Mittwoch, 8. Januar 2014

Amazon und kein Ende

Zur allgemeinen Verständigung: Amazon ist ein Ausbeuterunternehmen!

Mir geht es aber um etwas völlig anderes. Seit Monaten wird Amazon als der Bösewicht als solcher herausgestellt. Ein Exempel soll statuiert werden. Die Presse ist fleißig mit am Werk, egal ob Mainstream oder Gegen den Strich gebürstete. Amazon ist böse. Es beutet seine Arbeitnehmer aus, spioniert und zahlt Minilöhne.

Das ist alles nicht falsch, aber es ist auch nicht ganz richtig.

Ich frage mich, wieso steht nur Amazon unter Beschuss? Könnte es nicht sein, dass der deutsche Einzelhandel und Onlinehandel Amazon Kunden abjagen will?

Es wird immer wieder erzählt, dass Amazon den Einzelhandel- und Onlinetarif zahlen müsste.

Wir sollten uns fragen, wo wird bei Amazon wirklich gehandelt. Handeln heißt Kundenkontakt! Da wird es schon schwierig. Amazon ist ein riesiges Lager, wo Lagerarbeiter Bestellungen zusammenstellen, die über eine Verkaufssoftware eingegangen sind. Die Arbeit ist schwer. Den ganzen Tag herumlaufen, Waren einsammeln und zur Verpackung vorbereiten - das ist Knochenarbeit.

Es ist ein Konfektionieren, wie ich es aus einem Unternehmer der Unilever-Gruppe kenne, als ich dort als Leiharbeiterin vor Jahren war. Das Logistik-Unternehmen hat das gleiche gemacht, wie Amazon. Dort speiste die Bestellungen das Unternehmen in eine Software ein. Das Logistikunternehmen hatte Zugriff darauf und dort wurden die Waren dann gepickt. Gehandelt wurde im Unternehmen der Unilver-Gruppe.

Schauen wir andere Versandhäuser an, bei denen man auch Online einkaufen kann, wie z.B. Weltbild. Dort gibt es Kundenberatung am Telefon. Ruft man dort an, nimmt eine freundliche Mitarbeiterin die Bestellung auf und klärt auch eventuell auftretende Fragen. Es ist möglich, mit dem Kundendienst per Telefon zu sprechen und Fragen abzuklären. Das habe ich schon des Öfteren getan. Man kann natürlich auch auf diese freundliche Service-Mitarbeiterin verzichten und online einen Bestellschein ausfüllen und ihn abschicken. Falls was nicht so funktioniert, wie man möchte, dann ruft man an und eventuelle Fragen können geklärt werden. Es gibt auch einen Katalog, der einen zugeschickt wird und in dem man blättern kann. Das ist Onlinehandel. Letztendlich gibt es auch dort Lagerarbeiter, die die Bestellungen konfektionieren und keiner weiß, wieviel die verdienen.

All das sucht man bei Amazon vergebens. Man "parliert" mit einer Software, die einen automatisierte Mails schickt. Nicht mehr und nicht weniger. Man klickt einige Buttons an, wenn man das Teil, wenn es nicht funktioniert oder es nicht gefällt, zurückschicken will. Das alles ist automatisiert. Erklärt bekommt man nichts. Erklärt in dem Sinne, dass eine freundliche Mitarbeiterin mit einem spricht. Bei Amazon wird mehrheitlich nur gepickt.

Ob Amazon-Mitarbeiter nun freiwillig oder mehr unfreiwillig gegen Ver.di protestiert haben, sei dahin gestellt. Dieser Protest soll vom Betriebsrat ausgegangen sein. Hat mich verwundert, da noch nie darüber geschriebe wurde (oder ich habe es überlesen), dass es dort einen Betriebsrat gibt. Es sei wie es sei. Wie freiwillig der Betriebsrat und wie unabhängig überhaupt Betriebsräte unter den heutigen Bedingungen in Unternehmen sind, das ist eine andere Frage. 

Bei der ganzen Diskussion fragt niemand mehr, wie der Tarifvertrag des Einzelhandels überhaupt aussieht. Dort ist seit 2013 eine Niedriglohngruppe eingeführt worden, die ausschließlich Waren in die Regale räumt und nicht mit Handel in Berührung kommt. Die sollen nur 8,50 EUR/Stunde erhalten. Für viele Mitarbeiter des Einzelhandels ist das schon ein Fortschritt. Für Amazon-Mitarbeiter wäre das ein Rückschritt. Denn in genau diese Tarifgruppe müssten/könnten sie dann eingeordnet werden, zumindest neue Mitarbeiter.

Des Weiteren war ein großer Aufreger, dass die Arbeitsverträge der befristeten Mitarbeiter einfach auslaufen. Das ist nun mal so. Und wenn die Mitarbeiter sofort gehen müssen, dann ist das auch nichts Besonderes. Als ich in einem großen, angesehenen, deutschen Unternehmen gearbeitet habe, wurden die Mitarbeiter, die gekündigt hatten, denen man gekündigt hat, die im gegenseitigen Einvernehmen gegangen worden sind und u.U. diejenigen deren befristeten Verträge ausliefen oft sofort freigestellt. Sie mussten meist ihren Arbeitsplatz noch im Laufe des Tages verlassen. Manches Mal merkten sie das erst früh am Mitarbeitereingang, wenn die Einlasskarte gesperrt worden war, ohne dass sie es wussten. Amazon ist da in trauter Gesellschaft mit sehr vielen Unternehmen in Deutschland.

Des Weiteren greift der Negativhype um Amazon in die falsche Richtung. Ein Unternehmen wird heruntergeputzt und alle anderen Unternehmen, deren Arbeits- und Tarifbedingungen gleich oder ähnlich sind, reiben sich die Hände und können sich beruhigt zurücklehen. Sie trifft es ja nicht. 

Wer kümmert sich eigentlich um die ausgegliederten DHL-Fahrer, die unter unsäglichen Bedingungen Pakete ausliefern? Die DHL-Postler sind Mitarbeiter 1. Klasse, die anderen sind DHL-Servicemitarbeiter 2. Klasse. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Aller fünf Jahre soll bei H&M das Personal vollkommen ausgetauscht sein. Das heißt, dass die Mitarbeiter es maximal fünf Jahre dort aushalten. Wer interessiert sich dafür und hängt deren Arbeitsbedingungen wöchentlich an die große Glocke?

Dass die Mitarbeiter bei Amazon ausgespäht werden, ist nicht nur dort so. Es ist gesetzlich erlaubt, die Mitarbeiter zu überwachen, wenn sie es wissen. Andere Unternehmen machen es ebenso. 

Wieso machen wir uns nicht stark und berichten mindestens einmal wöchentlich darüber, dass es ein Unding ist, dass man Mitarbeiter ausspioniert egal aus welchem Grund. DAS wäre in meinen Augen eine lohnende Kampagne, auch von Seiten der Gewerkschaften. 

Dass Amazon kaum Steuern in Deutschland zahlt? Warum ist es so? Fragen wir doch den Gesetzgeber, warum dies möglich ist, dass die Unternehmenssteuern gesenkt worden sind und warum Amazon hier kaum etwas versteuern muss. Die Gesetze wurden von unserer Regierung genau so gemacht und vom Parlament durchgewunken. Vergessen wir das nicht.

Weiterhin vergessen wir nicht, dass mit Installierung der Harzt-IV-Gesetzgebung Menschen durch die Jobcenter gezwungen werden können, in Unternehmen zu arbeiten, die ihre Mitarbeiter ausspähen, die Niedrigstlöhne zahlen und Menschen wie Kostenfaktoren behandeln. Arbeitslose sind in diesem Land ihrer Würde beraubt worden. Sie werden in solche prekäre Jobs gepresst unter Androhung von Strafen, die das Existenzminimum - entgegen des deutschen Grundgesetzes - bedrohen.

Genau an dieser Stelle muss der Kampf angesetzt werden. Dort ist der Ausgangspunkt für Niedriglöhne und unwürdige Arbeitsbedingungen. Die damalige rot-grüne Regierung und in Weiterführung die schwarz-gelbe haben es gewollt, dass Menschen unmündig gemacht werden und erlauben es Unternehmen Menschen wie Zitronen auszuquetschen und wieder wegzuwerfen. Die Unternehmen haben die ihnen eröffneten Möglichkeiten nur wahrgenommen. Für Menschennachschub für ihre unmenschlichen Arbeitspraktiken sorgt der Staat.  Und genau das ist so gewollt. 

Es hat noch nie jemanden genützt Exempel an irgendjemanden zu statuieren. Den Menschen in Arbeit helfen solche Exempel meist nicht. 

An der Wurzel muss das Übel gepackt werden!




 


1 Kommentar:

  1. irgendwie muß ja verdi ab und an eine art existenzberechtigungs- beweis ablegen. und da verdi, wie alle anderen dgb vereine auch, ja fleissig an der rot-grünen arbeitnehmer-ausplünderungs orgie mitgewirkt hat, wird eben ab und an ein scheingefecht für die letzten beitragszahler veranstaltet.

    AntwortenLöschen

Ich freue mich, dass du kommentierst. Nur beachte bitte:

Kommentare, die rassistisch sind, Hetze gegen bestimmte Personengruppen verbreiten und im Gossenjargon angefertigt werden, sind Spam und werden von mir nicht veröffentlicht. Außerdem mache ich bei unsachlichen und nicht zur Sache gehörenden Kommentaren sowie doofem Gelabere von Trollen von meinem Hausrecht gebrauch.