Donnerstag, 13. Juni 2013

Einen Kaiser zu haben - ach wie schön ...

Ach, wären wir doch eine Monarchie. "Wir wollen unsern Kaiser Wilhelm wieder hamm ..." Wie schön ist es doch in Großbritannien, in Schweden, in Norwegen, Spanien ... Die haben alle ein Königshaus. Das Öffentlich-Rechtliche Fernsehprogramm schwelgt in der Vorstellung von Königshäuser, wie sie feiern, wie sie pupsen ... Ist schließlich etwas anderes, wenn ein königlicher Hintern ... na, ich will mich nicht weiter darüber auslassen.

Unsere liebe Frau Merkel könnte hochwohllöblich bei einer Kaffeerunde mit der Königin (wir geben uns mit einer Königin zufrieden, es muss keine Kaiserin sein) parlieren über das dumme Volk, den großen Lümmel, wie er zu parieren habe. Luise oder gar Elisabeth sollte die Königin schon heißen. Friede ginge wohl auch. Ach nein, Friede wäre zu pauper, Friederike müsste es dann wohl schon sein.

Das ist Kultur! Dort schlägt unser Herz. Dort werden wir zu Hause sein!

Und nicht vergessen sei: unser letzter Kaiser, Wilhelm II. Er war derjenige, der soviel Wert auf internationales Prestige legte. Er ist doch wie geschaffen für uns. Deutschland muss den Platz in der Weltgeschichte einnehmen, den es auch verdient. Pfeffersäcke sind eben Pfeffersäcke und bestimmen den Lauf der Welt. 

Er liebte seine Kolonien. Da fühlen wir uns doch traut vereint mit unserem letzten Kaiser. Deutschland macht es zwar etwas Versteckter. Muss ja nicht jeder sehen, wenn alle nach unserer Pfeife tanzen müssen. Wir wollen uns, wenn es hart auf hart kommt, diskret zurückziehen können und den Schwarzen Peter anderen zuschieben dürfen. Aber - und das ist das Wichtigste - wir bestimmen wo es langgeht.

Militär liebte unser aller letzter Kaiser. Militär. Das war sein ein und alles. Jeder, der Staatsdiener werden wollte, musste zuerst ins Militär. Genau wie wir, wir lieben das Militär, wenn wir es doch zugeben wollten. Unser Kriegsminister gibt sein Herzblut dafür, dass wir unsere Soldaten lieben lernen und unsere Kriege. Er reist umher, agitiert Schüler, Studenten oder lässt agitieren. Er ist so damit beschäftigt, dass er seine wirkliche Arbeit ganz aus den Augen verliert. Das kann doch schon mal vorkommen, dass man dann irgendetwas nicht mitbekommt. Ein vielbeschäftigter Mann wie er ist. Ganz im Sinne unseres letzten Kaisers. 

Das ist Kultur. Das müssen wir unbedingt wieder lernen, wir Deutschen. Deshalb bauen wir das Stadtschloss wieder auf. 

Nicht, das etwa jemand denkt, Goethe, Schiller, Heine, Beethoven, Bach wären Kultur. Alles nur Angestellte oder Freischaffende der wahren Kulturbringer: unserer Könige und Kaiser.

Also, was brummt das Volk. Wir brauchen unser Stadtschloss. Irgend etwas fehlt in unserer Identität, Deutsche zu sein: das Stadtschloss von Berlin, das deutsche Herz. Es soll wieder schlagen. Wir verbrämen es mit den Namen Alexander von Humboldt, der zwar nie so sehr gern wieder nach Berlin zurückreiste, der lieber in Paris oder sonstwo auf der Welt war, aber was sollte er machen. Er war im Staatsdienst. Er war Gast an der Tafel des Königs. Er musste ihn unterhalten, obwohl er gar nicht darüber amüsiert war. Er war ein Aufgeklärter. Leider waren die Bewohner und Lakeien des Berliner Stadtschlosses das meist nicht. Engstirnigkeit und Standesdünkel herrschten dort. Aber, das müssen wir ja nun nicht breit treten.

Wir müssen auch nicht breit treten, dass unser letzter Kaiser, am Dreiklassenwahlrecht festhielt, also jeder in seiner eigenen Steuerklasse wählen durfte, grob gesprochen. Da schlagen wir doch gleich wieder den Bogen zu heute. Ja, wir wandeln wieder auf den Spuren des alten Preußens und unseres letzten Kaisers. Nicht nur einmal, sondern schon Öfters wurden Spielarten des Dreiklassenwahlrechtes von Politikern wieder in die Öffentlichkeit geworfen. Vielleicht erleben wir es im Zuge unserer marktkonformen Demokratie noch einmal? Weiß man's?

Aber: Das ist Kultur. Das ist das, wovon wir alle träumen. Unsere Identität! Das Stadtschloss! Ohne wüssten wir nicht, wer wir sind.

Wir knüpfen an das Kaiserreich an. Wir haben endlich die roten Socken zum Teufel gejagt. Wir wollen wieder das aufbauen, was unsere wahre Kultur ist. Eine Kultur der Duckmäuser, eine Kultur derer, die vor dem Schalter steht und träumt, dahinter sitzen zu dürfen (nach Tucholsky). Eine Kultur die aufblicken kann. Was heißt Kultur, ein Gesinde, das aufblicken darf ... Ein Land, was der Welt zeigt, wie man werkelt. Dazu müssen wir endlich das Stadtschloss wieder aufbauen. Das versteht doch wohl jeder.

Was ist schon die kaputte Infrastruktur dagegen. Und was sind schon desolate Schulräume dagegen. Und dann noch staatliche Schulen ... Wozu brauchen wir Kindertagesstätten? Wozu benötigen wir Bibliotheken, Schwimmbäder, Theaterstätten (auch zum selber spielen) und vieles andere mehr. 

Kulur ist, wenn wir uns in den neuen, alten Bauten wiederfinden. Wenn wir vor der Barockfassade des neuen, alten Stadtschlosses staunend davor stehen. Dann wird unser Herz warm werden, vor Rührung. DAS hat uns unsere Mutti und viele Steuerzahler und eine Handvoll Mäzene hingestellt. Wir werden vor Dankbarkeit schier vergehen. Schon die Aussicht, dass eines Tages wieder so ein tolles Bauwerk von gestern vor unseren Augen sich ausbreiten wird ... Was für ein Tag, der da kommen wird.

Sicherlich wird niemand dann daran erinnern, dass unser aller letzter Kaiser Folgendes sagte:  

Die Unternehmer und Aktionäre müßten nachgeben, die Arbeiter seien seine Untertanen, für die er zu sorgen habe; wollten die industriellen Millionäre ihm nicht zu Willen sein, so würde er seine Truppen zurückziehen; wenn dann die Villen der reichen Besitzer und Direktoren in Brand gesteckt, ihre Gärten zertreten würden, so würden sie schon klein werden“ – Wilhelm II. laut Otto von Bismarck, als er sich weigerte, Soldaten zur Niederschlagung eines Streiks im Ruhrgebiet zu schicken.

Nein, nein, wir werden das für eine schöne Legende halten. Sie ist auch schön, aber völlig absurd. DEN Fehler werden wir NICHT begehen. Geübt haben wir schon bei der Blockupy-Demo. Wehret den Anfängen. Niemand darf einem Unternehmer oder Aktionär zu Nahe treten. Das wäre ja noch schöner. 

Wir werden auch nicht daran erinnern, dass Karl Liebknecht die Räterepublik vom Balkon des Stadtschlosses ausrief. Diese Balkonfassade wurde damals in das Staatsratsgebäude der DDR eingebaut. 

Nur, auch das wäre noch lange kein Grund, etwas von Gestern nachzubauen. Alexander von Humboldt würde nicht wollen, dass er für ein restauratives Gebäude mit seinem Namen herhalten muss. Da bin ich mir ganz sicher. 



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