Freitag, 5. Juli 2013

Es wird gestreikt.

Ver.di bestreikt heute den Einzelhandel. Konkret: Real und Netto werden in Leipzig bestreikt. Sehr viele Mitarbeiter habe ich heute vor dem Center gesehen, die streikten. Es waren erfreulich viele. Mal sehen, wie es ausgeht. 

Auf der Straße habe ich aber schon wieder Rentner gehört, die kein Verständnis für die Streikenden hatten. Was soll ich denn mit meinen 500 EUR im Monat sagen. Ich möchte jetzt niemanden etwas unterstellen, aber in Sachsen wir sehr gern CDU und FDP gewählt. Nicht, dass mit der SPD und den Grünen es besser werden würde, aber Merkel zu lieben und sich über nur 500 EUR Rente im Monat aufzuregen ... 

Und da sind wir auch schon wieder bei einer bestimmten Grundhaltung, die sich quer durch unsere Gesellschaft zieht. Warum die und nicht ich. Wieso bekommen die etwas und ich nicht. Wieso rackere ich mich ab und die gucken nur in den Fernseher und bekommen dennoch etwas zu Essen. 

Warum sollten die Verkäuferinnen und Verkäufer, die Kassiererinnen (Männer gibt es bei real dafür nicht) und alle anderen Angestellten nicht mehr Geld verlangen dürfen? Mit beim Streik ist das Finanzcenter der Post. Die Angestellten dort haben sich qualifiziert, qualifiziert und qualifiziert und ihre Konten sind dabei leer geblieben (mal bildlich gesprochen).

Jeder der arbeitet, hat es verdient, in seiner Arbeit anerkannt zu werden. Jeder der arbeitet sollte nicht noch Geld mitbringen (Aufstocker), um überhaupt seinen Lebensunterhalt fristen zu können.

Jeder Mensch, ob er arbeitet oder auch nicht, hat es verdient menschenwürdig leben zu können, ohne Schikane und ohne dass er in irgendwelche berufsfremden Tätigkeiten gepresst wird. Amazon z.B. lebt davon. Amazon kann sich entspannt zurücklehen und auf den Schub neuer Arbeitkräfte warten, die durch die Arbeitsagentur für sie rekrutiert werden. Nur deshalb kann amazon den Arbeitskampf der Angestellten aussitzen. Dank unseres Staates. Dort muss angesetzt werden. Und amazon ist nur das Beispiel, was in aller Munde ist. Andere haben gleiche und schlechtere Arbeitsbedingungen, das vergisst man ganz leicht.

Wenn Gewerkschaften mit den Ländern, die Schuldenbremse gestalten, wird es nichts mit der Aufwertung von Arbeit. Im Saarland z.B. sitzen die Gewerkschaften mit der Landesregierung zusammen. Ziel ist es: Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes einzusparen und andere Leistungen des Landes einzudampfen. So macht sich die Gewerkschaft zum Kumpel neoliberaler Spardiktate. Dazu muss noch gesagt werden, dass Ver.di diese Runde verlassen hat.

Erfreulicherweise gibt es noch Gewerkschafter, die begreifen, dass ein Umdenken einsetzen muss. Eine Gewerkschaftsgruppe der Gewerkschaft NGG Mannheim-Heidelberg hat festgestellt, dass man sich für politische Streiks einsetzen muss. Sie haben erkannt, dass nur Tarifverhandlungen nichts in der Substanz bringen. Und noch erfreulicherweise haben sie erkannt dass die Sozialpartnerschaft gestern war und dass wir heute Kapitalismus haben. Das ist ein erster Schritt in die - meiner Ansicht nach - richtige Richtung und es ist ein Schritt, der nicht selbstverständlich ist.

Wenn ich dagegen auf Herrn Sommer schaue, frage ich mich, was will er erreichen gemeinsam in einem Klub mit Arbeitgebern und z.B. mit einem Herrn Hundt bei einem Gespräch mit Frau Merkel? Was? Mal ihnen auf die Schultern klopfen und sagen: Haltet euch doch mal ein bisschen zurück bei der Ausquetschung der Arbeitnehmer? Seid so lieb und steigert die Löhne? Verlagert nicht mehr in Billiglohnländer. Was? Er hat dort in meinen Augen nichts zu suchen, so als Alibi-Ober-Arbeitnehmer. Er ist dort der Paria und hat es noch nicht gemerkt. Er ist das Pflaster auf der neoliberalen Wunde, die sich trotz Pflaster nicht schließen wird. Er ist das Trostpflänzchen, dass man als Tee für den Wahlkampf vorbereitet und alle sollen diesen Tee trinken, der aber leicht vergiftet ist. Er ist der Ruhigsteller der Arbeitnehmer. 

Leider hat ein Herr Sommer Macht. Und seine Macht erschwert, dass Gewerkschaften wieder zu Gewerkschaften werden können.


***

PS: Ich weiß jetzt nicht, ob andere Gewerkschaftsgruppen auch schon soweit wie die NGG in Mannheim-Heidelberg sind. Vielleicht habe ich das überhört. 


PS Nr. 2: Mit Erstaunen muss ich sehen, dass jemand den Inhalt des Posts mit "halb ja - halb nein" bewertet ohne Begründung. Na fein. Das kann ja nur heißen, dass man eine Sozialpartnerschaft gut heißt, die aber recht einseitig zu Lasten der Arbeit"nehmer" ausfällt. Hat schon jemand mal Neupack angeschaut? Arbeitnehmer beschweren sich dort, dass die Gewerkschaft ÜBER IHRE KÖPFE hingweg gehandelt hat. Das "halb ja - halb nein" heißt auch, dass es gut ist, dass Herr Sommer die Arbeitnehmer verrät und nichts anderes macht er gemeinsam mit einem Herrn Hundt. Meint irgend jemand, dass ein Herr Hundt irgend etwas für Arbeitnehmer übrig hat? Hat dieser "Halb ja - halb nein" schon begriffen, dass wir in einer neuen BRD leben? In einer, die auf AN sch...? Ich kann mit einem völligen "nein" leben, aber nicht mit dieser Wischiwaschi-Haltung von Opportunisten, denn nichts anderes ist in dieser wichtigen Frage 50:50.


 


Kommentare:

  1. Ich hoffe, dass in Sachsen NRW und ganz Deutschland füpr die Einzelhandelsbeschäftigten vernünftige Traifverträge abgeschlossen werden. Einfach wird das nicht. Die Arbeitgeber haben eine harte Linie angesagt. Der Organisationsgrad der Beschäftigten ist nicht sonderlich hoch. Die Beschäftigten sind auch auf dioe Solidarität der Kunden angewiesen...gerade da wo die Nicht-Gewerkschaftmitglieder mit dafür sorgen, dass die Läden geöffnet bleiben... "Bitte kaufen Sie nicht in bestreikte Läden ein"

    Ich werde mich daran halten!

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Marty, auf die Solidarität der Kunden, werden die MA des Einzelhandels wohl verzichten müssen, zumindest bei uns. REAL war an diesem Tag geöffnet wie immer. Wie die Arbeitsabläufe gestört worden sind, weiß ich jetzt nicht, da ich nicht hineingegangen bin. Ich denke aber schon, da wirklich viel MA vor der Tür waren. Sehr viel mehr wird es dort im Markt wohl nicht geben. Übrigens, wie ich gelesen haben, hat der Streik viele AN in die Gewerkschaft gebracht, auch schon der letzte Streik. Die Position der Gewerkschaften ist überall schwierig. Die Keule H4 hängt über allen und wenn ich mit AN aus Bangladesh konkurrieren muss, kann das für mich nur schlecht ausgehen. Die Arbeitgeber sind eine Front und wir haben uns vereinzeln lassen, jeder für sich, jeder für seine Interessen. Wir wurde eingelullt mit falschen Zahlen und Gequatsche, wie gut es doch in Deutschland wäre. Sehr viele Menschen sind Realitätsverweigerer. Der Sommer hat auch keine Lust sich für die AN wirklich einzusetzen. Er macht auf Sozialpartnerschaft. Es ist für Gewerkschaftsteile äußerst schwer sich gegen die Spitze zu behaupten. Ich denke, dass folgendes herauskommt. Irgendetwas bei zweimal Inflationsrate auf 24 bis 26 Monate verteilt plus Einmalzahlung. Ich werde wohl nie verstehen, wie man sich auf eine Einmalzahlung einlassen kann. Das hilft nur den AG, weil die das wunderschön von der Steuer absetzen können.

    AntwortenLöschen
  3. Im Einzelhandel geht es ja nicht nur um Kohle. Die AG haben alles gekündigt. Auch den Mantel. Heißt es geht auch um Arbeitszeiten Zeitzuschläge und Eingruppierungen etc.etc. Die Arbeitgeber wollen eine neue abgesengte Tariflandschaft. Hinzu kommt noch, dass sie offentsichlich deutsche Binnenschwäche nutzen wollen. Denn leider sind die Einzelhandelsumsätze ja tatsächlich gesunken. Die Eurokrise lässt grüßen.

    Ja... viel an mehr Kohle wird im EH nicht bei rum kommen. Vielleicht gelingt es aber elematre Bestandsteile des Mantetarifvertrages zu verteidigen.

    PS: Die Rolle des DGB und die des Herrn Sommer würde ich nicht so überbewerten. Sommer ist ein Moderator ohne wirkliche Macht. Mehr nicht. Die Tarifpolitik wird ausschließlich von den Einzelgewerkschaften bestimmt und autark geführt. In Verdi ist das im übrigen sogar auf die einzelnen Fachbereiche runtergebrochen. (Der Bundes oder die Landesvorstände haben keine Entscheidungsgewalt-das ist bei der IGM ein wenig anders)
    Ob das immer sinnvoll ist, gibt es ja auch immer wieder Diskussionen. Das würde aber sicherlich hier an dieser Stelle zuweit führen.
    Am Ende aber entscheiden die gewählten Tarifkommisionen (auch bei der IGM). nd da sitzen auch die gewählten ehrenamtlichen Vertreter/Innen.

    AntwortenLöschen
  4. @Marty, leider ist der Sommer nicht der Einzige, für mich nur der Ausgangspunkt. Er ist die Spitze des Eisberges. Der Fisch fängt IMMER am Kopf an zu stinken. Er ist nicht irgend jemand. Er vertritt das, was die Gewerkschaft als Organisation vertritt. Er hat keine andere Denke, wie die Gewerkschaft an sich. Wie sollte das auch funktionieren. Die IG Metall z.B. frönt der Sozialpartnerschaft mit Leidenschaft und hat da z.B. bei Neupack ihren Streik darauf ausgerichtet. Sehr viele MA sind darüber erbost gewesen. Da der Neue auch von Huber favorisiert wird, könnte es sein, dass es keinen Wandel dort gibt. Ich kenne z.Z. nur eine einzige Gewerkschaftsformation, die das wirklich begriffen, dass es keine Sozialpartnerschaft mehr gibt und aufgeschrieben hat. Leider ist die klein. Auch wenn ich Sommer als Beispiel nehme, so sind doch alle Gewerkschaftsführer in Aufsichtsräten vertreten und das nicht für Umme. Was machen die dort im trauter Zweisamkeit mit den AG und Großaktienbesitzern? Man kann in einer Situation der Umverteilung von unten nach oben und einem Krieg gegen uns, den die Kapitaleigener führen, nicht irgendwo dazwischen stehen, so wie die Gewerkschaften i.d.R. (von Einzelbeispielen abgesehen) Ich denke, lieber Marty, dass wir da grundsätzlich verschieden denken und niemals überein kommen werden.

    AntwortenLöschen
  5. Ach das macht doch nichts. Ich finde Meinungsverschiedenheiten viel interesanter, als wenn sich Blogger und Bloggerinnen nur gegenseitig zujubeln :-)
    Die verharren in der Filterblase ;)

    AntwortenLöschen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.