Mittwoch, 19. Juni 2013

Wer nicht arbeitet ...

... ist asozial. Nein, damit ist nicht der gemeint, der mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde und der nicht arbeitet, sondern lebt. 

Asozial sind IMMER diejenigen, die nicht ins gesellschaftliche Gesamtbild passen. Heutzutage vorzugsweise Arbeitslose Ausländer und da vor allem Romas.

Die wollen ja gar nicht arbeiten! Eine These, die nicht nur die BILD-Zeitung verbreitet, sondern sich als Mehrheitsmeinung präsentiert. Nein, die wollen nicht arbeiten, denn wer will kann arbeiten, aber die sind sich ja zu fein dazu, die Hände dreckig zu machen. Was machen die den ganzen Tag? Sie sitzen vor dem Fernsehen und essen Chips. Ich dagegen muss früh um 5 oder 6 aufstehen, habe einen langen Tag vor mit mit einem doofen Chef. Ich muss mich mit den Kollegen herumärgern und bin abends platt. 

So die Argumentation vieler. 

Eben, die wollen doch gar nicht ... Und, man stelle sich vor, da lungern die faul auf dem Sofa herum und haben dennoch ein Smartphone oder eine Wohnungseinrichtung. Wieso haben die eine Wohnungseinrichtung? Und dann noch auf meine Kosten. Das geht aber so überhaupt nicht. Ich kläche und der faulenzt. Die sind eben asozial. 

Aber nicht nur die, deren Namen man mit Abscheu ausspricht. Asozial ist auch der Vietnamese. Das versteht doch jeder. Der Fidschi. Da haben die kleine Imbissstuben eröffnet. Ich sage nur asozial. Die dürfen das. Das erlauben, man stelle sich das vor, die Stadtverwaltungen und die bekommen auch noch alles gestellt. Die werden bevorzugt. Naja, beweisen kann ich das nicht. Aber wissen tut das jeder. Und dort treffen sich dann die Faulen, die nicht arbeiten gehen wollen und versaufen ihr Geld, was eigentlich mir, dem "Hauptsache-Arbeit-Mensch" gehörte. Denen wird es hinten und vorne reingestopt. Denen!

Da gibt es doch wahrlich Frauen, die wirklich mit JEDEM ... Ich will das jetzt nicht ausführen, jeder weiß, was ich meine. Und dann sind die nicht mal rank und schlank, wie man eben heutzutage zu sein hat. Nein. Die sind schwergewichtig. (wie las ich kürzlich: fette Sauweiber). Und dann bekommen diese Frauen auch noch Kinder. Kinder, die wir auch durchfüttern müssen.

Und man stelle sich vor. Es gibt sogar Menschen, die lärmen, die randalieren, die klauen, die saufen den lieben langen Tag. Alles das gibt es. Das muss doch mal gesagt werden dürfen. Und - was das schlimmste ist, sie erhalten auch noch Geld vom Amt. Nunja, Amt heißt das heutzutage nicht mehr, aber die bekommen Geld in den dreckigen Rachen geschmissen. DIE!

Gelernt haben die auch nix. Hauptschulabschluss. Man stelle sich vor: Hauptschule! So doof. Müssen durchgeschleppt werden von uns ... Haben einen IQ, der kaum messbar ist ... Und wir bezahlen denen noch das Mittagessen. Na soweit ist es nun schon gekommen. Ich denen - das Mittagessen!

***

So ähnlich las ich es gestern, so höre ich es sehr oft in meiner eigenen Umgebung. 

Es gibt Menschen, die nicht den gängigen Normen entsprechen. Es gibt Menschen, die mit sich selbst nichts anfangen, die das Leben nicht meistern können, die einfach irgendwie untergehen, die sprunghaft sind, lärmen, klauen, rotzfrech sind, saufen und was weiß ich nicht noch.

Aber: ES SIND MENSCHEN!

Ich frage mich manches Mal, wieso man diese Menschen hasst. Sie haben eher unser Mitleid verdient. Man muss sie nicht lieben. Man muss nicht Freund mit allen Menschen sein ...

ABER: Man muss ALLEN Menschen ihr Essen gönnen, ihre kleinen Verrücktheiten und Macken.

Ich frage mich manches Mal, was treibt viele Menschen an, sich derart hässlich über ihre Mitmenschen zu erheben?

Haben sich diese Tratschigen schon einmal gefragt, was man denn mit diesen unangepassten Menschen tun sollte?

Will man sie verhungern lassen?
Will man sie sterilisieren?
Will man sie töten?

Was sonst wollte man mit diesen Menschen machen, wenn man ihnen nicht mal H4 gönnt?

Und wer legt den Maßstab dann fest, ab welcher Macke und Besonderheit man nichts mehr zu essen bekommt? Im 3. Reich hat man sie in KZ's gesteckt. Wollen wir das wirklich wieder tun?

Und wieso belegt man diese Menschen, die man nicht mag mit unflätigen Namen, u.a. wie fette Sauweiber oder asozialer Fidschi? Ist dieser Ausdruck dann der Beweis dafür, dass man soviel besser und gebildeter ist? Oder zeigt das nicht eher, wie dumm und spießig man sich die Welt erklärt?

Wer gegen ein Gesetz verstößt, sollte verurteilt werden. Punkt. Er sitzt seine Strafe ab und das war's. Ich muss Diebe nicht mögen.

Als Mensch, wenn ich nicht in barbarische Zeiten zurückfallen will, muss ich mich der Humanität verpflichten. Ich darf auch keine Erwiderung der Humanität erwarten, denn dann wäre es keine.  Dann wäre es ein Geschäft 50:50.

Gibt es nicht genügend Menschen, die einen hohen Bildungsabschluss haben, die ganz gut Geld mit ihrer Arbeit verdienen und die trotzdem ihren IQ nicht zum nachdenken nutzen? Ist es nicht eher verwerflich, wenn ich Ungerechtigkeiten intelligenzmäßig erfassen kann und sie dennoch nicht anspreche? Und wenn meine Intelligenzfähigkeiten es zulassen, nachzudenken. Wieso stecke ich dann meine Kraft dahinein, Menschen, die ärmer dran sind als ich, abzuwerten? 

Frage ich mich nie, warum diese Menschen so sind? Was sie in dieser Gesellschaft bisher haben erdulden müssen? Und kann ich nicht diejenigen so lassen wie sie sind, weil sie eben so sind, wie sie sind?

Ist mir vielleicht schon mal in den Sinn gekommen, dass andere meine Art zu Leben idiotisch finden. Meine Eigenheimklitsche, meinen exakten 2-cm-Rasen, mein 18:00-Uhr-Abendbrot, mein 12:00-Mittagessen, meine Abneigung gegen Kinderkrach? Muss jeder so leben wie ich? 

Sollte nicht mein Blick auf die wirklich asozialen dieser Welt fallen? Auf diejenigen, die einen armen Menschen erst zu dem gemacht haben, was er in unseren Augen darstellt? Einen Aussortierten? Einen, dem viele nicht mal das Mittagessen gönnen? Geht es uns allen so schlecht, dass wir den unten angekommenen nicht mal einen Apfel gönnen? 

Auch ich bin Smartphone-Gegnerin. Ich verurteile die ökologischen Folgen, die dauernde Smartphone-Wechsel mit sich bringen. Nur der Smartphone-Besitzer ist nicht der Böse, höchstens - zumindest in meinen Augen - der Dumme. Er bringt einigen Familien anstrengungslosen Wohlstand. Er macht, das Familien in römischer Dekadenz leben können, die den Profit dafür einstecken. 

Der kleine Dieb, der Langzeitarbeitslose, der Vietnamese - die sind alle nicht unsere Feinde. 

Es sind diejenigen, die allen Menschen einreden - auch im Gruppenzwang - sich zu verschulden, das kleine Ego durch irgendwelche Gegenstände aufzupolieren und die alles tun, damit wir der Versuchung nicht widerstehen können.

Seien wir mal ehrlich. Kann sich irgendjemand davon freisprechen? Sitzen wir da nicht alle in der einen oder anderen Weise im Glashaus und werfen die Steine in die falsche Richtung?

Die rote Linie verläuft nicht unter uns, sondern über uns. 

Kommentare:

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen.
    Leider benötigen die Menschen andere Menschen, auf die sie einprügeln können.

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    1. Ja, mir stieß das gestern ganz sauer auf. In meinem Haus, wo ich wohne, gibt es auch solche Leute. Ich finde das nur schrecklich.

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  2. stimmt, diese "braven bürger", die da meinen, sie dürften-sollten-müssten dem rest der menschheit beibringen, wie diese zu leben hat, dürften das grösste hindernis auf dem weg in eine humane welt sein. und - leider - finden sich diese "heilsapostel" überall und von "ganz rechts" bis "ganz links".

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  3. Ich habe Kommentare gelöscht. Die Situation uferte aus. Die Kleinbürger fühlten sich auf den Schlips getreten. Es kann nicht sein, dass einzelne Fälle von problematischen Menschen hochstilisiert werden. Es gab sie schon immer und es wird sie weiterhin geben. Aber, wenn man sich an diesen Beispielen klammert, werden sie verallgemeinert. Wir sind dann wieder beim Florida-Rolf. Das haben die Kommentatoren nicht verstanden. Mir fehlte außerdem, dass sie in ihren Hass auf einzelne Menschen keine Antwort darauf hatten: Was beginnt man mit denen, die anders sind als andere, als die breite Masse. Wenn sie Straftaten begehen, müssen sie zur Verantwortung gezogen werden. Ansonsten: Was will man, wenn man ihnen kein H4 gönnt? Es gibt nur 2 Möglichkeiten: Arbeitslager oder Tod! Beides war in unserer faschistischen Vergangenheit usus. Wollen wir das wirklich wieder? Das frage ich die Kleinbürger. Ansonsten ist Aufregen über Personen, die anders sind, als man selbst unnütze Aufregung. Man arbeite lieber an Verhältnissen, in denen Menschen, die ihr Leben selbst nicht meistern können - ich weiß wovon ich rede - Hilfe erfahren. Hilfe ist das mindeste, was Menschen für Menschen tun können. Vergessen wir nicht: Wir sind alle Menschen!

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