Dienstag, 22. Oktober 2013

Was schert uns die Wirklichkeit

Die Gewerkschaft BCE hat bei ihrem großen Gewerkschaftskongress "weiter so" gesagt. 

Irgendwie scheint es an den Gewerkschaftern vorbei gegangen zu sein, dass sich die Verhältnisse seit 1990 geändert haben.

Irgendwie scheint es an den Gewerkschaftern vorbei gegangen zu sein, dass die Kampfkraft der Gewerkschaften durch H4 gekappt wurde. 

Sie wollen gar nicht mehr für eine Erstarkung der Gewerkschaft kämpfen. Man legt über die Mitglieder einen miefigen Vernebelungsteppich. Wieso sollten die Gewerkschaftsoberen außer ein "weiter so" etwas anderes haben wollen. Die sitzen in den Vorständen großer Unternehmen und sind nur daran interessiert, diesen absolut nicht zu schaden. Es wäre ja auch ihre Vorstandseinnahmequelle, die versiegen könnte. Und das will doch wohl niemand. Man könnte das Ganze auch Bestechung nennen. Nur will das niemand - auch die Gewerkschaftsmitglieder selbst nicht.

Die Gewerkschaft BCE schwebt noch in irgendeiner nicht vorhandener "Sozialpartnerschaft". Die wurde mit keinem Wort in Frage gestellt. 

Sozialpartnerschaft! Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man kreischend vor Lachend sich auf den Boden wälzen. Als ob eine Familie Quandt Sozialpartner wäre ... oder eine Familie Krupp oder Piech ... 

Sozialpartnerschaft heißt doch eigentlich: Man schuftet für andere, mehrt Eigentum, was einen nicht gehört, fühlt sich für das einem nichtgehörende Eigentum auch noch verantwortlich und zum Schluss bekommt man nur Almosen für seine ganzen Bemühungen hingeworfen. In der DDR hatte man eine Redewendung zum Teilen: Der eine sagt: Komm, wir teilen brüderlich. Der andere antwortet: Machen wir lieber Halbe-Halbe. Gemünzt war das auf die Brüderlichkeit mit der damaligen Sowjetunion. Nur scheint mir diese Redewendung zeitlos.

Den Familien Quandt, Piech, Krupp, Bosch usw. sind doch die Arbeit"nehmer" total egal. Hauptsache Kohle wird aus ihnen herausgeholt. Und wenn der deutsche Arbeiter nicht spurt, dann wird er eben samt Arbeitsplatz gegen einen aus einem anderen Land ausgetauscht. 

Was schert es z.B. einer Familie Bosch, ob jemand in Deutschland arm ist. Die Frage sollte sich mal jeder beantworten.

Sicherlich sind die heutigen Verhältnisse sehr schwierig, um gegen die Verarmung kämpfen zu können. Man tut es aber auch nicht wirklich. Da wird mal ein Unternehmen herausgepickt, wie man das mit amazon zelebriert und bestreikt, durch eine andere Gewerkschaft, die auch sozialpartnerschaftlich agieren will. Dieser Streik bringt in der Sache kaum etwas - sollte mich wundern - weil die gesellschaftlichen Verhältnisse amazon frei von jeder Schuld gestellt haben. Zur Weihnachtszeit werden sicherlich wieder viele Arbeitslose dorthin verpflichtet mit Strafe des Entzugs von Leistungen, falls sie es nicht wollen. 

Dagegen muss eine Gewerkschaft mal massiv vorgehen, sonst ist sie immer in der Hinterhand. Nur sich für Tarifverhandlungen zuständig zu fühlen, führt ins Abseits. Und die meisten Gewerkschaften sind heute schon im Abseits, zu schwach, um zu kämpfen. Schwach gemacht durch damals Rot-Grün mit der Agenda 2010 und schwach gemacht, durch die Korruption ihrer Führer und schwach gemacht, weil sie selbst nicht stark sein wollen, sondern nur "sozial"partnerschaftlich den Unternehmern, wie z.B. einer Familie Piech, unter die Arme zu greifen.

Kann man so blöd sein und diesen sozialpartnerschaftlichen Unsinn fest zu schreiben? Das war nur eine rethorische Frage, denn man ist von Seiten der Führung der Gewerkschaften nicht so blöd. Vielleicht ein bisschen schon, aber die Bestechung der sogenannten "Arbeiter"führung hat in der Geschichte der Arbeitswelt schon immer den Unternehmen geholfen. Ein paar Cent investieren und man hat Ruhe. Denn für die Unternehmer sind es nur ein paar Cent, die sie in die Rachen der Gewerkschaftsführer werfen. Zurück bekommen sie kein Aufbegehren gegen Hungerlöhne. Sie erhalten dafür die Zugeständnisse, dass Mitarbeiter auf Lohnbestandteile verzichten. Was sind da schon die paar Cent Bestechungsgelder dagegen? Diese Nichtlohnbestandteile in Tarifverträgen wurden in der Regel von den Unternehmern immer als Makulatur aufgefasst. Opel ist ein gutes Beispiel dafür.

Hat man nicht endlich mal aus den jetzt herrschenden Verhältnissen gelernt? Meine Frage wäre auch, ob es eine Sozialpartnerschaft in der alten Bundesrepublik denn wirklich gegeben haben soll. Meines Erachtens kann das ebenso nur eine Farce zur Verkleisterung der wirklichen Machtverhältnisse - damals, wie auch heute - gewesen sein.

Nun will DIE LINKE, wie sie schon mehrmals angekündigt hat, die Gewerkschaften stärker auf ihre Seite ziehen. Ich glaube, dass sie sich da etwas vormacht. Sozialpartnerschaft und LINKE-Programm stehen sich konträr gegenüber. Es sei denn, DIE LINKE will ihre Klientel auch verraten, wie es die SPD am laufenden Bande macht. Genug Personal für diesen Weg hat DIE LINKE ja schon.

Kommentare:

  1. Vielleicht sollte man den Gewerkschaften mal erklären, wer in dieser Welt das Geld macht.
    http://der-klare-blick.com/2013/10/das-falschgeldsystem-sehr-anschaulich-erklart/
    oder direkt
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=iFDe5kUUyT0

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  2. @p.b.: Danke. Ich denke, dass die Gewerkschaften das nicht wissen wollen. Man hat sie gekauft. Gib Menschen etwas mehr Geld als dem Durchschnitt und er singt dein Lied.

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  3. Was hat pedros link mit dem obenstehenden text zu tun?

    NICHTS.

    Im text ging es um unfähige gewerkschaften, die per sozialpartnerschaft mit den industrielle gemeinsame sache machen.

    In den links faule zinskritik, Gottfried Feder läßt grüßen, werbetext für eselmetalle und ein dümmlicher zeichentrickfilm mit kitschiger musik, der das geldsystem keinesfalls erklärt.

    Wenn ich mal mehr zeit habe, schreibe ich etwas genaueres dazu, sofern das gewünscht wird.

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  4. @Mechthild Mühlstein: Ich muss selbstkritisch zugeben, dass ich die Links nicht angeklickt habe. Ich schaue eigentlich so gut wie nie Videos.

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  5. Noch ein Zusatz: Sicherlich Mechthild kannst du etwas Längeres schreiben. Wenn es etwas Langes ist, stelle ich es direkt in einen neuen Post unter deinen Namen. Da wird es dann wenigstens von vielen gelesen.

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  6. Ich hab einen text zum thema geschrieben, sofern Du den lang genug und vor allem plausibel findest, kannst Du den hier sehr gern als gastartikel posten. Mir ist dies thema sehr wichtig, weshalb ich es von der sache her betrachtet habe und die ideologie, die damit in verbindung steht, außen vor gelassen habe. Mir geht es nicht drum, leute, die sowas womöglich unbedarft weiterverbreiten, als anhänger übelster ideologien zu bezichtigen, sondern um die klärung eines sachverhaltes.

    http://1-euro-blog.blogspot.de/2013/11/kritik-der-zinskritik.html

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  7. Hallo Mechthild, schon geschehen - ist Gastartikel.

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