Mittwoch, 5. Februar 2014

Die Anstalt - gestern neu

Nun heißt es nicht mehr "Neues aus der Anstalt", sondern nur "Die Anstalt". Welche, frage ich da mal ganz einfach. Ich habe es nicht kapiert, bin vielleicht zu ungebildet dazu.

Ich mag Max Uthoff. Er ist ein ernster Kabarettist mit feinem Humor und prägnanten Themen, die er abarbeitet. Claus von Wagner kannte ich überhaupt nicht und hatte mich vorher über Youtube über ihn informiert. Mir gefiel, was ich dort sah.

Zwei gute Kabarettisten ergeben aber noch lange keine gute Sendung, die unter einem Thema "Die Anstalt" steht, welche dabei immer auch gemeint sein möge.

Kurz gesagt. Es war das erste und letzte Mal, dass ich mir das angesehen habe. 

Ich empfand, dass über alles und nichts gesprochen wurde. Ohne Pause ohne Nachdenken wurde man mit irgendwelchen Themen überschüttet. Die angesprochenen Themen waren gut, die Pointen überzeugend, gingen aber im Gewirr der Vielzahl, der burlesken Art und der sprachlichen Verschliffenheit total unter. Alles wurde schnell abgehandelt, so dass bei mir eigentlich nichts wirklich hängengeblieben ist. Rasanz ... Rasanz ... Rasanz ... Und weiter?

Was bleibt hängen? Das jemand in Fäkalsprache irgend etwas sagte, was nicht dumm war und der weiteren Erörterung bedurfte und dann in einer Sprache, die auch jeder verstehen kann.  Was macht Geld ohne Menschen? Wirklich eine sehr interessante Frage, die Matthias Egersdörfer da aufwarf, aber nicht bewältigte.

Wen oder was verkörpert ein Max Uthoff? Welche Stellung hat ein Claus von Wagner? Wer oder was ist die Anstalt? Das ZDF? Oder wie oder was? Und was soll dieser unsägliche Praktikant? Ich war kein Fan von Malsheimer, wünschte mir ihn aber augenblicklich zurück.

Was wollte uns die Sendung sagen? Unter welchem Thema stand sie? Gut, das Letztere konnte ich mir beantworten. Sie stand unter dem Thema Beliebigkeit. Von allem etwas. 

Eine Sendung lebt von einem roten Faden und nicht von einer Aneinanderreihung von Pointen, die über einen ausgeschüttet werden. So etwas gehört in ein Personal-Programm eines Kabarettisten. Eine Anstalt muss aber von irgend etwas zusammengehalten werden, was auch immer die Anstalt sein sollte.

Ich kann den Lobreden über diese neue Anstalt nicht folgen. Sie war für mich konzeptionslos und driftet immer mehr - trotz der ernsten Themen - ins comedyhafte ab. Ich denke, dass das Konzept tot ist. 

Dass die Zuschauer sich wie Bolle amüsiert haben, sagt absolut nichts über die Sendung aus. Ein Mario Barth füllt Stadien mit lauthals lachenden Zuschauern, die sich über nichts amüsieren. Manches Mal fragte ich mich gestern wirklich wo beim Wort "Scheiße" der Aufhänger für eine Lachsalve war. Tut mir leid.

***

PS: Übrigens bin ich kein verstockter Dummling, der die Pointen nicht versteht, verstehen will. Der auch Feinheiten nicht versteht oder irgendein Humormuffel ist. Ich bin auch nicht völlig altmodisch, wenn mir das Format so wie es ist, nicht gefällt. Ich bin auch nicht trashig, wenn ich einen roten Faden in einer Sendung verlange. So wurde es z.B. nicht nur in einem Artikel eigentlich von mir sehr geschätzter Medien dargestellt, wenn man kritisch zu dieser Sendung steht. Ich finde das sehr abgehoben, Kritiker so in die Ecke zu stellen.


Kommentare:

  1. Hm. Ich kann Deine Argumentation verstehen, habe mich gestern abend aber trotzdem weggeschmissen vor Lachen.

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  2. ..habe mal reingehört - die Pointen waren doch gut!
    Zwischen den Sätzen konnte man so einiges denken.
    Barnimer

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  3. @barnimer: Pointen reichen nicht und schon gar nicht, wenn man sie sprachlich versimmst oder man so schnell zur nächsten geht, dass man zwar grient, aber nicht mehr nachdenken kann. Die Sendung sollte einen Rahmen haben. Es heißt ja eigentlich "Die Anstalt". Irgendwo sollte ein roter Faden zu finden sein, sonst wären Uthoff und von Wagner in einer Personality besser aufgehoben. Aber es war ja keine Personality. Das größte Manko war, dass man nicht wusste, was denn nun für eine Anstalt, warum der Titel. Ich verlange schon etwas mehr, als nur Pointen. Es sollte schon eine schöne runde Sache werden und keine Ansammlung von Lachern.

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  4. Die Kritik ist natürlich vollkommen berechtigt und in der Anfangsphase dachte ich: Was wird das jetzt? Nuhr2?
    Doch schnell wurde erkennbar, dass hier absichtlich nicht auf das alte Ikonenpotenzial gesetzt wurde, nicht einfach eine neue Leitung das alte Fahrgeschäft übernehmen soll und will.
    Was aus der Anstalt wird, wird sich mit den kommenden Sendungen herauskristallisieren. Meine Ansprüche waren ((zu)) hoch und wurden dennoch anders erfüllt. Zugegeben der Starterbonus für das neue Team spielte mit.
    Fazit: Interessant, ausbauwürdig und wohlwollender Kontrast zum S...regipfel. Lassen sie uns beide die Fortsetzung begutachten.
    MIFF

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  5. @anonym: Sicherlich sollte man das alte Konzept nicht fortführen, nur - das war überhaupt keines. Die Beiden passen nicht auf das Anstaltskonzept. Wobei es überhaupt kein Anstaltskonzept war. Es war überhaupt nichts. Ich frage immer: Welche Anstalt denn? Es war passend für diese Zeit der x-Beliebigkeiten. Ich habe manche Pointe sprachlich nicht mitbekommen, weil ich entweder den Dialekt nicht verstand oder es rutsch-di-rutsch drüber wegging. Dann, das habe ich hinterher erst gelesen, habe ich eine sogenannte satirische Anspielung nicht bemerkt, weil ich z.B. Markus Lanz noch nie gesehen habe und nie sehen werde. Das verpuffte bei mir völlig und ich fand es nur albern. Schon die letzten Priol-Sendungen glitten immer mehr ins comedyhafte ab. Das scheint der Geschmack der Zeit zu sein, meiner aber nicht. Ich habe absolut nichts rübergerettet, könnte nicht mal jemanden sagen, was eigentlich dort an Spitzen rübergekommen sind. Alles - im Gegensatz zu den Sendungen mit den beiden vorigen Teams - ist bei mir im Nirwana verschwunden. Das hat aber ein Uthoff einfach nicht verdient. Ich habe auch nirgendwo das angeblich höhere Niveau hören können und gehöre also zu denen, die so etwas nicht verstehen, also zu doof dazu sind, wie in einem von mir sehr geschätzten Blog gesagt wurde. Übrigens, ist das eingetroffen bei dieser Sendung, was ich erwartet hatte. Ich denke auch - da man sich weniger mit Merkel auseinandersetzen will, wie ich gelesen habe, dass die über 5 Ecken daran gedreht hat, weil sie sich beleidigt gefühlt hat. Ich glaube auch, dass die Vorgänger, wie schon Schramm (bei dem weiß ich es definitiv) nicht von allein gegangen sind. Wer weiß schon, was hinter den Kulissen dort läuft.

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  6. @Endpunkt: Viele Zuschauer auch. Sorry, aber ich wusste nicht, worüber die Zuschauer oft gelacht haben. Mir war das alles viel zu albern, trifft aber den Zeitgeschmack. Leider bin ich aus der Zeit gefallen ;)

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