Freitag, 7. Juni 2013

Das nehme ich ihnen übel

Nun hat die Initiative "Neue Soziale Marktwirtschaft" kürzlich Klartext gesprochen. In Deutschland läge noch Arbeitskräftepotenzial brach, was erschlossen werden müsse. Die Industrie verlange es. Man dachte an Mütter, die ihre Babys groß ziehen und an Rentner. Also: Kinderkrippen her und Rentenalter hochgesetzt. 

Okay, den nehme ich ihr Gesabbel - das immer gleiche - nicht übel. Die können nicht anders. Die sind so gestrickt. Mensch ist erst Mensch, wenn er seine Arbeitskraft für die Konzerne einsetzt. Ohne Arbeit hat er kaum eine Existenzberechtigung. So sind sie eben die Neoliberalen.

Wem nehme ich nun was übel.

Ich erinnere mich an die Diskussion über die sogenannte Herdprämie. Alles was links ist, was sich links, fortschrittlich und frauenfreundlich meint, hat über dieses Geld hergezogen. Die Gleichberechtigung wurde gar zu diesem Thema vergewaltigt: Das Erziehungsgeld wäre frauenverachtend, patriarchalisch, alte Rollenbilder würden bedient. Auch die Masse regte sich entsprechend auf: Kinderkrippenplätze müssten her. Frauen wurden in die Ecke gestellt, die ihr Baby zu Hause erziehen wollten. Schließlich wäre die Karriere einer Frau wichtig. Wichtig wäre für sie, wegen eines Babys nicht vom Arbeitsprozess ausgegrenzt zu werden. Wie toll ist doch eine Karriere als Kassiererin bei Real oder bei einer Leiharbeitsfirma. Hauptsache Arbeit.

Dabei habe ich mich schon immer gefragt, was ein 2-jähriges Kind oder 1-jähriges Kind im Kindergarten lernen soll, was es nicht auch noch mit 3 Jahren lernen kann und vielleicht noch viel besser. 

Wohlweislich wurde in dieser Angelegenheit immer vergessen zu sagen, dass die sogenannte Herdprämie für Kinder zwischen 1 bis knapp 3 Jahren war.  Wohlweislich wurde vergessen, das wirklich arme Frauen keine Cent davon sehen. 

Also, nach Lesart aller fortschrittlicher Menschen, hat ein Baby nichts bei seiner Mutter zu suchen. Arbeit hat Vorrang.

Wie treffen sich doch so traut vereint linke, sich links meinende, frauenfreundliche und sich fortschrittlich meinende Menschen mit den Neoliberalen. Und alles zum Wohl der Frau! Schließlich soll ihr Arbeitskräftepotenzial nicht brach liegen. Wo kämen wir denn hin, wenn wir sie durchfüttern, ohne dass sie etwas tun außer Kindererziehung und zwar Babys und Kleinstkinder. 

Und genau das nehme ich den Linken übel, sehr übel. Kreischen im Sinne der Konzerne. Mit dem Wohl von Frauen hat das nichts zu tun. Man will Jobcentern Handhaben geben, auch dieses Arbeitskräftepotenzial in 1-Euro-Jobs, Leiharbeit und prekären Beschäftigungen mit Aufstockergeld zu drängen. Gut gemacht Linke! An euch kann man verzweifeln.

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PS: Ich bin für Kindertagesstätten ab 3 Jahre. Es ist schön zu sehen, wie toll die Kinder miteinander rumjagen, spielen und Sozialkompetenzen erlernen und vieles mehr.


Kommentare:

  1. Die Herdprämie ist die kausale Fortführung der Umverteilung mit der Einführung des Elterngeldes.

    War das Erziehungsgeld zuvor eine willkommene Stütze welche MINDESTENS zwei Jahre (Familien mit sehr hohem Einkommen bekamen das allerdings nur 6 Monate) gewährt wurde, so wurde das Elterngeld auf MAXIMAL vierzehn Monate begrenzt. Gerade Menschen mit niedrigen Einkommen waren hier die eindeutigen Verlierer, während Familien bei welchem beide Elternteile gut verdienten, hier deutlich bevorzugt wurden. Im Gegensatz zum Festsatz des Erziehungsgeldes ist das Elterngeld ja an die Höhe des Verdienstes gekoppelt.

    Nach 12/14 Monaten brach damit (vom Kindergeld abgesehen) jede staatl. Förderung nun ab. Damit stiegen also H4-Zuwendungen da das Kind ja betreut werden musste. Dem entgegen zuwirken, wurde dann das Kindergeld für H4-Berechtigte gestrichen/angerechnet, was aber nichts an der Situation änderte, dass mindestens ein Elternteils keinesfalls dem Arbeitsmarkt zu Verfügung stand und damit oft H4-berechtigt war. Die Lösung: Anspruch auf KITA-Plätze ab einem Jahr. Dumm nur, dass man den Anspruch nicht garantieren konnte. Deshalb wurde die Herdprämie geschaffen. H4-Berechtigte haben von dieser nichts, da diese ja angerechnet wird, für diese spielt sie also keine Rolle. Wer jedoch nicht H4-Berechtigt ist und es sich leisten kann, erhält mit der Herdprämie eine Alternative. Das entlastet die KITAS, weswegen der Plätze dann voraussichtlich für die H4-Berechtigten ausreichen würden, da diese ja sowieso keine Herdprämie erhalten. Wenn die vorhandenen Plätze also für H4-Berechtigte reichen, dann können diese auch mittels Sanktionen gezwungen werden einen KITA-Platz anzunehmen.

    Damit ist im Bereich „Familienförderung“ die Umverteilung von unten nach oben komplett vollzogen. Wer es sich leisten, sprich hohes Einkommen hat, erhält erstens mehr Elterngeld und zweitens, sofern er auf einen KITA-Platz verzichtet, einen Bonus in Form der Herdprämie. Wer nichts hat und damit H4-berechtigt ist, steht dem Arbeitsmarkt nach spätestens 12 Monaten wieder komplett zu Verfügung.

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    1. Danke für den anderen Aspekt des Elterngeldes.

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    2. Ach wollte ich noch dazu sagen. In der Diskussion in linken Kreisen geht es aber um deinen Aspekt des Elterngeldes sehr, sehr selten. Das Hauptaugenmerk sind die Frauen, deren Karrieren unterbrochen werden, wegen der Kinder und des fehlenden Krippenplatzes und es wird weiterhin unterstellt, dass Frau dadurch unterdrückt wird und Haupttenor ist des Weiteren, dass Kinder, wie man so schön sagt, mit ausländischen Wurzeln oder bildungsfernen Schichten, keine Sprachkompetenz erlernen. Tja, ja, mit einem Jahr sollte man eben schon die Anfänge des Chinesischen können. Und das finde ich für Frauen/Familien/Kinder eine Ungeheuerlichkeit. Nur der Arbeits"markt" und die Arbeitsfähigkeit der Frauen wird in den Vordergrund gerückt. Für links sehr enttäuschend, in das Horn der Konzerne zu tuten.

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  2. Finde ich genauso, Pewi, und schon seit Jahren staune ich, wie sich eine Frau wohl "selbst verwirklicht", wenn sie ihren vor Angst & Schreck schreienden Säugling im Dunkeln um 7.00 Uhr morgens in die Kita schleift, um dann mit der S-Bahn durch die ganze Stadt zu fahren und für irgendéinen hergelaufenen AG die absurdesten Dinge für wenig Geld tut.

    Um dann nach vielen Stunden erschöpft wieder durch die Stadt zu toben, das arme, fatal FREMD-versorgte und verstörte Wurm abzuholen, zwischendurch noch einkaufen zu gehen und dann sich endlich zu Hause vielleicht gerade mal 1-2 Stunden diesem eigens dafür mühsam geborenen Kind zu widmen, falls die Kräfte noch reichen.

    Das kann es doch nicht sein, wozu bekomme ich dann ein Kind, wenn ich mir und dem armen Wesen, das die frühkindliche Trennung bewiesenermaßen sehr schlecht verträgt, diesen Stress antue?

    Ich jedenfalls erinnere mich, daß die vielen Tage mit den kleinen Kindern auf dem Spielplatz, die schönsten in meinem Leben waren.

    Egal was die Linken uns da vorlügen wollen: Das wiegt keine noch so tolle Karriere auf und Hunderte von Haus-Männern können sich nicht täuschen... :-))

    Dank und Gruß

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    1. Volle Zustimmung. Die Frage ist, welche Karrieren? Und unter den heutigen Arbeitsbedingungen, wäre ich froh, wenn ich keinen Kinderkrippenplatz erhielte und durch das Jobcenter nicht zur Arbeit abkommandiert werden würde. Ich finde das nur inhuman und bin enttäuscht, dass gerade links denkende Menschen für diese Inhumanität sind und alles angeblich zur Selbstverwirklichung der Frau, an der Supermarktkasse - setze ich dazu.

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