Montag, 24. März 2014

Die Welt zerfällt

Die Welt, wie wir sie heute kennen, zerfällt. 

Als ehemalige DDR-Bürgerin habe ich das schon einmal erleben müssen. Biographien und Lebensleistungen wurden abgewertet und zerschreddert. Werte, wie gegenseitige Solidarität und Gemeinschaft wurden durch Ellenbogen und Egoismus ersetzt. Als Trostpflaster ergoss sich eine vorher nie gekannte Konsumgüterflut und die Reisefreiheit über uns, sicherlich nur für diejenigen, die sie sich leisten konnten und immer noch können. Demokratie war nicht im Trostpflasterpaket enthalten, falls man nicht nur das Kreuzchenmachen als Demokratie versteht. 

Fatalerweise meinte nun Deutschland auf einmal, wieder Großmacht sein zu müssen. Es dauerte keine 10 Jahre nach dem Anschluss der neuen Bundesländer an die alten, als Deutschland wieder bomben wollte und durfte - völkerrechtswidrig, im ehemaligen Jugoslawien. Schon damals haben wir beim Anerkenntnis eines unabhängigen Kosovos Kriminelle und Faschisten gleich mit anerkannt. Deutschland hat also Übung im Umgang mit faschistischen Teilen von Regierungen. Es hat seine alten Kämpenerfahrungen aus dem sogenannten 3. Reich hervorgeholt und wieder aufpoliert.

Nun im Jahre 2014 muss ich erleben, dass wir wieder ein neues Feindbild grauselig erfunden haben. Neben dem Muslim an sich - verkörpert durch wild um sich schauende bärtige Männer mit dunklen Augen oder total verhüllten Frauen in schwarz - ist es der Russ! Der Westen hat Angst, dass Russland gegen den Westen marschieren könnte ... Dieser Satz, so alt und abgegriffen er ist, könnte sogar belustigen, wenn er nicht in sich so kriegslastig wäre. Da fällt einen doch gleich wieder der Uraltspruch "Jeder Schuss ein Russ" ein. Und genau das soll dieser Satz mit der angeblichen Angst vor den Einmarsch der Russen in den Westen uns sagen. Wir, der Westen, wir armen freiheitlichen Menschen sollen durch den Russ massakriert werden. Oder wie?

Die Medien in schöner DDR-Manier bilden die Propagandavorhut, die uns stündlich einhämmern soll, wie gefährlich der Russ ist und wie verrückt Putin sein soll. Ich hätte niemals zuvor gedacht, dass die DDR-Medien nach so langer Zeit inhaltlich wieder auferstehen würden. Man lernt nie aus.

Der verrückte Putin! Der verrückte Assad. Der verrückte Gaddafi. Der verrückte Sadam. Der Verrückte in Teheran. Alle, die nicht so sind, wie unsere Handpuppe Merkel und Co., sind verrückt, einfach nur Irre.

Es gibt keinen vernünftigen Weg außerhalb der Fuchtel des Westens, will man uns einreden. Keiner hat Recht, nur wir - der Westen.

Ich habe Klugscheißer noch nie gemocht. Klugscheißer sind engstirnige Zeitgenossen, die nie nach rechts oder links schauen. Nein, das ist nicht ganz richtig. Der Westen ist kein Klugscheißer, sondern ein Fundamentalist. Das trifft es besser. Fundamentalisten wollen alle Welt mit ihrem Weltbild beglücken ohne Rücksicht auf Verluste. 

Ohne Rücksicht auf Verluste. Gerade das erleben wir jetzt. Der Westen baut eine neue Konfrontationslinie gegen Russland auf.  Ist es die Rache wegen Syrien? Kleine Kinder und Fundamentalisten können auch nicht verlieren und müssen immer noch eins drauf setzen, auch wenn sie im Endeffekt nicht gewinnen können.

Wieso setzt der Westen auf die Karte von ukrainischen Nationalisten, Faschisten und Oligarchen? Ob er den Gewinn je einfahren kann, ist noch gar nicht raus. Im Irak, in Lybien hat das mit dem Gewinn - wenn man von Waffen absieht - auch nicht so geklappt. Wieso soll es gerade in Kiew klappen? Sicherlich ist es für den Westen ein netter Gedanke, seine Raketen an der Grenze zu Russland aufstellen zu können, entgegen völkerrechtlichen Verträgen, die man mit Russland abgeschlossen hat. Wir haben es nicht so mit der Einhaltung von Verträgen. Die sind lästig und stehen unserem Fundamentalismus nur im Wege. Wir pochen nur auf Verträge, wenn sie uns genehm sind. Und Minderheitenrechte werfen wir gar geschwind über den Haufen, wenn wir es für opportun halten.

Die wollen es doch so. Sie rufen uns um Hilfe an. Das sind solche altbekannten Formeln, die alles rechtfertigen sollen, was der Westen an Schweinereien in der Welt begeht. 

Mit einer nicht gewählten Regierung, die durch einen Putsch an die Macht gekommen ist und in Schlüsselpositionen mit Faschisten besetzt ist, assoziieren wir uns. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen und ganz langsam immer wieder vor sich hin sprechen, um den Wertebruch ganz zu erfassen.

Dazu kommen noch kriegerische Töne, die ganz leicht zu einem wirklichen, heißen Krieg führen könnten. 

Welche Werte will der Westen nun noch verteidigen wollen? Was soll die westliche Wertegemeinschaft, die wir immer wieder beschwören, noch wert sein? Was transportieren wir mit dem Assoziierungsabkommen mit der Ukraine für Werte in die Welt? Das Putschisten und Faschisten dieser Welt mit dem Wohlwollen des Westens rechnen können? Ist es dieser Wert, der als alleiniger Wert zurückbleibt?

Man schreie nicht wegen völkerrechtswidrigem Anschluss der Krim an Russland. Der Ukraine gehört die Krim eigentlich nicht. Sie wurde den Osmanen vor langer Zeit von den Russen weggenommen und war nur ein Geburtstagsgeschenk an die Ukraine. Wenn sich Partner nicht mehr verstehen, wenn sie zu Bürger 2. Klasse degradiert werden, wie man das mit den Russen gemacht hat, kann man Geschenke wieder zurückfordern. Unser Recht sieht das bei Verlobungsauflösungen und Scheidungen auch vor. Die Geschäftsgrundlage gab es nicht mehr, unter der das Geschenk gemacht wurde.

Übrigens ist es für mich sehr unverständlich, dass gerade die Polen so an den ukrainischen Putschisten hängen und nicht Front gegen sie machen. Sie scheinen Geschichtsvergessen zu sein. Die Faschisten in der Putschregierung vergöttern gerade diejenigen, die für das Massaker an tausenden Polen verantwortlich waren und nicht nur an einfachen Polen, sondern auch an vermögenden. Seit wann ist es den Polen egal, wer Massaker an ihnen verübt hat? Was haben sie für Zugeständnisse erhalten, um über die Tausenden von Massakrierten hinwegzusehen?

Unsere Welt, wie wir sie gekannt haben, zerfällt. Europa mit Deutschland, dasss dicke Ärm macht, an der Spitze gibt sich immer aggressiver. Man muss sich einmal ins Gedächtnis rufen, dass Europa eigentlich Friedensnobelpreisträgerin ist. Die USA sind in ihrem Wesen aggressiv, auch und vor allem mit ihren Friedensnobelpreisträger Obama an der Spitze.

Friedensnobelpreisträger schlagen die Kriegstrommel. 

Der Nahe Osten ist zerfallen. Die Völker wurden den Fundamentalisten und Terroristen zum Fraß vorgeworfen. Diejenigen, die zwar keine Guten waren (wer ist das schon auf der Welt), die aber wenigstens ihre Staaten mit den unterschiedlichsten Glaubensrichtungen, Ethnien und Stämmen zusammengehalten haben im Guten wie im Bösen, wurden eliminiert.

Der Westen steht an Russlands Grenze und gebärdet sich aggressiv.

Im Innern der westlichen Staaten sind vielfach Bewegungen entstanden und finden sich immer mehr zu Demonstrationen zusammen, um gegen die massenhafte Verarmung der Menschen gegen ihre Regierung zu kämpfen. 

Im Innern der westlichen Staaten wird eine freie Meinungsäußerung zusammengeknüppelt. Wir haben es gerade wieder in Spanien gesehen. 

Der Westen kippt. Seine wirtschaftlichen Probleme bekommt er nicht wirklich in Griff. Der Westen hat vergessen, dass nur der sich entwickeln kann, der wirkliche Dinge produziert und nicht nur Geld vermehrt auf Kosten der normalen Menschen. Der Westen stürzt sozial ab. Es gibt wieder Hunger in den Industrieländern. Das Gesundheitswesen kollabiert mit Dominoeffekt. Die Säuglingssterblichkeit explodiert und die Lebenserwartung sinkt bei den verarmten Menschen. Die Demokratie ist nicht mehr das wert, was sie verspricht. Das Grundgesetz ist Makulatur. Auch hier feiert die DDR fröhliche Urständ mit den vereinigten Blockparteien von CDU, CSU, Grüne, SPD und eigentlich gehört auch die FDP noch dazu. Es scheint sie ja noch zu geben. Teile der Linkspartei flanschen sich ebenso an den Block an. Der rechte Rand hat sich massiv bis zur Mitte vorgearbeitet. Die Menschen lassen sich durch die Medien verblöden und plappern einfach nach, ohne sich zu fragen: Wem nützt es?

Und hier setzt eine aggressive Außenpolitik an. Ich habe festgestellt, dass man Außenpolitik macht, wenn im Innern nichts mehr geht oder gehen soll, wenn im Inneren die Politik bankrott ist. Dann zeigt man dicke Ärm gegen alles, was nicht so ist, wie man selbst, plustert sich vom Spatz zum Geier auf. Entwirft neue Feindbilder und macht sich Kriegsfein. Hauptsache der neue Feind sieht bedrohlich genug aus. Dafür haben wir die Medien als Propagandahuren und den BILD-Leser, der letztendlich auch glaubt, dass der Russ morgen vor seiner eigenen Eigenheimklitsche steht und ihn dort hinauswerfen will.

Die Welt, wie wir sie kennen, zerfällt.  Kalt oder heiß ist nur noch die Frage und die ist noch nicht endgültig beantwortet worden.





 

Kommentare:

  1. Dieser Berichtist,das wird zwar vielen Gurmenschen nicht gefallen,leider die volle Wahrheit.

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  2. Ich hoffe es denken viel mehr Menschen so wie du, als ich zu glauben wage. Sonst sind wir verloren.

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