Mittwoch, 25. September 2013

Der nächste Gag zur Wochenmitte

Der Wahlkampf geht weiter. Zwar wurde schon gewählt, aber die Deutschen sollen sich weiterhin wohlig in ihrem Land fühlen. Sie auf den harten Boden der Tatsachen zurückzuholen? Wer will das schon, außer ein paar unverbesserliche Klassenkämpfer. Die deutschen Medien und ihre Institutshuren sicherlich überhaupt nicht. Der Deutsche soll fester in ein Spinnennetz von Lügen und Halbwahrheiten eingesponnen werden.

Ich sitze heute beim Frühstück vor dem Fernseher, das MoMa läuft, die Wirtschaft wird angekündigt. Dabei weiß jeder der Moderatoren, dass nichts über Wirtschaft, aber alles über Aktien schwadroniert wird. Angerissen wird, dass die Konsumforscher wieder mal ihr Unwesen getrieben haben. Ich sage ein neues Hoch der Konsumfreude voraus und ... werde natürlich nicht enttäuscht. 

Ach, wie freuen wir uns alle. Wir wollen wieder mal konsumieren ... konsumieren ... konsumieren. Wir bekommen uns vor lauter Konsumation gar nicht wieder ein. Die Geschäfte werden schier leer gekauft, glaubt man den dubiosen Konsumforschern.

Doch die Wirtschaftssachverständige - sprich Börsenkommentatorin - setzt noch einen drauf: Das wäre ja nicht verwunderlich, meinte sie. Der deutschen Wirtschaft gehe es ja soooooo (ich kann gar nicht so viele "o" setzen) gut. Der Arbeitsmarkt wäre hervorragend und kein Deutscher müsste Angst um seinen Arbeitsplatz haben. 

Okay, vielleicht in der Parallelwelt der Börsentussi.

Oh ja, den Deutschen geht es wunderbar in ihrer weitverbreiteten Armut. Igittigit. Mache ich doch wieder Klassenkampf und erwähne die Armen. Das ist doch so etwas von Pfui!

Kein Deutscher muss Angst um seinen Arbeitsplatz haben, es sei denn, er arbeitet in der Autoindustrie, in der chemischen Industrie, in der metallverarbeitenden Industrie, in der Solarindustrie (gibt's die überhaupt noch?), bei den Banken, im Handel, in Dienstleistungsunternehmen, in der Werftindustrie, in der Energieindustrie, in Stahlwerken, in der IT-Branche ... Hab ich noch irgend etwas vergessen? Eine große Anzahl von Unternehmen haben angekündigt, Mitarbeiter rauszuschmeißen oder haben sie gerade rausgeschmissen. Ansonsten geht es allen gut, wenn man von vielen Millionen Deutschen absieht, die im Niedriglohnsektor, ob nun als Stundenkraft, als Scheinselbständiger, als Leiharbeiter mit einen, zwei oder vielen Jobs, als Flaschen- und/oder Papiersammler tätig ist. Schließlich ist Deutschland sozial. Sozial ist, was Arbeit schafft, egal welche und sei es Zwangsarbeit. So wurde das Denken vorgegeben und so plappern es viele Deutsche nach.

Die Deutschen legen ihr Geld auch nicht mehr auf Konten, meint die Börsentussi. Nach meinen Beobachtungen der Bankautomaten am letzten oder ersten jeden Monats kann das auch kaum noch jemand. Das weiß die Börsentussi aber nicht. Sie meint, man tue das nicht, weil die Zinsen so ungeheuer niedrig wären. Man gehe in Sachwerte.

Okay, jede deutsche Frau kauft im Jahr mindestens 6 Paar Schuhe lt. Statistik. Schuhe = Sachwert. (?) Da ich z.B., wenn es hoch kommt, nur ab und an ein paar kaputte Schuhe durch ein anderes Paar ersetze, muss diese Zahl höher eingeschätzt werden. Frauen investieren in Schuhe. Nur die Schuhgeschäfte sprechen eine andere Sprache mit ihren gelangweilten Verkäuferinnen, die dringend Käufer suchen. Mal jahreszeitliche Ausnahmen abgesehen, wo die Familie mal wieder Winterschuhe benötigt.

Möbel sollen angeblich auch ein Sachwert sein, in die man flüchtet, wegen der niedrigen Zinsen. Also Möbel. Okay, wenn man IKEA ist ... vielleicht ... habe keine Ahnung ... Ansonsten werden Möbelläden bei uns der Reihe nach geschlossen oder bei den noch geöffneten stehen sich die Verkäuferinnen die Beine in den Bauch.

Reisen. Wir Deutschen sind die die angeblichen Reiseweltmeister. Ich werden alle Nasen lang angerufen/angemailt, ob wir denn nicht verreisen wollten, man hätte super Angebote. Welches Reisebüro macht denn so etwas. Ich denke, sie werden von den Reisewilligen gestürmt. 

Okay, die Börsentussi hat in einer Beziehung recht. Wir müssen wieder mehr Geld für Lebensmittel an der Kasse hinlegen. Das wird unser Konsumhöhenflug sein.

Wahlnachkampf eben. Der Deutsche an sich, soll weiter in einer Traumwelt leben. Falls er dennoch aufwachen sollte - die Chancen dafür sind sehr, sehr gering -, dann hat der österreichische Millionär Frank Stronach, wie ich heute in der JW las, ein Patentrezept: "Wenn die Arbeiter sich erheben, werden die Arbeiterführer gezielt abgeschossen." Auf Nachfrage sagt er dann: "Die EU-Verfassung sehe doch vor, daß man bei Aufständen töten kann. Wozu sonst sollte man dieses Gesetz denn brauchen?" Das ist doch wirklich mal ehrlich! Wozu sonst bräuchte man eben ganz genau dieses Gesetz.

Übrigens dazu noch ein Gag, den ich in den selben Artikel las. 

Bei der Gelegenheit machte Poptitan Bohlen auf Peer Steinbrück und erklärte, warum für ihn ein Wechsel in die Politik nicht in Frage kommt: "Ich bin der Meinung, daß Politiker zu wenig verdienen." *

Nun dann wünschen wir uns doch alle, dass Politiker immer weniger verdienen. Das läge in unserem Interesse. Sonst kämen vielleicht noch andere Pappnasen auf die Idee, Politiker zu werden. Obwohl, ein Dieter Bohlen in der Politik würde uns zeigen, was Politik in Deutschland in Wirklichkeit ist. 

Und nun der allerletzte Gag: Wahlhelfer in einigen Wahlbezirken von Duisburg verliesen das Wahllokal nach einem Streit mit dem Wahlleiter über die Auszählung der Stimmen. Nachtigall ick hör dir trapsen. Das hört sich doch sehr nach Wahlmauschelei an. Warum sollten sonst die Wahlhelfer nicht mehr auszählen wollen?

* Junge Welt - heutige Ausgabe


Leider liest die Börsentussi nicht meinen Blog, sonst könnte sie sich per Link darüber informieren, wie sicher die Arbeitsplätze sind. Naja, vielleicht liest sie, wenn sie überhaupt lesen kann, den Blog "monopoli".

monopoli


PS: Was noch zu sagen ist: Es ist eine Unverschämtheit für die ÖR noch bezahlen zu müssen!



Kommentare:

  1. Ob SPD oder CDU/CSU, der total verblödete deutsche Michel, wählt immer zwischen Pest und Cholera und vielleicht noch Ebola 2.0 (aber die sind weg vom Fenster :-) Da trifft Albert Einstein's Weisheit zu:
    “Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.”

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  2. Eine schöne Form der Definition für Wahnsinn.

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