Mittwoch, 8. Oktober 2014

Nachtrag zum 7. Oktober

Der 7. Oktober - Feiertag der Republikgründung 1949 auf den Boden der DDR. Sogar ich habe das gestern vergessen. Vielleicht eine Entschuldigung: Ich lebe zeitlos, seit ich Rente beziehe!

Die CDU mag über Kohls Einschätzung zur friedlichen "Revolution" in der DDR pikiert sein. Nur, was Recht ist, muss Recht bleiben. Kohl hatte Recht, wenn er meinte, dass nicht die Bürgerrechtsbewegung den Anstoß zur Wiedervereinigung Deutschland gegeben hätte. 

Er sprach wahre Worte, wenn er meinte, dass es ganz falsch wäre, so zu tun, als wäre da plötzlich der heilige Geist über die Plätze in Leipzig gekommen und hätten die Welt verändert. 

Die sogenannte friedliche Revolution war und ist eine Legende, schön geschrieben, aber eben nicht ganz wahr. 

Wir kennen heute sogenannte Farb- und Blumenrevolutionen am laufenden Band. In Leipzig war ein Anfang der bunten Reihen von "Revolutionen". 

Viele Menschen, die an den Montagsdemos teil hatten, wurde missbraucht. Im Oktober wollte die breite Masse kein Bundesdeutschland. Sehr viele wollten einfach nur mehr Mitspracherechte, mehr Demokratie von unten und kein eingleisiges Denken mehr. An den Runden Tischen wurde darüber diskutiert, wie die Menschen ihr Leben, Wohnen und Arbeiten in die eigene Hände nehmen könnten. Über Kultur wurde diskutiert, wie sich die Beurteilung von Kunst ändern müsste. Damals kam kein Wort von: Wir wollen kapitalistisch werden. Es gab sehr viele Projekte von unten, gute Projekte, Projekte, die es wert waren Wirklichkeit zu werden. 

All diese Menschen wurden verraten, als der Westen im November öffentlich in die Montagsdemos eingriff und die Neonazis Gimmicks verteilte.

Verraten wurde die Idee von Demokratie, in dem plötzlich Sprechchöre erklangen, die gierig nach der DM riefen. Bis Januar 1990 wurde noch eifrig über ein neues sozialistisches System diskutiert. Es waren gute Diskussionen. Nur, zu dieser Zeit war die Freiheit schon keine mehr. Zu dieser Zeit hatte der Westen schon lange gewonnen. Im Tal der Ahnungslosen wurde Kohl gehuldigt.  Die Zeit der Konterrevolution war schon lange angelaufen.

Nun haben wir das, was viele Menschen herbeigesehnt haben. Wir können ein Auto kaufen, müssen nicht viele, viele Jahre darauf warten. Wir haben Bananen und anderes Gemüse, was es in der DDR selten gabe. Wir hören tagtäglich, wie schlimm es uns in der DDR gegangen ist. Wir erfahren, dass es nicht mal zu Weihnachten Apfelsinen gab. Ich kaufte komischerweise zu dieser Zeit immer welche in der Kaufhalle, also wird diese wohl in einer Parallelwelt gewesen sein. 

Damalige wirkliche Bürgerrechtler, wie ein Herr Schorlemmer, verschwanden in der Versenkung. Bürgerrechtler, die so taten, als ob sie welche wären, wie eine Merkel, ein Gauck, legten steile Karrieren hin. Im Sog dieser Opportunisten richteten sich andere Opportunisten als Fettaugen auf der Brühe im neuen System gemütlich ein.

Lebte ich in einem Unrechtsstaat? Ich hatte in der DDR Recht studiert. Unrecht ist die Abwesenheit von Recht und Gesetz. Unrecht kann auch subjektiv sein. Ich weiß es nicht, ob die DDR ein Unrechtsstaat je gewesen war.  Sicher sowohl als auch.

Leben wir heute in einem Rechtsstaat? Sowohl als auch. Es gibt keine Staaten, die für alle Menschen Rechtsstaaten sind. Beispiele gibt es dafür überall in der westlichen Welt. In den USA können farbige Menschen ein Lied von ihrem Leid singen. In Deutschland werden unter Gesetzesbruch Handydaten von Menschen gesammel, die sich gegen den Faschismus wenden und auf der anderen Seite die braune Soße wohlwollend betrachtet (der NSU-Prozess spricht Bände). In Deutschland wird man - unter Grundgesetzesbruch - ganz schnell zum Extremisten, wenn man das kapitalistische System als solches benennt und für ein menschlicheres System eintritt, bzw. sich darüber Gedanken macht. Das GG erlaubt diese Gedanken, in ihm ist kein kapitalistisches System als Ende der Geschichte vorgesehen. Einen Rechtsstaat kann ich somit nicht erkennen. Er tritt zu allererst in Kraft, wenn Nachbars Katze in deinen Garten pinkelt.

Wir haben die soziale Sicherheit eingetauscht gegen Autos, Maggi, Nestle und Marsriegel. 

Wir haben die soziale Sicherheit eingetauscht für Hartz4!

Wir haben das Menschsein eingetauscht für egoistische Ellbogen, die wir an unseren Nachbar ausprobieren. 

Wir haben das Menschsein eingetauscht für den Hass auf alles, was nicht so spießig ist und anders spricht.

Wir haben das Menschsein eingetauscht und uns zum unsozialen Mistvieh machen lassen. 

Wir haben die Freiheit eingetauscht, damit wir Kreuzchen machen dürfen bei Parteien und Politikern, die auf uns sch... 

Sind das die Bananen wert?

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PS: Jeder möge für sich einschätzen, ob er das WIR ist.


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