Montag, 1. Juli 2013

Noch ein Bruder im Leid

Kroatien ist seit heute Mitglied der EU. Als Normalo fragt man sich schon, was Kroatien geritten hat, unbedingt EU-Mitglied zu werden. Man wollte in eine Gemeinschaft, die keine Gemeinschaft mehr ist und die unter dem Diktat Deutschlands steht, nicht unter dem Diktat einer gewissen Frau Merkel, die komischerweise immer als mächtigste Frau der Welt angesehen wird, aber nur an den Marionettendrähten großer Konzerne hängt.

Okay, als Konzern sieht das sicherlich schon ganz anders aus und um die geht es und nicht um den normalen Kroaten. Obwohl ich mir durchaus vorstellen könnte, dass bei einer Volksbefragung eine Mehrheit der Kroaten für den Beitritt zur EU gestimmt hätte. 

Menschen sind in der Regel Träumerle. Wie sonst ist der Beliebtheitsgrad unserer Mutti zu verstehen. Menschen lassen sich gern manipulieren und glauben immer, dass es doch irgendwann aufwärts gehen muss und das es nicht noch schlimmer kommen könnte (wenn sie eben überhaupt denken und sich überhaupt dafür interessieren). Und es kam schlimmer. 

Um bei der Wahrheit zu bleiben: Viele Kroaten haben eine durchaus realistische Vorstellung von der Europäischen Union wie sie leibt und lebt. Die wollten eigentlich nicht Mitglied davon werden. 

Kroatien ist kein prosperierender Kleinstaat.  Die Wirtschaft liegt am Boden, viele Menschen sind arm, die Preise meist schon so hoch wie hier in Deutschland. Es gibt außer Tourismus nicht mehr allzuviel in diesem Land. 

Ja, Nationalismus gibt es und ebenso faschistische Tendenzen. Die Ustascha ist nicht verschwunden und das Staatsemblem verwischt nur lax, wo man die Wurzeln Kroatiens wahrscheinlich sieht. 

Schon 2001 hatte Kroatien ein Assoziierungsabkommen mit der EU abgeschlossen und die Wirtschafts- und Sozialsysteme wurden "transformiert" wie es dann so schön nichtssagend heißt. Das Ergebnis ist zu besichtigen.

Es gibt aber einen nicht unbeträchtlichen Teil der Bevölkerung, die ihren kleinen naiven Träumen nachhängt.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man einen Lachanfall bekommen. Ein kleiner kroatischer Unternehmer, der Honig herstellt, freut sich auf die EU, weil er meint, dann in unseren Supermärkten seinen Honig vermarkten zu können. 

Man hat ihn vor lauter Positivpropaganda wahrscheinlich vergessen zu sagen, dass die Märkte aufgeteilt sind. Man hat ihn vergessen zu sagen, dass man nicht einfach in europäischen Supermärkten Waren verkaufen kann, nicht einfach dort gelistet wird, dass er dafür sehr viel Geld auf den Tisch legen müsste, um überhaupt vorgelassen zu werden. Ob er dann gelistet werden würde, stünde immer noch in den Sternen - eher nicht.

Man hat den Menschen vergessen zu sagen, dass die ganzen bürokratischen EU-Vorschriften auf sie überschwappen werden, die die großen Konzerne schützen und kleinen - vor allem landwirtschaftliche Unternehmen - den Tod bringen. 

Man hat den Menschen vergessen zu sagen, dass nun die großen Konzerne verstärkt auf Einkaufstour in ihrem Land gehen können, um zu räubern.

Man hat den Menschen vergessen zu sagen, dass EU heißt: Schuldenbremse. Und Schuldenbremse heißt: Verarmungsprogramm. Und es solle niemand denken, dass er schon unten wäre, es geht immer noch ein Stückchen weiter nach unten. 

Man hat den Menschen vergessen zu sagen, dass EU bedeutet, dass man seine Kultur- und Bildungsaufgaben nicht mehr so weiter leisten können wird. Und wie gesagt, es gibt nichts, was nicht noch schlechter werden könnte.

Man hat den Menschen vergessen zu sagen, dass man nicht will, dass sie angenehmer leben können. Es interessiert einfach niemanden. EU heißt, dass alles für die Märkte und nichts für die Menschen getan wird.  Menschen haben sich einfach als Schräubchen in eine industrielle Fertigung einzubringen, falls man Verwendung für kroatische Menschen überhaupt hat. 

Mir kommt in diesem Zusammenhang immer ein Film mit Charlie Chaplin in den Sinn, der für unsere Konzerne sicherlich Vorbildfunktion hat. Ich weiß nicht mehr wie er heißt, aber dort wird ein Mensch im Räderwerk der Fabriken "verwurstet".

Da der europäische Binnenmarkt irgendwo im Keller herumdümpelt, wird man die Arbeitskraft Mensch in Kroatien als verlängerte Werkbank in der EU nur sekundär benötigen.  Es gibt in Europa nicht allzu viele Menschen die dem Hobby "Shoppen" frönen können.

Auch der propagandistisch aufgeblasene Binnenmarkt Deutschlands ist arm und weitaus nicht robust. Ich habe keine Vorstellungen, wie bei den hohen Lebensmittelpreisen, die weit über den ausgehandelten Lohnerhöhungen liegen, ein Kaufrausch entstanden und eine 1 vor dem Komma in Prozenten als Plus beim Einzelhandelsumsatz herausgekommen sein soll. Ich denke, dass das Wahlkampfgetöse ist und nicht der Wirklichkeit entspricht. Meine Beobachtungen sehen anders aus und sprechen nicht von einem Kaufrausch. Wobei man sich darüber verständigen müsste, was überhaupt unter Kaufrausch verstanden werden soll. Tägliche Lebensmitteleinkäufe sicherlich nicht.

Liebe Kroaten, ihr seid in einer Gemeinschaft von Räubern angekommen, wahrscheinlich von Räubern zu Räubern, vom Regen in die Traufe. Vielleicht wird der eine oder andere Arbeitsplatz von Deutschland zu euch wandern, aber Wohlstand, werdet ihr in der EU nicht erringen können. Ihr werdet das Schicksal anderer Europäer überall in der Union teilen müssen - Armut. Freudenfeste zu veranstalten sind fehl am Platz.

Was sagte kürzlich Jean Claude Juncker sinngemäß: Er glaube, dass der Höhepunkt der Finanzkrise überschritten sei, aber wir wären noch nicht am Ende der Wirtschafts- und Sozialkrise angelangt. Es könne sogar sein, dass die Sozialkrise sich noch dramatisch verschärfen würde.

Mal davon abgesehen, dass ich nicht glaube, dass der Höhepunkt der Finanzkrise überschritten ist, gebe ich ansonsten Herrn Juncker recht. 


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