen ein deutliches Lohnplus ... die Gewerkschaft marschiert ... man streikt ... die Lufthansa lacht sich kaputt und bietet etwas über Null Prozent als Lohn"erhöhung" an ... wieder fette Ärm ... kraftstrotzender Schritt ... Nichts!

Wozu haben die Angestellten und Arbeiter der Lufthansa nun gestreikt? Eigentlich für ein Lohnminus, wenn man die lange Laufzeit und die Inflation berücksichtigt! Die Arbeitsplatzgarantie für die 26 (!) Monate kann man getrost beiseite schieben. Wenn jemand entlassen will, kann er das immer - auch mit Arbeitsplatzgarantie. Die ist nicht das Papier wert, worauf es gedruckt wurde.

Und wie wird das verkauft? Als dickes Lohnplus mit Arbeitsplatzgarantie. Alle stimmen im fröhlichen Chor der Gewinner ein.

Die Sozialpartnerschaft hat wiederum gesiegt.

Die Sozialpartnerschaft? Nun gut, die Gewerkschaften träumen heutzutage immer noch davon, dass es Sozialpartnerschaft gäbe. Die gab es aber nie. Die wurde nur mal kurz vorgespielt von den Unternehmen, als es die DDR noch gab. Wozu sollte man heutzutage dieses Spiel von Unternehmerseite noch weiterspielen? Es gibt keinen Grund dafür.

Oder die Arbeiter und Angestellten von Neupack. Wozu haben die sich angestrengt, waren miteinander solidarisch, haben gestreikt, haben die Familie Krüger kurz vor die Schlappe gebracht. Was kam dazwischen? Die Sozialpartnerschaft! Jetzt sitzen die Arbeiter und Angestellten auf einen Haufen Scherben ohne irgend etwas Einklagbares. Die Familie Krüger hat gewonnen - mit Hilfe der Gewerkschaften.

Die Gewerkschaften sind wie kleine Vögelchen. Erst tun sie so, als wären sie Adler, erheben sich mit kräftigen Schwingen. Irgendwann in der Luft fällt ihnen ein, dass sie keine Adler sind, sondern nur kleine, zitternde Vögelchen, die in einem Käfig eingesperrt sind. Sie haben Angst, die Käfiggitter aufzubrechen und sich in der Freiheit zu bewähren. Wozu auch. Sie werden vom Käfigbesitzer immer gefüttert - und gut gefüttert. Man nimmt ihren Käfig mit zu den Zusammenkünften der Mächtigen Käfigbesitzer, stellt sie dort auf einen Tisch in die Ecke, auf den Katzentisch und - es ist nicht nur der KatzenTISCH. Eine wirkliche Katze sitzt davor und fordert Gehorsam ein. So piepsen die kleinen Vögelchen, damit sie ja nicht von ihrer Futterquelle entfernt werden. Und wenn sie ganz brav sind, dürfen sie sogar mit dem Käfigbesitzer und deren Katzen im Chor gemeinsam singen.


Kommentare:

  1. Das hatte schon Goethe gesagt:

    "Niemand ist mehr Sklave, als der, der sich für frei hält, ohne es zu sein."

    ...als hätte er die Gewerkschaften von heute schon damals gekannt.

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    1. Oder die Gewerkschaften habe Goethe verinnerlicht.

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  2. die gewerkschaftsführer sind allerdings beileibe keine kleinen vögelchen, sondern fette aasgeier, die von den abfällen der bosse und dem fleisch der malocher in saus und braus leben.

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  3. Das Schlimme ist ja, daß wir gerade jetzt eine starke Gewerkschaft bräuchten. Und genau die ist aber nicht da, oder genauer gesagt, sie verrät die arbeitende Bevölkerung.

    Es stellt sich hier die Frage mit der Henne und dem Ei. Die öffentliche Meinung über die Gewerkschaften wird schon seit langer Zeit von den Massenmedien und dahinter stehenden "think tanks" madig gemacht. Die Meinungsmache funktioniert perfekt.
    Die Gewerkschaften, bzw. die Spitze tun durch ihre Anbiederung an Politik und Industrie ihr übriges. Dadurch treten immer mehr Mitglieder aus, weil sie keinen Sinn mehr in einer Mitgliedschaft sehen und sich (zu recht) nicht mehr vertreten fühlen.
    Andererseits wäre es gerade jetzt wichtig, eine starke Vertretung zu haben. Allein ist der Mensch nichts, wenn er den Konzernen und deren Lobbyisten gegenüber steht. Was also tun? Eine neue gründen? Da müßten ja viele (ehemalige) Mitglieder mitziehen, aber gerade diese trauen einer Gewerkschaft nichts mehr zu und damit ist eine Neugründung auch wieder vom Tisch.

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    1. Ich gebe dir völlig recht. Es wird eine Organisation gebraucht, die auch vor politischem Streik nicht zurückschreckt, da der persé nicht verboten ist, wie immer erzählt wird. Sie muss auch dafür das Rückgrat haben, darum zu kämpfen, dass ein Gericht keinen Streik einfach so verbieten kann ... Wo kommen wir denn dann hin, wenn sich jeder hinter einem Richterspruch verstecken kann. Sicherlich ist es sehr schwierig in dieser Zeit standhaft zu sein. Nur, wenn es niemand ist, werden die kleinen Leute immer und ewig verlieren. Es ist schwierig in der heutigen Zeit, Rückgrat zu zeigen, da Lebensmittelgutscheine mit Sanktion auf Null drohen. Unser Fehler ist es, uns vereinzeln zu lassen und einzeln sind wir leichte Beute. Ich sehe zur Zeit auch weit und breit niemanden, der eine Gewerkschaft aufbauen könnte, die den Namen wirklich verdient. Gewerkschaftsvertreter haben m.E. auch absolut nichts in Unternehmensvorständen zu suchen. Dort werden sie korrumpiert. Wenn ich in einem Unternehmensvorstand bin, denke ich automatisch an das Wohl des Unternehmens, aber das kann nicht Aufgabe von Gewerkschaften sein. Die müssen an das Wohl derjenigen denken, die arbeiten oder arbeitslos sind.

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  4. Die Stimmung nach dem 1. Mai scheint ja im Keller zu sein ...
    :-)

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