Donnerstag, 3. Oktober 2013

Uns geht es wirklich gut

Gestern habe ich den Post reingesetzt "Etwas fast Heiliges wird morgen zelebriert". 

Damit wollte ich natürlich niemanden sein Freudenfest vergällen. Es kann ja auch sein, dass hier jemand gelesen hat, der Millionär geworden ist und diese Chance erst durch den Anschluss des Ostens an den Westen bekommen hat. Dass er/sie zu dieser Ausnahmespezies gehört.

Man kann schon verschiedener Meinung über den 3. Oktober sein. Dass das von mir Beschriebene grundfalsch sein soll, wie jemand hier ankreuzte, setzt mich schon in Verwunderung.

Leider hat der Ankreuzer eben nur ein Kreuzchen gemacht. Ich hätte gern gewusst, warum meine Meinung grundfalsch ist.

Ich komme wegen des Kreuzchens ins Grübeln. 

Vielleicht liest der/die Kreuzchenmacher/in jeden Tag BILD oder den FOCUS. Okay, dann verstehe ich das. Vielleicht sieht er auch tagtäglich MDR. Der MDR hat immer wieder Kooperationen mit der BILD laufen. Schließlich soll das Andersdenken in Ostdeutschland ausgetrieben werden. Die Früchte sind in Sachsen zu sehen. Sachsen hat eine sehr konservative Landesregierung, die es mit dem Grundgesetz nicht so genau nimmt: Stichwort Sachsensumpf, Stichwort Fördermittelvergabe, Stichwort Versammlungsgesetz. In Sachsen kann jeder, der etwas anderes denkt und das heißt in die linke Richtung denkt - Humanität reicht auch schon - sofort Extremist werden. Im Einzugsbereich des MDR gibt es auch die meisten militanten Rechtsradikalen. So stellt es sich zumindest mir dar. Hier werden Menschen, die anders aussehen, oft einfach totgeschlagen.

Wir haben also Meinungsfreiheit. Nun, Frau Merkel ist es sowas von egal, wenn sie jemand beschimpft. Es prallt an ihr ab. Es ist ihr egal. So wie es den meisten in der Regierung egal ist. Deren Motto: Ach lass das Kindlein lallen, es ist ja auf den Kopf gefallen. Das ist natürlich eine tolle Meinungsfreiheit, wo Meinung niemanden interessiert.

Diese Gelassenheit hätte ich mir für die DDR gewünscht. Dort war man da wesentlich Dünnhäutiger, was auch ein Grund war, dass die Menschen 1989 auf die Straße gegangen sind.

Das ist die eine Seite der Meinungsfreiheit. Die andere ist eine totale Meinungsunfreiheit. Die meiste Zeit verbringen die Menschen in der Regel auf der Arbeit. Wage dort mal jemand seine Meinung zu sagen. Viel Spaß dabei! Ich habe auch schon mal deshalb eine Kündigung erhalten, weil ich Rechtsradikalität nicht durchgehen ließ. Die Existenz vieler Menschen wurde schon dabei zugrunde gerichtet. Auf der Arbeit hat man zu parieren und seine eigene Meinung zu Hause zu lassen. Bestes Beispiel, das uns tagtäglich unterkommt, ist der Journalismus. Kaum ein Journalist - außer ein paar Ausnahmen - kann es wagen, eine Meinung entgegen des Geldgebers zu haben und vielleicht mal den Menschen ein paar Wahrheiten zu verklickern.  

Und wenn man gar den Kapitalismus Kapitalismus nennt und zerstörisch dazu, kann es einen ganz schnell passieren, vom Verfassungsschutz als Extremist beobachtet zu werden. Die Stasi hat das damals ebenso schon gemacht in anderer Richtung.

Und nun zur vielbeschworenen Freiheit an sich. Ich weiß jetzt nicht, was der Kreuzchenmacher unter Freiheit versteht. Sicherlich nicht die im Marx'schen Sinne, dass der Lohnarbeiter doppelt frei ist. Warum ist dort nachlesbar. Meist wird von einer irgendwie verschwurbelte Freiheit ideeller Art gesprochen. 

Nur, wenn ich zu den vielen millionen Arbeitslosen, Aufstockern, Niedriglöhnern gehöre, zu denen die zwei bis drei Jobs zum Überleben benötigen, zu den Rentnern am Rande des Existenzminiums zu den gesetzlich versicherten, chronischen Kranken, dann weiß ich jetzt nicht, wo deren Freiheit sein soll. 

Um Freiheit zu leben, benötigt man Geld.  Lebenskünstler sind nur sehr wenige.

Freiheit bedeutet, dass man seine Persönlichkeit entwickeln kann. Wenn ich aber nur damit zu tun habe, Geld für's Essen zusammenzukratzen, dann kann ich meine Persönlichkeit nicht entwickeln, dann bleibt nur Kraft, mein unmittelbares Überleben zu meistern.

Unter Freiheit verstehe ich auch nicht, dass Menschen Flaschen sammeln, um am Monatsende nicht ganz blank dazu stehen. Und es sammeln immer mehr Menschen Flaschen oder auch Papier. Und es ist ein ganz anderes sammeln als damals bis 1989. Jetzt ist es für viele eine Überlebensfrage. Ich weiß jetzt nicht, wieso jemand das negieren kann. Ich muss Gottseidank keine Flaschen sammeln und ich wünsche, dass das auch niemand anderes machen muss, um zu überleben. Es ist eine Frage der menschlichen Würde.

Kommen wir zu der Reisefreiheit. Ich habe Glück und ich genieße diese Reisefreiheit auch. Ich kann es. Millionen Anderer können es leider nicht. Millionen Anderer können sich kaum eine Straßenbahnfahrkarte leisten, um in der Stadt mobil zu sein oder gar zum Arzt in die Stadt fahren zu können oder zum einkaufen, da die Dörfer zu den wirtschaftlich ausgestorbenen Zonen gehören. Der Öffentliche Nahverkehr ist zur Krankheit mutiert. Nun, von Reisefreiheit kann man somit nicht sprechen. Ich weiß jetzt nicht, wieviele Menschen sich überhaupt noch Urlaub leisten können. Anscheinend nicht mehr so viele, weil die Reisebüros einen immer öfter nervig bewerben.

Arbeitsplätze. Zur Würde des Menschen gehört auch, dass er seinen Lebensunterhalt selbst verdienen kann. In der Regel will kein Mensch Almosen empfangen. Wenn jemand ankreuzt, dass meine Beobachtungen falsch sein sollen, dann frage ich mich, ob dieser Jemand nicht der öffentlichen Propaganda auf den Leim gegangen ist. Uns wird erzählt, dass wir eine Arbeitslosenquote unter 7 % haben sollen. Dass das nicht möglich sein kann, merkt jeder, der mit offenen Ohren die jährlichen Entlassungspläne der Unternehmen hört. Da geht es nicht um mal einen oder zwei Arbeitsplätze, da werden Tausende von Arbeitsplätzen wegrationalisiert. Nun frage sich doch jeder, wo die Tausenden von Lohnarbeitern nun arbeiten sollen, wo doch schon Millionen von ihnen arbeitslos oder unterbeschäftigt sind. Dass das nicht aufgehen kann, fällt einen doch sofort ins Auge, wenn man nicht ganz Merkel hörig oder blind-taub ist. Spricht übrigens jemand von denen, die in Gemeinschaft leben, wo nur der Mann oder die Frau noch einen Job hat? Wie wird der jeweilige Partner gezählt, der sicherlich auch gern arbeiten würde? Taucht dieser irgendwo in irgendeiner Zahl auf? Ich denke eher nicht. Würde des Menschen?

Die Würde des Menschen bleibt auch auf der Stecke, wenn er auf Arbeit wie eine Zitrone ausgequetscht wird, vor lauter Hetze kaum noch seine Arbeit durchdenken kann. Ach ja, Denken soll er sowieso kaum noch. Die wachsende Zahl ausgebrannter, psychisch kranker Menschen, sprechen eine berede Sprache. Nur, der Unternehmer hat nicht die Kosten dafür zu tragen. Er greift einfach auf das riesige Arbeitslosenheer zurück und hat - oft mit unserer steuerlichen Unterstützung - den nächsten, den er kaputt spielen kann.

Unser Grundgesetz spricht im Artikel 1 von der Würde des Menschen, die unantastbar wäre. 

Ist sie dies wirklich? Wo ist die Würde eines Menschen geblieben, der vor der Arbeitslosenverwaltungsbürokratie kriechen muss, um nicht auf Null sanktioniert zu werden. Menschen auf Null zu sanktionieren. Ich frage mich, was das mit einem sozialen Staat zu tun haben soll, den eine Frau Merkel gern in den Mund führt. Jemand wird dem Hungern preisgegeben und die Miete wird demjenigen nicht mehr gezahlt sowie die Krankenversicherung auch nicht. Lebensmittelgutscheine sind eine KANN-Bestimmung. So werden Menschen diszipliniert und klein gemacht.

Kommen wir zur vielbeschworenen Demokratie. Ostdeutsche wollten die ja, sind 1989 dafür noch auf die Straße gegangen. Wieso gehen sie für Demokratie heute nicht mehr auf die Straße?

Eine Frau Merkel hat die marktkonforme Demokratie eingeführt. Was ist an einer Demokratie demokratisch, die den Märkten untergeordnet wird? Demokratie funktioniert doch gerade andersherum, ansonsten ist es keine Demokratie.

Kreuzchenmachen an sich ist auch keine Demokratie. Sie ist der 1. Schritt dazu. Nur, müsste es eine Auswahl von verschiedenen Politikrichtungen geben, um diesen 1. Schritt zur wirklichen Demokratie werden zu lassen. Wenn alle dasselbe machen wollen, dann ist das Kreuzchenmachen eine Farce, weil ich dann nur die Wahl zwischen ein und derselben Sache habe, die nur sprachlich etwas anders ausgedrückt wird. 

Gut, da sind wir bei der Sprache. Wenn viele nur noch 140 Zeichen lesen, sich gedanklich nicht mit Sprechblasen auseinandersetzen wollen, dann begreifen sie auch nicht, dass sie Sprechblasen wählen und deren Nichtinhalten aufgesessen sind. Aber das ist dann auch keine Demokratie mehr. Ich habe mich dann selbst von dieser abgeschnitten. Demokratie ist keine eingleisige Bahn, sondern zweigleisig. Es gehören immer 2 Parteien dazu. Diejenigen die Sprechblasen produzieren und diejenigen, die sich mit Sprechblasen abspeisen lassen, ohne mehr zu fordern. Lebendige Demokratie lebt auch vom Streit. Ohne Streit keine Demokratie. Ich spreche vom Streit mit Argumenten und nicht von persönlichen Streitereien, die die Würde von Menschen angreift. Im Konsenz kann nichts Neues entstehen. Nur viele mögen keinen Streit. Bestrafen diejenigen mit Liebesentzug, die im Streit Positionen mit Argumenten diskutieren und aushandeln wollen. Argumenten zu folgen, ist schwierig in Facebook-Zeiten.

All dies war auch in der DDR nicht vorhanden und daran ist dieser Staat vor allem mit zu Grunde gegangen. Das lag nicht am Sozialismus, da es den in der DDR nicht gab. Es gab vielleicht einen ersten Schritt in dieser Richtung, aber es war kein Sozialismus.

Nach dem das ostdeutsche Gebiet zum westdeutschen kam, wurde das wenige, was wirklich gut war dort, noch platt gemacht.

Ich sehe heute nur noch Demokratie- und Freiheitsreste.

Im Osten gibt es keine blühende Landschaften. Die Leistungen der Ostdeutschen wurde negiert und oft weggemobbt. Das, was die ersten Montagsdemos wollten, gibt es nicht. Nicht für umsonst sind gerade die Bürgerrechtler der ersten Stunde nach dem Anschluss in der Versenkung verschwunden. Übrig geblieben sind Opportunisten, wie eine Merkel oder ein Gauck. 

Die Knute schwingen die Märkte. Und hinter den Märkten stehen einige, wenige, superreiche Familien, denen alles gehört. Die geben den Ton an und denen ist es Schnuppe, wie es den meisten Menschen geht. Sie können das Sagen haben, weil ihnen die gesamten Produktionsmittel gehören. Dass darf man nicht vergessen. Gesagt wird das einen aus gutem Grund nicht. Und sie enteignen uns, indem sie ihre Verluste durch unsere Steuern ausgleichen lassen. Sie entscheiden, wer arbeiten darf und wer nicht. Sie verkleistern dass natürlich, in dem sie davon sprechen, dass Bildung der Schlüssel zum Arbeitsmarkt wäre und unterschlagen das große Heer der arbeitslosen Akademiker mit guten Uni-Abschlüssen. So vereinzeln sie die Menschen und so reden sie ihnen persönliches Versagen ein, was auch gut funktioniert. Nur, der Geldgeber ist der Bestimmer. Das vergessen sehr viele oder wollen das nicht in ihr Denken einbeziehen.

Sicherlich, man kann sich über den Anschluss freuen, wenn man zur wirklich gehobenen Mittelschicht gehört. Die meisten gehören nicht dazu, denken es aber. Nicht alle, die arbeiten  sind automatisch Mittelschicht, so wie man das ihnen einredet. Sie können gut und gern auch arm sein. Und nicht alle, die arbeiten sind fleißig und die nicht arbeiten faul. Diese Unterscheidung ist äußerst unzulässig und vereinfachend. Arbeit = fleißig. Arbeitslos = faul. Etwas Dümmeres gibt es selten. Wenn man im Hamsterrad sitzt - Hauptsache Arbeit - meint man vielleicht etwas Besseres als der aussortierte Nachbar zu sein, aber man ist es nicht. Man hat eben heute nur Glück, gerade gefragt zu sein, was sich morgen ganz schnell ändern kann. Zu buckeln, seinen Rücken krumm zu machen, den Arbeitskollegen zu mobben, hilft dann auch nicht mehr. 

Wir sind nur die Verfügungsmasse reicher Familien.

Sicherlich können wir Ostdeutschen uns über schmuckere Städte freuen. Da ist viel gemacht worden. Und ebenso viele Ostdeutsche wurden aus den Innenstädten oder innenstadtnahen Bereichen verdrängt, weil sie die Miete der luxussanierten Wohnungen nicht zahlen können. Ich habe es kürzlich beim Verein der Bücherkinder erlebt. Die mussten Luxussanierungen weichen. Wer will auch Vereine, die sich um die künstlerische Bildung der Kinde kümmern in einem innenstadtnahen Bereich, der so viel lukrativer verschachert werden kann. Es ist der Bereich, der früher Buchdruckereien, die es auch nicht mehr gibt, beherbergte. Es waren große Verlagsdruckereien, die das ganze Druckerviertel ausmachten. Und sie bestimmten den Ruf der Buchstadt Leipzig. Es sind nur noch klägliche Reste übrig. Das ist die andere Seite der Verschönerungen, der Aufbauarbeit, aus der Gentrifizierung wurde, wo der "gemeine" Ostdeutsche nicht mehr viel zu suchen hat. 

Aber, wer will feiere. Irgendetwas wird ihm schon einfallen, warum.




   

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