Dienstag, 18. Juni 2013

Doof sein als Einstellungsgrund

Als ich heute frühstückte und mir die Nachrichten ansehen wollte, kam mir im Morgenmagazin noch ein Beitrag unter. Es ging um Kroatien. Der Bericht war von einer - ich weiß jetzt nicht, was sie war, als Journalistin möchte ich sie nicht bezeichnen - blonden Frau (wahrscheinlich auch geistig blond). Ihr kroatischer Begleiter machte sie mit einer Fernsehmoderatorin bekannt, die - man stelle sich das mal vor - zwei Jobs hat, um überleben zu können.

Mit einem naiven Augenaufschlag und flüsternder Stimme fragte sie ihren kroatischen Begleiter, ob das in Kroatien typisch wäre, dass Menschen mehrere Jobs haben müssten, um überleben zu können. Und weiterhin wurde uns dann suggeriert, dass es doch gut wäre, wenn diese Menschen in der EU wären, damit ihr Wohlstand gesteigert werden könnte.

Mund auf - Mund zu!

Wo lebt dieses Blondchen im Dienste des MoMa? In Deutschland anscheinend nicht. Oder lebt sie in Deutschland in einem Wohlstandsghetto, weitab von der Wirklichkeit? 

Niemand ist in Deutschland gezwungen mehrere Jobs anzunehmen, um überleben zu können. Wir leben alle im Wohlstand - anstrengungsloser noch dazu, wie Westerwelle meinte. Die Kinder werden vom Klapperstorch gebracht, der Osterhase legt den Kindern bunte Eier ins Nest und der Weihnachtsmann kommt mit der Kutsche durch die Wolken geflogen und beschenkt alle Welt. Das hätte Blondchen ebenso sagen können.

Wenn ich Journalist wäre und darauf pochte, was die Journalisten immer und ewig machen, dass nur sie Qualitätsjournalismus abliefern, so würde ich mich abgrundtief  über solche eine Meldung schämen.

Und die lustige Wahrheitsverdrängung im BILD-Zeitungs-Niveau geht weiter. Ach was sind wir glücklich über das Freihandelsabkommen mit den USA. Die Journalisten schwelgen geradezu da drinnen. 40.000 neue Arbeitsplätze hat da schon wieder irgendein Idiot errechnet, die es mit dem Abkommen geben werde. Von 5 %-igen mehr an Wohlstand in Europa wird geschwafelt. 

Oh, wie kommt es, dass ich in einem anderen Europa leben muss. Wie schön muss doch das Zeitungseuropa sein. Ein fast Schlaraffenland. Wo ist es? Wo ist es? Wo ist es?

Kann man so bekloppt sein? 5%-iger höherer Wohlstand? Für wen - müsste dann sofort die journalistische Frage heißen. 

Die ökonomischen Grundlagen haben sich nicht geändert. Niedriglöhne in Europa, Sparwut in Europa, immer höhere Arbeitslosigkeit ebenso dort. Der Billigramsch, den sich die Deklassierten noch leisten können, kommt sowieso aus China. Und die USA selbst ist in großen Teilen deindustrialisiert. Der Arbeitskräfte"boom" dort befindet sich im mieß bezahlten Dienstleistungssektor. Der fällt ja bekanntlichermaßen aus dem Freihandelsabkommen heraus. Woher zum Teufel soll dann der Wohlstand für alle kommen? Für die Europäer insgesamt?

Arme Menschen können kaum kaufen. 

Also von einem Wachstum auf beiden Seiten kann doch wohl kaum gesprochen worden sein. 

Was heißt das Freihandelsabkommen? Milliardäre diesseits und jenseits des Atlantik vereinigt euch. Ihr habt alles zu gewinnen. Werft eure Zollfesseln ab. Es gibt etwas mehr zu ver"dienen". 

Und da sind wir wieder bei Blondchen. Und sie ist eben kein Einzelfall. Der Journalismus ist in weiten Teilen blond. Und wer geistig blond ist, der glaubt den Mist, der uns da alternativlos aufgetischt wird. 

Oh, sehe ich auf einmal viele blonde Menschen um mich herum, brav BILD kaufend ... ich rätsele ja nur ...

Meine Empfehlung: Blond ist out!


Kommentare:

  1. Hallo PeWi,
    ich gebe dir in ganzer Linie recht. Journalismus, der seinen Namen wirklich verdient, gibt es (fast) nicht mehr. Immer nur seichtes Geschwätz, Verdummung oder Gefälligkeits-Fragen (ja keine unbequemen) an die Politiker. Es hat mal einer gesagt: "So viel kann ich gar nicht (...), wie ich (...) müßte." Ich denke, den Spruch kennt jeder.
    Ergänzend zum geplanten Freihandelsabkommen müßte man vielleicht noch erwähnen, daß es nicht nur Zollschranken sind, die abgebaut werden sollen. Auch der Datenschutz soll dann vollständig auf der Strecke bleiben. Alles, was jetzt (noch) illegal ist, aber trotzdem schon zum Teil gemacht wird, soll dann legalisiert werden. Darüber spricht in den jetzigen Aufregungen (Prism, britischer Skandal...) natürlich keiner. Aber man sollte es im Auge behalten. Die Souveränität wird immer weiter aufgeweicht...

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    1. Danke für die Ergänzung. Ist eigentlich logisch, habe aber selbst nicht daran gedacht.

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  2. http://www.ardmediathek.de/das-erste/morgenmagazin/moma-reporter-ist-kroatien-reif-fuer-die-eu?documentId=15226892

    Sabine Heinrich heißt diese dumme Gans, unglaublich was man uns in den ÖR zumutet. Und anstatt die völlig berechtigten Ängste der Kroaten vor der EU auszuarbeiten, rät sie obendrein dazu. Aus Gründen des Friedens, ausgerechnet...

    Diesen Mist sollte man sich morgens wirklich nicht antun, scheint mir ;-)

    LG

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    1. Stimmt. Ich frühstückte und wollte mir nur die Nachrichten anhören. Obwohl - die kann man sich auch langsam schenken.

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  3. http://duckhome.de/tb/archives/11026-Der-Niedergang-des-Journalismus-am-Beispiel-Helmut-Becker-n-tv.html

    ;-) LG

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  4. Danke Anonym. Genau das ist es. Immer und überall. Journalismus heute ist der Journalismus von Gestern der DDR. (Ich lese Duckhome, aber ich hatte die letzten Tage keine Zeit dafür. Es ist einer meiner Lieblingsblogs)

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