Donnerstag, 1. Mai 2014

1. Mai - Tage der Arbeit?

Rote Fahnen? Man sieht sie heutzutage nicht mehr. Ich meine jetzt nicht die roten Fahnen mit irgend etwas drinnen, sondern einfach nur rot.

Die rote Fahne ist die Fahne der Arbeiterklasse. Okay, in der heutigen Zeit hat sich diese Klasse im Zeichen des technischen Fortschrittes geändert. Ich würde deshalb alle dazu zählen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen.

Die rote Fahne entstand aus den Kämpfen der Arbeiterklasse für mehr Geld, für ein Mitspracherecht, für kürzere Arbeitszeiten, für mehr Sicherheiten am Arbeitsplatz und für das Blut, dass viele Gewerkschafter dafür gegeben haben. Deshalb ist sie rot. Wir sollten diese Toten nicht vergessen. Sie haben gekämpft für die Dinge, die wir heute Stück für Stück als Arbeitnehmer, als Gewerkschafter als SPD und (wo sie mit an der Macht ist) als die LINKE wieder preisgeben.

Eine kleine Anekdote dazu: Ende der Zwanziger Jahre, als auch durch die SPD der Arbeiterkampftag in die Säle verdrängt werden sollte, haben sich Arbeiterfrauen dagegen aufgelehnt. Sie zogen ihre Bettbezüge von den Betten ab und legten die roten Inletts in die Fenster um sie "zu lüften".

Mal war der Tag Feiertag, mal nicht. Im sogenannten 3. Reich wurde der Kampftag der Arbeiterklasse wieder Feiertag und er wurde in "Tag der nationalen Arbeit" umbenannt. Und unter diesem Titel - ohne national - gibt es ihn immer noch. Nur viele erinnern sich nicht daran, dass es ein brauner Name ist, der das  Ethos des deutschen Arbeiters feiern sollte.

"Tag der Arbeit" - dieser Name steht in der Reihe solcher Tage, wie Tag des Bleistiftes, Tag der Büroklammer, Tag des Kusses, Tag des was-weiß-ich-sonst-noch.

Wir haben vergessen, verdrängt oder wollen uns nicht mehr daran erinnern, was der 1. Mai eigentlich war und ist. Gewerkschaftsobere halten an diesem Tag Reden voller Pathos über gerechte Entlohnung am Arbeitsplatz und Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Am Tag danach üben sie sich wieder im Co-Management oder finden den sogenannten flächendeckenden Mindestlohn in ein paar Jahren, der nicht flächendeckend ist und viel zu niedrig, als eine tolle Errungenschaft ohne dafür zu kämpfen, dass er für alle gelten muss.  Soll das erst wieder das Verfassungsgericht klar stellen. Die Gewerkschaften schämen sich übrigens für ihre Niedriglohnklientel und für die Arbeitslosen, wie ich kürzlich las. Sie wollen nicht nur durch sie erkannt werden, sondern für ihre "tolle" Arbeit mit denen, die noch eine Arbeit haben, die sie auch ernährt.

Was soll man außerdem von einer Partei "Die Linke" halten, deren Parteivorsitzende fordert, dass der zum "Tag der Arbeit" mutierte Kampftag, umbenannt werden sollte. Um Himmelswillen (der kann zwar nichts dafür) nicht in Kampftag der Arbeiterklasse, sage ich dazu. Frau Kipping meinte, dass die Menschen sich nicht mehr allein durch ihre Arbeit definieren würden. Die Menschen würden lieber für vergnüglichere Dinge demonstrieren. Okay, wir eventen lieber, machen einen Flashmob, der zwar vernüglich ist, aber niemanden stört. Störe meine Kreise nicht.*

Und Frau Kipping hat auch noch einen Namensvorschlag: Tag der Gerechtigkeit. An dieser Stelle merkt man, wie unser Bildungs- und Meinungsmachesystem funktioniert. Mich schmerzt es und ich hake diese Partei unter "schön-wäre-es-gewesen-eine-linke-Partei-zu haben" ab. Frau Kipping hat sich dazu in der WELT geäußert. Und ihre Äußerungen verraten, dass sie sich noch nie mit dem geschichtlichen Inhalt des Kampftages der Arbeiterklasse auseinander gesetzt hat.Wofür haben Ihre Vorgänger gekämpft wenn nicht auch für Gerechtigkeit? Und welcher Arbeit"nehmer" definiert sich nicht auch über die Arbeit? Sie gewährt ihm seinen Lebensunterhalt und ohne Arbeit wird man Bürger 2. Klasse, für den das GG kaum noch gilt. Ohne durch seine eigene Hände Arbeit ist Freiheit eine Worthülse, ist die Freiheit ein Gauck. 

In der Vergangenheit habe sich bei großen Demonstrationen zum ersten Mai gezeigt, dass die Menschen zunehmend für eine gerechte Verteilung von Lohn und Arbeit und für Freizeit sowie soziale Sicherheit auf die Straßen gingen: "Das ist sexy, und da kann man auch mit den Kindern hingehen, ohne dass die sich beim Latschen langweilen.", lt. Frau Kipping und Welt.
Was nun ist anders geworden? Von Anbeginn der Geschichte des "Kampftages der Arbeiterklasse" wurde auch für Gerechtigkeit gekämpft. 

Der Tag soll SEXY werden! Es fehlen dabei nur noch die Femen als zeitgemäßes Beiwerk.

Frau Kipping eine Frage: Wie definiert sich Gerechtigkeit? Welche Gerechtigkeit? Gerechtigkeit für wen und was fällt alles unter Gerechtigkeit? Haben wir alle das gleiche Gefühl von Gerechtigkeit? Langzeitarbeitslose bewerten Gerechtigkeit sicherlich ganz anders, als diejenigen, die Hauptsache Arbeit um 5:00 Uhr aufstehen und trotzdem nicht über die Runden mit was weiß ich wievielen Jobs kommen bis zu denjenigen, die mit mehreren Millionen Euros im Jahr von unserer Hände Arbeit leben? Fühlte sich nicht auch ein Herr Höneß auf der gerechten Seite, als er meinte, sein Geld nicht versteuern zu müssen? Es für sich selbst zu nehmen? Sich nicht für Deutschland verantwortlich zu fühlen? Herr Höneß ist dabei nur die Spitze des Eisberges.

Und warum finden viele Kinder es zu langweilig auf einer Demo? Sie sind verbildet worden und nur wenige Eltern kümmern sich um deren politische Aufklärung. Sie wollen oft selbst nicht aufgeklärt werden. Hauptsache der Euro rollt. Oder auch nicht. Dann ist man doppelt leise.

Im Lied über die Rote Fahne heißt es: Die Fahne ist niemals gefallen, so oft ihre Träger auch fielen ... 

Sie ist gefallen!

Das Lied mit Hannes Wader. HIER

*wird Archimedes zugeschrieben.


PS: Nachtrag: Sommer hat zwar gegen den nicht flächendeckenden Mindestlohn bei seiner 1.-Mai-Ansprache gewettert, aber er hat ja seine Verantwortung abgegeben. Da lässt es sich schön wettern. Als das Gesetz diskutiert wurde, hat er brav den Mund gehalten. Ich erinnere mich an keine Streiks, an keine Kundgebung, an keine lauten Diskussionen zum sogenannten Mindestlohn von Seiten der Gewerkschaft. Ich erinnere mich nur an das Lob, dass in Deutschland nun ein Hungermindestlohn irgendwann eingeführt werden soll, den die Gewerkschaft gefordert hat.




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