Mittwoch, 17. Juli 2013

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15.000 Arbeitsplätze im griechischen Staatsdienst werden gestrichen. Einfach so. Der Polizist, der Wachmann, der Lehrer - alle weg. Gemeinden haben keinen Polizisten mehr, Schulen weniger Lehrer. Das Einmaleins und das Schreiben lässt sich für die Masse auch mit weniger Lehrer erlernen. Mehr ist wahrscheinlich nicht mehr nötig. Ein Land der 3. Welt - in Europa - vor unserer Haustür - als unser EU-Partner. Partner? Wenn es das je überhaupt war, war es keine faire Partnerschaft. 

- In der DDR gab es einen Witz bezüglich der Sowjetunion, den großen Bruder: Wir teilen brüderlich. Nein, lieber 50:50. - Aber das nur nebenbei.

In Griechenland ist die faschistische Bewegung auf dem Vormarsch. 

Aber nicht nur dort. Ungarn geriert sich als rassistisches Land, dem Faschismus nicht unähnlich. Juden sind Juden und plötzlich keine Ungarn mehr. Sie müssen noch keinen gelben Stern tragen, aber es wurde schon vorgeschlagen, dass sie in Listen erfasst werden. Noch wurde das abgelehnt - noch. Romas sind keine Menschen mehr, sondern nur noch Abschaum, den man auch so behandelt. 

In Polen feiert der Nationalismus einhergehend mit dem Rassismus fröhliche Urstände. Ebenfalls in der Tschechei und der Slowakei. In den baltischen Republiken, auch in dem hochgelobten Lettland, welches wir als nächsten Euro-Pleitekandidaten begrüßen dürfen, sind Russen Bürger zweiter Klasse.

In Kroatien erstarkt die Ustascha, die eigentlich noch nie so richtig weg war. Der Kosovo, Montenegro und Albanien sind Mafia-Gebiete.

Ich weiß jetzt nicht, ob in Spanien die Franco-Gefolgschaft an Boden gewinnt. Vorstellen könnte ich es mir.

Der Verteilungsspielraum für ganz normale Menschen wird immer geringer. Eine riesige Reservearmee wird vorgehalten, um die Gewinne einiger Weniger immer weiter steigern zu können. Sie sägen sich den Ast ab, auf dem sie sitzen. Das wissen sie sicherlich. Aber: Nach mir die Sintflut! Die einigen, wenigen Familien haben genug, um jede Durststrecke überstehen zu können.

Nur die ganz normalen Menschen haben diese Reserven nicht. 

Die Staaten werden ausgeplündert. Die haben das zugelassen. Die wollen das, sind in den Fängen der einigen, wenigen reichen Familien. Der Raubzug gegenüber Staaten wurde von willfährigen Regierungen, die am Katzentisch dieser Familien sitzen, forciert. 

Verlierer sind überall die ganz normalen Leute, die Griechen, die Spaniern, die Portugiesen, die Tschechen, Slowaken, Ungarn, Letten und auch wir Deutschen.

Und wir sind nicht nur die Verlierer, wie sind auch die Täter-Opfer, die sich anstacheln lassen. Die meisten suchen die Schuldigen nicht bei den wirklich schuldigen. Sie suchen sie bei denen, die nicht zu ihrem "Stamm" gehören. 

Es ist das alte Lied, was wir seit dem spielen, als wir sesshaft wurden. Dem Sesshaften waren die Nomaden ein Dorn in den Augen. Dem Sesshaften wurde das Land angeblich oder wirklich zu knapp und er nahm es einfach anderen weg. 

Wir konnten friedlich nebeneinander leben, wenn jeder am Reichtum partizipieren konnte. Aber eben nur dann.

Jede Zeit hatte ihre Rassisten, die die Menschen gegen den Menschen aufstachelten.

Unsere Zeit ist die Zeit, wo Millionen von Menschen in Europa (oder anderswo) arbeitslos schon sind oder arbeitslos werden. Millionen von Menschen in Europa können nicht mehr am Reichtum der Gesellschaft teilhaben. Sie werden bewusst ausgegrenzt. Sie sind die industrielle Reservearmee, die als Drohkulisse über den anderen hängt, die noch etwas werkeln dürfen. 

Und so hat der Rassismus gerade in den Mittelschichten einen starken Zulauf. Sie können noch etwas verlieren. Faschistisches Gedankengut ist nicht nur Sache der Unterschicht. Die sind nur Mittel zum Zweck. Faschistisches Gedankengut wird von der Mittelschicht getragen. Es beginnt sprachlich bei den Fidschis, bei den faulen Griechen, bei den Assis, bei den Wollköppen, bei den Hartzern und endet im Nationalen: Deutsche essen deutsche Bananen. Es sind die braven Mittelstandsbürger, die die Kulisse bei rassistischen Exzessen bilden. Es ist die blonde Mittvierzigerin, die glaubt von asylsuchenden Menschen aus den arabischen Ländern vergewaltigt zu werden, weil sie blond ist. Wenn das Gedankengut nicht so verheerend wäre, könnte man sich oft schenkelklopfend vor Lachen auf den Boden wälzen.

Wir igeln uns als Stamm wieder ein und wollen keine Menschen bei uns dulden, die um ihr Leben fürchten, aber nicht von unserem Stamm sind. Wir haben Angst, dass uns immer noch mehr genommen wird. Wir haben Angst um unser Schwimmband, um unser Theater, um unsere Bibliothek. Wenn die anderen Geld erhalten, steht es uns nicht mehr zur Verfügung.

Wir fragen nicht danach, wem es anzulasten ist, dass unseren Städten und Gemeinden immer weniger Geld als Handlungsspielraum zur Verfügung steht. Wir wollen nicht begreifen, dass eine Familie Krupp, eine Familie Piech, eine Familie ... uns das Geld weggenommen hat, schlichtweg gestohlen hat. Wir wollen nicht begreifen, dass z.B. ein Höneß unseren Städten und Gemeinden Geld schuldet. Steuerhinterziehung ist Raub an der Allgemeinheit. Die hinterzogenen Steuern stehen nicht mehr für die Kultur, für den Straßenbau und für die Schulen zur Verfügung. 

Gibt es einen Aufschrei der vielen Bürger deshalb? In der Regel klopft man Herrn Höneß auf die Schulter: Er ist doch so ein prima Mensch, der den FC Bayern so toll managt. 

Wir regen uns über amazon auf. Richtig. Der Konzern ist kein guter, er ist ein kapitalistisches Unternehmen. Er zahlt in Deutschland wenig Steuern. Nimmt Allgemeingüter in Anspruch, einfach so ohne entsprechende Gegenleistung. Richtig. Er macht das, weil er darf. 

Regt sich jemand bei unserer Mutti darüber auf? Höre ich irgendwo Proteste, die sich gegen diejenigen richten, die die Gesetze geschaffen haben, die amazon erlauben so wenig Steuern bei uns zu zahlen? Nein, wir lieben Mutti. Sie die Schuldige ist es in den Augen vieler nicht. Viele kommen nicht mal auf die Idee, dass Mutti die Schuldige ist.

Der Staat ist das Machtinstrument der herrschenden Klasse! Diesen Satz müssen wir endlich verinnerlichen.

Kommen wir wieder zu dem rassistischen Gedankengut zurück, dass auch in Deutschland auf den Vormarsch ist. Indiz ist dafür für mich, dass Antifaschisten vor Gericht gestellt werden und rassistische Taten verharmlost werden, meist als Dumme-Jungen-Streiche hingestellt werden. 

Auch in Deutschland ist die Wirtschaft eingebrochen. Wie sollte es auch anders sein. Die Ausbeutung von Griechenland und anderen südeuropäischen Ländern bleibt für uns nicht folgenlos. 

Einher geht überall in Europa das Erstarken des rassistischen Gedankengutes und das Erstarken faschistischer Organisationen.

Überall in Europa haben die Menschen Angst um ihre Existenz, wissen nicht, wie sie das Wenige, was sie noch haben, schützen sollen. Sie sind den wenigen reichen Familien und dem Staat, der nur die Gesetze für die reichen Familien macht, ohnmächtig ausgeliefert. Die Angst der Menschen lässt sie irrational handeln, lässt sie nicht nachdenken und macht es, dass sie ihre Angst an den falschen Menschen auslassen. 

Für mich sieht es ähnlich aus wie Ende der Zwanziger Jahr des letzten Jahrhunderts in Europa. Immer mehr Armut, immer mehr Rassismus ... Wir schliefen und befanden uns im Faschismus. 

Wir gehen wieder diesen Weg.




   

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