Mittwoch, 10. Juli 2013

Bitte etwas mehr Wetterkatastrophe

Was für ein Segen, wenn der Fluss anschwillt und über die Ufer tritt. Könnte das nicht öfters geschehen und in ganz Deutschland? Jedes Bundesland seinen Hochwasserfluss. Das müsste doch zu machen sein. 

Man baue mehr in Flussauen, begradige gnadenlos jeden Fluss, versiegele noch mehr Boden, vernachlässige die Pflege der unterirdischen Infrastruktur, Gullis lasse man noch mehr verstopfen. Alles kein Problem. 

Die Bauindustrie wird vor Freude Luftsprünge machen. Die Baukredite sind zur Zeit günstig. Das Volk möge sich mehr verschulden. Der Konsum - ach nein, Haus = Investition, auch wenn ich es selbst bewohne - wird steigen. Für die Infrastruktur mag sie nun oben oder unten sein, sparen wir sowieso das Geld ein. Schließlich leben wir im Zeitalter der Schuldenbremsen. Merke: Investitionen sind immer Schulden ohne dass der Nutzen gegengerechnet wird. Rechnen ist nicht gerade die starke Seite von sogenannten Verantwortungsträgern. 

Wir können auch hoffen und beten, dass wir endlich Tornadosaisons bekommen. Vielleicht kommt der Klimawandel rascher. Man fahre deshalb mehr Auto. Schließlich muss man etwas machen, dass ein Tornado nach dem anderen über Deutschland tobt. Der Anfang ist ja auch in dieser Richtung schon gemacht. Nur müssten die Windhosen flächendeckender und gewaltiger sein.

Woher sollte sonst das Wirtschaftswachstum in Deutschland herkommen?

Also, die Wetterkatastrophe muss her!

Die Medien jubeln, das Wirtschaftswachstum der Bundesländer, die durch die diesjährige Flut geschädigt worden sind, wächst überdurchschnittlich. Ist das nicht herrlich? Wachstum ... Wachstum ... Wachstum!

Die Baumärkte boomen. Das Handwerk boomt. Das nenne ich Wirtschaftswachstum. Auf den Trümmern von Existenzen wieder aufbauen. Und wieder. Und wieder. Und wieder. 

Ach könnten doch immer und ewig neue Wetterkatastrophen kommen und keine klitzekleinen, sondern so richtige - wachstumsrelevante.

Gut, nachrechnen sollte man nicht. Gegenrechnen ist von Verantwortungsträgern und erst recht von Medien nicht die angesagteste Tätigkeit. Man vernachlässige die Schäden und jubele über den Aufbau. 

Neues wurde zwar nicht geschaffen, aber wem juckt's (außer den Betroffenen).

Wir haben  ein Wirtschaftswachstum um des Wachstums willen ohne Sinn und Verstand. 

Hat der Kapitalismus mit seiner Wachstumsideologie überhaupt Sinn und Verstand?

 

Kommentare:

  1. Kapitalismus hat nur einen Sinn, Ausbeutung, mehr nicht. Und zum Thema Bauboom, Praktiker hat gerade Insolvenz angemeldet, 18000 Mitarbeiter dann auf der Straße, wäre vllt. nen Rettungsversuch wert gewesen, aber ist nicht "systemrelevant", lieber versenken wir Mrd. in BER, S21 und Co.:(

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  2. Hallo Cohen, stimmt. Nur ist es schon erheiternd (wenn es nicht so ernst wäre) welche Stilblüten die Wachstumsideologie hervorbringt. Praktiker ist ein anderes Problem. Es gibt viel zu viele Baumärkte (bei uns z.B. gleich 2 Praktikermärkte in unmittelbarer Nähe) und viel zu wenig Geld unter den Leuten. Deutschland kann sich logischerweise nicht dem Sog nach unten entziehen, auch wenn es den Menschen immer suggeriert wird. Er ist systemrelevant.

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